Es ist wieder so weit. Die Welt spielt Fußball, und feiert! Diesmal in Südafrika. Freude und Begeisterungen wirken über alle Grenzen hinweg ansteckend. Der graue Alltag rückt ein Wenig in den Hintergrund. Probleme und Sorgen hängen vier Wochen lang in der Warteschleife - jedenfalls oberflächlich. Der Fokus der Öffentlichkeit ist auf den einen Ball gelenkt, und der ist rund wie die Erde; und farbenfroh wie die Welt wird in Südafrika allemal gefeiert und getanzt. Ein interessantes und schönes Land darf sich von seiner besten Seite zeigen. Die Fußball WM in Afrika ist hoffentlich ein positives Zeichen für die Emanzipation dieses großen Kontinents und seiner Menschen in der Welt.
Ich fiebere mit der deutschen Elf, dass sie die Vorrunde übersteht. Auf der sportlichen Ebene ist ein gewisses nationales Verbundenheitsgefühl, wie ich finde, verzeihbar. Ich würde allerdings nie eine Deutschlandfahne aus dem Fenster hängen, oder mein Auto (hätte ich eines) mit Fähnchen schmücken, und schon gar nicht würde ich mir ein Nationaltrikot überziehen. Doch jedermann soll nach seiner Facon feiern, solange es fröhlich und friedlich zugeht.
Mal sehen, wie das Spiel der Deutschen gegen Australien heute Abend ausgeht. Ich finde es schwierig, einen Tipp abzugeben, weil ich, ehrlich gesagt, nicht recht weiß, wie gut die deutsche Mannschaft wirklich in Form ist, wie gut sie Trainer Löw auf die WM einstellte. Und von der australischen Mannschaft weiß ich eigentlich gar nichts. Spielte Deutschland überhaupt schon mal gegen die Aussies?
Wie auch immer. Ich werde mir einen Kneipenfernseher suchen und in der Nähe der Zapfhähne der Dinge harren, die da kommen.
Euch auch viel Spaß!
Manchmal frage ich mich, warum ich keine Kinder habe. Und dann denke ich, dass es sowieso zu spät ist jetzt. Muss man denn Kinder haben wollen? Bin ich irgendwie unnormal, weil ich nie wirklich den Kinderwunsch verspürte? Mit Sicherheit verpasste ich somit die von der Natur vorgesehene Weiterentwicklung zur Elternschaft. Ich werde viele wunderbare Ereignisse nicht erleben, bzw. sie nur aus meiner Erinnerung heraus aus der Sohnperspektive nachvollziehen können. All das Glück, was meine Eltern mit mir hatten, vom ersten Milchzahn bis zu den Männlichkeitsritualen, also den ersten Besäufnissen ...; wie groß muss ihre Liebe gewesen sein? Liebe ist eigentlich ein viel zu schwaches Wort dafür, was Eltern gegenüber ihren Kindern empfinden müssen. Durch meine Kinderlosigkeit habe ich mir freiwillig die Chance auf dieses Gefühl und die damit zusammenhängende Erlebnisbreite sowie Reife genommen. Wenn ich mir überlege, was manche Paare andererseits auf sich nehmen, um ein Kind zu bekommen ... Ist die Welt nicht verkehrt, dass jene, die sich unbedingt Kinder wünschen, sie nicht einfach bekommen können, währenddessen ein Potenzkamerad wie ich sein Sperma sozusagen zum Fenster heraus wirft?!
Über die Gründe, warum ich keinen Nachwuchs will, kann ich selbst nur mutmaßen: Zusammengefasst: 1. Ich wollte nie heiraten. 2. Ich bin definitiv zu faul. 3. Es gibt meiner Meinung nach mehr als genug Menschen auf der Welt. 4. Ich finde es ungeheuer, dass ich für einen neuen Menschen, ein neues "Ich" mitverantwortlich bin ...
