Dienstag, 20. November 2012

TV-Tipp:

"Nebelgrind", 20 Uhr 15, 3sat

Vorm Schlosshotel in Velden




Hach! Einen solch schönen Gedenkstein will ich auch mal haben!

Montag, 19. November 2012

Mein Leben ist ein Schwedenrätsel




voller kryptsicher Zeichen - die wenigsten kann ich deuten

Der Tod hat eine 1-Zimmerwohnung


der Tod hat eine 1-Zimmerwohnung in deiner Stadt
beim Bäcker steht er neben dir und bestellt sich
frische Brötchen
im Supermarkt wartet er irgendwo in deiner Schlange
seine Firma heißt L.E.B.E.N.
und er ist der Personalchef
seine Lieblingstätigkeit: Kündigen
der Tod rasiert sich sein abgewetztes Gesicht
und schminkt sich die hohlen Augen
er besticht den Busfahrer deiner Linie und
schreibt die Diagnosen deiner Ärzte
eines Abends, so wünsche ich`s mir, lädt er
mich ein in seine 1-Zimmerwohnung
und wir trinken Glühwein, weil`s bei ihm
so kalt ist, und ich erzähle mit zitternder
Stimme aus meinem Leben und frage ihn
woher ich ihn denn kenne
der Tod ist stumm und sitzt mir gegenüber wie
ein Bekannter, ich halte mich an der warmen Tasse
meine Lippen sind süß und klebrig
ich weiß, dass es besser ist, ihm die Hand zu reichen
denn eigentlich kann ich mich über seine Bewirtung
nicht beklagen
der Tod ist angetan von Leuten, die ihm seinen Job
nicht unnötig erschweren
und darum lächele ich am Ende, und er lächelt
glaub` ich, auch


(1992)


heute wieder ausgegraben

Zurück


Hatschiii! Meine Wohnung ist eingestaubt. Ich komme zurück, und alles ist noch an seinem Ort, nur eben mit einem dickeren Staubbelag. In zwei Wochen kann viel passieren – muss aber nicht. An der Elternfront nichts Neues. Und im Altenheim – ich träumte in den Nächten oft vom Altenheim – wird auch alles wie gehabt weiterlaufen. Ja, ich glaube, dass eine Bewohnerin inzwischen verstarb, denn wenn nicht, wäre es ein Wunder. Zurückkommen ist in jedem Fall seltsam, wenn man eine Zeitlang weg war. Auch wenn es nur zwei Wochen sind. Es ist verwirrend. Die Wirklichkeit hat Risse. Die Wirklichkeit ist nicht in jedem Falle wirklich. Abseits der Träume wird mir klar, dass alles eigentlich irreal ist. Es wurde mir nur eingeredet, dass alles so seine Richtigkeit hätte.
Günther Jauch talkt mit seinen Gästen über den Tod. Er hat einige Krebskranke mit der Diagnose „unheilbar“ in seine Sendung eingeladen. Auf Phoenix läuft die Wiederholung des Abendtalks. Eigentlich wollte ich Musik hören, aber ich lausche dem TV. Schon immer übte das Thema „Tod“ eine große Faszination auf mich aus. Vielleicht ist es seine Absurdität. Weil dies ein Grundgefühl in meinem Leben ist – schon das Dasein ist absurd. Wozu auf die Welt kommen, wenn ich eine Zeitspanne später wieder sterben muss? Ich kann darum auch nicht dankbar für das Leben sein. Natürlich mache auch ich, da ich schon mal da bin, das Beste aus der Situation. Doch die Schwermut bleibt unauflösbar in mein Wesen eingewoben. Ein Grund, warum ich keine (eigenen) Kinder wollte, ist, dass ich das Leben selbst im Grunde ablehne. Harter Tobak – denn zwischendurch lebe auch ich gerne. Doch immer blieb ich ein Fremder im Leben. Ich schaute mich um und wunderte mich. Womöglich habe ich einen Fehler in den Schaltkreisen meines Kopfes. Die Welt um mich herum erscheint mir jedenfalls völlig unsinnig, und in diese Welt auch noch Kinder zu setzen, das wäre wie die passionierte Bejahung dieser Unsinnigkeit. Nun ist die Familie auch in der Westlichen Hemisphäre (noch) Usus, was mich dazu verdammt, ein Leben am Rande der Gesellschaft zu führen. Nein, ich fühle mich deswegen nicht krank. Ich bin auch nicht wirklich unglücklich. Ich lebe einfach in einer schwierigen Disposition zu vielen Dingen, Traditionen, Bräuchen, Gewohnheiten, die den meisten Menschen selbstverständlich erscheinen, - welche so gut wie nie hinterfragt werden.
Dass ich lebe, ist ein Kompromiss, den ich gezwungenermaßen mache. Jeden Tag neu. Wenn überhaupt, dann liebe ich die Freiheit. Ich suche etwas, was im Leben nicht zu finden ist. Meine Wirklichkeit hat lange schon Risse. Ich löse mich auf. Was bleibt, ist etwas, das funktioniert, weil es dazu verdammt ist.
Jauch hat mit seinen Gästen zu ende diskutiert. Der Tod saß gutmütig im Publikum und klatschte. Ich schalte die Musik ein. Im Hintergrund läuft die Waschmaschine. Sie schleudert schon …

