Berlin

Sonntag, 18. März 2018

Aussprache


Ein eisiger Wind wehte durch die Straßen. Es war sprichwörtlich arschkalt. 10 Minuten mit dem Fahrrad, wobei ich davon die längste Zeit an den Fußgängerampeln stand. Das Alt-Bayern liegt gegenüber den Potsdamer Platz Arkaden. Vor allem in der wärmeren Jahreszeit sitzt es sich dort gut auf der langen Terrasse. Ich traf einige Minuten vor der verabredeten Zeit ein und bestellte mir schon mal ein großes Helles. „Einen Liter?“ fragte die Bedienung, ein junger Mann ausländischer Herkunft. Ich blickte ihn verdutzt an und belehrte ihn freundlich: „In Deutschland ist ein großes Bier immer ein halber Liter. Wollte ich einen Liter, würde ich eine Maß bestellen.“
O. kam pünktlich. Ihr Anblick munterte mich auf. Wann hatten wir uns überhaupt das letzte Mal gesehen? Wir ließen es langsam angehen, wärmten uns erstmal auf. Schließlich begann sie, mir ihre Sicht der Dinge zu schildern. Danach war ich dran. Es wurde sehr emotional – aber im positiven Sinne. Die Aussprache wirkte befreiend. Jeder hatte bis dato eine große Last mit sich herumgeschleppt. „Ich hatte Angst davor, wie du reagieren würdest“, sagte sie. „Ich hatte auch Angst vor dem Treffen.“ Unsere Hände trafen sich auf der Tischmitte.
Wir verbrachten noch einen wunderschönen Nachmittag mit Einkaufen und Kino. „Arthur & Claire“ lief im Cinemaxx. Der Film setzte unserer ohnehin sentimentalen Stimmung die Krone auf.
Danach kam sie noch mit zu mir. Schon komisch, das so zu sagen, und auch traurig, war das doch bis vor kurzem unsere gemeinsame Wohnung. O. kochte für uns. Es gab gute Pasta und Lachs. Nach dem Essen waren wir beide müde. Der emotionale Nachmittag musste erstmal verdaut werden. O. packte noch ein paar Sachen zusammen und bestellte sich ein Taxi nach Hause. Ihre Adresse ist jetzt Prenzlauer Berg.

Samstag, 17. März 2018

Südlicher als der Südpol


Südlicher als der Südpol geht nicht. Stephen Hawking hat recht. Es kann kein Vorher geben, wenn die Raumzeit aus dem Nichts heraus startete. Ebenso verhält es sich mit unserem Leben. Vorher gab es mich nicht, und danach wird es mich nicht geben. Ich komme aus dem Nichts und gehe dahin zurück... Ich habe ein gutes Verhältnis zum Nichts. Wenn ich mir überlege, mit wieviel nichtigen Dingen ich mich Tag für Tag beschäftigen muss. Dann doch lieber gar nichts tun. Ich liebe es, einfach nur rumzusitzen und mir Gedanken um nichts zu machen. Ich sehe das als eine Form der Emanzipation von den Automatismen, Selbstverständlichkeiten und Traditionen an, in denen wir alle wie in einem Sumpf feststecken. Viele merken das gar nicht, oder wollen es nicht wahrhaben. Ihr Interesse an unabhängiger geistiger Erkenntnis hält sich in Grenzen. Schade, denn ich mag Diskussionen mit Menschen, die ihren eigenen Kopf haben.
Ich weiß, viele behaupten, einen eigenen Kopf zu haben, sind aber bei genauerer Prüfung (eingebildete) Blödiane und ziemlich weit davon entfernt. Zu dieser Gruppe gehöre ich hoffentlich nicht (- mit der Selbsteinschätzung ist das bekanntlich so eine Sache).