Es sind gleichermaßen rationale wie irrationale Gründe, - vielleicht weniger emotional als bei jenen, welche sich unbedingt fortpflanzen und in diese Welt eine Nachkommenschaft entlassen wollen. Ich weiß nicht, denn ich kann real nicht nachvollziehen, warum das Erwachsenenleben notwendigerweise mit einer Elternschaft verknüpft sein soll. Ich finde es ganz gut, dass die Zahl der Singlehaushalte anwächst. In meinem Alter finde ich meist nur Frauen nach Scheidungen oder kurz davor, alleinerziehend mit mehr oder weniger schwierigen Kindern. Anfangs geht das auch ganz gut, weil diese Frauen eh erstmal keine feste Bindung eingehen wollen, aber wenn dann doch richtige Liebe im Spiel ist, kommt die Familie mitsamt Kindern also auf Umwegen auf mich zu. Nun lehne ich Kinder nicht ab - da würde man meine Haltung gänzlich falsch verstehen - aber ich will kein Vater sein, auch nicht von anderen Kindern. Bestenfalls will ich ihnen ein Kamerad oder (sogar) Freund sein. Dummerweise gerate ich in der Praxis früher oder später in eine Zwickmühle, weil es gar nicht einfach ist, sich nicht einzumischen. Am Besten läuft es, wenn die Kinder bereits groß sind und ihre eigenen Wege gehen. Na ja, in wenigen Jahren bin ich auch schon Fünfzig. Mit Omas ist es hoffentlich unkomplizierter.
Als Zwanzigjähriger dachte ich nicht darüber nach, wie schwierig es für mich als Dauersingle mal werden sollte. Ich sah nur die Vorteile, vorallem meine Freiheit. Nein, auch heute bedaure ich meine Haltung nicht. Allerdings hätte ich mir nicht vorgestellt, dass ich immer wieder indirekt durch die Scheidungsgeschichten und Erziehungsprobleme anderer dann doch in die ganze Familienmisere und die Verantwortungsfrage hineingezogen würde. Alles fordert seinen Tribut. Ich wollte keine Kinder, aber auch nicht ins Kloster. Heiraten war mir schon als Kind irgendwie suspekt. Und Familie empfand ich die meiste Zeit als eine Bürde, als ein Muss ...
Die Jahre vergingen. Ich hatte meine guten und schlechten Tage. Ich liebte. Ich durfte viel lieben; das hätte ich gar nicht gedacht, wo ich doch in gewisser Weise mit meiner Einstellung ein Sonderling bin.
...
Nachsatz:
Wenn Kinder erstmal da sind, sollten wir ihnen auch eine gute Zukunft bereiten, und Chancen zur Selbstverwirklichung. Aber die Bedingungen sind in einer Leistungsgesellschaft nicht gerade die Besten. Wo bleiben unsere schwachen Kinder, die doch ebenso liebenswert sind?? Schon bei den Kindern rutschen wir in eine Zweiklassengesellschaft. Chancengleichheit ist eine Schimäre. Finanzschwache und alleinerziehende Eltern sind benachteiligt. Sie kämpfen oft wie die Löwen, doch es werden ihnen immer wieder Steine in den Weg gelegt. (An dieser Stelle meine Hochachtung vor alleinerziehenden Frauen.)
Ich kann gut verstehen, wenn manche Mütter am Liebsten den Bettel hinschmeißen würden. Sie leisten unglaubliches, wenn sie gleichzeitig mit Scheidung, altem Partner, neuem Partner, den Eltern, den Schwiegereltern, natürlich und vorallem den Kindern und schließlich noch mit einer Berufstätigkeit zu tun haben.
Es gibt nach wie vor viel zu wenig Unterstützung durch die Gesellschaft für solche problematischen Lebenslagen; dabei wäre es eine sinnvolle Investition, weil Folgeerkrankungen der Kinder und Eltern vorgebeugt würde. Wir fordern ständig Leistung, aber ermöglichen erst gar nicht, dass die Schwachen und Benachteiligten eine gerechte Chance bekommen.
