Sonntag, 4. März 2012

Zwischen Traum und Realität


Wladimir schlägt den Franzosen in der vierten Runde k.o.. Im TV räumt das A-Team unter den Bösen auf. Das Leben könnte so leicht sein. Die Helden gewinnen. Happyends sind vorprogrammiert. Wir spielen unsere Rollen. Selbst die Bösen sind nur gespielt.
Leichte Unterhaltung Sonntagmittags. Das Kind in mir träumt von Abenteuern, von zu erstürmenden Ritterburgen und Seeschlachten, von Cowboys und Indianern …, wobei abwechselnd mal die Indianer und mal die Cowboys die Bösen sind. Sowieso gibt es nur einen Helden, der alle umhaut. Wir identifizieren uns mit Charles Bronson, John Wayne oder Burt Lancaster …, und wie sie heute alle heißen.
Der Franzose hat gegen Wladimir nicht den Hauch einer Chance. Das Publikum mag lieber einen harten Fight, in dem sich der Favorit richtig beweisen muss. Die Dramaturgie darf nicht zu simpel sein. Nichtsdestotrotz wird der Sieg groß gefeiert. Schließlich geht es um die Weltmeisterschaft.
Ein schwerkranker Junge sitzt auf den breiten Schultern des Champions und hält voller Stolz dessen Weltmeisterschaftsgürtel. Ein Traum geht in Erfüllung. Was ist PR, was ist echt? Die Realität ist fraktal – sie hat keine reine Dimension. Alles fließt ineinander. Ich schlafe bald darauf in meinen Kissen ein.
Noch immer jagt das A-Team die Bösen auf RTL II. Seriennostalgie. Es wiederholt sich alles. Der Fernseher läuft nebenbei. Wozu umschalten? Irgendwie passt das in den Sonntag. So wie Schweinebraten. Oder wie ein Festtagsumzug, z.B. der Mathaisemarktumzug heute. Oder wie das Kaffeekränzchen mit den Großeltern. Alles ist auf eine merkwürdige Weise gar nicht wahr.

Samstag, 3. März 2012

TV-Tipp:

"Zerrissene Umarmung", 21 Uhr 45, Einsfestival

Freitag, 2. März 2012

Es kommt








der Frühling

Donnerstag, 1. März 2012

Der Riese und das Haus



All das
...
der Riese hängt seinen Pimmel über die Balkonbrüstung
hinein ins Wohnzimmer
er umfasst das Haus mit seinen Händen, drückt
mit den Fingern Fenster
ein
am liebsten rammelt er Zweifamilienhäuser
weil die am besten von der
Höhe her
passen
das Haus schwankt unter den Stößen des Riesen
wie bei einem Erdbeben
die Wände bekommen Risse
fasst reißt er das Haus von seinem
Fundament
man hört hysterisches Schreien
aus dem Innern
die Bewohner rennen dort
wild durcheinander - wissen nicht, wie
ihnen geschieht
mit donnerndem Grunzen kommt der Riese
sein Saft überflutet die Wohnung
Möbel fliegen durch die Gegend
Türen brechen aus den Angeln
...
Es riecht nach Frühling
die Sonne scheint
der Riese lacht ins Tal
zufrieden mit sich und der Welt

Mittwoch, 29. Februar 2012

Liebe?


