Mittwoch, 6. Februar 2013

TV-Tipp:

"Nord", 23 Uhr 15, BR

War das nun schon alles


Was ist richtig? Was ist falsch? Soll man auf den Verstand hören oder besser auf sein Bauchgefühl? Soll man den Ängsten nachgeben oder mutig handeln? Es gibt viele Lebenssituationen, wo man um eine Entscheidung bitterlich ringt. Ob richtig oder falsch – wird man vielleicht nie wissen. Man schlägt einen Weg ein und geht ihn. Es ist spekulativ, ob der andere Weg richtiger gewesen wäre.
Ich glaube, dass wir solche haarigen Entscheidung meist in Hinsicht auf das Gesamtkonzept unseres Lebens treffen. Auch wenn wir keine klare Zielvorgabe für unseren Lebensweg haben, geben uns doch innere Wegweiser die Richtung vor, wie z.B. in Sachen Religion, Politik, Partnerauswahl, etc.
Diese Wegweiser ergeben sich aus unserem Charakter, unseren Erfahrungen und unserer Lebenseinstellung. Ohne dass es uns unbedingt bewusst ist, entwickeln wir im Laufe unseres Lebens eine Art Leitfaden für unser Handeln und unsere Entscheidungen. Das kann ganz gut so sein, weil wir damit quasi auf der sicheren Seite stehen. Schließlich fuhren wir die ganze Zeit ganz gut nach diesem Konzept. Wir hinterfragen das nicht. Wozu auch? Die Konditionierung ist abgeschlossen. Schön und gut.
Bis eines lieben Tages doch das selbstkritische Hinterfragen kommt, weil wir krank sind, oder weil wir einen Schicksalsschlag erlitten, - weil uns immer drängender bewusst wird, dass sich in unserem Leben etwas ändern muss, weil wir sonst … abhängen, abstürzen, abkotzen, abnippeln.
Weil wir uns fragen: „War das nun schon alles?“

Jessas, wie das heute schneit! Und es bleibt doch nicht liegen. So vergeblich das Ganze. Aber schön anzusehen aus der warmen Wohnung heraus. Melancholische Musik dazu. „Lalena“ von Deep Purple. Seufz. Der Himmel ein Kreidefass. Tagträumerei.

War es richtig oder falsch? Ich weiß es nicht. Bin ich verloren? Ist mein Weg vorgezeichnet? Der Antiheld verkriecht sich in seinen Blues.

Massen von Weiß fallen vom Himmel. Wie schnell sich alles ändern kann. Aber für wie lange? Die meisten Veränderungen sind oberflächlich. Kosmetik.
Ich kann den Blick kaum abwenden vom Schneefallszenario. Wo ist eigentlich das Eichhörnchen heute? Sind ihm die Äste zu glatt?
Und dann taut es wieder. Diese Allegorie verwende ich gern für die Liebe. Sie verzaubert uns allzu schnell …
Ich wäre besser ein nüchternerer (ererer) Mensch. Wie mein Vater. Für ihn war ein Baumstamm in erster Linie ein potentielles Möbelstück. Und vielleicht würde er jetzt überlegen, wann draußen Schnee zu schippen wäre.

Können wir überhaupt unsere einmal gefasste Lebenseinstellung ändern? Oder umbauen? Wir müssen es wohl, wenn wir etwas ändern wollen. Wirklich ändern wollen.
Es muss halt realistisch sein. Und es braucht Zeit. Und manchmal schaffen wir es nicht allein.