Es ist Badesaison. Ich hoffe, dass die schwarz-gelbe Regierung bald baden geht. Wenn schon Chaos, dann eines, welches den Kleinen Leuten zugute kommt. Wenn wir schon untergehen, dann teilt bitte denen Champagner aus, die sonst nicht in den Genuss davon kommen. Liebe Regierungsvertreter, zeigt ein einziges Mal Ehre, Anstand und Mut, indem ihr den Armen gebt und den Reichen nehmt. Ich habe Eure ständigen Ausreden satt. Wie wäre das, wenn wir mit dem "Rasenmähen" bei Euch und den Bonzen anfingen? Eure Lügen sollte man besteuern - und der Bundeshaushalt wäre saniert. Wenn Ihr von Konsolidierung redet, meint ihr das Gesetz des Stärkeren, und zuckt dabei mit keiner Wimper. Dummerweise kann man die Langzeitarbeitslosen nicht wie Müll ins Ausland verschachern. Darum muss man sich im eigenen Land um eine möglichst kostengünstige Lösung kümmern. Wie wäre es mit einem Euthanasiegesetz? Ich meine, bevor Merkels und Westerwelles die Felle davonschwimmen ...
Kein Land kann es sich heute noch leisten, alle schwachen Mitglieder mit durchzuziehen. Stellt sich die Frage, wie man die Verfassung austrickst - wohl nur eine Frage der Zeit, und Ihr findet eine Lösung. Rhetorisch habt Ihr`s bereits vorweggenommen, dass Arbeitslose und Hartz IV Empfänger eigentlich lebensunwert sind und sich für jeden Almosen von Vater Staat schämen müssen. Sie sollen sich wie der letzte Dreck fühlen, wie Ausschussware der Gesellschaft. Noch sind sie ja eine Minderheit, die leicht mundtot zu machen ist. Dazu muss man nur wie ein Herr Koch mit markigen Sprüchen den Sozialneid schüren, und die Randgruppen hauen sich untereinander auf die Schnauze. Intelligenter Mann ist dieser Koch - den hätte sich Merkel warm halten sollen.
Und dann Köhler: wer war Köhler? Ach ja, ich erinnere mich. Er war der Weihnachtsmann. Er ist der erste Weihnachtsmann, der zurücktrat. Und nun diskutieren sie wie die Schweine über die Nachfolgeschaft.
Wir brauchen den Weihnachtsmann. Keiner kann sagen, warum. Armer Köhler. Zu ungeschickt im Lügen. Mal sehen, ob ich ihn im Schwimmbad treffe. Endlich ist er das Volk los, da kann er ganz Mensch sein.
Hamburg
Samstag Vormittag angereist / Stadtbummel / Rathaus und Jungfernstieg im Sonnenschein / Speicherstadt erlaufen / Am Abend Straßenfest in der Langen Reihe / Müde im Hotel abgelegt / Klitschko gewinnt seinen Titelkampf durch K.O. / Schnarch ...
Sonntag - sehr früh aufgestanden - in die U-Bahn nach Landungsbrücken / kopfschüttelnd registriert, dass Lena Meyer-Landrut den Song Contest gewann / im Fischmarkt den Durst gestillt / die verregnete Reeperbahn / Mittags ins Kino: "Die Friseuse" / Danach ein Nickerchen im Hotel / Es regnet wie aus Kübeln / Keine großen Sprünge mehr / In einer Schwulenkneipe bei ein paar Bier trockengelegt / Schließlich ein großes Schnitzel im Bahnhofsrestaurant "Schweinske" / Müde bin ich, geh zur Ruh ...
Montag: Rückreise / Vorher noch ein Kaffee im "Schweinske" / Im Zug sogleich das Bordrestaurant angesteuert / Ich höre vom Rücktritt Horst Köhlers / Auch in der Heimat regnet es / Die letzte Strecke mit dem Taxi ...
Fazit: Hamburg ist eine bezaubernde Großstadt, die ich gerne wieder besuchen will.
