Donnerstag, 31. Mai 2012

Einfach so



Tage verschwinden - einfach so
im Malstrom der Zeit
während ich mich noch am Rand halte
...
im Altenheim blicke ich den Greisen
und Greisinnen ins Gesicht
sie sind dabei, verschluckt zu werden
und sie spüren es
sie werden zur Zeit selbst, zu Monumenten der Zeit
bevor sie vollständig untergehen
ich schaue ihnen dabei zu
ich schaue in den letzten Funken Hoffnung
erlebe manchmal den Moment
wo sie zu Leichen werden
es ist wie das Abreißen eines Fadens
einfach so
und hernach halte ich die losen Enden
in meinen Händen
um mich zu fragen, was das war
wo der Mensch hin ist
und weiß, dass eines Tages dasselbe
mit mir
passieren wird
auch ich werde Angst haben
dagegen ankämpfen
vielleicht
die Welt verfluchen
oder bereits jenseits von Gut und Böse
dahinvegetieren
...
all die alten, verwelkten Hände, die ich hielt
loslassen musste
all die traurigen Augen, in die ich blickte
und konnte sie nicht trösten
all die schmerzverkrümmten Gestalten
denen ich keine Linderung
bringen konnte
verfolgen mich Tag für Tag
bis an mein Ende




(31.05.2012)

Dieses Mysterium ist unser Mysterium


Die Erde sei nur eine Reality-Show für Ausserirdische. Es lief South Park, als ich in der Nacht aufwachte. Ganz schön abgefahren. Die Idee hätte von mir sein können. Ich träumte von einem Supermarkt, durch den man schwimmen konnte wie in einem Hallenbad. Zwei Schwule hatten sich Lutscher in ihre Hintern gesteckt; und nur die Stiele schauten aus dem Wasser, als sie durch die Regalreihen schwammen. Wir lachten uns kaputt. Im Traum.
Heute Morgen sagte ich Dir Guten Morgen. In vier Tagen komme ich. Mal sehen, was das wird mit uns. Eine Freundin von Dir lud Dich zum Essen ein in Annenheim am Ossiachersee. Sie ist es Dir noch von einer alten Wette schuldig. Ich denke an Dich. Manchmal hasten wir in Sekundenschnelle eine Treppe hoch, und ein andermal stehen wir vor zwei Stufen, die uns unüberwindbar scheinen.
Vielleicht sind die Sterne am Himmel nicht wirklich. Sie sind viel zu weit weg, um wirklich zu sein.
Ich spüre deine Hand, wie sie in der meinen liegt. Ich blicke in die Zukunft wie durch ein Fernrohr. Ich sehe uns nebeneinander im See schwimmen (ohne Lutscher in unseren Hintern) und lachen. Mein Herz klopft. Die Liebe ist ein Stern, den man sich vom Himmel holen muss. Nur manche Tage scheinen die Sterne viel zu weit weg.
Was war das eigentlich für eine Wette? Verrätst Du es mir?

Mittwoch, 30. Mai 2012

When a blind Man cries




die alte Version ist besser, aber nichtsdestotrotz ...

I`m a blind Man


Ich habe zwar ab und zu Probleme mit meinem Selbstwertgefühl, aber ich bin nicht plemplem.
Das ging mir spontan durch den Kopf, als ich vorhin auf dem Klo saß. Es verletzt mich, wenn man mir mangelndes Einfühlungsvermögen vorwirft. Ich weiß gut, dass ich nicht immer richtig liege mit meinen Einschätzungen. Drum lenke ich normalerweise ein, wenn verschiedene Ansichten aufeinanderprallen – nachdem ich meine Sichtweise (nochmal) in ruhigem Ton erklärte. Zum Kuschen bin ich nicht geboren. Auf der anderen Seite will ich nicht besserwisserisch auftreten. Ich weiß nicht, ob`s immer klappt. Sicher bin ich ein Dickkopf.
Also, ich weiß nicht, wie ich es erklären soll. Ich suche nach einem Bild. Ein Mensch macht mir zum Vorwurf, dass ich alles, was er sagt, ins Gegenteil verkehre. Dabei ist es nicht so. Ich schwöre! Ich bin doch nicht plemplem. Aber ich bin ziemlich verunsichert. Und als verunsicherter Mensch suche ich Schutz, ziehe mich zurück. Was bleibt in einer Diskussion noch zu sagen, wenn einem subargumentativ der Wind aus den Segeln genommen wird? Wir hören oder lesen halt oft nur das, was wir wollen.
Ich bewege mich im Nebel. Schritt für Schritt. Konturen erscheinen und verschwinden wieder. Ich finde eine Hand und sie löst sich wieder von der meinen. Ich rudere mit den Armen im Nebel herum. Es ist kein Spiel. Ich muss weitergehen. Immer weiter. Wo bist Du? Wo ist überhaupt irgendwas?
Wenn alles Schimären sind, kann ich mich genauso gut ins Bett legen und meinen Tod abwarten. Dazu höre ich Hard Rock – zum Beispiel die alten Deep Purple. Ich verliere die Orientierung und betäube mich. Es ist das Einzige, was ich kann. Ich sagte bereits, dass ich Probleme mit dem Selbstwertgefühl habe. Aber ich bin nicht plemplem.
Scheiße. Der Tag verdüstert sich. Der wuchtige alte Baum vor meinem Fenster raunt mir Dinge in seiner Sprache zu. Wir schauen uns einfach nur an. Was weiß ich schon vom Leben? Was weiß ich von den Gedanken anderer Menschen, von ihren Sehnsüchten? Der alte Baum weiß viel mehr als ich. Bestimmt wird sich der Himmel bald erleichtern, und ich muss auch wieder aufs Klo. Richtig düster ist es jetzt, am frühen Nachmittag. Und plötzlich ist es still ...

