Samstag, 1. September 2012

TV-Tipp:

"Schinderhannes", 20 Uhr 15, BR

Gott gab dem weißen Mann die Uhr und dem Affen die Zeit


„Gott gab dem weißen Mann die Uhr und dem Affen die Zeit“, saugut und irgendwie wahr, oder?
Ein schwarzer deutscher Kabarettist sagte diesen Satz in einer TV-Talkrunde. Es ist nicht sein Satz. Irgendeiner seiner Vorfahren äußerte ihn wohl mal. Ab und zu komme ich während des Nachtdienstes in den Genuss solcher Sachen. (Haha.) Und diesmal schrieb ich mir es auf.
Zu viele geniale Gedanken und Träume verschwinden für immer im Orkus des Vergessens.
Das Vergessen ist wie ein Schwarzes Loch. Alles was in den Bereich des „Ereignis-Horizonts“ kommt, wird gnadenlos verschluckt – auf Nimmerwiedersehen.
Und irgendwann weitet sich der Ereignishorizont aus. Das nennen wir Demenz. Dabei vergessen wir erst das Naheliegende, während sich das Entfernte noch hält. Warum? Keine Ahnung. Irgendwann vermischen sich die Zeiten in der Realität. Die dementen Alten reden mit mir nicht auf meiner Gegenwartsschiene. Sie sehen in allen möglichen Gegenständen Dinge aus ihrer Vergangenheit, und manchmal verwechseln sie auch die Personen. Ihr Bewusstsein muss in etwa so irreal sein, wie wir es aus unseren Träumen kennen – nur träumen die Dementen nicht.
Wir (dagegen) schauen immer nur auf die Uhr. Den ganzen Tag. Wir sind gehetzt von Verpflichtung zu Verpflichtung …, welche Zeit ist nun die richtige? Unsere wunderbar abgemessene und erklärte Zeit - oder die Zeit, die sich der Rationalität entzieht, die ihre skurrilen Wendungen nimmt? Was bedeutet eigentlich Zeit? Und was bedeutet Vergessen? Wir fühlen uns doch nur solange sicher, wie wir in einer allgemeinen Übereinstimmung mit unserer wahrnehmbaren Umwelt existieren und also überlebensfähig sind – dabei betrachten wir als selbstverständlich, dass dies dann auch die einzig wahre Wirklichkeit sein muss.
Aber auch der Affe überlebt. Vielleicht wird er sogar auf lange Sicht besser als der Mensch überleben.
Ich frage mich, ob wir modernen Menschen nicht einer Art Demenz aufsitzen – sozusagen eine Demenz, die umgekehrt funktioniert …, dass die kurzlebigen Sachen gefördert werden, während die Nachhaltigkeit in den Sumpf des Vergessens getreten wird.
Sicher gibt es einen Magneten in der Evolution, welcher uns kaum eine andere Wahl lässt. Das ist auch der Grund, warum ich, was die Zukunft der Menschheit angeht, pessimistisch bin.

Huldigung der guten Geister


Die Helden des 20. Jahrhunderts – wie ich sie liebe: Maler und Dichter. Heute erinnern wir uns an sie in warmen Farben, romantisch verklärt. Dort am Meer stehen noch ihre Relikte in mancher Stadt. Weit weg von den Museen und Kultur-Monstren der Metropolen.
Diese Künstler befreiten die Welt von dem Duktus der Traditionen, des Totalitarismus und Faschismus. Sie setzten den aufklärerischen Gedanken konsequent um in ihren Arbeiten. Einige wenige ließen sich verführen - vielleicht. Nichtsdestotrotz: sie bewegten etwas! Ich sehe sie ganz unprätentiös als große Geister am Horizont. Leider werden sie immer mehr verschluckt von der Oberflächlichkeit und Schnelllebigkeit der Modernität. Ihr Geist verwässert. Sie regenerieren zu Sightseeing Objekten. Oder sie werden zu Themen selbstgefälliger intellektueller Diskurse. Ihre Werke werden für Millionen Dollar auf dem Kunstmarkt gehandelt. Um welchen Wert geht es dabei?

Nein, ich will nicht sagen, dass ich damals gelebt haben wollte. Zwei Weltkriege erschütterten relativ kurz nacheinander die Welt. Dann der kalte Krieg, - in den ich hineingeboren wurde. Als ich das Licht der Welt erblickte, war die Mauer gerade erbaut.
Eine Dokumentation auf Phoenix über Cocteau und Picasso weckte in mir wieder die alten Zeiten und die damit verbundene Leidenschaft für Kunst, - dabei erlebte ich keinen einzigen dieser Künstler, aber ich las ihre Zeugnisse und bewunderte manche ihrer Bilder. Sie prägten mit ihren Gedanken meine Jugend und mein junges Erwachsensein. Sie sind meine Meister und Vorbilder. Ich gebe ungern zu, dass ich Vorbilder habe. Ich will nicht einzelne Künstler benennen (nicht an dieser Stelle) – es ist mehr das Sammelsurium der vielen Sachen, die ich las und anschaute. Wen ich als Künstler persönlich präferiere, ist uninteressant.

Meine Bücherregale sind voll von einer Auswahl ihrer Dichtkunst. Sie stehen da nicht nur so herum. Ich überlege, was sie wohl zu unserer heutigen Zeit sagen würden. Es ist keine einfache Überlegung ...

Auch heute begegne ich über die Medien Persönlichkeiten und Künstler, die mich beeindrucken. Sie führen den Geist von Freiheit, Anarchie und einer besseren (liebenswerteren, gerechteren) Welt weiter. Einer dieser bemerkenswerten Menschen ist der Chinese Ai Weiwei.
Im Dorfkino (eines der letzten) Olympia läuft am Wochenende der Film „Ai Weiwei – Never Sorry“ - ein Porträt dieses Künstlers. Ich glaube, ich gehe hinein.

ein literarisches Tagebuch

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