Das Glück ist eine leichte Dirne,
Und weilt nicht gern am selben Ort;
Sie streicht das Haar dir von der Stirne
Und küßt dich rasch und flattert fort.
Frau Unglück hat im Gegentheile
Dich liebefest ans Herz gedrückt;
Sie sagt, sie habe keine Eile,
Setzt sich zu dir an`s Bett und strickt.
(Heinrich Heine)
- eines meiner Lieblingsgedichte von Heine.
Das Ei - in meinen Augen die ästhetischste Form in der Natur. Es ist sozusagen der Grundbaustein des Lebens. Fasziniert schaue ich mir das Bild eines Eis einer Krähe an. Minutenlang könnte ich davor meditieren und über das Leben sowie über seine Entstehung nachsinnieren. Die Natur ist voller Schätze und Wunder.
Wenn es Gott gibt ..., wenn es etwas Letztes gibt, dann sollte es die Form und Magie eines Eis haben, denke ich bei mir.
(Ein Beitrag auf Lawes Blog machte mich scharf auf dieses Wörtchen.)
scharf schließen - Schloss
scharf schießen - Waffe
scharf sehen - Optik
scharf machen - Bombe
scharf aussehen - Style
scharf essen - Gewürz
scharf denken - Intelligenz
scharf machen - Sex
scharf sein - Libido
scharf sein - Klinge
...
Wem fallen weitere Verknüpfungen ein?
Über den Daumen gepeilt dauert ein langes Leben vierunddreißigtausend Tage, wovon ich gut die Hälfte hinter mir habe. Ich hatte Bergfest. Woody Allen sagte, dass man sich selbst belügen muss, um glücklich - am Leben - zu sein. Ich selbst befinde mich in einem scheinbar unauflösbaren Zwiespalt: Einerseits möchte ich noch möglichst lange leben und habe Angst vorm Sterben, andererseits hätte ich am Liebsten alles hinter mir: Jeden Tag die Kraft aufzubringen, im Leben zu bestehen mit all den Belastungen von Beruf und Familie, Krankheit ... Ich hangele mich von Tag zu Tag, von Woche zu Woche, Monat zu Monat, durch den Urwald der Jahre. Wenn ich zurückblicke, verschwimmen die Bilder vor meinem geistigen Auge: Bin das wirklich Ich? Wohin ging meine Liebe? Die Vergangenheit wurde mir fremd. Selbst Dinge, die erst wenige Jahre zurück liegen, sind wie abgeschnitten von mir im Dickicht eines früheren Lebens. Doch fühle ich mich keineswegs unbeschwert. Ich spüre die Last der siebzehntausend Tage.
Siebzehntausend Mal wach werden, um ein Tagewerk vor sich zu haben: mit Bedürfnissen, Pflichten, Verantwortung, abwechselnd Leid und Freude, Hektik und Lethargie ...
Meine Gedanken entführen mich in die Zukunft, wo der Tod auf mich wartet. Die Greisin, die ich in der Nacht auf die Toilette führe, sagt, sie sei zu alt geworden. Gebückt schlurft sie am Rollator an meiner Seite, sie trägt die doppelte Last an Jahren. Ihr Lächeln hat einen schalkhaften Anstrich. Ich weiß, dass sie von dem Unabänderlichen weiß: So ist es also am Ende des Lebens, wenn man den Felsen wie Sisyphos in der Sage Tag für Tag den Berg hoch rollte.
Der Tag holt mich. Meine Sinne sind im Hier und Jetzt. Sonnenstrahlen brechen durch die Wolken, als würden sie mir zuzwinkern: Wir haben alle dasselbe Schicksal. Es ist vielleicht gar nicht so schlimm, wenn man sich selbst belügt. Life goes on. Nächste Woche bekomme ich neue Schneidezähne. Die Eitelkeit hat gesiegt. Ich freue mich auf den Sommer, auf die Biergärten, auf fröhliche Gesichter und laue Abende. Auf dem Fahrrad werde ich wieder ein Stück Welt erobern.