Mittwoch, 19. Oktober 2011

Prag (4)


Winkel, Bögen und Gräber



Im Großen und Ganzen hatte ich aber Glück mit dem Wetter. Nur der eine Tag war versifft. Am nächsten Morgen war die Stadtluft wunderbar reingewaschen. Die ersten Atemzüge, als ich vom Hotel auf die Straße trat, waren eine echte Wohltat.
Jetzt hatte ich schon ein Bild von der Stadt im Kopf. Zuerst wollte ich das 24h Ticket ausnutzen, das ich am Vortag gekauft hatte, und fuhr mit der Straßenbahn raus zu den Friedhöfen. Kafka liegt da irgendwo begraben. Ich sag`s gleich: ich war nicht an seinem Grab. Erst fand ich`s nicht, weil ich im falschen Friedhof war, und als ich am letzten Tag vor dem richtigen Friedhofseingang stand, war der abgesperrt - wegen irgendwelcher jüdischer Feiertage oder Ferien. Für alle, die Kafkas Grab in Prag besuchen wollen, hier mal die Adresse: Nad vodovodem 1, Neuer jüdischer Friedhof. Und beachtet die Öffnungszeiten ...!
Aber der olle Kafka läuft mir ja nicht weg.
Dafür kam ich ans Grab von Egon Erwin Kisch. Auch nicht schlecht, oder?
Nach dem Ausflug zu den Friedhöfen fuhr ich Richtung Bahnhof. Ich wollte gleich mal abchecken, wo ich an meinem Abreisetag hinmusste. Und das war gut so, denn ich wusste bis dato nicht, dass der eigentliche Bahnhof unter der Straße lag. Und es war auch nicht gerade einfach als Fußgänger zu ihm hinzugelangen. Ich hatte mich fast schon daran gewöhnt, etwas blöde durch die Gegend zu irren. Dabei war ich an diesem Vormittag noch völlig nüchtern. Weil sich meine allmorgendlichen Darmgeschäfte anmeldeten, mußte ich mich aber beeilen. Uff, geschafft! dachte ich, als ich bei den Bahnhofstoiletten ankam. Dummerweise wartete ich dann noch eine gefühlte Ewigkeit am Wechselautomaten in der Schlange. Schon doof, wenn man nicht das passende Münzgeld dabei hat.
Ich glaube, ich hab`s heute mit den Tipps: Leute, nehmt euch unbedingt schönes weiches Klopapier mit, wenn ihr in Prag unterwegs seid. Denn das, was in den Toiletten ist, das ist so verflucht dünn, wie ich noch keins in meinem Leben gesehen habe. Es hat weder Zugfestigkeit, noch ist es angenehm auf der Haut.
Gut, hätten wir das also auch.
Als ich alles erledigt hatte, war wieder das Svejk Restaurant an der Reihe. Es war ja fast schon Mittag. Einfach herrlich, wenn man erleichtert bei Sonnenschein durch Prag scharwenzelt. Es gibt so viele schöne Ecken, Winkel und Plätze zu entdecken. Ganz zu schweigen von dem vielen Kunsthandwerk, den Straßenkünstlern, der richtigen Kunst. Prag hat sehr viel Kunst zu bieten, und ich meine jetzt nicht nur die ollen Kirchen und so. Aber wenn Ihr auf Kirchen und Museen steht, dann könnt Ihr den ganzen Tag nichts anderes machen, als Kirchen und Museen besuchen. Das versichere ich Euch. Ich war immerhin kurz in einer Kirche drin, die gleich neben dem Café Kafka.
Nun kann man mich einen Kulturbanausen schelten, aber so bin ich eben. Ich mag einfach nicht diesen Mief, wenn Ihr wißt, was ich meine. Manche sagen auch "Muff" dazu. Dabei finde ich Geschichte schon spannend. Aber da lese ich lieber ein gutes Buch drüber. Manche decken sich ja, wenn sie in einer fremden Stadt sind, mit tausend Reiseführern ein, damit sie nur nichts verpassen. So einer bin ich nicht. Jetzt wird mir auch klar, warum ich die Schule hasste: ich mag`s verdammt nicht, wenn man sich einfach alles mögliche an Wissen ins Hirn drückt, ohne es zu filtern oder zu ordnen oder so. Also, ich muss etwas richtig fühlen und erdenken. Richtig tief - ansonsten ist es für mich wertloser Scheiß, und ich sperre mich automatisch.
Nein, ich bin kein Wissensverweigerer! Es ist immer dasselbe mit Euch: kaum sagt man etwas, was ein bißchen unüblich und befremdend ist, stempelt Ihr einen zum Extremisten.
Okay - jedem Tierchen sein Plaisierchen.
Ahoi!



