Pissing Whole Day Long


Der graue Asphalt der Fahrbahn glänzt. Noch kann ich durch das Dickicht hinunter zur Straße sehen. Aber nicht mehr lange – das Grün wuchert munter.
Es regnet Bindfäden. Ein Nachtdienst steht vor der Tür. Ich ergebe mich in die Nachmittagslethargie mit einem schlechten Fernsehprogramm. Die rote Wäscheleine vorm Fenster erinnert mich an sonnige Tage des letzten Jahres. Zwei rote Wäscheklammern baumeln an ihr, ihre Farbe inzwischen ausgeblichen. An den Enden sind sie beinahe durchsichtig. Ich denke an ein Herz, das in der Witterung langsam seine Farbe verliert und durchsichtig wird. Vielleicht passiert das manchmal im Leben.
Vor einem Jahr lebten auch die Eltern noch. Ich kann immer noch nicht fassen, was alles in den wenigen Monaten passierte. Der Schlüssel für das Elternhaus liegt auf dem Fenstersims neben Armbanduhr, Kugelschreiber und Notizzetteln. Was ich wohl fühlen werde, wenn ich die Tür aufschließe und in die Vergangenheit eintrete? Ich werde allein sein mit den Erinnerungen … Irgendwo zwischen all den Sachen sind die Eltern noch. Ich will mir Zeit lassen, eine Dose Bier im Rucksack. Bei den Gedanken daran muss ich tief Luft holen, und meine Augen füllen sich mit Tränen.

Ich lege meine Hand auf den Heizkörper. Er wärmt leicht. Pissing whole day long. Das Rauschen der Autos tönt von der Straße zu mir hinauf. Ich zappe durch die TV-Programme. Eigentlich habe ich keinen Kopf für gar nichts.
Der Mensch und das Leben gehen eine äußerst merkwürdige Verbindung ein.

ein literarisches Tagebuch

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