Freitag, 29. März 2013

Mama


Du hast mich geboren. Du hattest kein leichtes Leben. Als Kind erlebtest du den Weltkrieg. Als junge Frau den Weggang des Vaters, den du so sehr liebtest. Vor dem Mauerbau reistest du ihm mit deinem Ehemann in den Westen nach. Bescheiden und fleißig habt ihr zusammen eine bürgerliche Existenz aufgebaut ...

Soeben erreichte mich die Nachricht von deinem Tod. Während ich hier sitze, an dich denke, dir diese Zeilen schreibe. Du hast mich geboren. Mama. Nach einem Leben, das von Krieg, Entbehrungen und Krankheit bestimmt war – aber auch von Liebe und Güte.
Ich bin dein Sohn. Ich liebe dich.

Donnerstag, 28. März 2013

Auf der Suche nach Allen Ginsbergs "Das Geheul" - und andere Gedichte


Geduld ist nicht gerade meine höchste Tugend, wenn ich etwas will. Seit ich den Film „Howl - Das Geheul“ im Fernsehen sah, bin ich auf einen Gedichtband von Allen Ginsberg scharf, der auch das berühmte Gedicht „Das Geheul“ beinhalten sollte. Zuerst schaute ich bei Amazon. Da fand ich nur zwei Angebote. Beide lagen bei knapp 70 Euro! Alle anderen deutschen oder zweisprachigen Ausgaben waren vergriffen.
Auch eine Internet-Recherche brachte nichts. Okay, dachte ich, beiße ich in den sauren Apfel und bestelle eine der beiden Ausgaben. Bei dem Preis dachte ich an einen dicken Wälzer mit den gesammelten Werken. Wie überrascht war ich, als ich ein leichtes Päckchen erhielt ... Inhalt ein Taschenbüchlein – eine Ausgabe von 2004, die damals 8,90 Euro kostete! Ich griff zum Telefon und rief den Anbieter an, ein Buchantiquariat. Eine sympathische Frauenstimme meldete sich am anderen Ende und erklärte mir, dass diese Ausgabe deswegen so teuer sei, - weil ganz selten noch zu haben. Ich konnte das Zustandekommen des horrenden Preises trotzdem nicht nachvollziehen. Wir einigten uns darauf, dass ich das Taschenbuch zurücksende und im Gegenzuge den Kaufpreis rückerstattet bekomme. So weit so gut. Neugierig geworden, was es mit der Seltenheit von Ginsbergs Werken in deutscher Übersetzung auf sich hat, fragte ich an meinem Wohnort im Buchhandel nach. Tatsächlich ist zur Zeit alles vergriffen, insbesondere auch die Ausgabe, die ich bei Amazon bestellt hatte. Die Verkäuferin wolle aber selbst recherchieren, sagte sie.
Nun erhielt ich gestern ihren Anruf, dass ihre antiquarische Suche negativ ausfiel. Ich muss also auf eine Neuauflage warten oder selbst ein paar Antiquariate abgrasen.
Man muss sich mal vorstellen: dieser kleine Gedichtband wird bei Amazon zum fast 8fachen Kaufpreis angeboten! Dabei ist das Büchlein gerade mal 9 Jahre alt. Bei aller Liebe zur Literatur, da gedulde ich mich dann lieber noch ein Weilchen. Ich will das Buch zum Lesen und nicht für die Vitrine.

Mittwoch, 27. März 2013

Die Tage, die bleiben


Ich stelle mir das Leben bildlich wie einen Berg vor. Runter geht es schneller als hinauf. Wobei die Bergspitze eher einer Kuppe gleicht, die nur leicht gewölbt ist, so dass man ihr Überschreiten gar nicht recht wahrnimmt. Es ist leicht zu ignorieren, dass es in Zukunft abwärts gehen wird. Aber mit der Zeit nimmt man dann doch an Fahrt auf, und der Abbau ist nicht mehr zu leugnen. Anfangs ist es ein sanftes Gleiten. Man fühlte sich gerade noch prächtig, eben in der Mitte des Lebens. Man überschreitet die Fünfzig und will es nicht glauben. Die Jahre huschen immer schneller an einem vorüber. Die Schwerkraft der Vergänglichkeit hält einen im Bann. Es gibt kein Anhalten. Obwohl man das glauben könnte, wenn man sich z.B. alternde Stars in ihrem Bemühen des verzweifelten Abbremsens betrachtet. Oberflächlich scheinen sie zumindest einen Aufschub ihres Zerfalls hinzukriegen. Es ist auch nicht so, dass jeder Steuerungsversuch sinnlos wäre. Der Weg nach unten kann sehr kurvig sein. Sowieso gibt es immer auch die Gefahr des jähen Absturzes über eine Klippe oder in eine Spalte …


