Berlin

Donnerstag, 1. August 2019

CSD Berlin


Als ich an der Absperrung stand, mein Bier trank und auf den Umzug wartete, durchströmte mich eine Welle des Stolzes, dass ich in einer solch aufgeschlossenen Stadt wie Berlin wohnte. Die Menschen (Jung und Alt), die beim CSD zusammenkamen, waren allesamt friedlich gesinnt und wollten nur eins: Für die Freie Liebe demonstrieren und Spaß haben. Nichts zu sehen von Rassisten, Nationalisten und anderem rückwärtsgewandtem Gesocks. Die hatten sich wahrscheinlich in ihre Mäuselöcher verkrochen oder betrachteten das Spektakel getarnt und kleinlaut vom Rande. Ich dachte bei mir: Bevor rechte oder islamistische Spinner in dieser Gesellschaft die Macht übernehmen, sind es die vielen toleranzgeprägten Menschen, die hier zusammenströmen, Schwule, Lesben, Transsexuelle… Mag sein, etwas zu viel Karneval, und die scheiß Technomusik ist auch nicht meins, aber was zählt, ist der weltoffene Geist dabei. Bei aller Kritik an dem oberflächlichen Gehabe meiner Mitmenschen, finde ich solche Events doch gut, weil sie für mehr Toleranz und Frieden werben. Ich halte es nur nicht lange im Getümmel aus. Egal ob mit oder ohne Bierbetäubung. Und auf Pillen stehe ich nicht.
War jedenfalls schön zu sehen, dass dieser Gesellschaft noch lange nicht der Sumpf rechter Ideologie droht – auch wenn einem bei manchen Nachrichten angst und bange werden kann. In Berlin jedenfalls ist Interkulturalität Programm. Und wem das nicht passt, der kann ja nach Hinterfurzingen ziehen*.



*frei nach Donald Trump

Sommer in Berlin


Kacke nochmal, die Woche schlauchte. Aber ich liebe den Sommer und will nicht über die hohen Temperaturen jammern. In der Sonne schwitzen und kaltes Bier trinken. Dazu meine Lieblingsmusik hören, verträumt in die Runde schauen. So lässt es sich leben. Nach ein/zwei Stunden zieht es aber auch mich in den Schatten. Seit Tagen trage ich ein neues Buch mit mir herum. Vielleicht beginne ich am Wochenende endlich mal mit der Lektüre. „Das Schlangenmaul“ von Jörg Fauser – sollte nach meinem Geschmack sein. Ist halt so, dass ich nach acht Stunden Tumordokumentation keine Lust mehr auf irgendeine kognitive Beschäftigung habe.

Heute keinen schweren Gedanken nachhängen, sondern nur blöde aus der Wäsche gucken – kann ich eh am besten. Mal sehen, wie ich durch den Tag komme. Später einen Abstecher zum Nollendorfplatz machen, am Straßenrand stehen und gaffen, wenn der CSD Umzug vorbeikommt. Danach von der Sonne das Hirn wegballern lassen und bierselig dahindösen…
Auf geht`s, junger Mann!

Samstag, 13. Juli 2019

Eine Woche rund ums Handy/Smartphone


Wie kann man so schusselig sein? Nach Feierabend wollte ich das Ding endlich klarmachen. Ich kaufte mir also einen geeigneten Versandkarton, faltete den zuhause zusammen, klebte die Paketmarke drauf, dachte daran, aus dem Smartphone die SIM-Karte zu nehmen, schaltete das Smartphone aus, steckte es zur Sicherheit in einen gepolsterten Umschlag, – diesen dann in den Karton, legte Reparaturschein und Kaufvertrag dazu… Fertig! Ich schwang mich auf mein Bike und radelte zum nahen DHL Shop, einer der unzähligen Kioske, die nebenbei noch Paketdienste anbieten. Danach gleich wieder zurück zur Wohnung – Uff! dachte ich, das wäre erledigt – nun nur noch mein altes Handy mit der SIM-Karte flott machen. Aber Pustekuchen! Ich alter Schussel hatte nur die Speicherkarte entfernt! In der Eile entnahm ich nur die Karte, die obenauf lag. Sollte ich nochmal zurückradeln? Ich stellte mir vor, wie ich dem Türken mein Missgeschick erklärte – nein, darauf hatte ich keinen Bock. Ich war müde. Ich wollte endlich vorm TV chillen und mir dabei etwas zwischen die Kiemen schieben.

