Der letzte Schultag


Gestern erst fiel mir auf, dass der Einbrecher auch das Sparschwein voller Kupfergeld mitnahm. Es muss ihm wie ein Goldschatz vorgekommen sein, so schwer wie es wog. Es war meine Reserve für ganz-ganz schlechte Zeiten… Soll der Schurke glücklich damit werden.
Den letzten Schultag mit "Excel" verbracht. EDV ist mein Lieblingsunterricht. Im Normalfall komme ich ganz gut mit und habe bei den Übungen ein Erfolgserlebnis.
Wie immer besuchte ich vorher auf ein Bier den „Bierbaum“. Durch die gläserne Eingangstür konnte ich sehen, dass ganz schön Betrieb war. Freitags ist es am vollsten. Das Wochenende wird von vielen schon Donnerstagabend eingeläutet, und Freitagmorgen sitzen dann die Durchmacher im Bierbaum. Als ich eintrat, stolperte ich fast über ein schwules Pärchen, das sich abseits von den anderen abknutschte. Musik dröhnte mir entgegen. Die Theke war voll besetzt. Ich nahm von Cria, der Thai-Bedienung, das Bier entgegen und setzte mich an einen der Stehtische. Ich betrachtete das skurrile Sammelsurium von Kneipengästen: neben den (inzwischen) bekannten Gesichtern ein paar Studenten und abgerissene Figuren – alle mehr oder weniger betrunken. Der Raum war rauchverhangen, die dicke Jeanette schmiss Geld in einen der Spielautomaten und grüßte mich, als sie mich sah. Ich verstand kein Wort, von dem, was im Raum gesprochen wurde. Das Lachen und Gerede ging in der lauten Musik unter. Janis Joplin sang…, ein Stammgast klatschte dazu in die Hände.
Ich schaute durch die großen Scheiben hinaus ins Morgengrauen. Es regnete. Passanten huschten vorbei. Die meisten Türken. In Berlin gewöhnt man sich besser daran, dass man sich als Deutscher in manchen Vierteln fremd vorkommt. Immer wieder wird das Thema „Flüchtlinge“ thematisiert – auch im Bierbaum. Tenor der meisten Gespräche lautet sinngemäß „Das Boot ist voll“.
Die Uhr zeigte mir an, dass ich aufbrechen musste. Gerne wäre ich noch ein Weilchen geblieben, um dazusitzen und mein Bier zu trinken. Eine Frau an der Theke erinnerte mich von ihrem Aussehen an Marael Johnson "Eine Verrückte legt los"… In der letzten Zeit komme ich viel zu wenig zum Lesen.
Ich duckte mich unter dem Regen. Eltern brachten ihre Kinder zur Schule. Der Verkehr strömte endlos durch die Sonnenallee. Eigentlich schien die Welt im Großen und Ganzen in Ordnung zu sein.

ein literarisches Tagebuch

Kontakt



User Status

Du bist nicht angemeldet.

Aktuelle Beiträge

TV-Tipp
"Seraphim Falls", 20 Uhr 15, Tele 5
bonanzaMARGOT - 22. Mai. 18, 13:23
möglicherweise im...
möglicherweise im stillen kämmerchen. oder...
bonanzaMARGOT - 22. Mai, 06:45
Wie kommst du denn darauf,...
Wie kommst du denn darauf, dass sich nur wenige Menschen...
iGing - 21. Mai, 23:45
Der vergebliche Kampf
Ein stetes Ringen zwischen Form und einem Inhalt,...
bonanzaMARGOT - 21. Mai. 18, 13:57
Zu den Rubriken (3)
28.10.2016 - 31.05.2018 2018 - Reisen Ausklang Am...
bonanzaMARGOT - 21. Mai. 18, 11:22
... absaufen im see,...
... absaufen im see, auch kein schlechter gedanke.
bonanzaMARGOT - 21. Mai, 09:11

Archiv

Dezember 2015
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So
 
 3 
 5 
 6 
 9 
10
11
12
13
14
17
22
24
26
31
 
 
 
 

Neues in boMAs prosaGEDICHTE-Blog

Über dem Paradies ist immer Nacht.
Über dem Paradies ist immer Nacht.
bonanzaMARGOT - 10. Mai. 18, 12:18
Der Kampf gegen andere vernichtet mich selbst.
Der Kampf gegen andere vernichtet mich selbst.
bonanzaMARGOT - 07. Apr. 18, 16:26
Auch Intelligenz kann weh tun.
Auch Intelligenz kann weh tun.
bonanzaMARGOT - 26. Mrz. 18, 17:09
Das Elend in der Welt ist die Macht.
Das Elend in der Welt ist die Macht.
bonanzaMARGOT - 26. Mrz. 18, 06:41

Suche

 

Extras



prosaGEDICHTE (... die Nacht ist gut für die Tinte, der Tag druckt die Seiten ...)

↑ Grab this Headline Animator


Von Nachtwachen und dicken Titten

↑ Grab this Headline Animator



Status

Online seit 3904 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 22. Mai, 13:23