Die Mutter im Altenheim besucht. Ein großer Komplex, architektonisch und farblich nicht sehr ansprechend, aber innen alles sauber, modern und großzügig gestaltet. Ich war von dem Zimmer überrascht – sicher doppelt so groß wie die Zimmer in meiner Arbeitsstätte. Ich verbrachte den Nachmittag bis zum Abendessen bei ihr. Sie fühlt sich gut aufgehoben. Das Personal ist sehr nett, sagte sie, und sie bekommt viel Besuch. Ihr Zimmer ist wirklich hübsch und gemütlich. Wie aus dem Prospekt – wenn ich da an meinen Arbeitsplatz denke, wo alles mehr nach Pflegeheim aussieht und riecht, beengter und unordentlicher ist.
Ein ganzes Netzwerk von Menschen ist um meine Mutter bemüht. Ich kam mir beinahe fehl am Platze vor. Nun ist ihr nur noch zu wünschen, dass sich ihre Gesundheit stabilisiert, damit sie dort noch eine gute Zeit verbringen kann. Wenn der Frühling endlich kommt, kann sie im parkähnlich angelegten Außenbereich spazieren gehen. Auch einige Geschäfte sind zu Fuß gut zu erreichen.
Der Leimbach plätschert unweit vorbei. Kindheitserinnerungen werden wach. Ich tollte hier oft herum. Es veränderte sich zwar einiges, aber im Großen und Ganzen blieb das „Grundgerüst“. Ich war schnell wieder orientiert.
Mit dem Gefühl, dass Mutter gut untergebracht und versorgt ist, machte ich mich auf den Rückweg zu Fuß, mit Bus, S-Bahn, Straßenbahn ...



Jeder Mensch nimmt seinen Weg über den Berg des Lebens. Jedes Schicksal gestaltet sich anders. Es gibt nicht viel mehr zu sagen. Wir genießen die Tage, die bleiben.

Dienstag, 26. März 2013

TV-Tipp:

"Nokan - die Kunst des Ausklangs", 23 Uhr 15, WDR

Das rote Fahrrad




Das rote Fahrrad,
ich weiß nicht, wie lange es schon
an der Bushaltestelle steht,
gelehnt an einen Laternenpfahl,
die Reifen platt,
der Schaumstoff quillt aus dem Sattelbezug,
Rahmen und Felgen rosten vor sich hin.

Das rote Fahrrad
ist mir vertraut wie die Bushaltestelle selbst,
wir verbrachten Stunden gemeinsamen Wartens.
Es zieht meinen Blick jedesmal an, und ich
begrüße es wie einen Bekannten.
Wahrscheinlich würde mir etwas fehlen,
wenn es eines Tages nicht mehr dort stände.

Montag, 25. März 2013

TV-Tipp:

