Nur mal so


Bei Sprüchen wie „das Leben ist kein Ponyhof“ oder „das Leben ist kein Wunschkonzert“ oder „- ist kein Selbstbedienungsladen“ oder „- kein Freizeitpark“ geht mir das Messer in der Tasche auf. Was bemüßigt Menschen, solcherlei Weisheiten abzusondern?
Meine Assoziationen dazu sind: Frostbeulen an den Eiern, Asseln an der Unterseite eines modrigen Brettes, die Samstags-Autowäsche, glänzende Glatzen, das Arbeitsamt (respektive die Agentur für Arbeit), Schnabeltassen, abgestandenes Bier, Parteitagssitzungen, die Neujahrsansprache des Bundespräsidenten, Mundgeruch, Kaffeefahrten, Fußgängerampeln, Haarnetze, Roy Black, Staubsaugen, Zahnarztrechnungen, Reihenhaussiedlungen, Schnorrer in der U-Bahn, kratzende Wollpullover, Familienfeiern, die Wechseljahre, Achselschweiß, die Nationalhymne, Krampfadern, Hochzeiten, Hamster im Hamsterrad, Fußpilz, die Deutschlandfahne, Soldaten im Gleichschritt, Blümchendichter(innen), Katzenhaare, nichtexistierende Außerirdische, dämliche Grußkarten, Kaugummis, Mickey Mouse, Hamburger, Roland Kaiser, Weihnachten, Schönheitschirurgen, Hostessen, Operetten, Frauenzeitschriften, Selbstbedienungsläden, Waschmittelwerbung, Geschlechtskrankheiten …
Nur gut, dass mir niemand diese Sprüche an den Kopf drückt. Keine Ahnung, warum ich draufkam – Frau Doktor Känguru sagt: „Das Letzte lass weg! Du musst dich nicht rechtfertigen.“

Fazit: Man regt sich immer über denselben Scheiß auf, und manchmal weiß man nicht mal, warum.

Gehirnsplitter - 12. Mrz. 16, 19:12

gestern abend bei anna gegessen und gemeinsam festgestellt: wir klagen, wenn wir klagen auf sehr hohem niveau...also anders gesagt. es geht uns schon recht gut...

bonanzaMARGOT - 12. Mrz. 16, 19:17

"wir jammern auf hohem niveau", das ist auch so ein spruch - lach! - bei dem mir das messer in der tasche aufgeht.
Gehirnsplitter - 12. Mrz. 16, 19:30

am aller schlimmsten ist: alles ist gut, alles ist gut.....bei dem spruch rollen sich bei mir die zehnägel zusammen bis unters kinn..
bonanzaMARGOT - 12. Mrz. 16, 19:38

na ja, kommt auf die situation an, und von wem es gesagt wird. als monster (kind) tat mir es ganz gut, wenn die mama sagte "alles ist gut, alles ist gut"..., um mir z.b. die angst zu nehmen.
KarenS - 12. Mrz. 16, 20:22

Ja, was bemüßigt Menschen solcherlei Weisheiten abzusondern? Meine Assoziationen dazu sind:

Dass das keine Weisheiten sind, sondern sie sich auf diese Art ihr Leben schön reden, auch wenn es ihnen beschissen geht. Nicht allen natürlich, denn es gibt tatsächlich schöne Momente im Leben, keine Frage. Die erlebtest und erlebst auch du, Herr Bonanza.

Es gibt ein Forum, in dem die meisten Mitglieder fast alle alt ( oder älter) und allein lebend sind, trotzdem ein hervorragendes Leben mit Partys, Pool, Sonne, stets in bester Gesellschaft, in den besten Restaurants verkehren, hochgebildet, sich also zu den Intellektuellen zählen...

sich aber virtuell auf primitivste Weise beschimpfen. Warum wohl??? Gerne schaue ich dort ab und an mal zu, sonst wüsste ich es nicht, und bekomme oftmals meinen Mund nicht mehr zu; immer noch.

Nicht alle, aber die meisten dort, sind „so“. Und jeder oder jede von ihnen hat stets - als guten Ratschlag – eine deiner genannten Weisheiten parat.

Sogar ( angebliche) Psychologen und Ärzte sind dort vertreten, die sich besonders gerne sehr intellektuell outen; sich ihre Kommentare (wohl) mühevoll ergoogeln:-)

Mein Fazit: Wir sind alle nur Menschen, die alle aus demselben Holz geschnitzt sind.

