Was wäre eine Welt ohne Erinnerung?

Die Bedeutung von Erinnerung wird ungeheuer unterschätzt, da wir seltsam und selbstverständlich mit ihr leben und uns in keinem Moment vorstellen können, ohne Erinnerung zu sein - ich meine nicht den partiellen Gedächtnisverlust nach einer berauschenden Nacht oder nach einer Gehirnerschütterung - ...; wir können nicht wissen, wie ein Leben ohne Erinnerung ist, da uns niemand aus eigener Erfahrung/Erinnerung davon erzählen kann.
Lange-Weile - 17. Apr. 10, 18:03

bodenlos

Hallo Bo.,

ein kompletter Erinnerungsverlust wurde ja schon in zahlreichen Filmen behandelt.
Ohne Erinnerung zu sein könnte ich mit einem heimat- und bodenloses Dasein vergleichen. Nichts ist da, was meine Seele bevölkern kann...weder gute noch schlechte Erinnerungen.

Im Yoga wird ja der Zustand des Augenblicks angestrebt. aber dieser Zustand kann man nur einen Augenblick halten. Dann wandert der Geist schon wieder ab. Mal in die Zukenft, aber meis in die Vergangenheit.

Gruß LaWe

bonanzaMARGOT - 18. Apr. 10, 12:06

hi lawe

was ein leben bei verlust des kurzzeitgedächtnisses bedeutet, erfahre ich bei demenzkranken im altenheim.
ich versuchte mir über die bedeutung von erinnerung klar zu werden, indem ich mich fragte, ob eine welt ohne erinnerung überhaupt denkbar wäre.

die welt selbst, die natur, muss über eine art erinnerung verfügen. keine entwicklung ist ohne "erinnerung" vorstellbar - oder? was ist eine gegenwart wert ohne den raum der erinnerung, in welchem sie ja erst ihre bedeutung findet?

dir einen schönen sonntag.
oops - 17. Apr. 10, 18:14

welch eine frage/vorstellung

ohne erinnerung sind wir nicht derselbe mensch
eine andere, neue fremde person
und müssen all unsere erfahrungen neu machen
was prinzipiell ja nicht so schlimm wäre, weil mensch dann wie ein neugeborenes unbelastet allem gegnübersteht
das große und unangenehme dabei ist, dass sich die welt weiterdreht und diese noch weis wer und was man vorher war und dies auch voraussetzt

...
erinnerungen sind so schön und wertvoll und ich möchte auch nicht ohne die unangenehmen leben müssen ...

bonanzaMARGOT - 18. Apr. 10, 12:13

eine zweite chance

ja, ooops, die erinnerung macht einen großteil unserer persönlichkeit aus - das ist unser fußabdruck im leben und in der geschichte.
ein mensch, an den sich niemand erinnert, ist vom erdboden verschwunden, ganz und gar.

manchmal wünschte ich mir, dass ich, wie du es schreibst, noch mal ohne die last meiner erinnerung von vorne unbeschwert anfangen könnte. ich wäre ein mensch ohne geschichte, ohne eltern, und an meine eigenen böcke, die ich im leben schoß, würde ich mich auch nicht mehr erinnern.
klingt schon verführerisch.
eine zweite chance.
Thiara - 18. Apr. 10, 12:53

Ich glaube aber trotzdem daran, daß wir dann die dieselben Fehler machen würden.

Ich wünschte mir auch oft, daß ich nochmal von vorne anfangen könnte.
Aber dann wäre ich nicht ich. Mit all den Fehlern und Erinnerungen, guten sowie schlechten.
bonanzaMARGOT - 18. Apr. 10, 13:36

mehr oder weniger - würden wir die fehler wiederholen, aber wir wären trotzdem ein anderer. dasselbe samenkorn entwickelt sich unter anderen umständen doch anders.

eine andere frage ist, ob man, wenn man die erinnerung an sein bisheriges leben total verliert, sie nicht trotzdem in einem unbewusst weiter wirkt.

ja, thiara, umso älter man wird, desto mehr charakter bekommt man durch das erlebte. wieder von vorne anzufangen, würde auch eine neue kraftanstrengung bedeuten. einige grundlegende erfahrungen müßten neu gemacht und durchlitten werden.
Thiara - 18. Apr. 10, 14:22

Ich glaube ja sogar daran, daß wir alle schon mal gelebt haben. Und daß uns manchmal Erinnerungen dieser vergangenen Leben streifen...
oops - 18. Apr. 10, 14:24

spannend
es gibt nichts eindeutig wahres oder falsches
bonanzaMARGOT - 18. Apr. 10, 15:03

an wiedergeburt denke ich auch manchmal ...
eine faszinierende vorstellung.
doch wie oops es sagt, es gibt keine eindeutigen hinweise auf die wahrhaftigkeit.
Ranunkelchen - 19. Apr. 10, 22:12

das scheint so zu sein

"eine andere frage ist, ob man, wenn man die erinnerung an sein bisheriges leben total verliert, sie nicht trotzdem in einem unbewusst weiter wirkt"
ganzheitlich betrachtet spricht vieles für ein sogenanntes gedächtnis des körpers. jede zelle speichert erinnerung, die aber nur schwer oder garnicht bewußt abrufbar ist

andererseits können erinnerungen auch gefakt sein. neulich las ich von untersuchungen, wo probanten "falsche" erinnerungsfotos untergeschoben wurden und diese nach einiger zeit tatsächlich der meinung waren, es seien ihre eigenen erinnerungen...

lieben gruß
bonanzaMARGOT - 20. Apr. 10, 12:08

ich glaube, dass alles irgendwie die vergangenheit speichert. nur der mensch ist in der außergewöhnlichen lage, sie halbwegs differenziert zu reflektieren, sie in geschichten und modernerweise medien festzuhalten, und zur späteren wiederbesichtigung abzuspeichern.
in den genen z.b. dürfte unsere gesamte evolution als lebewesen enthalten sein, somit auch in jeder körperzelle.
aber ein gen oder eine körperzelle reflektiert wohl kaum den liebeskummer vom letzten jahr.

stimmt, unsere erinnerungen sind alles andere als ein konkretes abbild der vergangenheit und lassen sich im nachhinein beeinflussen/faken.
ich glaube, wir wären für unser handeln und fühlen für die gegenwart überfordert, wenn wir ständig den ganzen, ungeschönten ballast unserer vergangenheit mit uns rumschleppten. es ist schon so ziemlich schwer ...
wir müssen als zukunftsorientierte wesen denken. erst im alter, wenn nicht mehr viel zukunft vor uns liegt, leben wir stärker in den erinnerungen. irgendwie spüren es unsere neuronen, wenn es (langsam) zuende geht.

lieben gruß in deine woche, ranunkelchen.

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