Am nächsten Tag fuhr ich zum Telekomshop in den Potsdamer Platz Arkaden. Ein schöner kleiner Fahrradausflug nach Feierabend. Prima! Ich wollte wissen, ob ich vielleicht besser die Karte sperren lassen sollte. Auf jeden Fall musste ich wieder telefonieren können. Der Telekom-Mittarbeiter riet mir von einer Sperrung ab. Das Smartphone wäre schließlich nicht gestohlen, außerdem würde es mich 30 Euro kosten. Gut, er hatte mich so gut wie überzeugt – also kaufte ich mir für 15 Euro eine Prepaid-Karte und machte mein altes Handy damit flott. Für die Zeit der Reparatur bin ich nun freilich nicht auf meiner eigentlichen Rufnummer zu erreichen. Dazu muss ich erklären, dass ich zwar einen Festnetzanschluss habe, an welchem aber kein Telefon hängt. Überall gab ich meine Mobilnummer an. Hoffentlich dauert die Reparaturgeschichte nicht zu lange. Aber mich ruft sowieso kein Schwein an – meine privaten Kontakte tendieren gegen Null. Außer meinem Arbeitgeber (den Bürohühnern) und ein paar Bloggern würde niemand merken, wenn ich nicht mehr da wäre.

So weit so gut. Das alte Handy tuts auch. Allerdings fehlt es ihm an Speicherplatz. Im Biergarten höre ich ab und zu gern über Ohrstöpsel Musik. Also nach Feierabend erneut einen kleinen Ausflug gemacht, dieses Mal zur Mall of Berlin am Leipziger Platz. Dort gibt es einen Saturn-Markt. Schön. Ich hasse Einkaufscenter, insbesondere die, die wie Irrgärten angelegt sind. Und dann diese vielen Menschen, dieser überbordende Konsum – mir wird schlecht, wenn ich nur dran denke. Also ging ich stracks zum Saturn, besorgte mir die Speicherkarte und verließ diesen Ort kapitalistischer Verkommenheit schnell wieder.

Wider Erwarten riss gestern zum Feierabend ins Wochenende der Himmel auf. Ich saß im Biergarten und genoss über Ohrstöpsel meine Musik. Was für eine beknackte Welt, dachte ich immer wieder, gar nicht speziell auf meine Woche gemünzt, sondern ganz allgemein.

Samstag, 6. Juli 2019

Tja


Anscheinend wurde ich bei meiner Fahrt durch Polen derart durchgeschüttelt, dass nun eine Taste meines Outdoor-Smartphones (von mir unbemerkt) abfiel. Ärgerlich, da ich das Teil erst vor einem Jahr kaufte. Ich werde es wohl einschicken – schließlich habe ich Garantie drauf.
Nachher bei der Morgentoilette werde ich mich mal etwas sorgfältiger im Spiegel betrachten. Kann ja sein, dass an mir auch etwas abfiel. Ein Ohr zum Beispiel, oder so ein anderes Kleinteil…
Nein, ganz im Ernst: Oft bemerkt man kleine Veränderungen erst nach Tagen oder Wochen. Dazu zwei Beispiele: Erst einige Monate nach dem Einbruch (November 2015) fiel mir in einem hellsichtigen Moment auf, dass der Einbrecher auch das Sparschwein mit dem Kupfergeld mitgehen ließ. Eigentlich war es vom Bett aus gesehen gut sichtbar auf dem Kleiderschrank gestanden.
Und aktuell, als ich wie jeden Werktag in der Kupferkanne meine Mittagspause machte, beim Bier verträumt auf die Steinmetzstraße schaute, wurde mir plötzlich gewahr, dass die eigentlich unübersehbare Litfaßsäule verschwunden war. Ich sprach Gabi, die Bedienung, darauf an, und sie sagte, dass die schon einige Tage weg sei. Auch sie hatte es nicht gleich registriert.
Typisch Wahrnehmungspsychologie – wir kriegen weniger mit, als wir denken, und unseren Erinnerungen dürfen wir sowieso nicht vertrauen. Vieles ist vom Gehirn getürkt.