Wenn wir alle liebten, ich meine, wenn wir alle liebende Geschöpfe wären, müsste unsere Welt dann nicht viel besser sein? Könnte es so was wie Massentierhaltung geben? Dürfte es Kriege geben? Wäre es möglich, dass wir unsere Mitkreaturen aus Habgier grausam abschlachten? Jeder Mensch, der liebt, könnte doch all diese Brutalitäten und Gemeinheiten niemals zulassen(?)
Was ist falsch an meinem Gedankengang – an diesem harmlosen Mittwoch Ende Februar?
Überanstrenge ich das Wort „Liebe“? Darf man gar nicht so viel von liebenden Menschen erwarten?Oder lieben sie vielleicht nur halb oder gar nicht? Ich kann meinen Mitmenschen nicht mehr trauen. Nur an die Mutterliebe glaube ich. Jedenfalls, was meine Mutter angeht. Es soll auch andere Mütter geben, die ihre Brut am liebsten weggeben würden. Das ist krank, sagt man. Ich sage: Ist nicht irgendwie die ganze Welt krank? Was ist mit der Liebe unter den Menschen? Alles eine Schimäre? Sozusagen eine fixe Idee? Okay, ich will euch nicht auf den Wecker gehen. Es ist, wie es ist. Nobody is perfect. Der Speck hängt zu hoch. Trotzdem springe ich. Ich will ihn wenigstens mit der Nase stupsen. Ich kann unmöglich aufgeben. Es ist mir zu wenig. Ich brauche Ideale wie Liebe, Gerechtigkeit und Freiheit! Aber nicht, weil es gerade en vogue ist. Nicht weil irgendwer sie verkündet. Was ist mit mir? Was ist mit meiner Liebe? Was taugt sie? Warum fühle ich mich oft ohnmächtig? Wollte ich für die Liebe sterben? Nein. Nein. Nein. Und wieso rege ich mich dann so auf? Wozu dieser Wortschwall? Ich bin eine Dumpfbacke wie alle anderen. Nur bin ich außerdem zu doof, um die Regeln dieses Spiels zu kapieren, das wir Leben nennen. Das ist mein Problem. Scheiß doch auf die Ideale! Es geht um was ganz anderes. Es geht um niedere Instinkte. Seit tausenden von Jahren ist es immer dasselbe. Wir sind heute technisch weiter, aber im Geiste hängen wir lange schon fest - trotz der ganzen Philosophen und Künstler. Mit denen schminken wir uns nur.
Ich bin verwirrt. (Bin ich verliebt?) Ich würde so gern verstehen, wozu wir leiden müssen. Aber ich will keine klerikalen Antworten. Ich suche nach menschlichen Antworten. Oder muss es gleich ins Intellektuelle abdriften? Was nutzen uns die ganzen Geisteswissenschaften? All dieses elitäre Gesocks, was sich nur selbst gefällt … Sie reden über alles. O ja, sie reden. Sie reden. Sie reden einen platt. Hä? Wieso kapiere ich nichts davon? Liegt es vielleicht daran, dass ich einfach ein ganz anderes Weltbild habe? Aber warum? Was sagt ihr zur Liebe? Liebt ihr? Ich weiß – genau so gut könnte ich euch nach euren Füßen fragen. Ihr lauft auf ihnen. Ganz selbstverständlich. Und es hindert euch nicht, böse zu sein. Nein, wieso auch? „Herr Präsident, Sie sind ein liebender Familienvater.“ „Das will ich meinen.“ „Sie gaben gerade den Befehl zum Raketenabschuss.“ „Ja, es musste sein, um unsere nationalen Interessen zu schützen, um unsere fortschrittlichen Ideale von Gleichheit, Freiheit und Gerechtigkeit nicht von einem barbarischen Feind zerstören zu lassen! Sie können mir glauben, dass mir die Entscheidung nicht leicht fiel.“ „Viele Menschen werden durch die Raketen umkommen, Herr Präsident.“ „Wir müssen uns verteidigen.“ „Rechtfertigt der Zweck die Mittel? Hätten Sie die Raketen auch zum Abschuss freigegeben, wenn im Zielgebiet Ihre Familie wäre?“ „Wenn Sie meinen, dass mir eine solche Entscheidung Spaß macht, täuschen Sie sich gründlich! Es geht um höhere Interessen, um die Erhaltung unserer Zivilisation ...“ „Und die gründet auf was, Herr Präsident?“
Ja, ich weiß, ich bin froh, dass ich nicht Präsident sein muss und nicht vor solchen Entscheidungen stehe. Auf was gründet unsere Zivilisation? Sind dabei Liebe und Mitmenschlichkeit nicht tragend? Sollten sie es nicht sein? Wo sind die Barbaren? Immer auf der anderen Seite.
Ich verstehe dieses Spiel nicht. Ich will es nicht verstehen. Mir wird übel, wenn ich darüber nachdenke. All diese Wortverdreher und Heuchler. Sie spielen mit Menschenleben. Sie sehen nur das Schachbrett. Von Liebe wissen sie nichts. Oder? Glaubt ihr, dass sie etwas von Liebe wissen?

