Freitag, 29. Juni 2012

TV-Tipp:

"Thelma & Louise", 22 Uhr 25, 3sat

C`est la vie


Katerstimmung nach dem verlorenen Halbfinale. Die deutsche Mannschaft hat`s versiebt. Schon wieder gegen die Italiener – denen ich den Sieg gönne. Beim Fußball ist es manchmal wie verhext: Gegen England kriegten die Italiener in neunzig Minuten plus Verlängerung trotz andauerndem Sturmlauf kein Tor rein. Ich denke, dass bei zwei derart starken Mannschaften auch das Glück mit im Spiel ist, bzw. der Zufall. Gestern fehlte den Deutschen der glückliche Abschluss, während die Italiener zweimal ins Schwarze trafen. C`est la vie.
Noch habe ich leichtes Schädelbrummen. Dunkel erinnere ich mich an den Sportpub und die euphorische Stimmung, die bald durch die zwei Tore in der ersten Halbzeit gedämpft wurde. Da half auch der Alkohol nichts mehr. Vorher war ein heftiges Sommergewitter, die Luft wie aufgeladen. Der Regen, der wasserfallartig niederging, vertrieb mich aus dem Biergarten hinein in den schützenden Raum des Kaffeehauses. Die Bedienung, ein junger sympathischer Mann, beklagte sich bitter darüber, dass die Chefin keinen Fernseher aufgestellt hatte. „Gerade bei diesem Wetter“, sagte er, „wären dann wenigstens noch ein paar Gäste hier.“ Ich stimmte zu. Eine junge Frau kam herein und fragte, ob das hier fußballfreie Zone sei. Als wir nickten, suchte sie sich erleichtert einen Platz. „Tja“, meinte ich, „werde wohl ins Sportpub zum Gucken gehen.“
Ich erinnere mich an die freundliche Thai, die im Sportpub bediente. Die Frau vom Barbesitzer. Er saß zusammengekrümmt hinter der Theke und schaute wie ein doofer, trauriger (See)Hund aus der Wäsche. Manchmal frage ich mich, was die beiden für ein Liebesleben führen. Die Thai lächelte mich an und zapfte das nächste Bier. Die Deutschen verloren. Da auf dem Bildschirm. Alles schien irgendwie unwirklich.

Donnerstag, 28. Juni 2012

TV-Tipp:

"Fussball-EM, Halbfinale: Deutschland - Italien", 20 Uhr 45, Das Erste

Venedig (2)




Kanäle






Glaskunst auf Murano






ein Riese geht auf Reisen




Ein Riese zog an uns vorbei, ein Ozeanriese, der die Stadt überragte. Tausende Menschen standen auf seinen Decks und gafften auf Venedig, und wir gafften zurück. Ich war fassungslos, oder: mir blieb der Mund offen stehen (wenn ich nicht gerade ein Bier ansetzte). Monströs! Demgegenüber die filigrane Lagunenstadt, die Vaporettos wie Nussschalen. Modernität prallte brutal auf Nostalgie. Ich konnte mich nicht abwenden, bis das Ding an mir vorübergefahren war. Das Meer verschluckte es nach kurzem mühelos.

Mittwoch, 27. Juni 2012

TV-Tipp:

"Harry und Sally", 20 Uhr 15, kabel eins

(ich glaube, der Orgasmus geht noch besser)

Venedig (1)


Der doppelstöckige Intercitybus fuhr drei Stunden. Über Udine. Es war ein freundlicher Morgen. Die Autobahn führte entlang dem Kanaltal. Wir durchfuhren zig Tunnel. Dann lag plötzlich die Ebene vor uns. Es sah immer italienischer aus. Um uns die Zeit zu vertreiben, spielten wir Siebzehn und Vier. Ich gewann und durfte mir etwas geiles wünschen.
Im Hafen von Venedig lagen große Kreuzfahrtschiffe. Mit einem Vaporetto ging es durch den Canal Grande Richtung Hotel. Wir konnten uns gar nicht sattsehen an den Gebäuden, den Fassaden, dem Getümmel der Boote auf dem Wasser. Meeresgeruch stieg in unsere Nasen. Dann die ersten Meter bei leichtem Nieselregen durch die engen Gassen Venedigs. Es war erst Halb Zwölf. Das Zimmer war noch nicht bezugsfertig. Also deponierten wir das Gepäck im Hotel und zogen los.
Wir waren in Venedig! Wir hatten uns! Das Glück gluckste uns zu. Tausend Brücken – tausend Küsse. Und als wir uns schließlich im Hotel erfrischen und ausruhen konnten, löste ich meinen Spielgewinn ein. Was will Mann mehr?
Der Tag wurde noch heiß - wir waren gefangen von den vielfältigen neuen Eindrücken in diesem venezianischen Irrgarten von Gassen, Häuserzeilen, Plätzen und Kanälen ...