Sonntag, 2. Juni 2019

Glück gehabt


Es gibt wenige Tage, an denen ich zu Fuß unterwegs bin. Mein Fahrrad hatte ich in die Werkstatt gebracht, und ich befand mich mit meinen Einkäufen auf dem Nachhauseweg. Bereits von weitem konnte ich sehen, dass sich etwas auf der Höhe meiner Wohnung tat. Mit jedem Schritt, den ich näherkam, erkannte ich deutlicher, was ich mir bereits gedacht hatte. Das Ordnungsamt war angerückt und kassierte Radfahrer ab. Wegen dem Kopfsteinpflaster benutzt hier fast jeder Radler unerlaubt den Gehweg, der dazu auch wegen seiner Breite (ca. 6 Meter) einlädt. Vier Stadtpolizisten und Politessen hatten sich pro Straßenseite in Stellung gebracht. Die erwischten Übeltäter mussten sich ihre Belehrungen anhören. Einige diskutierten herum. Was für eine Scheißwelt, dachte ich bei mir. Hier ist genug Platz für Radfahrer und Fußgänger. Wozu die Fahrradfahrer aufs Kopfsteinpflaster in den Autoverkehr schicken? Für die Sicherheit? Blödsinn – viele Wege, z.B. in Parkanlagen, müssen sich Fußgänger und Radfahrer teilen, und die sind nur halb so breit wie der Bürgersteig meiner Straße. Warum die Verkehrsteilnehmer in ein widersinnig enges Regelkorsett zwängen, welches pädagogisch kontraproduktiv ist? Wozu diese Entmündigung durch Behördengewalt? Freilich gibt`s immer Verkehrsrowdys, die Menschenleben gefährden, – egal ob als Fußgänger, Radfahrer oder im Auto unterwegs. Bei denen habe ich auch kein Mitleid, wenn sie ordentlich zur Kasse gebeten werden… Es geht um ein achtsames Miteinander auf den Straßen und Wegen der Stadt, nicht um eine dumme Abgrenzung und das Herumreiten auf Regeln, die dem gesunden Menschenverstand widersprechen. Solche Ordnungsmaßnahmen haben sowieso null Effekt. Jedenfalls in Berlin. Gestern war gestern, und heute ist heute. Alles wie gehabt: Fußgänger und Radfahrer bewegen sich in vertrauter Lässigkeit vorbei an meinem Fenster*. Nachher hole ich mein (hoffentlich) repariertes Fahrrad ab. Mit geschärften Sinnen werde ich unterwegs sein, um rechtzeitig vom Bock zu springen…



*Die meisten Fußgänger sind so mit ihrem Smartphone beschäftigt, dass sie eh nichts mitkriegen.

Donnerstag, 30. Mai 2019

Aufpassen!