Gräber















Winkel
















Bögen













Dienstag, 18. Oktober 2011

Prag (3)


Im Regen



Es regnete Katzen und Hunde - das sah ich gleich, als ich am zweiten Tag am Frühstücksbuffet saß, und es würde so schnell auch nicht aufhören. Na gut, dann eben Prag im Regen, dachte ich. Ich trank immer 2 oder 3 Tassen Kaffee und aß ein Brötchen und ein Brot mit Schinken und Käse sowie ein hartgekochtes Frühstücksei. Dann war ich satt - proppesatt. Mein Zeug hatte ich schon dabei, so dass ich nur noch den Schlüssel abgab und in den Tag startete. Es war ziemlich häßlich draußen. Geduckt unter dem Regenschirm lief ich durch den River Town Market zur Straßenbahnhaltestelle. An der Rezeption hatte ich mir ein 24 h Ticket gekauft. Die Händler bauten noch an ihren Ständen herum - viele Asiaten, die jede Menge Schund-Klamotten anboten. Für das dünne Portemonnaie war`s aber wohl okay. An der Ecke zum Fluß war ein Mc Donalds, wo ich mich erstmal aufs Klo verzog. Kaum war ich morgens ein, zwei Kilometer gelaufen, mußte ich aufs Klo. Lästig der Scheiß.
Die Scheiben von der Tram waren ganz beschlagen, und ich wischte mit der Hand ein Stück frei, damit ich sehen konnte, wohin sie fuhr. Ich wußte ja in etwa die Richtung, in die ich wollte, und wohin ich nicht wollte. Erstmal war ich nur froh, im Trockenen zu sitzen.
Die Straßenbahn fuhr eine ewig lange Strecke bergan. Schließlich stieg ich oben auf dem Berg Hradschin aus, ganz in der Nähe von der Prager Burg. Das Pflaster glänzte vor Nässe. Es war wirklich ein scheußliches Wetter. Trotzdem machte ich das ein oder andere Photo. Nachdem ich mir einiges angeschaut hatte, machte ich mich wieder auf den Weg runter zur Moldau, zur Karlsbrücke. Da war nämlich ganz in der Nähe ein Svejk Restaurant - genau gegenüber vom Kafka-Museum. Die Svejk Restaurants bieten das billigste Pilsner Urquell in ganz Prag an - nur 32,90 Kronen für den Halben. Und man saß dort auch recht gemütlich. Das Personal trug weiße Poloshirts, auf denen Svejks rundes Säufergesicht aufgedruckt war. Das ist das Emblem dieser Restaurants.
"A big light beer, please", sagte ich zu der Bedienung und breitete mich mit meinen Sachen auf einer Holzbank aus. Sie hatten erst vor ein paar Minuten geöffnet, und ich war noch der einzige Gast.
Ich schrieb ein paar Postkarten, und danach las ich im "Der Fänger im Roggen".
"One more?" fragte die Bedienung.
"Yes", nickte ich kurz. So ging es immer hin und her. Ich habe eine ziemliche Ausdauer in solchen Dingen.
Ich hatte diesen Roman schnell in mein Herz geschlossen. Holden, der jugendliche Ich-Erzähler war wegen seiner schlechten Leistungen von der Schule geflogen, und da ging ihm ziemlich viel durch den Kopf, und das schrieb er auf, wie es ihm in den Sinn kam; jedenfalls liest es sich so, - als wäre der ganze Roman ein einziger Satz. Ich konnte Holdens Gedanken und seinem Witz gut folgen. Da waren verdammt viel kluge Sachen dabei, und er äußerte sie ganz lakonisch, jugendlich naiv. Oft mußte ich beim Lesen grinsen, und ich erwischte mich dabei, dass ich anfing, in seiner flapsigen Art zu denken. Ja, ich war wirklich drin in diesem Buch.
"One more?"
"Yes."
Zwischendurch schaute ich auf die Bedienungen, die noch nichts zu tun hatten, aber wie der Teufel hin- und herliefen, und ich schaute raus und sah, dass es immer noch Katzen und Hunde regnete, und ich sah einige Touristen, die stehenblieben und schüchtern ins Lokal schauten.
Natürlich wollte ich nicht ewig dort sitzen bleiben. Da hätte man mich am Abend raustragen können. Ich stelle mir vor, wie sie mich in eine Schubkarre gelegt hätten und vor dem Restaurant auf den Bordstein gekippt hätten - gegenüber vom Eingang zum Kafka-Museum.
Soweit kam es nicht. Ich weiß aber auch nicht mehr genau, wo ich an diesem Tag noch überall langschlappte. Aber ich weiß, dass ich nach dem 3.,4. Bier ziemlich regelmäßig pinkeln muß. Genaugenommen muß ich dann schon pinkeln, wenn ich nur ein Bier sehe.
Es gibt eben auch solche Piss-Tage, dachte ich.
Aber Ihr sollt nicht meinen, dass ich nur in Kneipen rumsaß. Ganz ehrgeizlos bin ich nicht. Und die Photos zeugen auch davon.
Ahoi!