Sonntag, 18. November 2012

TV-Tipp:

"Formel 1: Großer Preis der USA", 19 Uhr 55, RTL

Mittwoch, 7. November 2012

TV-Tipp:

"Mission", 22 Uhr 45, RBB

Sonntag, 4. November 2012

TV-Tipp:

"Es war einmal in Amerika", 20 Uhr 15, ARTE

Gefühlt Herbst


Der Blätterwald vor meiner Tür lichtet sich zusehends. Auf dem Fußweg ein braun-gelber Laubteppich. Der Himmel grau mit einem hellen Fleck, wo die Sonne sich bemüht. Die Erde ist nass. Es riecht nach Fäulnis. Ich werde einen kleinen Spaziergang hinunter in die Stadt unternehmen, vorbei an dem alten Altenheim, die frische Herbstluft einsaugen. Auch die Bewegung wird mir gut tun, nachdem ich gestern in der Wohnung versackte.
Morgen um diese Uhrzeit rattert der EC mit mir Richtung Klagenfurt. Ich dürfte dann schon auf der Höhe von München sein – wahrscheinlich im Restaurantwagen etwas Zeit totschlagend. Daratt daratt daratt. Prima Sache, dass ich eine Freundin in Kärnten habe, auch wenn die Zugfahrt ganz schön enervierend sein kann. Den Urlaub habe ich nach Arbeitsstress und Familiendramatik dringend nötig.
Eine Feundin in der Karibik wäre freilich auch nicht schlecht gewesen. (Olivia, nicht hauen – autsch!)

Allen Bloggern und Lesern eine gute Zeit!

Samstag, 3. November 2012

Jetzt und Hier


Und nun. Ich sitze hier.

Aber. Jeden Tag sterben tausende von Menschen. Bisher starben immer nur andere.
Wir sehen es jeden Tag im TV.

Nun betrifft es meine Eltern. Wo stehe ich? Was empfinde ich?

Mein Rücken schmerzt von den vielem Hin- und Her in den Nachtwachen.
Die Alten sagen zu mir regelmäßig: Alt werden ist nicht schön.
Und ich antworte: Auch junge Menschen kann es erwischen.
Darauf sagen sie meist nichts.
Ich verstehe ihr Selbstmitleid.
Doch nervt es mich auch. Ich gehe von Zimmer zu Zimmer.
Seit Jahren. Und die Alten klammern sich an mich.
Für ein Gespräch oder etwas menschliche Zuwendung.
Sie haben ihr Leben hinter sich – das sagen sie selbst. Sie haben Angst vor dem Tod.
Das sagen sie selten direkt. Ein paar Wenige sagen, dass sie lieber sterben wollen.
Ohne Selbstmitleid. Und ihnen glaube ich auch. Wir lachen manchmal.
Das nennt man Schwarzen Humor.
Ich liebe die Alten, wenn sie noch … eine Übersicht behalten.
Euthanasie? „Nein“, sage ich.

Ich arbeite in einem christlichen Heim. Ich bin zwar als junger Mann aus der Kirche ausgetreten,
aber ich finde die christlichen Werte nicht schlecht. Mitmenschlichkeit und so weiter.
Die meisten Alten, die ich versorge, haben keinen Kontakt zu Gott. Sie fragen aber nach ihm.
Sie gehen in die Kirche, weil es gesellschaftlicher Duktus ist.
Es gibt gute und schlechte Pfarrer. Ich sah noch keinen, der mir die Sterbebegleitung in der Nacht abgenommen hätte.
Es wird von uns erwartet, dass wir das alles stemmen.
Ich frage mal nach, wo die Seelsorger sind (?!?)