Tausend Brücken - tausend Küsse






Fassaden






Plätze

Dienstag, 26. Juni 2012

TV-Tipp:

"Die Spezialisten", 21 Uhr 45, BR

Back


Back. Back in the USSR. Nein, das Lied schoss mir nur durch den Kopf. Ich bin zurück. Zurück. Also hier. Aber was heißt das heute noch? Ich meine, wo alles verdrahtet ist, wo die Menschen ständig von A nach B fahren – die Kinder meiner Freundin fliegen in Kürze mit ihren Großeltern nach Ägypten. Das ist normal. Ich meine, das ist heute so: Kreuzfahrten, tausende Kilometer auf einen anderen Kontinent fliegen … Ich will es gar nicht kritisieren. Ich weiß nicht. Ich bin ratlos. In was für einer Welt leben wir? Die Augen quellen mir schon über, wenn ich sehe, was für dicke Autos über die Straßen brausen, als wäre es selbstverständlich: so eben ins Auto setzen und da- und dorthin fahren - zu riesigen Einkaufszentren oder Vergnügungsparks … Ich fühle mich seltsam fremd, als würde ich mich selbst nicht mehr kennen. Ich fühle mich innerlich zerrissen wie in der Pubertät. Es geschieht etwas, was ich nicht begreife, weil es irre ist, und alle um mich herum machen so, als wäre es stinknormal. („Stinknormal“). Aber niemandem scheint es zu stinken.
Ich bin zurück. Drei Wochen Urlaub liegen hinter mir, und morgen geht es zurück ins Altenheim zum Nachtdienst. Ich war in Kärnten. Das ist auch ganz schön weit: acht Stunden Zugfahrt. Ich verreise eigentlich ganz gern. Aber umso mehr ich mich auf die Geschwindigkeit von Auto, Bus und Bahn einlasse, desto fremder fühle ich mich auf der Welt. Vom Fliegen ganz zu schweigen. Ich bin Fünfzig und flog noch nie. Nein, ich habe keine Angst vorm Fliegen. Glaube ich. Nein.
Back. Back in the USSR. Vielleicht bin ich zu langsam für diese Welt. Oder auf eine andere Weise zu schnell? Nein, mein Urlaub war schön. Sehr schön. Ich erlebte sehr viel. Ich war in Venedig und an anderen schönen Orten. Immer wieder muss ich darüber nachdenken, wie unterschiedlich wir Menschen Dinge wahrnehmen …, obwohl wir genau dasselbe sehen. Das ist überall so. Überall. Morgen wieder im Altenheim. An manchen Orten scheint diese Wahrnehmungsdiskrepanz besonders groß zu sein. Ich weiß nicht. Ich bin ratlos. Vielleicht auch nervös, weil ich noch nicht richtig angekommen bin. Dabei waren es doch nur drei Wochen. Ich meine, was sind schon drei Wochen? Aber mir kommt es vor, als ob ich vor einem Jahr oder so in den Zug nach Klagenfurt stieg. Drei Wochen, die wie im Flug vergingen.

Wie fremd und vertraut mir die Welt gleichsam ist. Dasselbe gilt für die Liebe – ein Vexierbild, das ich mal als Gesicht oder als Vase erkenne, - mal als Glück (Erfüllung) aber ab und zu als Gefängnis. Alles ändert sich beständig. Gestern küsste ich dich noch auf den Mund. Gestern maltest du mir mit dem Finger ein Herz auf die staubige Scheibe des Zuges, als ich für die Rückfahrt meinen Sitzplatz einnahm. Heute bin ich hier, und du bist dort – achthundert Kilometer entfernt. Die Orte durchmischen sich – sie sind Bilder eines Kartenspiels in meinem Kopf. Die Gewohnheit wird die Karten wieder ordnen. Irgendwie. Was will ich überhaupt? Nur eine Zugscheibe ist zwischen uns. Ich liebe dich.






Montag, 4. Juni 2012

Das Glück im Reisegepäck


Ich kann es noch gar nicht glauben: Ab morgen habe ich Urlaub! Wieder ist ein Jahr vergangen. 2011 fuhr ich mit dem Fahrrad an die Ostsee. Ich wusste nichts von Kärnten und Olivia. Wie das Leben seine Wendungen nimmt! Ich konnte mir vor einem Jahr noch nichts von dem vorstellen, was ich heute erlebe.
Ich packe eifrig meine sieben Sachen zusammen. Es wird diesmal keine Fahrradreise. Dafür werde ich ein wenig durch Kärnten radeln, den Ossiacher See erkunden … und hin zum Wörthersee. Aber das Wichtigste ist, dass ich die drei Wochen bei und mit Olivia verbringe! Das nächste Wochenende fahren wir nach Venedig. Mein Gott, wie lange ist das her, dass ich die Lagunenstadt besuchte! Wie gesagt, ich kann es noch gar nicht glauben.
Das Wetter heute transportiert allerdings herzlich wenig Urlaubsstimmung. Es ist kühl. Regenschauer und Sonne wechseln sich ab. Der grüne Urwald vor meiner Haustür platzt aus allen Nähten. Ich bin total durcheinander. Eine Nacht im Altenheim habe ich noch vor mir. Wann freute ich mich das letzte Mal so sehr auf den nächsten Tag, dass ich es kaum abwarten konnte? Das war als Kind am Vortag meines Geburtstages …, als ich mein erstes Fahrrad geschenkt bekam. Und ich weiß noch, dass sie es mir ins Zimmer stellten, während ich schlief, und als ich am Morgen aufwachte, sah ich die Konturen des Fahrrades im Dämmerlicht … wie ein Wunder vor mir auftauchen.
Ich nehme heute Abend das Reisegepäck mit ins Altenheim, um gleich in der Früh von dort aus zum Bahnhof zu starten. Der EC nach Klagenfurt geht kurz nach 9 Uhr.
So, und nun packe ich weiter. Ich will nichts vergessen.