irgendwo auf dem Hradschin





den Berg wieder runter





Blick in ein Gässchen





unten erstmal einen Espresso reingeschüttet





das Innenleben eines der Svejk Restaurants

Montag, 17. Oktober 2011

Prag (2)


Der erste Tag



Ich brauchte nur lange genug am Ufer der Moldau entlangzulatschen, und ich erreichte automatisch die Innenstadt. Ein Fluss ist für den Fremden eine gute Orientierung. Ich hatte zwar den Stadtplan, aber ich musste erstmal ein Gefühl für die Proportionen kriegen. Man ist da ja quasi als Ameise unterwegs. Nach dem Frühstück im Hotel tigerte ich los. Das Sirenengeheul von Polizei und Rettungswagen gehörte zu den ersten fremden Eindrücken. Schwer zu beschreiben. Deren Sirenen heulen heller und melodischer als die deutschen. Egal.
Nach einer guten halben Stunde Fußmarsch hatte ich den Dunstkreis der City erreicht. Das sah ich schon an den Touristenströmen. Die tschechischen Namen auf den Wegweisern sagten mir gar nichts. Und als ich dann inmitten des Häusermeers war, war es auch mit der Orientierung nicht mehr weit her. Aber ich hatte ja eine Masse Zeit totzuschlagen, konnte also einfach drauf loslaufen. Auf einem großen Platz wußte ich dann schon, dass ich richtig war. Alles fotografierte, und ich schoß auch ein paar Bilder. Dann dachte ich, dass es an der Zeit wäre, mein erstes Bier zu trinken. Um die Ecke war das "Café Kafka". Nichts besonderes. Ich saß draußen und relaxte.
Als ich von Heidelberg losfuhr, war mir klar, dass zum Auffüllen der Lücken im Tagesablauf eine Lektüre ganz nützlich sein könnte, drum wollte ich mir vor der Abfahrt in der Bahnhofsbücherei einen Roman oder sowas kaufen. Ich stand vor dem Bücherregal mit der Belletristik und schaute über das bescheidene Angebot. Hm. Hm. Kafka fiel mir natürlich ins Auge. Aber dann dachte ich mir, dass ich in Prag nicht auch noch Kafka lesen wollte - das wäre in etwa wie dick Butter auf einem Wurstbrot. Einfach zu viel.
Salingers "Der Fänger im Roggen" stand da auch. Ziemlich aufreizend. Ich nahm das Buch in die Hand und wußte fast sofort, dass es das richtige war. Das ist nicht nur mit Büchern so. Auch mit Frauen. Ehrlich. Plötzlich steht da die eine richtige wie aus dem Boden gewachsen.
Also, ich mach`s kurz: ich packte "Der Fänger im Roggen" in meinen Rucksack, kaufte noch ein paar Dosen Bier als Reiseproviant und wartete im Bahnhofrestaurant auf meinen Zug.
Ewig und drei Tage wollte ich dieses Buch schon lesen. Keine Ahnung, warum ich`s bis dato noch nicht fertiggebracht hatte. Und Prag wollte ich ja auch schon seit ewigen Zeiten besuchen. Also passte das auch irgendwie - oder wie seht Ihr das?
Ich hatte also die Innenstadt von Prag gefunden, und als ich da vorm "Café Kafka" Budweiser trank, gingen mir allerhand blöde Gedanken durch den Kopf: z.B., dass ich die tschechischen Frauen ziemlich schmalarschig fand, oder dass hier auffällig viele junge Männer mit langen Haaren, zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden, herumliefen - so wie die Franzosen irgendwann mal. Und später nach der xten Kneipe fiel mir auf, dass da die Popmusik der späten Achtziger und Neunziger rauf und runter lief, so als wäre die up to date - also so Sachen von Sting, Pink Floyd oder so. Ich weiß auch nicht.
Am ersten Tag bummelte ich erstmal die ganzen ausgetretenen Touristenpfade ab. Karlsbrücke und zurück. Dann wieder in die Innenstadt, in die Fußgängerzone ..., wie schon gesagt: ich schlappte gefühlt jeden Tag mindestens tausend Kilometer. Dabei wollte ich gar nicht wie ein typischer Tourist ausschauen, aber ich fühlte mich so furchtbar dämlich, weil ich mich gar nicht auskannte und immer blöd durch die Gegend glotzte. Ich erkannte die Einheimischen daran, dass sie mindestens doppelt so schnell unterwegs waren - und viel zielgerichteter. Mit den Tagen nahm ich dann auch an Tempo auf, weil ich dann schon wußte, wo das Bier besonders billig war, und wo ich sitzen wollte, "Der Fänger im Roggen" lesen und so.
Im Prinzip klappte alles ganz prima. Obwohl ich mir manchmal ein Gespräch gewünscht hätte. Es war schon ziemlich einsam - ganz allein in solch einer großen Großstadt. Immer wollte ich mir das nicht geben.
Ahoi!





