Donnerstag, 19. September 2013

Übrigens


Als Single gewöhnte ich mir an, den Fernseher nebenbei laufen zu lassen. Der Klang menschlicher Stimmen schafft mir das Gefühl, nicht ganz alleine zu sein. Außerdem tut etwas Ablenkung von meinem Kopfsalat ganz gut. Ich lasse mich von dem Gerede und den Bildern gedanklich entführen.
Morgens nach dem Nachtdienst schalte ich das Frühstücksfernsehen ein, esse eine Kleinigkeit und dämmere langsam weg.
Irgendwann weckte mich ein rhythmisches Brummen. Das TV hatte keinen Empfang mehr. Ich dachte, dass ich auf der Fernbedienung lag und etwas verstellt hatte. Müde schaltete ich die Kiste ab.

Nun musste ich zu meinem Leidwesen feststellen, dass der Sat-Receiver meines Vermieters wahrscheinlich den Geist aufgab. Das Nachmittagsprogramm fällt aus. Stattdessen höre ich Musik.
Ich werde es überleben. Vielleicht hat mein Vermieter einen Ersatz-Receiver.
Wiedermal denke ich: Ist es nicht scheußlich, wie sehr man sich an TV, Computer, Handy, Automobil etc. gewöhnte? Wir leben in alltäglichen Abhängigkeiten zu diesen Geräten, und wenn eines ausfällt, gucken wir erst mal dumm aus der Wäsche.
Natürlich nervt mich auch, dass ich nachher wegen der Sache bei meinem Vermieter klingeln muss.

Es hörte (übrigens) auf zu regnen. Ein paar Sonnenstrahlen dringen durch die Wolkendecke. Die Nachtdienste hängen noch an mir wie Schlick und Algen an einem Seemonster. Ich tauche langsam auf. Ich höre Musik. Ich versuche, die Gespenster, die ich aus der Nacht mitnahm, zurück in ihre dunklen Kammern zu schicken. Das Altenheim existiert in einer Parallelwelt.

Mittwoch, 18. September 2013

Mir fällt nichts ein


It`s raining cats and dogs. Müsste ich nicht in den Nachtdienst, könnte ich mich mit dem Regen anfreunden. Die Kollegen werden mal wieder sagen: „Hast du das Wetter mitgebracht?“ Und ich werde grinsen und nichts sagen, weil mir nichts darauf einfällt.
Mir fällt nichts ein. Gestern nicht, heute nicht. Vielleicht morgen, wenn ich ausgeschlafen habe – und es immer noch regnet ...

Dienstag, 17. September 2013

TV-Tipp:

"Brokeback Mountain", 20 Uhr 15, 3sat

Montag, 16. September 2013

Mitgefangen, mitgehangen


Das Leben ist ein Labyrinth. Oder eine Art Spinnennetz. Vielleicht beides. Die Kreuzspinne baute ihr Netz vor meinem Fenster bereits wieder ab. Es gab dort wohl nichts für sie zu holen. Wir Menschen tun uns schwerer mit dem Auf- und Abbauen unseres Zuhauses. Wir scheinen manchmal regelrecht an einem Ort festzukleben – auch wenn es dort nichts mehr zu holen gibt. Na ja, Spinnen haben es aber auch einfacher. Sie kennen weder Grenzen noch Bürokratie. Sowieso haben sie keinen Arbeitgeber.
Es ist leicht dahingesagt: Wechsel doch den Arbeitsplatz, wenn es dir stinkt. Ziehe um! Wer hindert dich daran?
Ich denke, dass ein Ortswechsel keine Probleme löst, sondern erst mal nur neue schafft. Ohne eine große Motivation oder triftige Gründe ist es ziemlich blödsinnig, die Zelte Hals über Kopf abzubrechen. Man sollte wenigstens einigermaßen wissen, was man will.
Ich frage mich oft, warum alles so umständlich ist. Ich bin neidisch auf die Freiheit der Spinne. Sie kriegt weder Post vom Finanzamt noch von der GEZ. Dabei gebe ich mir schon Mühe, nicht zu viele Abhängigkeiten einzugehen.