Heute Mittag zur Aussprache mit O. verabredet. Am Potsdamer Platz in einer Gaststätte. Süffiges bayrisches Bier gibt`s, und vor allem hat man seine Ruhe. Es war mein Wunsch. Ich will endlich wissen, woran ich bin. Eine vierjährige Beziehung schüttet man nicht einfach wie eine abgelaufene Konserve ins Klo.
Ganz schön bitter das Ganze. Große Hoffnung hege ich keine. Aber es wäre gut, wenn sie mir ihre Beweggründe näher erläuterte. Auch will ich gern wissen, wie sie sich die Beziehung zu mir unter den neuen Gegebenheiten vorstellt.

Warum platzt das ganze Universum nicht einfach wie eine Seifenblase? Warum muss sich alles endlos wiederholen? Auch die Varianten leiern sich mit der Zeit aus. Wozu so viele Tage/Jahre leben, wenn man den Unsinn in einer einzigen hellen Sekunde erfassen kann?

Ich frage mich, wie O. mich lieben konnte.

Sonntag, 11. März 2018

Lange Nacht, Traum, Horst Krause und affenwarmer Sonntag


Ich träumte von ihrem Vater. Er nahm mich mit auf ein russisches Fest in Berlin. Wir tranken einige Schnäpse – ich war eingeladen. Ich fand ihn gar nicht übel, den Vater. Bevor er abreiste, schenkte er mir irgendwas traditionell Russisches. Es gefiel mir, hatte schöne Farben und gab seltsame Töne von sich…

Was man nicht alles träumt, wenn die Nächte lang sind.
Als ich aufwachte, fand ich nicht mehr zurück in den Schlaf. Der Wecker zeigte Vier Uhr morgens. Ich stöberte in der Mediathek des Tablets und guckte schließlich den Film „Küss die Hand, Krüger“ mit Horst Krause. Darin reisen zwei Stammgäste der Berliner Kiezkneipe „Zum Flachbau“ ihrer Wirtin nach Österreich hinterher. Die Wirtin will die Kneipe verkaufen, weil sie sich in einen österreichischen Charmeur verliebte. Das darf natürlich auf keinen Fall geschehen! meinen die Stammgäste. Einer von ihnen ist außerdem verliebt in die Wirtin. Es geht nun darum, ihr die Heiratsflausen auszutreiben. Die Reise führt sie erst an den Wolfgangsee, dann nach Salzburg und zwischendurch nach Wien. Nach und nach wird klar, dass der österreichische Herzbube ein Heiratsschwindler ist. War eh klar, oder?
Happyend! Die Heirat platzt, und der Heiratsschwindler kriegt was in die Fresse. Die Wirtin ist freilich sehr traurig - aber geläutert. Zurück in Berlin feiern sie das Ganze im „Flachbau“ mit einem Eisbeinessen, Getränke frei. Juchhe!
Was man sich nicht alles reinzieht… Der Film war seichter Schmonsens (mehr wollte er auch nicht sein). Der dicke Krüger stemmte es. Eine Szene gab es, die mich echt anrührte. Krüger düst kurz vor Ende alleine nach Wien zum Prater. Seine verstorbene Frau hatte sich ehemals so sehr dort eine Riesenradfahrt mit ihm gewünscht. Doch weil Krüger immer nur seine Arbeit im Kopf hatte, kam es nie dazu. Er mietet also eine ganze Gondel für sich allein und dreht ein paar Runden… im Gedenken an seine Frau.
Bei Riesenrädern werde ich unwillkürlich schwach. Was bin ich doch für ein sentimentaler Hund!

Inzwischen stand ich auf. Es ist auch schon hell. Die Sonne scheint. Alle pennen noch. Na klar, es ist Sonntag. Ich sitze etwas verloren vorm Computer. Spaßeshalber googel ich nach der Kneipe „Zum Flachbau“. Und ja, die gibt`s wirklich in Kreuzberg, sieht auch genauso aus. Der Film ist bestimmt `ne gute PR für den echten Wirt oder die Wirtin. Gar nicht so weit von hier – zwei Kilometer. Wie das Wetter aussieht, sollte ich unbedingt rausgehen. Im Wetterbericht lese ich, dass es mit 16 Grad geradezu affenwarm wird. (Isses möglich!)
Mein letzter Tag in Freiheit, wenn ich meine Krankschreibung morgen nicht verlängere. Ich bin zwar noch verschleimt, fühle mich aber nicht mehr krank. Bringt ja nichts, noch länger zuhause rumzusitzen. Also, unbedingt den heutigen Tag genießen - Faltrad auffalten, und los geht`s!