"Die Legende von Paul und Paula", 22 Uhr 50, MDR

Happy Hour




Mix mir einen kräftigen Worte-Cocktail

Sonntag, 24. März 2013

Error in application

oder: Ein Sonntag-Blues mehr


Papst auf Phoenix. Palmsonntag. Ich spüre Sonntage. Nicht nur wegen des Fernsehprogramms. Oder weil gestern Samstag war. Sonntage hängen in der Luft. Sie riechen nach Spießbürgertum, nach Familienausflug, Sonntagsbraten und Kaffeetrinken mit der Verwandtschaft. Eigentlich mag ich es ja, wenn es überall etwas ruhiger zugeht. Aber ich mag diese sonntägliche Ruhe nicht. Sie ist künstlich. Sie ist wie eine Beerdigung. Oder wie ein Konzertbesuch. Hust! Man wahrt den Schein, oder man hat den schönen Schein bereits verinnerlicht.
Sonntag steht quasi für Langeweile. Bitte kommt mir jetzt nicht damit, dass das an mir selbst liegt. Ich brauche nicht extra Sonntage zum Abhängen. Sowieso arbeite ich in einem Beruf, wo rund um die Uhr, an Werktagen ebenso wie an Feiertagen und Wochenenden, gearbeitet wird. Ich genieße diesen anarchistischen Geist. Ich brauche keine Wochentage wie Sonntage, die sich aus purer Gewohnheit oder Tradition besonders hervorheben. In meinen Augen ist das Willkür.
Jetzt scheint auch noch die Sonne. Von mir aus braucht sonntags nicht auch noch die Sonne zu scheinen. Das macht die Szenerie nur noch scheinheiliger. Nein, ich bin nicht depressiv. Ich bin froh über jede Sonnenstunde in diesem verflixten Jahr. Vielleicht bin ich genervt. Ich habe halt mal wieder dieses scheiß Sonntagsgefühl.
...

„Ich fühle mich total sonntag!“
„Was soll denn das heißen, Mann!?“
„Das soll heißen, ich bin scheiße drauf – wie Sonntag halt!“
„Ach so. Dann bin ich immer sonntag.“
„Ja, Mann, die ganze Welt ist irgendwie sonntag.“
„Selbst die Tussen?“
„Erst wenn du dich auf eine einlässt. Auf den ganzen Familienkram und so.“
„Fuck.“
„Yeah!“
„Scheiße, es ist heute den ganzen Tag Sonntag.“
„Sozusagen doppelt sonntag.“
„Was sollen wir machen?“
„Was wir immer sonntags machen.“
„Okay, gehen wir mal zur Tanke. Vielleicht hat die süße Maus wieder Dienst.“
„Haha, die Sonntagsmaus.“
„Lass uns losziehen, Alter, ich hab Durst.“
„Yeah, machen wir `nen Sonntagsspaziergang.“

(Selbst auf twoday.net tut sich heute nichts. Es kommt mir so vor, als ob es meist sonntags hängt. Error in application.)

Error in application – wat`n dat?“
„Steht fast immer auf deiner Stirn.“
„Quatsch, komm mal mit `ner Pulle rüber.“
„Da!“
„Danke, Alter. Error in application. Muss was ähnliches wie sonntag sein, was?“
„Im Prinzip dasselbe.“
„Wenigstens die Sonne scheint heute.“
„Ja, wir können froh sein, dass die Sonne noch nicht sonntag ist.“
„Und nicht error in application. Obwohl scheiß kalt ist, ehrlich gesagt.“
„Genau.“
„Prost! Wir haben echt den Durchblick.“
„Hm.“


Samstag, 23. März 2013

TV-Tipp:

"Öffne die Augen", 22 Uhr 30, ZDFkultur

Größen


Die Erde zischt schneller durchs All als eine Gewehrkugel. Überhaupt sind die Geschwindigkeiten in den unendlichen Weiten des Alls rasant. Ebenso wie wir uns die räumlichen Dimensionen nicht wirklich vorstellen können. Oder die gewaltigen Temperaturunterschiede. Und was ist ein Tag im Vergleich zum Alter des Universums? Überall werden wir mit wahnsinnigen Größenordnungen konfrontiert – im Mikro- wie im Makrokosmos. Unsere Existenz spielt sich in einem verschwindend kleinen Ausschnitt von all diesen „Größen“ ab. Wir leben in einer Nische. In einer Ritze, die so gut wie unsichtbar ist. Wir können zwar inzwischen durch moderne Technik den Blick immer weiter hinaus ins All wie auch hinein in die mikroskopisch feinen Strukturen der Materie richten, aber wir können nicht wirklich verstehen, was wir da sehen.
Mithilfe der Mathematik konnten wir Gesetzmäßigkeiten exakt formulieren. Inzwischen sprengt unser Wissen längst unser Vorstellungsvermögen. Die Quantenphysik setzte unser normales Denken außer Kraft. Kein menschliches Hirn versteht (bisher), wie etwas an zwei Orten gleichzeitig sein kann. Die Quantenwelt ist ein Sumpf für die Logik. Irrsinn und Ordnung durchdringen sich. Fraktale Muster ergeben sich …, bringen die ungeheure Vielfalt der Erscheinungen hervor, die uns gewahr wird. Und wir selbst sind Teil davon. Wir können uns nicht außerhalb stellen. Was uns hervorbrachte, sind wir selbst. Wir stellen eine Form denkender, sich selbst bewusster Materie dar, die sich nur unter sehr speziellen Bedingungen entwickeln konnte. Erst unser Denkapparat ermöglicht den fragenden Blick in unser Dasein und unsere Umgebung.
Der Mensch ist eine Größe für sich. Aber das dürfte sich relativieren, wenn wir zum ersten Mal auf außerirdische Intelligenzen treffen, die unserer Erkenntnisfähigkeit weit überlegen sind.
Ich glaube, es wäre ein ziemlicher Kultur-Schock! Wir würden für diese Aliens noch in einer Art Steinzeit leben. Vielleicht lächelten sie mitleidig ob unserer Bemühungen nach Größe und Erkenntnis.
Ich kann es nicht ändern. Bin ich halt nur eine Ameise, die in einem Gesteinsspalt auf und ab läuft und sich wundert.