Mitgefangen mitgehangen: Alle paar Jahre dürfen wir zwar durch ein Kreuzchen mitbestimmen, wer zukünftig die Politik macht; aber unsere Steuern müssen wir immer zahlen.
Der Staat kommt mir manchmal wie eine überdimensionale Spinne vor, in deren Netz ich gefangen bin – und ausgesaugt werde. Ja, ich weiß: Das Allgemeinwohl muss finanziert werden. Und das Netz ist doch nur dazu da, um mich aufzufangen, wenn es mir mal schlecht gehen sollte. Da kriege ich fast einen Lachkrampf ...
Schön und gut.
Wenn es dir hier nicht gefällt, kannst du gehen. Wenn du glaubst, dass es woanders besser ist, dann gehe doch dort hin!
Und an diesem Punkt wird das Netz zu einem Labyrinth. Alles ist total verwirrend. Ohne Jura und Steuerrecht studiert zu haben, blickt man kaum durch. Die Spinne Staat kann ihre Bürger aussaugen, solange sie ihnen erfolgreich einredet, dass es ihnen noch verhältnismäßig gut geht, - und solange alles für den Ottonormalbürger schön kompliziert und unübersichtlich bleibt.
Zu dem labyrinthischen Spinnennetz gehören Banken, Versicherungen und Industriemagnaten. Sie werden immer fetter, und wenn sie doch mal drohen abzustürzen, retten wir sie mit unserem sauer verdienten Geld.

Wie frei sind wir? Wie frei wollen wir sein?

Am nächsten Sonntag haben wir in Deutschland Bundestagswahlen.

Sonntag, 15. September 2013

TV-Tipp:

"Columbo: Ruhe sanft, Mrs Columbo", 22 Uhr 15, SUPER RTL

Mein neuer Nachbar


Eine hübsche Kreuzspinne sponn über Nacht ein filigranes Netz vor meinem Fenster, in dessen Mitte sie nun stoisch hockt.
Ich sitze an meinem Schreibtisch kaum einen halben Meter von ihr entfernt. Sie wartet auf Beute und ich auf Einfälle. Wir können uns in die Augen schauen. Eine Lupe wäre jetzt hilfreich. Es kümmert sie nicht, wenn ich das Fenster öffne und ganz nah an ihr Netz komme. Nur wenn ich puste, zuckt sie kurz.





schärfer kriegte ich sie leider nicht mit meinem alten Iphone



Ich bin total fasziniert von der Kreuzspinne vor meinem Fenster. Eine schöne Sonntagsüberraschung.
Da hocken wir nun beide, jeder in seiner Welt, der eine Drinnen, der andere Draußen, jeder auf seine Art wunderlich ...

Samstag, 14. September 2013

Komm


Ich bin kein Stubenhocker, und doch hocke ich viel in Stuben – zuhause, im Altenheim, in Kneipen.
Kälte, Wind und Regen verabschieden den Sommer. Noch ist die Natur vor meinem Fenster berstend grün. In mir abwartende Unruhe. Wohin geht die Reise des Lebens?

Meine Seele ist aufgefüllt mit Bildern. Immer neue kommen hinzu. Die alten verblassen. Oder sie wechseln in andere Räume. Nur manchmal in der Nacht werden sie wieder lebendig. Die Vergangenheit bekommt ein anderes Gesicht. Die vergessenen Menschen sprechen mit anderen Stimmen. Wenn ich nur an die Herzen der Frauen denke, die ich liebte. Wenn ich an meine Freundschaften denke. Wenn ich an meine Eltern denke. Wenn ich an die Orte denke, die ich bereiste.

Es kommen die Monate der dicken Jacken und Mäntel. Das Lächeln der Sonne wird schmallippig. Die Liebespaare kriegen kalte Nasen. Ich sehe den Hauch ihres Atems. Der Sommer war warm, und doch wärmte er mich nicht. Ich sitze in meiner Stube und verharre in Gedanken. Das Leben ist ein Traum. Nur an einem einzigen Punkt wird es zur Wirklichkeit – Jetzt! Jetzt, immer jetzt.
Ich schenke mir ein Glas Sehnsucht ein. Und warte.

