Liebe?


Wenn wir alle liebten, ich meine, wenn wir alle liebende Geschöpfe wären, müsste unsere Welt dann nicht viel besser sein? Könnte es so was wie Massentierhaltung geben? Dürfte es Kriege geben? Wäre es möglich, dass wir unsere Mitkreaturen aus Habgier grausam abschlachten? Jeder Mensch, der liebt, könnte doch all diese Brutalitäten und Gemeinheiten niemals zulassen(?)
Was ist falsch an meinem Gedankengang – an diesem harmlosen Mittwoch Ende Februar?
Überanstrenge ich das Wort „Liebe“? Darf man gar nicht so viel von liebenden Menschen erwarten?Oder lieben sie vielleicht nur halb oder gar nicht? Ich kann meinen Mitmenschen nicht mehr trauen. Nur an die Mutterliebe glaube ich. Jedenfalls, was meine Mutter angeht. Es soll auch andere Mütter geben, die ihre Brut am liebsten weggeben würden. Das ist krank, sagt man. Ich sage: Ist nicht irgendwie die ganze Welt krank? Was ist mit der Liebe unter den Menschen? Alles eine Schimäre? Sozusagen eine fixe Idee? Okay, ich will euch nicht auf den Wecker gehen. Es ist, wie es ist. Nobody is perfect. Der Speck hängt zu hoch. Trotzdem springe ich. Ich will ihn wenigstens mit der Nase stupsen. Ich kann unmöglich aufgeben. Es ist mir zu wenig. Ich brauche Ideale wie Liebe, Gerechtigkeit und Freiheit! Aber nicht, weil es gerade en vogue ist. Nicht weil irgendwer sie verkündet. Was ist mit mir? Was ist mit meiner Liebe? Was taugt sie? Warum fühle ich mich oft ohnmächtig? Wollte ich für die Liebe sterben? Nein. Nein. Nein. Und wieso rege ich mich dann so auf? Wozu dieser Wortschwall? Ich bin eine Dumpfbacke wie alle anderen. Nur bin ich außerdem zu doof, um die Regeln dieses Spiels zu kapieren, das wir Leben nennen. Das ist mein Problem. Scheiß doch auf die Ideale! Es geht um was ganz anderes. Es geht um niedere Instinkte. Seit tausenden von Jahren ist es immer dasselbe. Wir sind heute technisch weiter, aber im Geiste hängen wir lange schon fest - trotz der ganzen Philosophen und Künstler. Mit denen schminken wir uns nur.
Ich bin verwirrt. (Bin ich verliebt?) Ich würde so gern verstehen, wozu wir leiden müssen. Aber ich will keine klerikalen Antworten. Ich suche nach menschlichen Antworten. Oder muss es gleich ins Intellektuelle abdriften? Was nutzen uns die ganzen Geisteswissenschaften? All dieses elitäre Gesocks, was sich nur selbst gefällt … Sie reden über alles. O ja, sie reden. Sie reden. Sie reden einen platt. Hä? Wieso kapiere ich nichts davon? Liegt es vielleicht daran, dass ich einfach ein ganz anderes Weltbild habe? Aber warum? Was sagt ihr zur Liebe? Liebt ihr? Ich weiß – genau so gut könnte ich euch nach euren Füßen fragen. Ihr lauft auf ihnen. Ganz selbstverständlich. Und es hindert euch nicht, böse zu sein. Nein, wieso auch? „Herr Präsident, Sie sind ein liebender Familienvater.“ „Das will ich meinen.“ „Sie gaben gerade den Befehl zum Raketenabschuss.“ „Ja, es musste sein, um unsere nationalen Interessen zu schützen, um unsere fortschrittlichen Ideale von Gleichheit, Freiheit und Gerechtigkeit nicht von einem barbarischen Feind zerstören zu lassen! Sie können mir glauben, dass mir die Entscheidung nicht leicht fiel.“ „Viele Menschen werden durch die Raketen umkommen, Herr Präsident.“ „Wir müssen uns verteidigen.“ „Rechtfertigt der Zweck die Mittel? Hätten Sie die Raketen auch zum Abschuss freigegeben, wenn im Zielgebiet Ihre Familie wäre?“ „Wenn Sie meinen, dass mir eine solche Entscheidung Spaß macht, täuschen Sie sich gründlich! Es geht um höhere Interessen, um die Erhaltung unserer Zivilisation ...“ „Und die gründet auf was, Herr Präsident?“
Ja, ich weiß, ich bin froh, dass ich nicht Präsident sein muss und nicht vor solchen Entscheidungen stehe. Auf was gründet unsere Zivilisation? Sind dabei Liebe und Mitmenschlichkeit nicht tragend? Sollten sie es nicht sein? Wo sind die Barbaren? Immer auf der anderen Seite.
Ich verstehe dieses Spiel nicht. Ich will es nicht verstehen. Mir wird übel, wenn ich darüber nachdenke. All diese Wortverdreher und Heuchler. Sie spielen mit Menschenleben. Sie sehen nur das Schachbrett. Von Liebe wissen sie nichts. Oder? Glaubt ihr, dass sie etwas von Liebe wissen?

Mico75 - 29. Feb. 12, 16:52

galube, das thema "liebe" ist ähnlich schwierig, wie die suche nach dem sinn des lebens. was liebe ist weiß ich nicht, es gibt viele verschiedene arten der liebe. für mich ist die liebe ein reines, unbeschmutztes gefühl. ähnlich dem, was du als mutterliebe bezeichnest. hesse hat mal gesagt: "wahres glück empfindet man nur in der kindheit." vielleicht ist es mit der liebe auch so. nur als kind lieben wir unverfälscht. danach macht man seine erfahrungen, wird geprägt. und man beginnt über die liebe nachzudenken und schon kann man gar nicht mehr lieben wie es sein sollte. liebe habe ich als druckmittel, als unerreichbare belohnung, als schmerz erfahren. dabei kann liebe etwas geiles sein.
politik(er) und liebe würde ich nicht in verbindung bringen. dafür ist die welt zu pervers und häßlich.

Aber im grunde bin ich auch so verwirrt wie du. eben auch ne dumpfbacke. aber ich werde immer wieder nach diesem gefühl suchen. und ich glaube, du auch.

bonanzaMARGOT - 29. Feb. 12, 17:25

ich idealisierte in diesem beitrag die liebe. und das ist eigentlich unzulässig und realitätsfremd. wie du es sagst, mico. und trotzdem ist da die sehnsucht nach diesem unverfälschten gefühl in uns.
als kinder empfanden wir es noch ursprünglicher - können wir uns davon nicht etwas bewahren? was macht das wasser von der quelle so trübe? ist das einfach der lauf des lebens, und es gibt kein mittel dagegen? müssen wir die dreckbrühe, in der wir leben, einfach akzeptieren? dürfen wir nicht dagegen anstürmen mit unseren gedanken (oder mit kunst)? was heißt in diesem sinne eigentlich mensch-sein?
bonanzaMARGOT - 01. Mrz. 12, 13:47

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