Moldau Ufer





Innenstadt





Café Kafka





Karlsbrücke





vielleicht hauste hier der Typ, der mich am Bahnhof zum Taxi brachte

Sonntag, 16. Oktober 2011

Prag (1)


Die Ankunft



Da bin ich wieder. Zurück von Prag. Noch ganz erschlagen von den vielen Eindrücken der Reise und dieser Großstadt. Ich kann euch sagen: Prag war der Hammer! Ungelogen - trotz der Touristenmassen und dem tosenden Verkehr. Oder auch deswegen. Wenn man von Paris, Florenz, Wien und Heidelberg ein paar Ecken abschnitte, in einen Sudtopf täte und das Ganze herumrührte, dann käme vielleicht sowas wie Prag heraus. Diese Stadt ist eine echte Schönheit. Aber wie das z.B. auch bei schönen Frauen ist: sie tragen zu dick auf, werden arrogant und schnippisch. Na ja, ich schaue ihnen trotzdem auf den Arsch. Und Prag hat einen klasse Arsch - wenn ich das mal so sagen darf. Ich wurde gar nicht fertig mit Schauen, und ich machte auch eine Menge Fotos, falls Euch das interessiert. Ein paar werde ich ins Blog stellen. Ich weiß bloß verflucht nicht, welche. Na, Ihr werdet`s sehen.
Jeden Tag schlappte ich gefühlte tausend Kilometer. Ich irrte wie berauscht von dem Vielen durch die Straßen, und manchmal war ich auch echt berauscht. Ich sag`s lieber gleich: das Bier war spektakulär billig. Genau, wie ich`s mir vorher gedacht hatte. Für einen Halben bezahlte ich gut 30 bis 40 Kronen. Scheiß Umrechnerei. Jedenfalls ist`s ziemlich billig! Weniger als 2 Euro pro Bier.
Das Hotel, in dem ich abstieg, war auch günstig. Sehr günstig. Ich zahlte nur knapp 20 Euro pro Übernachtung. Prag kam mir also in finanzieller Hinsicht entgegen, weil, wie Ihr wisst, habe ich`s nicht gerade dicke. Trotzdem gab ich noch genug aus. Also, mehr will ich zum Thema Geld gar nicht sagen. Es gibt viele Menschen, für die bin ich echt sagenhaft reich.