TV-Tipp:

"Die drei Begräbnisse des Melquiades Estrada", 20 Uhr 15, ARTE

Dienstag, 29. Mai 2012

TV-Tipp:

"Michael Clayton", 21 Uhr 45, BR

Sommer




Aquarell, gemalt von Olivia

Montag, 28. Mai 2012

Wo bin ich?


Ich hangele mich von einem Gähnorgasmus zum nächsten. Ich frage mich, woher diese Schwäche und Abgeschlagenheit kommt. Die letzten zwei Nächte verliefen relativ ruhig. Es gab nur die üblichen Arbeiten. Werde ich langsam zu alt für dieses Nachtwachen-Leben? Wahrscheinlich ist man dafür aber nie im richtigen Alter. Kein Arbeitskollege ist zur Zeit scharf auf die Nachtdienste. Sie laugen einen aus. Es ist ein Mischmasch aus körperlicher und psychischer Erschöpfung. Dabei würde ich mich als ziemlich robusten Typen bezeichnen. Aber das ist vielleicht auch nur eine Etikette. Man ist sich selbst das größte Rätsel. Alle Menschen drehen sich im Kreis – wie Derwische. Die Alten reden von Krankheit und Sterben, von der Last am Leben zu sein, von der Bürde des Alters. Ich höre zu und entgegne Plattitüden. Ich sehe sie in ihren Betten liegen, gelähmt, spastisch verkrümmt mit aufgerissenen Augen, irre. Hinter jeder Tür ein anderes Schicksal, eine Horror-Karikatur des Lebens, - menschliche Ruinen, die an dem festhalten, was noch da ist. Alles dreht sich im Kreis – mit der Erde, durch die Tage und Nächte. Ein einsamer Tanz in Raum und Zeit, durch Vergeblichkeit und Hoffnung.
Ich blinzle müde in den Tag, versuche mich zu sammeln. Ich sehe mich selbst hier sitzen vorm Computer ... und im nächsten Moment im Altenheim funktionieren. Ich habe vergessen, warum ich dies alles mache. Ich wundere mich darüber, während ich weitermache. Es gibt kein Entkommen. Nur die Nacht. Sie hat eine tröstende Hand. Die Nacht ohne Schlaf, allein wie ein Astronaut in der Umlaufbahn der Erde. Die Nacht macht mich vergessen, wo ich bin ...

TV-Tipp:

"Der unauffällige Mr. Crane", 20 Uhr 15, ARTE

Sonntag, 27. Mai 2012

Fuck the Pfingsten


Schwül. Kein Lüftchen. Von wegen Sonne. Pfingstsonntag. Bis Mittag geschlafen. Der Nachtdienst wie meist. Windeln und Medikamente. Matschkopf.

Im Halbschlaf Spongebob Schwammkopf stundenlang. Irgendwie passend.

Der Berg wartet auf mich. Ich will zum Dienst radeln. Sieben Kilometer, vierhundert Höhenmeter, eine dreiviertel Stunde ordentlich in die Pedale treten. Sonn- und feiertags fährt morgens kein Bus (also, ich komme hoch aber nicht runter). „Fuck the Pfingsten“ werde ich auf der Strecke denken.

Ich schalte um auf den Großen Preis von Monaco ...





HB Toilette in Klagenfurt mit Trinkanimation

Samstag, 26. Mai 2012

Colours




am Ossiacher See

Abkühlung




Füße nach der Radtour im Brunnen auf dem Hauptplatz von Feldkirchen gekühlt

TV-Tipp:

"Lautlos im Weltraum", 21 Uhr 50, ZDFneo

Perspektive




auf einer Bank am Millstätter See

Freitag, 25. Mai 2012

TV-Tipp:

