Kindergarten: Lamya Kaddor vs. Henryk M. Broder


Wenn Menschen, die öffentlich ihre Meinung zu einem Thema sagen, in Buchform, journalistischem Artikel oder im Internet, darum beleidigt werden, ihnen Gewalt angedroht wird (bis hin zur Morddrohung), läuft mir jedes Mal ein kalter Schauer den Rücken hinunter. Heute las ich beim Stöbern durch die Nachrichten den Artikel „Morddrohungen: Lehrerin lässt sich beurlauben“. Auszug: „Die muslimische Autorin und Religionspädagogin Lamya Kaddor hat sich aus Sicherheitsgründen bis zum Sommer 2017 vom Schuldienst beurlauben lassen.“ Mein Interesse war geweckt – ich wollte den Stein des Anstoßes erfahren. Offensichtlich geht es um ihr neues Buch „Die Zerreißprobe“ - darin thematisiert sie unter anderem, dass auch die Mehrheitsgesellschaft ihren Beitrag leisten müsse, um Flüchtlinge und Einwanderer zu integrieren. Selbstverständlich, denke ich, das versteht sich doch von selbst. Ich kann mir nicht vorstellen, dass dies alleine der Auslöser der Hasswelle gegen sie darstellt. Wahrscheinlich reicht es den rassistischen Hohlköpfen bereits, dass sich eine Person mit Migrationshintergrund solcherlei Aussagen anmaßt. Ich recherchierte etwas im Internet, kam auf Henryk M. Broder, welchen Frau Kaddor mitverantwortlich für die Stimmungsmache gegen sie (und Muslime überhaupt) macht, und von dort auf einen von ihr verfassten Artikel in ZEIT ONLINE „Islamkritik, die niemand braucht“. Ich nahm mir die Zeit, den Artikel durchzulesen und fand darin nichts, was meiner deutschen Seele in irgendeiner Weise schaden würde. Einige Thesen wären sicher zu diskutieren, aber im Großen und Ganzen halte ich Frau Kaddors Sichtweise für schlüssig.

Menschen (egal welcher Nationalität, Religion oder Gesinnung sie sind) erhalten Morddrohungen, und anstatt sich solidarisch beizustehen, hacken sie auch noch aufeinander herum. Von intelligenten Menschen erwarte ich eine andere, sachlichere Diskussionskultur.
Vielleicht fände ich Frau Kaddor ätzend, wenn sie mir begegnete, aber sie hätte dennoch in dieser schwierigen Situation mein Mitgefühl. Henryk M. Broder unterstellt ihr Größenwahn – dass alles nur der Kampagne für ihr neues Buch diene… Er muss sie gut kennen.
Mir fällt dazu nur ein Wort ein: Scheußlich.

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