Und nun werde ich mich wieder den unspektakulären, alltäglichen Dingen widmen – wie Bier trinken, Einkaufen gehen und hübschen Frauen auf den Arsch schauen.

(Ach! Wäre ich doch eine Ameise in deiner Pofalte.)

Freitag, 22. März 2013

TV-Tipp:

"Thumbsucker - Bleib wie du bist!", 22 Uhr 35, 3sat

Die Hoffnung stirbt zuletzt

oder: Was ist wahrscheinlich?


Seit langem füllte ich mal wieder einen Lottoschein aus. Sechs Tipps. Zwei Wochen Laufzeit. Ich kreuzte die Felder intuitiv an. Wahrscheinlich rausgeschmissenes Geld. Noch liegt der Lottoschein auf meinem Schreibtisch und harrt der Dinge, die da kommen. Haha, wahrscheinlich fallen meine Zahlen, wenn der Schein abgelaufen ist. Damit ich mich nicht schwarz ärgere, sollte ich nur in den nächsten zwei Wochen die Ziehungen verfolgen. Irgendwann kommt jede Zahlenkombination an die Reihe. Es ist nichts anderes als Würfeln mit einem Würfel, der 13,9 Millionen Seiten hat. Wenn also 13,9 Millionen Menschen jeweils einen anderen Tipp abgäben, hätte sicher einer die sechs Richtigen. Es ist über 375 tausendmal wahrscheinlicher im Roulette zu gewinnen, wenn man dort alles auf eine Zahl setzt.
Die Hoffnung stirbt zuletzt. Ich bin kein Zocker. Der Zufall lässt sich nicht überlisten. Außer man manipuliert. Jedenfalls ist es wesentlich wahrscheinlicher, dass ich am Wochenende eine Braut abschleppe, als dass ich mit meinen Lottozahlen Erfolg habe. Gar keine so schlechte Vorstellung.
Und wenn ich wider Erwarten im Lotto gewänne, würden mich die Bräute abschleppen ...
Wie ich mich kenne, kriege ich bestenfalls drei Richtige, und es bleibt beim Flirt.
Aber verdammt, ich werde diesen Lottoschein abgeben! Vielleicht hat der Namenlose ein Auge drauf. Man kann noch so sehr Atheist sein, irgendwie glaubt man doch an eine überirdische Macht. Und die soll einem gefälligst wohlgesonnen sein! Obwohl ich mit dem positiv Denken so meine Schwierigkeiten habe, ziehe ich doch in Erwägung, dass Wunder passieren könnten. Jeder neue Tag ist ein Wunder. Ein alltägliches Wunder halt.

Langsam dringt zu mir durch, dass die Sonne scheint. Ich werde mich mit dem Fahrrad in die Stadt aufmachen. Haha – es ist viel wahrscheinlicher, dass ich unterwegs einen Unfall habe, somit den Lottoschein gar nicht abgeben kann, als dass ich vorhin wirklich die sechs Richtigen ankreuzte. Ich stelle mir folgendes vor: Ich verunglückte tödlich, und ausgerechnet bei der morgigen Samstagsziehung kämen wirklich meine Zahlen!
Nun, wir werden sehen.

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