"Drum - Wahrheit um jeden Preis", 22 Uhr 40, Einsfestival

Vom Glück im Mittelmaß


Einige werden immer besser sein. Ganz egal, was ich mache. Als ich in der Grundschule Klassenbester war, wunderte ich mich. Ich war es auch nur kurz. Im Gymnasium lernte ich schnell, dass ich (nur) normal begabt war, und es für mich in der Hauptsache ums Überleben, also um das Erreichen des Klassenziels ging. Als jemand, der keine außerordentliche Begabungen hat und zudem nicht sonderlich ehrgeizig beziehungsweise fleißig ist, orientiert man sich am Besten am Mittelfeld – nach der gaußschen Normalverteilung. Wenn es etwas gab, in dem ich in der Schule und später im Beruf gut war, dann darin, mich mit wenig Aufwand und Ehrgeiz durchzuwurschteln. Manchmal hatte ich sogar das Glück, und die Arbeit machte mir Spaß, so dass ich mit meinen Leistungen glänzen konnte, bis meine Motivation durch einen miesen Lehrer oder Arbeitgeber wieder in den Keller rutschte. Ich richtete mich mit den Jahren im Mittelmaß ein. Das fiel mir leicht, und ich gehörte immerhin nie zu den Schlechtesten. Nach unten war noch etwas Raum.
Was ich sagen wollte, was mir heute Morgen im Halbschlaf durch den Kopf ging, war, dass es im Leben schon absolut hervorragend ist, wenn man im großen Pulk des Mittelfelds ins Ziel kommt. Sich an anderen zu messen, kann fatal sein – jeder Mensch hat nun mal ganz andere Voraussetzungen und besitzt an sich einen Wert unabhängig von einem Maßstab, der durch Eltern, Schule und Leistungsgesellschaft angelegt wird. Wer sich ständig mit anderen misst, was Karriere, Geld, Besitz, Kraft und Aussehen angeht, wird nie für sich herausfinden, worin sein Glück oder seine Lebenszufriedenheit eigentlich besteht. Folgen sind Krankheit, Sucht, Gewalt, Depression …
Was lassen wir uns nicht alles einreden, was angeblich zum Glücklichsein gehört(?) Und wie beeinflussbar sind wir doch, ohne dies (kritisch) zu reflektieren.
Wenn das Leben schon eine Art Rennen ist – ein Marathonlauf der verlorenen Seelen oder ein Iron Man der Minderwertigkeitskomplexbeladenen - , wozu dieser kindische Ehrgeiz, zu den Ersten oder Gewinnern zu gehören? Am Besten rennt man gerade so schnell, dass man sich mit den Mitläufern noch unterhalten kann, und dass man noch was von der Umgebung mitkriegt. Wer vorneweg läuft, ist einsam, wer hinterherläuft, ebenso. Das Mittelmaß ist zu unrecht schlecht angesehen. Erst im Mittelmaß finden wir den nötigen Spielraum und die soziale Geborgenheit, die nötige Gelassenheit für Innovationen, Kreativität, Toleranz und Menschlichkeit. Ich stehe zu meiner Mittelmäßigkeit! Sie ist so wunderbar unanstrengend.
Vielleicht verstecke ich mich sogar in der Mittelmäßigkeit. Sei`s drum. Da ich die Leistungsgesellschaft von ihrem Wesen her ablehne, und ich nicht den Mut habe auszusteigen, ergibt sich diese Positionierung quasi von selbst.

Donnerstag, 24. Mai 2012

TV-Tipp:

"Pulp Fiction", 22 Uhr 25, VOX

Radausflug an der Drau


Das Wetter war wie zugeschneidert auf unsere Fahrradtour: vorher und nachher kalt und regnerisch, aber genau die vier Tage unterwegs hatten wir Sonne. Nur nachts war es noch ganz schön kühl, bis nahe null Grad Celsius in der ersten Nacht. Und tagsüber wehte uns oft ein frischer Ostwind ins Gesicht.
190 Kilometer die Drau hinunter von Lienz zum Ossiacher See. Mal fuhren wir direkt an der Drau, mal schlängelte sich der Radweg durch das Umland. Immer waren wir umsäumt von den Hängen und Gipfeln der Berge, welche die Häuser und Straßen wie Spielzeug erscheinen ließen. Die Kinder (11 und 13 Jahre alt) hielten sich tapfer. Immerhin radelten wir bis zu 60 Kilometer am Tag, hatten oft Gegenwind, und die Strecke war nicht immer eben. Zum ersten Campingplatz mussten wir einen Berghang erklettern. Die Zelte standen schnell, und danach ging es futtern. Die Kinder aßen wie die Scheunendrescher.
Am Millstätter See kamen richtige Urlaubsgefühle auf. Die Sonne brannte inzwischen heiß. Die Kinder spielten, und meine Freundin und ich hatten etwas Zeit für uns – bei einem Bier zusammenzusitzen oder für einen kleinen Spaziergang. Als die Mannschaft am Abend duschen war, saß ich allein am See und ließ die Seele baumeln. Wie würde es in meiner neuen Heimat werden? Der Blick auf den See und die Berggipfel war wunderschön. Sollte es wirklich wahr werden?
Die Kinder akzeptierten mich. Meine Freundin wollte es mir gut machen – dass ich meine Rückzugsmöglichkeiten habe, dass ich zur Familie gehöre. Und die Kuscheleinheiten dürfen freilich auch nicht fehlen …
Die Tage vergingen wie im Fluge. Es war beinahe unheimlich, wie glatt alles verlief. Gut so! Ich freue mich auf viele weitere Fahrradtouren durch Kärnten, durch die Täler und an den vielen Seen …, allein, zu zweit oder wieder zu viert. Der Sommer liegt vor uns!





unweit von Lienz an der Drau





Mittagspause an der Drau





Blick auf den Millstätter See





Rast in der Jausen-Station

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