Samstag, 26. März 2011

Dieser Kampf braucht keinen Sieger


Das Wochenende umklammert mich wie ein Ringer. Ich drehe mich auf den Bauch und versuche den Bodenkampf zu überstehen. Schließlich machte ich vor gut dreißig Jahren mal Judo bis zum blauen Gürtel. Und Karate bis zum braunen. Ich stieg damals aus, weil ich nicht kämpfen wollte. Ich habe nicht das Bedürfnis, einen Fremden auf die Matte zu legen oder mit einem Tritt in den Solar Plexus zu punkten. Das Training war aber schon gut für mein Selbstbewußtsein. Sowieso für meine Fitness.
Ich erinnere mich noch gerne an manche Trainingsstunden. Unter den Schülern waren auch die mit einer großen Klappe, die dann bald als Türsteher von Discos auf Macho machten. Doch auf der Matte waren wir alle gleich. Die meisten Großmäuler brachten es nicht mal bis zum gelben Gürtel.
Ich trainierte mit einem Türken. Bestimmt schaffte er noch den schwarzen. Er war ein toller Kamerad! (So lange her ...)
Wir trafen uns auch privat, joggten durch den Wald und übten die Schlag- und Tritttechniken für die nächste Gürtelprüfung. Ich glaube, wir waren gar nicht mal schlecht. Sonntags ging es zum freien Training ins Dojo. Es sind schöne Erinnerungen.
Ich begann damals das Trinken mit Berliner Weisse. Hin und wieder ein Moninger. Und ich hatte meine erste Freundin, meine ersten sexuellen Erfahrungen.
Wow!
Ehrlich. Wobei mich dummerweise die Schule immer weniger interessierte, obwohl ich noch ein Jahr zum Abi hatte.
Ich zehrte lange von dem erlangten Selbstbewußtsein, welches ich durch das Judo- und Karatetraining erlangt hatte. Ich brauchte es auch, denn nach dem Abi ging ich in einem miefigen Ingenieurbüro in die Lehre mit einem Arschloch als Chef. Danach arbeitete ich als Leiharbeiter. Und schließlich kamen 20 Monate Zivildienst ... Für mich war es eine Selbstverständlichkeit, dass ich verweigerte. Ich wollte (auch) nicht als Soldat kämpfen müssen - bloß weil von einer höheren Instanz ein Gegner/Feind festgelegt wird.
Trotzdem muss man im Leben das Kämpfen lernen. Es geht dabei nicht um das Besiegen eines anderen. Aber es geht darum, sich sein Selbstvertrauen zu bewahren. Ganz egal, ob die Eltern, die Chefs ... oder die gesamte Welt anderer Meinung ist.

Mein Weg lief alles andere als gerade. Es gab irgendwann keine Vorbilder mehr. Jedenfalls nicht in meiner Umgebung. Ich wußte immer, wie ich nicht werden wollte ..., hatte aber keinen Plan für meine Zukunft. Den habe ich bis heute nicht.
...

Die Sonne ruft. Ohne Handy. Durchs Fenster. Ich lächele ihr zu. Sie ist keine schlechte Gesprächspartnerin. Also, es wird Zeit, dass ich auf der Matte abklopfe und aufstehe - für diesen Tag!

Donnerstag, 24. März 2011

Seelenwasser


Die Seele ist wie ein Gefäß: eine Suppenterrine mit allem möglichen drin, ein Cocktail mit geheimnisvollen Inkredentien ..., ein tiefer See, ein dunkler Brunnen ...

Wir beeinflussen nicht nur selbst, mit was sich die Seele füllt.
Es gibt viele Zuflüsse: vergiftete, schmutzige - aber auch klare, reine.

Umso größer das Gefäß, desto mehr kann es aufnehmen, - desto verdünnter das Gift.

Der Grundstoff ist Wasser - Seelenwasser. Die Welt färbt es ein. Wir sind fasziniert von der Buntheit.

Manche Ideen sind schwarz wie Tinte.

Eine gute Idee ist immer klar. Sie verschmutzt das Seelenwasser nicht. Sie gibt Liebe hinein, - Aufrichtigkeit und Selbstachtung.

Die Seele ist wie das Meer. Der Mensch kippt Gift in das Meer und zerstört den Lebensraum der Meeresbewohner. Er überquert das Meer auf Schiffen, ohne über das Wunder unter dem Kielraum nachzudenken. So oberflächlich geht der Mensch auch mit der eigenen Seele um.