Ich merke schon: mein Humor ist heute zu tiefsinnig. Kommt vor, dass ich mich krumm und schief lache, während um mich herum alles peinlich schweigt. Das erste Mal geschah es bei meiner Geburt… Ich hatte keine Wahl – wusste noch nichts von der Welt und äußerte mich einfach frei Schnauze: Bäääääääääääääääääääääääääääääääääääääääääh! Schon damals erwartete ich von meinen Mitmenschen viel zu viel Selbstreflexion…
Man kann ungeheuer viel verkehrt machen im Leben. Würde man alles richtig machen, – wäre das Leben dann noch lustig? Wie lustig ist der Papst? (Immer noch keine Lacher?)
Gut, ich stelle mir also vor, dass ich nachher wählen gehe. Was wird heute eigentlich gewählt? Irgendwas mit Europa… Fragt mich bitte nichts Näheres. Ich mache also mein Kreuz und gehe wieder, in dem Bewusstsein als Staatsbürger und Europäer meine Pflicht getan zu haben. Beim Aufschließen des Fahrradschlosses komme ich ins Grübeln. Habe ich die richtige Partei angekreuzt? Eiskalt läuft es mir über den Rücken: Fuck! Fuck! Fuck! Ich vertat mich… Der Stress war einfach zu groß, und ich rutschte in die falsche Zeile… Ich muss sofort meine Stimme retten gehen, schoss es mir in den Kopf. Aber ist das überhaupt möglich? Ich ziehe also den Schlüssel wieder aus dem Fahrradschloss und eile zurück in die heiligen Gefilde des Wahllokals, eine fuckin` Berliner Gesamtschule übrigens.
Aufgeregt brülle ich: „Bäääääääääääääääääääääääääääääääääääääääääääääääääääääh! – ich habe aus Versehen falsch angekreuzt!!!“ Und ein Typ, der aussieht wie der Weihnachtsmann ohne Bart antwortet: „Tut mir leid, junger Mann, eine Korrektur ist nicht mehr möglich. Gewählt ist gewählt…“
„Aber das kann doch nicht sein!!“ schimpfe ich völlig außer mir, „selbst eine Heirat kann man binnen 24 Stunden annullieren!“
„Wie sollen wir denn ihren Wahlzettel identifizieren? Das ist nicht machbar. Bitte stören sie nicht weiter den Wahlbetrieb.“
„Auf dem Wahlzettel müssen meine Fingerabdrücke sein“, sage ich schnell, und bin froh über diesen Einfall. „Ja, da hat er recht“, höre ich nun um mich herum einige Stimmen.
„Sowas ist nicht vorgesehen. Da könnte ja jeder kommen. Passen sie halt beim nächsten Mal besser auf… Gehen sie, oder ich lasse sie des Raumes verweisen!“ sagt der Weihnachtsmann ohne Bart und schaut inzwischen sehr verärgert aus der Wäsche.
Na gut, denke ich, ich will es nicht auf die Spitze treiben. Scheiß auf die Europawahl! Am Besten im Pub ein Bier trinken und runterkommen. Oder zuhause den Großen Preis von Monaco angucken – das sollte mich auch beruhigen.

Also liebe Leute, aufpassen, wo ihr heute Euer Kreuz macht…, und das ist mein voller Ernst!

Ebbe


Da ich heute noch nichts anderes vorhabe, werde ich wohl wählen gehen – auch einen gültigen Wahlzettel abgeben, falls ich nicht zu doof dafür bin. Ich werde die Aktion in eine kleine Kiezrundfahrt einbetten. Irgendwann am späten Vormittag mit dem Fahrrad los düsen. Vorher warten auf die Waschmaschine, dem Ritual des Körperputzes frönen und auf dem Blog ein paar geistige Exkremente hinterlassen. Ach ja, und ein wenig mit den Hanteln trainieren, welche Anfang der Woche per Post kamen. Ausgerechnet mein Lieblingsnachbar, der Pole mit der großen Klappe hatte sie entgegengenommen.
Er: Was hast du bestellt, Nachbar?! Weißt du, wie schwer das Paket ist!?!
Ich: Ja, 10 Kilo.
Er: Ha, Ha! Weißt du, ich hab`s im Kreuz… (und Blablabla, während er so tut, als würde er nach dem Paket suchen). Sind da Bücher drin, Nachbar?
Ich: Nein, diesmal nicht.
Er: … so verdammt schwer! Unglaublich! (Endlich hat er das Paket hinter der Wohnungstür gefunden.)
Ich lächele bemüht freundlich: Du hättest es nicht annehmen müssen.
Er tut beleidig: Aber wir sind Nachbarn!
Ich nehme ihm das Paket ab und wende mich zum Gehen.
Er: Wir müssen mal ein Bier zusammen trinken, Ha, Ha!
Ich (bereits auf der Treppe): Ja klar. Danke nochmal fürs Entgegennehmen.