Dienstag, 5. Februar 2013

Was mir heute durch den Kopf ging



„Aufgehobenheit in der Steilwand des Lebens“

„Hüpfende Möpse“

„Was ist eigentlich die Kirche?“

„Erst die Zeit schafft Liebe.“

„Ist es nicht seltsam, dass auf dem Kopf Haare wachsen?“

„Ich denke jeden Tag an dich.“

„Die Natur geht mir auf den Geist.“

„Immer wenn ich in den Spiegel schaue, fühle ich mich fetter, als ich bin.“

„Nichts wird je vergessen – nur die Erinnerung daran fehlt.“

„Die Lebenslust lässt sich nicht köpfen.“

„Ich denke an Düsseldorf.“

„Das Dumme ist, dass, wenn man die Dummheit der anderen erkennt, man zwangsweise auf die eigene Dummheit stößt, welche zu verleugnen ausserordentlich dumm wäre.“

„Wo sind die Blumen?“

„Hoffnung und Liebe haben gemeinsam, dass sie dich betrügen und du sie trotzdem brauchst.“

Montag, 4. Februar 2013

Die Arschwischmaschine ist krank


Eigentlich bin ich nicht der häusliche Typ. Zwischendurch, z.B. bei Krankheit, stelle ich dann überrascht fest , wie schön man es sich in den eigenen vier Wänden machen kann. Ich entdecke völlig neue Tätigkeiten wie Staubwischen, die Pflanzen gießen, Wäsche waschen, im Bett lesen, Suppe kochen ... Okay, nur nicht übertreiben. Ich hoffe, dass ich in ein paar Tagen wieder fit bin.

Wie vorhergesagt schlief ich heute nach dem Dienst wie ein Toter. Als ich aufwachte, hatte ich einen Moment lang keine Orientierung. War es Morgen oder Abend?
Auf dem Nachhauseweg am Morgen überraschten mich Schneetreiben und eisiger Wind. Im Tal ging der Schnee in Regen über. Na super, dachte ich, genau das richtige Wetter für einen Kranken, um noch kränker zu werden. Und wo war mein kleiner blauer Schirm? Ich musste ihn in dem Taxi vergessen haben, das ich am Freitag nahm, als ich den Bus verpasste. Shit!
Der lange Schlaf tat mir jedenfalls gut. Langsam komme ich in die Krankheits-Gewöhnungsphase. Man kann sich wirklich daran gewöhnen, dass es einem beschissen geht. Jede kleine Besserung wird dann vom Gehirn mit einem Glücksgefühl belohnt. Nicht übel. Erinnert mich an das taumelige Wohlsein nach gutem Sex.

Ich spüre, wie mich Konzentration und Kraft wieder verlassen – dabei war ich nur eine gute Stunde auf. Der Abend läuft auf TV und Tütensuppe hinaus. Ein Problem kranker alleine Lebender ist, dass niemand für sie einkauft, zur Apotheke geht, etc.

Sonntag, 3. Februar 2013

Last Stand

Noch eine Nachtwache, und dann verlasse ich sieben Tage nicht mehr das Bett. Selten so elend gefühlt. Es reicht. Nein, ich jammere nicht. Ich kämpfe.

Samstag, 2. Februar 2013

Hinbiegen




Ein Schatten auf dem Asphalt, der sich selbst bepinkelt

TV-Tipp:

"A Single Man", 22 Uhr 15, RBB

Treibsand


Gestern kam mir der Gedanke, was für eine unterschätzte Erfindung der Regenschirm doch ist. Im Dauerregen hätte ich beinahe angefangen, ihn gern zu benutzen, - meinen blauen Knirps, den ich mir zum vorletzten Geburtstag schenkte.
Der Wind der Zeit deckt meine Erinnerungen mit blauem Sand zu. So stelle ich mir es vor. Manche Dinge ragen noch aus dem Sand hervor. Und anderes sieht man nur noch in den Konturen. Der blaue Sand ist durchscheinend, fast wie Wasser. Er verschluckt Menschen, ganze Häuser, Städte … Stimmen, Gesichter, Berührungen … Ich sehe sogar mich. Ich weiß gar nicht, ob ich das bin.
Ich eilte im Regen zur Bushaltestelle, doch der Bus war schon weg. Fluchend sah ich in das Scheinwerferlicht der vorbeirauschenden Autos. Ich würde mal wieder mit dem Taxi zur Arbeit fahren.
Es heißt schon ganz richtig: „Im Regen stehen“.
2013 hatte noch nicht viele Sonnentage. Mir fällt nur einer ein. Vorhin, als ich aufwachte, war die Sonne kurz draußen. Schön, ins Sonnenlicht eines Tages zu blinzeln. Gerade im Winter leide ich als Nachtwache unter einer chronischen Lichtunterversorgung.
Vielleicht werden wir in der Zukunft wegen des Klimawandels viel mehr Regenschirme sehen, dachte ich, während ich auf das Taxi wartete.