Manchmal bin ich schlecht, manchmal bin ich „gut“, und manchmal einfach nur eine Frau, die sich über dieses Leben mehr als nur wundert. Nein, inzwischen nicht mehr wirklich, denn ich habe endlich kapiert, dass das Leben ein Rätsel ist:-)

bonanzaMARGOT - 13. Mrz. 16, 08:11

und schon wieder ist sonntag

hi karens,
ich glaube, in diesem forum war ich nach meiner leselupe-zeit kurz vertreten, - kriegte dort von den vertretenen "blümchendichter(innen)" allerhand fiese (teils persönliche) kommentare. sie fühlten sich wohl durch mich in ihren elitären literaten-kreisen gestört.
es gibt menschen, die für sich eine meinungshoheit beanspruchen, und (was ich nie begreifen werde) es sammeln sich um sie eine reihe von speichelleckern. kritik an der herrschenen meinung ist tabu und wird von diesen leuten persönlich genommen. eine normale (sachliche) diskussion war meist unmöglich. mich packte regelrechter ekel... vor dieser literaten-mischpoke.

gegen ein paar weisheiten habe ich gar nichts, aber die meisten sind fürs klo.
rosenherz - 12. Mrz. 16, 23:03

Bitte, was sind Blümchendichter?

bonanzaMARGOT - 13. Mrz. 16, 08:20

blümchendichter

leute, die den begriff lyrik ziemlich eng fassen, sehr auf die form bedacht sind, die (in meinen augen) hübsche verse fürs poesiealbum verfassen, - sozusagen die spießer unter den poeten.
steppenhund - 12. Mrz. 16, 23:49

"Das Leben ist kein Ponyhof." ist ein Spruch, der mich auch aufregen kann. Allerdings - mit Verlaub gesagt - ist "das Messer, das in der Tasche aufgeht" von ähnlichem Kaliber.
Aber im Grunde ist es eher die Sprachverhunzung, die zu den unmöglichsten Metaphern verleitet. Wo ich mich noch mehr aufrege, sind die Werbeslogans wie "so muss ..." ergänzt durch ein Hauptwort oder ein transitives Zeitwort ohne Objekt. Beispiel: "So muss Blog" oder "So muss lieben".
-
Aber zum Aufregen habe ich ein schönes literarisches Beispiel des Dichters Weinheber.
Swar net Wien
Das Video hat den Vorteil, dass der Text auf hochdeutsch mitgeführt wird.

bonanzaMARGOT - 13. Mrz. 16, 08:54

Warum mir Sprüche wie „das Leben ist kein Ponyhof“ tierisch auf den Sack gehen, liegt an der darin verborgenen Anmaßung. Ich erinnere mich noch an Altbundeskanzler Kohls Ausspruch, Deutschland sei kein Freizeitpark. Damals war ich einige Monate Sozialhilfeempfänger und fühlte mich dadurch in meinem Stolz verletzt. Es stört mich bei solchen Aussagen die oberlehrerhafte Arroganz. Wenn ich was an Menschen hasse, dann genau das: ihr selbstgefälliges Auskotzen von Lebensweisheiten - die damit verbundene Herabwürdigung der Mitmenschen nach dem Motto: wenn nur alle so gescheit, fleißig, integer und selbstdiszipliniert wie ich wären… Wie gesagt: ich hasse solche Großkotze!
Sprüche desselben Geistes/Kalibers sind „wo gehobelt wird, da fallen Späne“ und „Arbeit macht frei“.

steppenhund - 13. Mrz. 16, 12:30

Zu Zeiten des Nationalsozialismus gab es noch bessere Sprüche:
Das Denken soll man den Pferden überlassen, die haben die größeren Köpfe.
-
Und mein Lieblingsspruch:
Arbeit macht Spass - und Spass kann ich nicht vertragen!

Schönen Sonntag :)
bonanzaMARGOT - 13. Mrz. 16, 19:53

danke

wurden diese sprüche von den nazis erfunden?

ich glaube, dass solche sprüche allgemein für jede sorte von arschlöchern* eine große anziehungskraft besitzen.

na ja. arbeit kann echt spaß machen.
aber frei macht sie sicher nicht!
spaßig finde ich, wenn überhaupt, alles nur unter alkohol (und das darf nicht wenig sein).

prost! - und einen schönen abend!


*ich meine keine hier anwesenden personen!
nömix - 13. Mrz. 16, 15:08

In Spanien gibt es eine gebräuchliche Redensart: "Das Leben ist kein Pferderennen." Bis heute hat noch niemand heraus­ge­funden, was sie eigentlich bedeuten soll.

bonanzaMARGOT - 13. Mrz. 16, 19:42

im internet fand ich dazu keinen eintrag.
sicher gibt es in allen ländern bzw. kulturen eine menge dämliche sprüche.
iGing - 14. Mrz. 16, 15:14

Diesen Spruch würde ich einfach dahingehend verstehen, dass man sich nicht abhetzen, sondern Dinge gelassen angehen soll. Denn zu gewinnen gibt es auch am Schluss rein gar nichts, wenn du die Zeit bis dahin nicht genießend zugebracht hast. So etwa.
bonanzaMARGOT - 14. Mrz. 16, 15:28

Klingt plausibel - seltsam nur, dass es noch niemand bis heute herausfand, wie nömix schreibt.

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