Uff! Ich nehme lieber den Weg zum Paketshop in Kauf, als die Paketsendungen bei diesem Arsch abzuholen. Ein Bier mit ihm trinken?? Nicht in tausend Jahren! Natürlich weiß er, dass ich mich über ihn und sein Gehabe ärgere. Jedes Mal, wenn wir uns begegnen, muss er einen dummen Spruch absondern oder mich zutexten. Er kann nicht einfach nur „Hallo!“ sagen.
Die Hanteln sind schon ordentlich schwer, liegen aber ganz gut in der Hand. Ich hoffe, dass mir bei den Übungen niemals eine entgleitet und auf den Fuß fällt – das wäre ganz großes Autsch!


Heute ist echt Ebbe in meinem Hirn – zerebraler Kahlschlag. Die Drinks wirkten auch schon mal besser.
Vielleicht noch das – mein Wort zum Wahlsonntag: Unbedingt vorher Scheißen gehen!

Sonntag, 5. Mai 2019

Lazy Sunday


Heute erfahre ich, dass das Paket bereits am Freitag bei einem Paket-Shop abgegeben wurde. Die Warterei gestern hätte ich mir also sparen können. Doof, wenn die Sendungsverfolgung nicht aktuell ist und auch keine Paketkarte im Briefkasten liegt. Egal jetzt. Hauptsache, ich weiß, wo ich`s abholen kann. Fast um die Ecke. Wenn ich Glück habe, ist sogar heute am Sonntag geöffnet. Die Angaben dazu im Internet sind widersprüchlich. Der Laden heißt Infinity und liegt gegenüber der Kneipe, wo ich immer Mittagspause mache, ein Spätkauf, wie es hier viele gibt. Manche von denen verdingen sich zusätzlich als Paket-Shop.

Der Morgen ist sonnig aber kalt. Die Waschmaschine läuft. Die Läufer von Küche und Flur sind dran. Ich mache nicht viel im Haushalt. Meine Büro-Kollegin kennt eine Polin, die putzt und wollte sie für mich fragen. Das ist nun schon einige Wochen her. Ich sollte mal vorsichtig nachhaken.
Wieso werden manche Menschen fauler und andere fleißiger geboren? Warum gehöre ich zu den eher faulen? Wieso wurde ich nicht mit ein bisschen mehr Ehrgeiz gesegnet? Ich will mich freilich nicht schlechter machen, als ich bin. Schätzungsweise bewege ich mich im unteren Mittelfeld… Also, wenn es einen Lazy-Index gäbe: in einer Skala von 1(stinkfaul) bis 10(vom Ehrgeiz zerfressen und scheiß selbstdiszipliniert) würde ich mir eine 4 geben. Hier in Berlin sogar eine 6-7.
Man ist eben, wie man ist. Mein Hauptproblem ist, dass ich an zu vielen Dingen zu wenig Spaß habe. Drum bin ich total stolz drauf, dass ich gestern die alten Bilderrahmen aus der Besenkammer räumte und entsorgte. Im Zuge dessen gleich noch ein paar alte Schachteln und Krimskrams weggeschmissen. Ich kann gar nicht aufhören, in die aufgeräumte Besenkammer zu schauen und mir selbst auf die Schulter zu klopfen.