Als der Expressbus Prag erreichte, war es schon dunkel. Er brauchte endlos lange, bis er sich durch den Verkehr der Innenstadt bis zum Bahnhof geschoben hatte. Das erste, was ich also sah, als ich ausstieg, waren etwa eine Million Autos und das vergammelte Bahnhofsgebäude, vor dem der Bus hielt. Ich war müde von der Reise, weil das Umsteigen durch die Verspätungen ziemlich stressig war. Ich konnte gar nicht richtig entspannen. Ständig mußte ich darum bangen, dass ich meinen Anschluß kriege. Aber schließlich klappte doch alles. Ich hatte meine Nerven völlig umsonst verschlissen - wie so oft in meinem beschissenen Leben. Entschuligt, ich schweife ab. Natürlich ist mein Leben ganz und gar nicht beschissen. Aber wenn ich mich ärgere, dann kommt es mir so vor.
Vor dem Bahnhof stand ich eine Weile rum. Ich dachte, ich nehme mir ein Taxi zum Hotel, weil es war dunkel, und ich kannte von Prag so viel wie von einer Frau kurz vor dem ersten Date oder so. Ich war ziemlich gespannt. Aber da war kein Taxi. (Ich wußte da noch nicht, dass der eigentliche Bahnhof unter der Straße liegt. Woher sollte ich das auch wissen?)
Schließlich sprach mich ein Typ an. Schon etwas älter und ziemlich nervös: "Taxi????" Ich dachte, er sei Taxifahrer und wolle mich zu seinem Taxi führen. Ich verstand herzlich wenig von dem, was er mir aufgeregt erzählte. Aber ich folgte ihm halt die paar Meter zu einem Platz, einem Taxistand, wo allerdings auch kein Taxi stand. Mir wurde klar, dass er mir bloß ein Taxi vermitteln wollte. Er sagte, dass die anderen Banditen seien und all so was, aber die Taxis hier seien anständig! So viel glaubte ich zu verstehen. Er lief immer wieder vor zur Straße und schaute nervös auf den vorbeiflutenden Verkehr und rauchte dabei eine Zigarette nach der anderen. Irgendwie stand ich da eine Weile ziemlich trottelig herum und dachte schon daran, das Weite zu suchen. Doch dann bog tatsächlich ein Taxi ein. Und der Typ sagte was in tschechisch zum Fahrer. Und dann meinte er zu mir in bittender Haltung, dass er obdachlos sei und so. Hach, ich hatte gerade einen guten Moment, drückte ihm einen Fünfeuro Schein in die Hand, bedankte mich und stieg ins Taxi.
So kam ich zum Hotel. Und ich wurde tatsächlich nicht beschissen.
Das war also meine Ankunft in Prag.
Wenn`s Euch interessiert, erzähle ich in den nächsten Tagen noch mehr davon, von meinem Aufenthalt und so, und warum ich "Den Fänger im Roggen" vorerst für das beste Buch des Universums halte.
Ahoi!





im Hotelrestaurant nahm ich erstmal einen Drink

Sonntag, 9. Oktober 2011

Nur Arschlöcher um mich herum


Er hat`s wieder geschafft - Vettel, Wonderboy, ist Formel 1 Weltmeister 2011. So langsam tritt er in die Fußstapfen Schumachers. In Heppenheim, seiner Heimatstadt, ist heute der Bär los. Gar nicht so weit von hier an der schönen Bergstrasse. Schon verrückt, wie sich die Menschen freuen. Ich bin da schwerer zu begeistern. Obwohl mich das Freibier locken würde.
Nein, ich mag allgemein keine Personenkulte. Das ist mir zu übertrieben - egal ob es um Sportler, Popstars, Schauspieler oder Politiker geht. Man kann sich mit jemanden für seine Erfolge freuen, was ich ganz normal finde, oder man fiebert beim Fußballspiel mit seinem Lieblingsverein, oder man verneigt sich respektvoll vor den Leistungen einer Person; aber so, wie heute der Personenkult stattfindet, wie er vermarktet wird, finde ich es einfach nur widerlich und abschreckend. In dieser Hinsicht werden mir meine Mitmenschen seltsam fremd. Wozu dieser ganze Rummel um eine Person? Mir wäre das sehr unangenehm - also, wenn um mich so viel her gemacht würde. Ein wenig Anerkennung - okay - wer wünscht sich die nicht? Aber eine solch irrationale Verehrung macht mir eher Angst.
Brauchen die Menschen ihre "Könige"? Und warum? Welche Psychologie steckt dahinter?

Um Gottes Willen, ich möchte den feiernden Menschen nicht den Spaß verderben! Sollen sie es richtig krachen lassen. Ich finde es schön und rührend, wenn sich Menschen kollektiv freuen. Im Falle der Weltmeisterfeier in Heppenheim läuft sicher alles harmlos und friedlich ab.
Ein Rätsel bleibt`s für mich dennoch.
Ich muß nicht alles verstehen. Und man muss ja auch nicht alles mitmachen.







Eigentlich wollte ich bloß eine kurze Blog-Pause ankündigen, und nicht mehr mit blödem Gelaber hier sündigen. Denn morgen fahre ich für ein paar Tage nach Prag. Mit der Eisenbahn. Ohne genauen Plan. Wird sicher spannend - ohne Frag. Genau. Au.
Bis dahin! Bleibt einfach im Blog drin.