Samstag, 10. März 2018

Samstagvormittag zuhause


Mir gefällt meine Berliner Bude. Sie liegt zwar nicht in Kreuzberg und auch nicht im Bezirk Prenzlauer Berg, aber ich fühle mich mittendrin. Drinner geht`s kaum, ohne wehzutun. Nach drei Jahren lebte ich mich halbwegs ein im Potse-Kiez.
Die Wohnung selbst ist weder zu groß noch zu klein. Für eine Person gemütlich, für zwei Personen aber auch noch machbar. Leider nicht ganz günstig. Die Miete durch zwei zu teilen, war angenehm. Das ist nun vorbei. Auch die ganzen Erinnerungen, die ich mit der Wohnung verbinde, sind schmerzhaft. Vorerst habe ich aber nicht vor umzuziehen. Da ist vor allem der kurze Arbeitsweg, der eine große Bequemlichkeit darstellt. Darum werde ich immer wieder von den Hühnern beneidet.
Also, ich würde es mal so formulieren, was meine Zukunft hier angeht: Nichts Genaues weiß man nicht. Es kommt ganz drauf an, wie es beruflich und privat weitergeht. Bevor ich zur Mumie werde, würde ich gern ausbrechen.

Ein Zuhause zu verlassen und zu sagen, dass sich damit nichts ändert… Ich glaube, sowas sagen Teenager, wenn sie aus dem Elternhaus ausziehen. Sie wollen damit Mamma und Papa trösten. Wie aber ist eine solche Aussage zu interpretieren, wenn sie vom Partner kommt?
Ich weiß nicht. Ich krieg`s nicht in die Birne. Resultat: Ich fühle mich verarscht.

Freitag, 9. März 2018

Der Schleim hat sich gelöst


Im Spiegel blicke ich auf einen Dreitagebart, was äußert selten vorkommt, eben nur, wenn ich krankheitsbedingt das Bett hüte und in meinen Säften schmore. Nach drei Tagen ahne ich, warum Einzelhaft eine Folter ist. Wobei ich jederzeit rausgekonnt hätte. Meine Isolation war freiwillig. Kein Gespräch, kein Mensch, der einem Beachtung schenkt, während ein paar Meter weiter alles seinen gewohnten Lauf nimmt: die Autos über die Straße poltern, und die Menschen vorm Fenster vorbeilaufen. So ähnlich muss es auch den Alten gehen, die in ihren Wohnungen vereinsamen und dahinvegetieren. Vielleicht hie und da ein paar Worte beim Bäcker oder an der Supermarktkasse. Danach zurück in die vier Wände Einsamkeit.
Als ich mich am Dienstag auf der Arbeit krankmeldete, meinte die Oberdokumentarin: „Dann lass dich mal ein paar Tage verwöhnen.“ Worauf ich bitter lächelte und meinte: „Das glaube ich eher nicht – meine Partnerin arbeitet sehr viel.“
Aber gut. Ich bin das Alleinsein von früher gewohnt. Hart ist es trotzdem. Wenigstens fühle ich mich heute schon besser. Der Schleim hat sich gelöst. Keine erhöhte Temperatur, kein Halsweh. Am Nachmittag werde ich mit dem Bike ausreiten. Im Sanitätsfachgeschäft liegen ein Paar neue Einlagen für meine Plattfüße abholbereit. Danach Einkaufen. Und ein Bier im Pub ist auch drin. Ja, mich gibt`s auch noch, haha. Das Übliche.