Freitag, 1. Februar 2013

Stehend k.o.

Ich fühle mich wie ein Gespenst in schweren Eisenketten.


TV-Tipp:

"Leon - Der Profi", 22 Uhr 20, RTL II

Donnerstag, 31. Januar 2013

Dieser Winter ist nicht mein Winter


Der Wind peitschte den Regen unter den Schirm, so dass meine rechte Seite patschnass war. Ich stand an der provisorischen Bushaltestelle, wo es keinen Schutz gab. Die Folge ist, dass ich mich abermals mit Schnupfensymptomen herumschlage. Nachtdienst und Wetterumschwung taten ihr übriges, um das Immunsystem zu schwächen. „Dieser Winter ist nicht mein Winter“, kann ich nur immer wieder sagen. Ich fühle mich gewissermaßen dauerkrank. Das Herz ist wund.
Gegen Schnupfen und Halsweh mache ich mir ein heißes Glas Wasser mit Neo Citran. So findet das noch in Österreich gekaufte Grippemittel seine Anwendung. Ansonsten hoffe ich auf die Selbstheilungskräfte von Psyche und Körper.
Wenn nur die Nachtwachen einigermaßen problemlos verlaufen. Schon komisch: das Altenheim mit seiner Vertrautheit gibt mir zur Zeit etwas Trost und Halt. Die Arbeit dort lässt die eigenen Probleme und Nöte kleiner erscheinen, - stutzt sie auf Normalmaß. Selbstmitleid wäre angesichts der vielen gebrechlichen Alten und deren Lebensschicksale beinahe unanständig.
Trotzdem bin ich jeden Morgen froh, wenn ich dieser Klitsche den Rücken kehren kann.

Mittwoch, 30. Januar 2013

TV-Tipp:

"Occi gegen die Welt", 22 Uhr 40, ARTE

Zusammengekratzt


Ich komme vom Nachtdienst nach Hause und habe den Punkt erreicht, wo ich trotz Müdigkeit nicht schlafen kann. Die Konzentration fällt mir schwer. Ich fühle mich wie durch eine Wand aus Watte von der Wirklichkeit getrennt. Die Gedanken schleppen sich durch meinen Kopf, ein wenig wackelig. Wie schön wäre es, sich an einen warmen Körper zu schmiegen, ein Lächeln zu empfangen. Ich schalte den TV ein, damit ich nicht allein mit der Stille bin. Eine Dokumentation über Ausschwitz läuft. Zeitzeugen berichten von ihren Erlebnissen. Man könnte das Kotzen kriegen.
Ich öffne eine Dose Bier. Das Feierabendbier. Da sitze ich. Nach einer Nachtwache im Altenheim. Mitten im Leben und doch am Rand. Es ist ein bisschen wie Zugfahren. Ich fuhr am Einschlaf-Punkt vorbei. Ich fuhr an einer ganzen Menge vorbei. Beinahe fuhr ich mit dem Bus an meiner Haltestelle vorbei. Meine Busbegleiterin sagte: „Ich glaube, Sie müssen jetzt drücken.“ Sie ist Lehrerin in einer Behindertenschule, und wenn ich nach Hause fahre, fährt sie zur Arbeit. Meistens reden wir über unsere Arbeit. Die Problematiken ähneln sich in den sozialen Berufen. Wir sitzen etwa zwanzig Minuten nebeneinander im Bus. Dann muss ich aussteigen. „Schlafen Sie gut“, sagte sie. „Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag“, sagte ich.
Es tat gut, ein paar Worte gewechselt zu haben. Der Morgen dämmert. Ausschwitz ist vorbei. Eine andere Doku läuft …

ein literarisches Tagebuch

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