Samstag, 8. Oktober 2011

Der Friedhof in Prag


Passend - kurz vor meiner Reise nach Prag kommt mir Umberto Ecos neues Buch "Der Friedhof in Prag" in die Quere. Die Kritiken klingen interessant.





Ich merke es mir als Lektüre vor.

Freitag, 7. Oktober 2011

Wir sind Burnout


Ein Thema ist mal wieder in allen Journalien und Medien bis zum Erbrechen durchgeleiert worden. Jeder xte Deutsche ausgebrannt. Prominente vor! Sie outen sich als ausgebrannt vom Fußballtrainer bis zum Fernsehkoch. Ich lese in jeder Zeitschrift die selben schwammigen Aussagen. In regelmäßigen Abständen, alle paar Jahre, werden Themen wie Depression, Burnout, Angstneurosen, Panikattacken und Schlaflosigkeit neu aufbereitet. Inzwischen gibt`s andere Promis, die darunter leiden. Auch der Selbstmord eines VIPs ist stets ein prima Anlaß. Ich kann`s langsam nicht mehr hören. Dabei sind es tatsächlich ernstzunehmende Geschichten und Schicksale. Die Betroffenen stehen unter einem hohen Leidensdruck. Letztlich kommt wieder mal heraus, dass die Kassenpatienten viel zu lange auf eine Psychotherapie warten müssen, dass viel zu wenig Prävention am Arbeitsplatz stattfindet, dass im Gegenteil der Druck auf den Arbeitnehmer seit Jahren permanent wächst, dass in unserer Gesellschaft die falschen Werte vermittelt werden ...
Nun haben wir stundenlang in Talkrunden diskutiert, etliche seitenlange Artikel in Stern, Spiegel, Focus geschrieben, kluge Sprüche von Fachleuten dazu gehört, uns ergreifende Schilderungen von Betroffenen reingezogen ...; und nächste Woche stehen Potenzprobleme auf dem Programm: wieviel Orgasmen sind normal?

Liebe Leute, ich komme da nicht mehr mit! Möglicherweise ist diese ganze Gesellschaft bereits ausgebrannt. Jedenfalls ungeheuer abgestumpft. Oder? Alles dreht sich im Kreis. Irgendwie Korsakoff. Ich sehe keine Reaktionen. Wir lesen davon, als ob es uns nichts anginge. Es ist so ähnlich wie die alljährliche Doping-Diskussion. Es berührt uns schon gar nicht mehr. Die Protagonisten lügen sich in die Tasche. Das System macht uns offensichtlich bewegungslos. Also wird jedes Jahr dieselbe Schallplatte aufgelegt. So richtig blickt auch keiner durch. Was bedeutet nun Burnout? Ist doch eigentlich nichts anderes als eine Depression? Nur eben schicker augedrückt. Passt besser in unsere Mode- und Leistungsgesellschaft. Burnout ist hipp, und Depression ist no-go.

Wenn ich dazu in die Altenpflege schaue, kriege ich das kalte Grausen: Permanent zu wenig Personal, zu wenig Supervision, immer mehr fachliche Anforderungen an das Personal ..., Angst um den Arbeitsplatz. Da ist Burnout schon beinahe Normalität. Es ist bemerkenswert, wenn man da nach einigen Jahren noch nicht ausgebrannt ist.
Auch das Thema "Mißstände in der Pflege" wird alle Jahre wieder medial verschlissen. Ja, ich sage, bewußt "verschlissen". Wir stecken alles in eine riesige Blabla-Mühle und drehen es durch. Unten kommen dann immer dieselben Sprüche heraus: Wir müssen dies ... nachhaltig ... blablabla ... fördern ... und präventiv ... Aufklärung ... blablabla ... Transparenz ... Kontrolle ... im Rahmen des Qualitätsmanagements ... müssen ... Änderungen ... Reform ... blablabla ...
Nur ändern tut sich nicht wirklich was.

(Leute, ich bin auch ausgebrannt. Das ist alles zu viel für mich. So viel Scheiße. Tut mir leid, dass ich zum Schluß nichts Erfreulicheres sagen kann. Mir schwillt der Kamm! Ich darf nicht länger drüber nachdenken.)

Donnerstag, 6. Oktober 2011

Komm, und verbrenn mich!





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