Sonntag, 4. März 2018

Das Leben ist schön


Meine Güte, ich muss gewachsen sein – bei beiden Fahrrädern korrigierte ich die Sattelhöhe (ca. 2-3 Zentimeter) nach oben. (Vielleicht liegt es daran, dass ich zu viel Fleisch esse. Ist nur eine marginale Überlegung.) Ich dachte, dass man allgemein im Alter schrumpft, und nun das!
Gut, nach oben ist noch etwas Luft. Doch eigentlich war ich mit den 178 Zentimetern zufrieden, die in meinem Ausweis stehen. Sehr große Menschen erscheinen in meinen Augen immer etwas ungelenk. Und Basket- oder Volleyballspieler wollte ich nie werden. Auch was die Frauen angeht, gibt`s im Segment unter, sagen wir mal 172 Zentimeter, doch eine ganz gute Auswahl. Welcher Mann will schon eine Lady neben sich, zu der er aufgucken muss? In diesem Zusammenhang fällt mir immer wieder Humphrey Bogart ein, der sich bei den Dreharbeiten zu „Casablanca“ auf eine Art Podest stellen musste, um Ingrid Bergmann zu küssen. Immerhin hatte er die Hauptrolle… Ich habe nichts gegen kleine Leute. Woher? Nur die kleinen Kläffer gehen mir auf den Sack. Ich habe auch nichts gegen Große. Ein nahes Familienmitglied bringt es auf 198 Zentimeter. Woher kommen nur diese eklatanten Größenunterschiede? In der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts ging das mit dem Riesenwachstum los. Ich meine nicht das krankhafte Riesenwachstum, welches es auch gibt. Nein, die Menschen wurden allgemein größer. Ich könnte das jetzt im Internet recherchieren, aber das mache ich nicht. So sehr interessiert mich dieser Umstand dann doch nicht.

Ich schraubte im Wohnzimmer an meinem Fahrrad herum. Was gibt`s sonst zu tun sonntags? Kirchgänger war ich nie. Und man kann auch nicht ständig in die Glotze gucken. Ich machte gar nicht viel am Fahrrad, montierte lediglich einen Spritzschutz. Übereifrig, wie ich bin, flog dabei eine Schraube ins Zimmer. Natürlich flog sie hinter ein Regal. Fast war`s das, aber dann beschloss ich, die Schraube zu suchen…
Ich fand sie - leider sah ich bei der Suche einiges, was ich wirklich nicht sehen wollte. Man könnte es in einer Frage zusammenfassen: Woher kommt der ganze Dreck? Es sah danach aus, als ob er sich hier gemütlich eingerichtet hätte. Er machte das ganz geschickt, indem er sich die Ecken und Nischen aussuchte. Man müsste ihm ständig hinterherputzen. Aber wer will das schon? Uff! Warum fällt mir hierzu eine ungehörige Allegorie auf unsere Gesellschaft ein… Schließlich bin ich kein Nazi. Oder vielleicht doch im geheimsten Winkel meines Wesens? (Nein!) Man kann unmöglich Menschen mit Dreck vergleichen. Wo kämen wir dahin, wenn wir das Gesindel von den Straßen nähmen? Es gehört einfach dazu…
Nachdem ich den Dreck weggeputzt hatte (nicht sonderlich gründlich – wozu auch? Mir liegen solcherlei Sisyphos-Tätigkeiten nicht), rückte ich das Regal wieder an seinen Platz und vollendete die Arbeit an meinem Fahrrad.

Nachher werde ich mal `ne Runde mit dem höhergestellten Sattel (und dem neuen Spritzschutz) drehen. Nicht weit. Nur kurz die Kurfürstenstraße rauf und runter, am Straßenstrich vorbei, und danach auf ein Bier im rauchigen, verstaubten Pub bei den Losern abhängen.