Allen Bloggern und Lesern wünsche ich einen schönen Juni!

Sonntag, 3. Juni 2012

TV-Tipp:

"Brazil", 21 Uhr 40, ARTE

Samstag, 2. Juni 2012

Die Sonne scheint, die Vöglein zwitschern, und ich:

Aaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaahhhhhhhhhhhhhhhhhhhhh!!!!

So! Musste mal sein. Zu mehr bin ich heute auch nicht in der Lage.
Allen ein schönes Wochenende!

Freitag, 1. Juni 2012

Wer kann bei einer solchen Werbung ...



... "nein" zu einem brooks sattel sagen ??

TV-Tipp:

"Fleisch ist mein Gemüse", 23 Uhr 30, Das Erste

Der Sattel


Ich wollte nur meinen Ledersattel, der leicht durchgeritten ist, spannen lassen. Für den Brooks Sattel braucht man dazu ein spezielles Werkzeug. Der Fahrradhändler betrachtete sich meinen Sattel und runzelte bedenklich die Stirn. „Darf ich fragen, wie alt Sie sind? Haben Sie die Vierzig schon überschritten?“
„Längst“, antwortete ich. Und er wies mich ausführlich auf die Gefahren hin, die ein solch harter Sattel für die Prostata darstellte. „Wie viel fahren Sie denn so?“
„Auf meinen Fahrradreisen sind das in zwei Wochen schon mal tausend Kilometer.“
„Sie sollten unbedingt zum Urologen gehen“, meinte er mit ernster Miene, „ab einem gewissen Alter sollte man(n) sich untersuchen lassen.“
„Hm“, nickte ich zustimmend.
„Und auch den Darm“, fügte er ergänzend hinzu. Er hatte vergeblich an meinem Sattel mit dem Spezialwerkzeug herum geschraubt. Offenbar war das Gewinde der Einstellschraube kaputt.
Der Fahrradhändler wurde nicht müde zu betonen, wie wichtig es für mich sei, einen Urologen aufzusuchen, um meine Prostata checken zu lassen. Inzwischen stand eine Kundin bei uns, und mir war das Gespräch leicht peinlich. Ich bedankte mich und wand mich zum Gehen. „Ich fahre gleich mal zum Urologen“, verabschiedete ich mich grinsend. Wahrscheinlich wollte er mir nur einen neuen Sattel aufschwatzen. Ich radelte weiter zum Supermarkt.
Meine letzte Prostatauntersuchung fand 2006 in der Urologie statt, mittels eines Ultraschallstabes. Ich erinnere mich noch gut, wie ich mich über die Krankenliege bücken musste und der Arzt mir den Stab rektal einführte. Ein Assistenzarzt schaute interessiert zu … (hust!) Damals musste es sein. Ich hatte eine Epiditymitis und war froh, dass man mir half. Toll fand ich diese Untersuchung wirklich nicht. Obwohl angeblich die Prostata das Pendant zum weiblichen G-Punkt darstellt.
Wer weiß - vielleicht entdecke ich noch durch einen Urologen … neue Freuden.

Inzwischen googelte ich nach dem Zusammenhang Fahrradsattel und Prostata und konnte erfahren, dass der Fahrradhändler gar nicht so unrecht hatte. Radfahren auf einem harten Sattel kann tatsächlich unangenehme Auswirkungen haben: es kann Ursache einer Prostatitis sein, und es kann zu Erektionsstörungen und sogar zur Impotenz führen. (Schon mal was vom nervus pudendus gehört?) Meine Virilität will ich freilich nicht durch einen zu harten oder falschen Fahrradsattel gefährdet sehen. Das gibt mir dann doch zu denken.
Auch ohne den Fahrradhändler weiß ich, dass ich mal wieder zu meinem Hausarzt gehen sollte. Der wird mir sagen, welche Vorsorgeuntersuchungen für einen ins Alter gekommenen Jungen wie mich langsam fällig werden.
Am Brooks Sattel halte ich aber vorerst fest. Wir waren in den letzten Jahren ein gutes Team.

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