Donnerstag, 12. September 2013

Kinotipp fürs Wochenende

"The World`s End"

... und danach einen Trinken gehen.

Mittwoch, 11. September 2013

TV-Tipp:

"Muxmäuschenstill", 0 Uhr 20, Das Erste

Trotz verschiedener Welten


Man hat`s nicht leicht. Heute geht es nach einer Woche Frei zurück in den Nachtdienst. Das Ganze bei Regenwetter. Es ist so düster, dass ich ein paar Kerzen anzündete.
Gestern saß ich nochmal vorm Kaffeehaus. Ich setzte mich neben Klaus. Wir lästerten eine Weile über die nachlassende Aufmerksamkeit der Bedienungen. Mein Tisch war noch nass vom letzten Regenguss. Ich musste die Bedienung auffordern, einen Lappen zum Abputzen zu holen. Dabei kam ich mir vor, als hätte ich etwas Unmögliches verlangt. Ich maßregele ungern. Klaus ist schon frecher. Aber was heißt da frech? Man will ja lediglich ordentlich bedient werden. Der Service ist schließlich im Preis enthalten, und das Bier kostet inzwischen einiges. Wenn auch noch nicht so viel wie in der Schweiz oder in Österreich. Also, darüber unterhielten Klaus und ich uns ein Weilchen. Wir kamen zu dem Schluss, dass man in Deutschland noch ganz gut leben kann.
Das Wolkenloch über uns wurde größer. Und schließlich trocknete der Tisch von ganz alleine ab. Die Bedienung hatte nur fahrig darüber gewischt.
Zwei Bekannte von Klaus setzten sich dazu. Beide schon jenseits der Fünfzig. Sie gehören zu einer Clique, die sich vorm Kaffeehaus regelmäßig trifft. Meistens halte ich mich von ihnen fern. Einige sind gestandene Geschäftsleute. Außerdem mag ich keine Cliquen. Vor einigen Jahren rasselte ich mal mit ihnen aneinander. Ich saß an der Bar, und sie drängten mich indirekt von meinem Platz, weil sie anscheinend auf ein Gewohnheitsrecht pochten. Sie umringten mich und quatschten über meinen Kopf hinweg, bis ich mich freiwillig woanders hinsetzte. Okay, gegessener Käse.
Seitdem bekannt ist, dass ich Altenpfleger bin, wendet sich ab und zu der eine an mich. Wegen seiner Eltern oder Schwiegereltern. Ein paar Ratschläge kann ich schon geben. Es sind fast immer dieselben Probleme.
Gestern freute ich mich, dass ich etwas Gesellschaft hatte vorm Kaffeehaus. Sie witzelten über meine kurzen Hosen. Zugegeben, es war bereits etwas zu kühl, um in kurzen Hosen draußen zu sitzen. Vor uns saß ein Betrunkener, der ständig den Blickkontakt zu mir suchte. Im WC war ich zufällig neben ihm gestanden. Am liebsten hätte ich ihn ignoriert, wie es Klaus und die anderen taten. Betrunkene können auf eine unangenehme Art anhänglich werden. Ständig lamentierte er: „Ich bin 71 …“ Und Blablabla. Er fixierte mich und sagte: „Du bist ein edler Mensch“, das sähe er. Ich wollte mich von ihm abwenden, aber er legte nach: „Du bist mir sympathisch ...“ Nein, ich nahm nicht ernst, was er von sich gab. Aus Anstand hörte ich ihm weiterhin zu. Ich hoffte, dass er bald gehen würde. „Ich bin 71!“ krakeelte er.
Klaus und ich schauten uns an. Ich versuchte wieder in die Unterhaltung mit den anderen hineinzukommen.
Schließlich verabschiedeten sie sich. Der Betrunkene ging bald darauf. Ich trank das Hefeweizen aus. Mich fröstelte. War es falsch von mir, dass ich dem Betrunkenen zuhörte? Er tat mir nichts. Und doch war es eine peinliche Situation gewesen. Vielleicht sah er den Trinker in mir. Weiß der Teufel! Oder er sah den Altenpfleger … mit dem sozialen Gewissen. Es steht mir nicht auf der Stirn geschrieben, hoffe ich.

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