Samstag, 4. Mai 2019

Alles nicht so einfach


Ich warte auf die Post, genaugenommen den DPD Paketlieferdienst. Ja, scheiße, ich hab`s gemacht. Ich gehöre zu den vielen Idioten, die sich ab und zu etwas bei dem Drecksverein Amazon bestellen.
In der Besenkammer stehen seit meinem Einzug gerahmte Aquarelle und Zeichnungen, altes Zeug. Die Bilder will ich aufheben und die vergammelten Rahmen entsorgen. Zur Aufbewahrung der alten Bilder benötige ich eine großformatige Kunstmappe, also schaute ich bei Amazon danach, weil`s so schön bequem ist und es da fast alles gibt. Ich bestellte mir gleich zwei (610 x 810). Heute Vormittag machte ich mich an die Arbeit, die Bilder aus den Rahmen zu nehmen. Das alte Gelump steht nun zum Wegschmeißen im Flur. Fehlen nur noch die Kunstmappen… Laut Sendungsverfolgung sollten sie bereits gestern Abend kommen.
Wieder etwas Ballast weniger, was auch gut für den nächsten Umzug ist. Ich mache mir Sorgen, dass die sowieso schon hohe Miete, die ich hier löhne, bald aufgestockt wird. Scheiß Gentrifizierung! Wenn man in Sachen Mieten die Nachrichten verfolgt, kann einem wirklich angst und bange werden. Besser nicht drüber nachdenken. Schon gar nicht über meine Zukunft mit einer Rente kaum höher als die Grundsicherung. Aber ob ich überhaupt noch zehn Jahre überstehe… Ich fühle mich manchmal unendlich müde. Gestern z.B. quälte ich mich zum Feierabend hin. Alles fiel mir unsäglich schwer. Ich wollte nur noch raus. Die Büro-Maloche macht mich total mürbe…

Der Wirt vom Pub war besser drauf als letzten Freitag. Die freitägliche Säuferliga lag in den letzten Zügen. Ich blätterte an der Bar in einer Illustrierten von der BVG mit dem sagenhaften Titel „Berlin lieben“. Offenbar wollen die Berliner Verkehrsbetriebe ihr Image aufpolieren. Ich guckte mir also die Bilder an – zum Lesen war ich zu faul. Auch interessierte mich das wenigste. Aus Mangel an anderer Stammkundschaft stellte sich der Wirt zu mir und laberte wie üblich über seine alltäglichen Befindlichkeiten. Er nuschelte. Ich verstand nicht alles. Ich nickte einfach und sonderte ein paar Bemerkungen ab, die zu allem passten wie „Alles nicht so einfach…“ oder „Da kann man nichts machen“. Er stellte Überlegungen an, wie er in zwei Jahren seinen Sechzigsten feiern sollte. Schon bei seinem Fünfzigsten waren über zweihundert Gäste gekommen. Es soll auf einem geeigneten Gelände im Freien stattfinden. „Und eine Band wird auch spielen?“ fragte ich. „Klar!“ meinte der Wirt. Ich nickte anerkennend und schaute ihn mir an, wie er hinter der Theke stand, einem Käppi auf dem wuscheligen Kopf, dem knittrigen T-Shirt mit irgendeinem lustigen Aufdruck, das über seinem Bauch spannte; wie er mit seinen großen glasigen Augen hin zur Potsdamer Straße und dem vorüberlaufenden Gewürm blickte. Sicher stellte er sich seinen großartigen sechzigsten Geburtstag vor…
In drei Jahren bin ich auch Sechzig – unglaublich! Was wird dann sein? Werde ich immer noch Tumorfälle dokumentieren, oder werde ich bis dahin selbst an Krebs erkrankt -, vielleicht krepiert sein? Werde ich noch hier wohnen? Und wie sieht`s mit den Frauen aus? Kommt da noch was?
Der Wirt spendierte mir einen Feierabend-Korn. Den konnte ich nicht ausschlagen. Er hoffte, dass Ramona diesmal etwas pünktlicher zur Ablösung da sein würde. Ich war zu müde, um bis zu ihrem Erscheinen zwischen 17 und 18 Uhr auszuharren. Dabei hätte ich ihr gern mal wieder in den Ausschnitt geguckt.