Sonntag, 25. Februar 2018

Alles wie gehabt


Neujahr 2013. Ich sitze im EC von Klagenfurt. Ein letztes Mal. Beziehungsshowdown zum Jahreswechsel. Ich blicke aus dem Zugfenster auf die verschneiten Alpen, in meiner Brust bohrt der Stachel Wehmut. Er leistet wie immer ganze Arbeit – lässt kaum einen klaren Gedanken zu. Das Liebesaus hatte sich angekündigt, und wir ließen es geschehen. Sollte wohl so sein. Besser ein klarer Schnitt. Was nicht ist, ist nicht. Wozu sich was vormachen. Wäre nur nicht dieser verdammte Liebesschmerz. Die räumliche Distanz wird es leichter machen. Ich bestelle mir im Zugrestaurant Grüner Veltiner, den ich mit Cola Zero mixe. Acht lange Stunden, bis ich in Heidelberg ankomme.

Heute, gut fünf Jahre später in Berlin. Ich blicke aus dem Fenster in einen eiskalten Sonntagvormittag. Die Autokarosserien reflektieren die Sonne. Ein Licht-und Schattenspiel auf dem Kopfsteinpflaster der Straße. Meine Gedanken fahren Karussell. Bin ich nicht langsam zu alt für diesen Liebesscheiß - wozu der ganze Aufriss? Aber der Stachel sitzt tief. Ich weiß, dass sich der Schmerz nicht einfach auflösen wird. Es ist erst der Anfang.
Ich mixe einen trockenen Müller-Thurgau mit Cola Zero. Dazu Bluesmusik aus dem Internetradio. Alles wie gehabt.

Donnerstag, 15. Februar 2018

Fahrrad a. A.


Gott sei Dank nur das Faltrad. In der alten Heimat benutzte ich es selten, aber hier in Berlin war ich dankbar, dass ich es hatte. Ungeheuer praktisch, so ein Faltrad, das muss ich konstatieren, gerade in einer Großstadt. In zusammengefaltetem Zustand konnte ich es umsonst in U- und S-Bahn mitnehmen. Auch für Kurzstrecken war es mir lieber als das große, sperrigere Rad, so fuhr ich damit zu meiner neuen Arbeit. Es hielt ganz gut durch, Bordsteinkante hoch und runter… Nun Materialermüdung – das zentrale Faltgelenk brach irrreparabel. So ist das mit den Dingen. Man denkt an nichts Böses, und plötzlich geben sie den Geist auf. Mist-Mist-Mist! dachte ich.
Nun muss ein neues Faltrad her. Oder wäre das taktlos gegenüber dem alten? Ich habe es noch nicht mal entsorgt…, in Anlehnung an: Sie liegt noch nicht mal unter der Erde, und er flirtet bereits wieder.

Sonntag, 28. Januar 2018

Beziehung a. A.


O. will ausziehen. Sie sagt, faktisch würde sich dadurch nichts ändern. Ich sage: Das war`s dann. Der Gnadenstoß.
Okay, warum etwas künstlich am Leben erhalten, was längst schon tot ist, oder so gut wie tot.
Es war von Anfang an ein Experiment. Ich stand dem Zusammenleben skeptisch gegenüber. Der Alltag macht mürbe. Ein Wunder, dass O. es solange mit mir altem Grantler aushielt. Aber damals ging es nicht anders. Sie bestand darauf, und ich war bis über beide Ohren verliebt. Es war zudem das Einfachste. Berlin ist groß und teuer. Vor knapp drei Jahren machte ich mich für uns auf die Wohnungssuche…

Ich will nicht, dass sie auszieht. Insgeheim klammere ich mich an das letzte Fitzelchen Beziehung. Schließlich geht es um eine außergewöhnliche Liebe, die damals wie ein Wunder begann. Da ist es doch normal, dass man vorm letzten Schritt Angst hat. Verrückt, ich selbst forderte das ein oder andere Mal im Streit, sie solle ausziehen. Und nun ist es also soweit. O. sagt, sie hätte bereits was gefunden. Sch…ön. Ich werde ihr nicht im Wege stehen.

Ein Sonntagvormittag Ende Januar in Berlin. Er sitzt alleine in der Bude und schreibt am Laptop. Seine Partnerin übernachtete bei einer Freundin. Er erhält eine SMS, dass sie bald zurück ist. Er dreht den Kopf zum Fenster. Was für ein hässlicher Tag... Was wird er machen, wenn sie ganz weg ist?