Dienstag, 28. Februar 2012

TV-Tipp:

"Die Rache der Wanderhure", 20 Uhr 15, Sat 1

"Spiel mir das Lied vom Tod", 20 Uhr 15, Kabel eins

Montag, 27. Februar 2012

Einer fernen Freundin




Immer wenn du glaubst es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her

Sonntag, 26. Februar 2012

Frühschoppen


Ab und an fehlen mir die alten Kumpels: Armin, Richie, Paule, Schorsch, Greule, Betz, Guntram, Ilona, Heinz, Atze, Susanne, Ilse, Uschi, Mike, Detlef … und viele andere.
Frauen unter den Kumpels? Nein, kein Irrtum. Die Frauen, mit denen man auf Tour gehen konnte, waren rar, aber es gab sie! Sie kloppten mit uns Skat oder zogen mit durch die Kneipen. Einige dieser Frauen waren mehr als nur Kumpels für mich. Wir waren auch keine Clique im herkömmlichen Sinne. Ich hasste Cliquen. Wir trafen uns nach Lust und Laune. Meist an den Wochenenden. Es war klar, wo.
Das Leben zerstreute sie nach und nach in alle Himmelsrichtungen. Wie oft hatten wir uns versprochen, uns nie aus den Augen zu verlieren – im Überschwang der Gefühle. Life goes on.
An einem Sonntag wie heute hätte mich Heinz mit seiner alten Karre zum Frühschoppen abgeholt. Irgendwie hätten wir die Zeit schon totgeschlagen. Vielleicht wären wir wie so oft am Nachmittag bei der Rosa in Rettigheim gelandet, einer Dorfkneipe mit Kultstatus, gut für eine zünfige Brotzeit und einem günstigen Schoppen Wein. Wir waren schon gut drauf, wenn wir einliefen. Die Wirtsstube war total verräuchert, und immer bediente Rosa, eine ca. siebzigjährige Bauersfrau mit einem Koptuch, was zu ihrem Markenzeichen wurde. Ihr Konterfei war auf den Etiketten der Weinflaschen abgedruckt. Wenn Rosa merkte, dass einer zu viel intus hatte oder noch Auto fahren wollte, schenkte sie ihm nichts mehr ein. Da konnte sie rigoros sein. Aber wir hatten uns im Griff. Der Heinz und ich. Meistens.
Die Zeit lässt sich nicht zurückdrehen. Die schönen Erinnerungen überdauern, die hässlichen treten in den Schatten. Einiges schönt man sich auch zurecht. Über vieles lächele ich heute, dabei war es ziemlich unvernünftig. Wir kannten kein Maß. Wir waren durstig nach Freiheit und Abenteuer!
Ob sie wohl alle sittsame Familienväter und Mütter wurden? Hat der Ernst des Lebens alle gepackt?
Kaum vorstellbar. An Tagen wie heute fühle ich mich wie ein Fossil, das übrig blieb. Aber wie meist ist es nur die halbe Wahrheit: Auch mein Leben veränderte sich, auch ich wurde ernster, oder sagen wir besser gesetzter.
Oder?
Nein, nicht wirklich.






Zwei Kumpels biertrinkender Weise, 1984

ein literarisches Tagebuch

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