Wasserkristall




Quelle:
Wasserkristalle - Masaru Emoto

Sonntag, 20. März 2011

Ein Maulwurf im Karton


Ich drehte das Katastrophenszenario ab und höre die CD „Ein Maulwurf im Karton“.
Gerd Wameling spricht darauf einige Gedichte von Bukowski, musikalisch poppig-jazzig untermalt. Schön, denke ich, einfach schön. Bukowski war vor dreißig Jahren meine Lieblingslektüre. Ich begann mit den Short-Stories, und dann kam ich auf seine Gedichte.
Sie sind noch da. Ich meine, ihr Geist ist noch da. Jedenfalls in mir - das spüre ich beim Hören der CD. Nun ist er schon einige Jahre tot. Trotzdem. Er spricht, wenn man ihn sprechen läßt - wie viele gute Autoren ... zeitlos zu uns.


Der "Ausschnitt", den ich bei Youtube fand, ist nicht repräsentativ für die CD. Die Band spielt da einen Song mit einem Bukowski Text ohne Gerd Wameling. Auf der CD klingt es besser.




Samstag, 19. März 2011

Fukushima

Oder: Nach der Katastrophe ist vor der Katastrophe



Die Sender bleiben dran
keiner will den GAU verpassen
Die Berichterstattungen laufen rund um die Uhr
Bilder der Zertörung und des
Leids
laufen in einer Endlosschleife

Inzwischen erfüllen dreihundert Feuerwehrleute
einen Kamikazeauftrag
an den Reaktorblöcken in
Fukushima
Die Toten werden nach und nach aus dem Katastrophen-
gebiet geborgen
Und es wird weiter gestorben
durch Kälte und Hunger
vorallem die Alten und Schwachen darben
dahin

Die ganze Welt schaut auf das Geschehen
teils aus echtem Mitgefühl
teils aus Sensationsgier
Man glotzt und glotzt
und wartet darauf, was noch alles
passiert in Japan
ob die Megametropole Tokio von der Strahlung bedroht ist
und wie viele Leichen noch unter den
Trümmern liegen

Ich schalte um und höre, dass Bundeskanzlerin Merkel
ein Moratorium für deutsche Kernkraftwerke aus-
spricht
um die Sicherheit der KKWs "ohne Tabus"
überprüfen zu lassen
Ich öffne eine Flasche Wein
und fülle mein Glas
Nicht, dass ich noch einen Grund zum Saufen bräuchte
aber nun hätte ich einen



(19.03.2011)

Donnerstag, 17. März 2011

Der Traum


Später am Abend bringe ich ein paar Altenheimbewohner zu Bett, die noch vor dem Fernseher verweilten. Darunter eine fast neunzigjährige Frau, die ich besonders ins Herz geschlossen habe. Sie verfügt über einen köstlichen, trockenen Humor.
Vor einem halben Jahr starb ihr Mann, und seitdem wirkt sie regelrecht befreit und geht viel mehr aus sich raus. Trotzdem sagt sie mir oft, dass es nun auch Zeit für sie wäre zu sterben. Bei ihr ist es aber nicht wie bei vielen Alten Depression und Selbstmitleid.
Mittlerweile kenne ich viele Geschichten aus ihrer Familie und ihrem Leben. Oft diskutieren wir auch über politische und andere gesellschaftliche Vorfälle. Sie schaut regelmäßig Diskussionnssendungen wie „Hart aber fair“. Während ich ihr ins Nachthemd helfe und beim Zähneputzen assistiere, erzählt sie mir, was ihr so alles durch den Kopf geht.
Wenn ich sie dann im Bett habe, verweile ich oft noch ein paar Minuten am Fußende und höre ihr zu.
Gestern Abend erzählte sie, dass sie die Nacht vorher vom Sterben geträumt hatte. Sie war bereits in der Urne neben ihrem Mann beigesetzt. Plötzlich kam die Frühdienstkollegin ins Zimmer und weckte sie zum morgendlichen Aufstehen und Waschen. „Da war ich richtig wütend“, sagte sie lachend, „und ich herrschte die Schwester an, was das soll! Die guckte vielleicht! Sie wußte ja nicht, warum. Ich wollte doch gar nicht mehr aufwachen. Als ich dann beim Frühstück saß ...“ „ ... kamen Sie wieder in der Wirklichkeit an“, beendete ich den Satz. Sie nickte und sagte trocken: „Und das Elend ging weiter ...“ „Ja“, ich schaute sie an und kratzte mich verlegen am Kopf. Wir redeten noch eine kleine Weile über ihren Traum und das betretene Gesicht der Schwester. Darüber war sie sehr amüsiert. Die Zeiger der Uhr liefen gen Mitternacht. Fast alle schliefen nun friedlich.
Die Routine ging weiter.

Mittwoch, 16. März 2011

Stresstest

Ein Wort macht Karriere!

Ein EKG für`s KKW.

Samstag, 12. März 2011

Kein schöner Tag

... obwohl bei mir die Sonne in die Hütte scheint.