Und nun. Meine Eltern. Irreversibel. Ich scheiße auf die Kirche, und ich scheiße auf unser Sozialsystem! Ich scheiße auf die Schule, und ich scheiße auf die Politiker!
Wem soll ich noch glauben? An was soll ich glauben?
Ein paar gute Menschen gibt es – und die werden erschossen oder ausgeschlossen.
Nein, einige überleben. Sogar unter uns.

Hier oder dort.
Nun ist es gut.

Der K(r)ampf geht weiter


Die Halloween Nacht im Altenheim verlief normal (beschissen). Man könnte auch sagen, dass im Altenheim immer Halloween ist. Bei den Eltern zuhause überstürzten sich die Ereignisse. Mutter hatte Vater trotz der dringenden Empfehlungen des Umfelds vom Krankenhaus wieder nach Hause genommen. Der Sozialdienst des Krankenhauses hätte eine Überleitung in ein Pflegeheim organisiert. Schon in der ersten Nacht spitzte sich die Situation im Elternhaus wieder zu, so dass Mutter völlig erschöpft am nächsten Morgen die Einweisung Vaters in ein Altenheim am Ort selbst bewerkstelligte. Inzwischen ist Vater in der Geriatrie. Sie wurden im Altenheim nicht mit ihm fertig. Seine Demenz ist so weit fortgeschritten, dass er nicht mehr einsichtsfähig ist. Er sieht nur die fremde Umgebung, dass Mutter nicht bei ihm ist, und dass der Rucksackverband zwickt.
Ich blicke auf zwei anstrengende und emotional bewegte, nervenaufreibende Wochen zurück.
Ich fühle mich ziemlich beschissen. Die vielen Nachtdienste und die Dramatik um meine Eltern machten mich fertig.

Gerade telefonierte ich mit meiner Mutter. Sie besucht heute meinen Vater in der Geriatrie. Und ich befürchte fast, dass sie ihn zurückholen wird, wenn sie ihn in einem bemitleidenswerten Zustand dort sieht. Vorsichtig mahnte ich sie nochmals, dass sie Vater unmöglich zuhause versorgen und pflegen kann. Ich erklärte ihr nochmals das Krankheitsbild Alzheimer Demenz.
Sie fragte mich, wann ich nach Kärnten fahre. Ich sagte: „Montag“. Sie fragte, ob ich zwei Wochen bleibe. Ich antwortete: „Ja, aber notfalls kann ich früher zurückfahren.“
„Du kannst Vater unmöglich zurück nach Hause holen“, betonte ich.
„Mal sehen“, meinte sie.
Sie war relativ knapp angebunden am Telefon. Ich denke, sie kocht ihr eigenes Süppchen. Möglicherweise holt sie ihn allein aus Trotz zurück.

Ich fühle mich wie in einem toten Winkel einer Saftpresse gefangen.

Freitag, 2. November 2012

TV-Tipp

"Die Reisen des Windes", 23 Uhr 10, ZDFkultur

Donnerstag, 1. November 2012

Katze am Fenster




abendlicher Besucher

ein literarisches Tagebuch

Kontakt



User Status

Du bist nicht angemeldet.

Aktuelle Beiträge

deine Gedanken und Geschichten
und nicht ein einziger Kommentar darunter ist schon...
kontor111 - 30. Jan, 10:18
alien-lösung? da ging...
alien-lösung? da ging was an mir vorbei. ist aber eh...
bonanzaMARGOT - 17. Nov, 13:08
richtig. ich dachte nur,...
richtig. ich dachte nur, dass ich es meinen lesern...
bonanzaMARGOT - 17. Nov, 13:05
Wo ist denn das Problem?...
Wo ist denn das Problem? Durch die „Alien-Lösung” von...
C. Araxe - 7. Nov, 22:06
Wenn du ohnehin eine...
Wenn du ohnehin eine neue Blogheimat gefunden hast...kann...
rosenherz - 2. Nov, 13:51
Liebe Leser(innen)
Dieser Blog ruht fortan. Leider ist die Resonanz hier...
bonanzaMARGOT - 02. Nov. 19, 13:39

Archiv

März 2026
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So
 
 
 
 
 
 
 1 
 2 
 3 
 4 
 5 
 6 
 7 
 8 
 9 
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30
31
 
 
 
 
 
 
 
 

Neues in boMAs prosaGEDICHTE-Blog

Suche

 

Extras



prosaGEDICHTE (... die Nacht ist gut für die Tinte, der Tag druckt die Seiten ...)

↑ Grab this Headline Animator


Von Nachtwachen und dicken Titten

↑ Grab this Headline Animator



Status

Online seit 6771 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 30. Jan, 10:18