Samstag, 16. Dezember 2017

Streik


Dass Ryanair Piloten streiken werden, passt mir gerade gar nicht – natürlich gönne ich ihnen ein besseres Gehalt, ich kann mir vorstellen, dass sie bei dem Billigflieger nicht top verdienen, aber ich will in zehn Tagen auf Fuerteventura sein, eine Pauschalreise mit Flügen von Ryanair. Vielleicht habe ich Glück, denn ich las, dass sie über die Weihnachtstage eine Streikpause einlegen. Ansonsten steht der Reiseveranstalter in der Pflicht, doch wer weiß, was dabei herauskommt… Es wäre ein großer Mist, wenn mein Urlaub ins Wasser fiele. Er war als besonderes i-Tüpfelchen am Jahresende gedacht - 2017 mit Sonne, angenehmen Temperaturen und Meeresrauschen abschließen. Kurz rauskommen aus der Depression des Alltags und dem Berliner Mief. Ein paar Tage ganz woanders sein, auf eine Horizontlinie blicken und in den Tag hineinträumen… Also, liebe Piloten, bitte am 26.12. nicht streiken und mich sicher auf diese Insel im Atlantik bringen. Ich finde es scheiße, dass ihr so schlecht bezahlt werdet. Wo man hinsieht, Ausbeuter! Ich muss nur mal an meine Zeiten als Altenpfleger denken. Da hatte ich auch eine sehr verantwortungsvolle Tätigkeit, die einen zudem ziemlich stresst und auf Dauer fertigmacht. Und wisst ihr, was man als gelernter Altenpfleger verdient?!? Gerade so viel, dass man sich selbst über Wasser halten kann. Einen Luxusurlaub kann man sich nicht leisten. Wenn man also mal rauskommen will, bleiben nur günstige Pauschalreisen oder die Angebote von Billigfliegern… Irgendwie beißt sich da die Katze in den Schwanz, oder? Die Leute sollen auf Teufel komm raus konsumieren, aber bei den niedrigen Löhnen (und hohen Mieten) geht das nur, wenn die Produkte billig sind. Und wer muss in diesem Pyramidensystem bezahlen? Das sind freilich die ganz unten… Somit werden wir quasi alle zu Ausbeutern… Versteht ihr? Wir sind alle Teile dieses unmenschlichen Systems. Mit jedem Schritt, den wir nach oben machen, treten wir nach unten. Vor kurzem stieß ich zufällig auf die Website "slaveryfootprint.org" – dort kannst du dir ausrechnen lassen, wie viele Sklaven für dich auf der Welt arbeiten…

Es gibt Tage, an denen man neben sich steht. Es gibt Dienstage, die sich bereits nach Freitag anfühlen. Es gibt Tage, die an der Wahrnehmung einfach vorbeigehen. Heute ist Samstag. Ich habe Geburtstag, und es fühlt sich nicht wie Geburtstag an. Ich gewöhnte mich daran, dass sich Tage nicht so anfühlen müssen, wie sie heißen, bzw. wie sie, eine bestimmte Sache verheißend, auf einen zukommen. Umso weniger man erwartet, desto geringer die Enttäuschung. Freilich eine Binsenweisheit. Nicht einfach durchzuhalten. Geburtstage würde ich am liebsten vergessen. Insofern ein Fehler zu erwähnen, dass ich Geburtstag habe. Mist! Am liebsten wäre ich heute mit O. ins Kino gegangen und danach essen. Passt aber nicht, weil sie einen wichtigen Termin hat, von dem ich nichts wusste. Ich bin sehr enttäuscht, was dumm ist, da ich mir aus Geburtstagen nichts mache.
Das Geschenk ist ausgepackt. Ein riesiges Sparschwein. Mir fällt einfach nicht ein, was ich dazu sagen soll…
Liebe Ryanair Piloten, enttäuscht mich bitte nicht. Bringt mich auf die Insel. Es ist Zeit.

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