Die libyschen Rebellen verlieren zusehends an Boden. Es sieht ziemlich hoffnungslos für sie aus. Die Vorstellung, dass der Diktator und Mörder Gaddafi durch Gewalt und Repressionen über die Oppositionsbewegung siegt, ist ... unerträglich!

In Japan zeichnet sich eine Atomkatastrophe ab. Noch wird die Lage von japanischer Seite geschönt. Natürlich hoffe ich, dass es nicht zur Kernschmelze kommt. Oder schon gekommen ist. Niemand kann darüber im Moment klare Aussagen treffen. Jedenfalls wird mir bei dem Gedanken eines größtmöglichen atomaren Unfalls ganz schwummrig ...

Wie gesagt: hier ist alles in Ordnung. Kein Gaddafi, kein Erdbeben, kein Supergau (, und dass Guttenberg zurücktrat, ist schon wieder ewig her).
In der Stadt baute der erste Rummel im Jahr auf. Die jungen (und alten) Menschen feiern, trinken, fahren Achterbahn oder Autoscooter. Die Sonne brüllt dazu vom Himmel. Es ist dieselbe, die auch über Libyien scheint, über Japan ...

Vielleicht sollte ich den Fernseher einfach abschalten. Doch zu spät! Die Gedanken fraßen sich bereits in meinen Kopf. Ich werde sie nicht mehr so einfach los.

Wie geht es euch damit?

Freitag, 11. März 2011

Innere Erstarrung versus Erdbeben in Japan


Die alte, sehr alte Nachtwache wacht auf. Es ist schon wieder Mittag. Der Tag grau und kühl. Klamm und gebeugt erhebt er sich aus dem Bett, reibt sich die Augen. Der Kopf leer und trotzdem schwer. Die Glieder schmerzen. „Wohl vom langen Liegen“, denkt er sich, „das wird sich wieder einrenken.“ Mit einem Bier spült er ein paar Aspirin herunter. Im Fernsehen zeigen sie die Horrorbilder von einem Erdbeben. Es erwischte Japan. Zusätzlich verwüstete ein Tsunami die Küste. Das Wasser nimmt alles mit, was auf seinem Weg liegt. Die Menschen verängstigt. Kernkraftwerke werden vorsichtshalber abgeschaltet. Noch ist die Katastrophe frisch, und niemand weiß, wie groß der Schaden wirklich ist und wie hoch die Anzahl der Opfer. Nachdem er alles gehört hat, dreht er den Ton vom Fernseher ab, dafür die Hifi-Anlage auf. Er wartet, bis die Tabletten und das Bier wirken. Sein Blick ist noch traumvergessen. Die Musik aus der Anlage tönt an ihm vorbei. Kommt Zeit, kommt Leben. Er grinst. Um nicht regungslos am Schreibtisch zu verharren, geht er ins Bad und rasiert sich.
Zu seinem Spiegelbild sagt er: „Wir wissen gar nicht, wie gut wir es haben ...“ „Genau,“ antwortet das Spiegelbild, „ich erinnere mich nur an ein Erdbeben in meiner Kindheit. Da fielen einige Dachziegel auf die Straße, und die Mutter bekam in der Küche einen hysterischen Anfall.“ Nach der Rasur wischt er sich den Rasierschaum mit dem Handtuch aus dem Gesicht. „Und wie lange ist erst der letzte Krieg her?“ Er erfrischt sich das Gesicht mit Aftershave Balsam. „Unsere Eltern erlebten den Krieg noch als Kinder“, sagt das Spiegelbild und nickt bedeutungsvoll. „Tschüss Bruder ...“ Er kehrt mit einer frischen Flasche Bier an seinen Schreibtischplatz zurück. Keine neuen Mailnachrichten. Im Fernsehen laufen stumm die Bilder von der Zerstörung in Japan. Die Musik von The Who passt nicht dazu. Doch das fällt ihm nicht weiter auf. Vor kurzem entdeckte er eine erotische Seite im Internet, auf welcher relativ kunstvoll pornografische Bilder gezeigt werden. Die Seite hat den bezeichnenden Namen „fuck me like that“. Nach ein wenig Herumblättern schließt er sie wieder. Er kennt solche Tage. Sie sind wie Schatten. Sie sind ein Zwischenreich. Die Wirklichkeit bleibt draußen. Und das Innere kommt auch nicht richtig raus. Es tut nicht weh. Was kann in einem solchen Zustand schon weh tun? Vielleicht sollte er sich in den Finger schneiden, um es auszuprobieren? Nein. Quatsch. Sowas machen Borderliner - hatte er gehört.
Er wird duschen gehen. Und danach irgendwelche Spuren in dem Tag hinterlassen ...







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