Montag, 15. April 2019

Lethargischer Blick in den Sonntag


Die Chinesen sind uns sechs Stunden voraus. In Shanghai fand der Der Große Preis von China statt. Sieger mal wieder Hamilton, Bottas auf Platz Zwei, Vettel Dritter. Nichts Aufregendes – im Prinzip die Fortsetzung der letzten Saison. Ferrari kriegt die Kurve nicht, und Mercedes zieht davon. Ich mag den bodenständigen Vettel lieber als den Sunny Boy Hamilton. Ich würde Vettel mal wieder einen Sieg gönnen. Aber es soll nicht sein. Nicht seine Zeit, nicht die Zeit von Ferrari.
Unruhig wie ein Tiger im Käfig wandere ich durch die Wohnung, wische das Blut auf, lüfte, putze da und dort Staub. Draußen pisst es. Das Pflaster glänzt vor Nässe. Scheiße aber auch! Am Abend stieß ich im Dunkeln brutal mit dem linken großen Zeh an eine Möbelkante. Autsch! Ich bemerkte zuerst gar nicht, dass ich wie ein Schwein blutete. Notdürftig umwickelte ich die Wunde mit einem Kleenex Tuch und lagerte das Bein hoch, aber da hatte ich bereits eine anständige Blutspur hinterlassen.
Ich schalte den Fernseher wieder aus und meinen Lieblingsbluessender Aardvark an. Der läuft eigentlich immer, wenn ich nicht gerade in die Glotze schaue. Ab und zu höre ich auch meine Lieblingsmusik auf Spotify, nur stören mich die bescheuerten, überlauten Werbeeinblendungen. Trotzdem werde ich nie ein Bezahl-Abo eingehen. Auch nicht auf WordPress oder einer anderen Plattform. Scheiß Kapitalisten! Sie wollen einen weichkochen – aber nicht mit mir! Ich weiß, sie haben die Welt längst im Sack. Widerwillig schaue ich mir ihr Drecksspiel an. Auch mich halten sie freilich an der Leine, aber zähmen werden sie mich nie!
Um etwas Gemütlichkeit aufkommen zu lassen, zünde ich ein paar Kerzen an. Dann gehe ich auf eine Porno Seite und hole mir einen runter. Bedürfnisse müssen befriedigt werden. Ist doch nichts dabei. Noch geht`s… Noch genieße ich das bisschen Freiheit, das ich hier in Berlin habe. Wenn erstmal die Chinesen die Kontrolle übernehmen, hat sich das auch. Die Chinesen sind groß im Kommen. Sie streben die Weltherrschaft an – da bin ich mir ganz sicher! Die Zukunft wird ein weltumspannender chinesischer Kakerlaken-Staat sein. Sie krabbeln bereits zu Tausenden durch Berlin – wie ferngesteuert – und kundschaften aus, was ihnen sowieso bald gehört.
Ich bin kein besonders ängstlicher Mensch. Ich frage mich nur in aller Regelmäßigkeit: Wozu das alles? Wozu die materialistischen und ideologischen Perversionen menschlichen Treibens? Wer hat uns ins Gehirn gekackt??
Ich suche die Zeitanzeige auf der Fußleiste meines Notebooks. Ich warte, bis eine Minute rum ist. Ich warte auf die nächste und übernächste Minute. So geht das. Das ist Zeit. Darum sitze ich hier. Es ist meine Lebenszeit.

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