Sonntag, 29. Januar 2012

TV-Tipp:

"Gandhi", 20 Uhr 15, Tele 5

Samstag, 28. Januar 2012

Kurzer Ausflug ins Ich


Immer wieder stolpere ich beim Nachdenken über das Phänomen des Bewusstseins. Dabei kriege ich das Gefühl nicht los, dass es unanständig ist, sich selbst gewahr zu werden: Als hätte man ein verbotenes Zimmer betreten. Ist erst mal die Tür aufgestoßen, kriegt man sie nicht mehr so leicht wieder zu. Was ist das für ein gruseliges Zimmer? Das bin doch nur ich, oder? Besonders weit gucken kann man darin nicht. Ich sehe auf meine Hände und meinen Körper, ich erkenne mich im Spiegel. Da sind meine Gedanken und Gefühle – diffuse geistige Erscheinungen, die an die Oberfläche drängen. Da sind Ängste und Sehnsüchte - und jede Menge Fragen, auf die niemand wirklich eine Antwort weiß. Aber ich kann nicht aufhören zu fragen …, und schon wieder habe ich das unbestimmte Gefühl, etwas Verbotenes zu tun. Macht es einen Sinn, nach etwas zu suchen, was der Verstand nicht begreifen kann? Ist das nicht gar dem eigentlichen natürlichen Lebensauftrag abträglich? Warum nicht einfach gedankenlos funktionieren, wie Gott oder die Natur es für uns vorgesehen haben? Wieso stießen wir Menschen diese verbotene Tür auf?!
Oder ist das Bewusstsein am Ende nur eine Schimäre? Also, wenn es ein Hirngespinst ist, dann ist es ein verflixt gutes. Ich finde den Weg nicht aus ihm heraus.
Oder steht unser Bewusstsein erst ganz am Anfang? Ich meine, dass wir uns in dieses geheimnisvolle Zimmer nur richtig hinein trauen müssen, statt auf der Schwelle zu verharren. Vielleicht gibt es einen Weg, diese Dunkelheit zu verstehen. Irgendwer sagt, dass dies gefährlich sei. Ja, ich weiß, und außerdem verboten. Aber wie soll ich das Dasein verstehen, wenn ich den Schritt nicht wage? Meine Lebenszeit läuft langsam ab. Die Tür wird sich eines Tages wieder schließen. Egal auf welcher Seite ich dann stehe, alles Fragen wird dann gegenstandslos sein.
Ich will mehr über das Ich erfahren, - mein Ich und das Ich überhaupt. Hat die Welt ein Ich? Hat Gott ein Ich? Ist das Ich ein Gefängnis? Ist es nur ein Trugbild? Reißt es mich in zwei Teile? Ist es des Menschen Fluch? Oder bedeutet das Ich die Spitze der Erkenntnisfähigkeit, wenn wir uns nur trauen? Oder ist es ein Labyrinth, in dem wir uns hoffnungslos verlaufen würden?
Ich weiß nicht, ob ich richtig liege, aber ich glaube, dass der Weg in eine menschlichere und friedlichere Welt nur über eine intensive und offene Auseinandersetzung mit dem Ich-Komplex führt. Wir müssen uns viel mehr unser selbst bewusst werden, anstatt im Materialismus zu baden.
Ich glaube an ein gemeinsames Ich der Menschen. Ich glaube an die empathische Verbundenheit aller Menschen und aller Kreaturen im Universum. Trotz aller individueller Unterschiede gibt es einen Raum, in dem wir zu einem ganzheitlichen Bewusstsein zusammenwachsen. Wir werden mit der Anlage geboren, den Schritt zu wagen … Die Tür steht offen.
Aber noch stehen wir unter Schock.







Kohle/Kreide, 500 x 700, 1994


(Inspiriert wurde ich zu dem Bild von zwei Papageien, die eine Zeit lang auf dem Minigolfplatz gehalten wurden. Ich ging da oft ein Bier trinken, nachdem ich im benachbarten Waldschwimmbad schwimmen gewesen war. Und an lauen Sommerabenden saß ich mit meiner damaligen Freundin dort in feucht-fröhlicher Runde. Die Papageienkäfige standen nicht weit von unseren Plätzen.)

Freitag, 27. Januar 2012

Mein Leben




Bleistiftzeichnung, 430 x 610, 1984

Geduldsproben


Beide sitzen sie im Halbdunkeln in ihren Sesseln, wenn ich ins Zimmer komme. Sie sind die ersten, die bei Antritt meines Nachtdienstes klingeln. Nach ihnen kann ich meine Uhr stellen. Und obwohl sie wissen, dass noch die Dienstübergabe läuft, klingeln sie, und wenn ich dann zu ihnen komme, sagen sie jedes Mal: „Ah, da kommt endlich jemand.“ Ich habe es nach dem tausendsten Mal aufgegeben, ihnen zu erklären, warum ich nicht schneller bei ihnen sein kann.
Ein lustiges Bild ist es schon, wenn die beiden in ihren Sesseln liegen. Sie ist 89 und trägt in dem dunklen Zimmer eine Sonnenbrille. Er ist 96 und entkam im Krieg nur knapp der Hölle von Stalingrad, wie mir seine Frau erzählte. Er steuert mit der Fernbedienung den Sessel, dass dieser sich aufrecht stellt und nach vorne kippt, so dass er leichter aufstehen kann. Die Rollatoren stehen bereit, und los geht`s!
Ich befinde mich nun in der Zeitlupen-Welt. Um nicht dumm rumzustehen, richte ich schon mal das Bett, suche den Schlafanzug und klappe den Klodeckel hoch. Eigentlich komme ich hauptsächlich wegen ihm. Seine Frau benötigt weniger Hilfe. Ihr bringe ich lediglich die Nachtmedikamente, und ich ziehe ihr die Kompressionsstrümpfe aus.
Die erste Prozedur bei ihrem Mann ist das Ablegen der Hörgeräte. Er ist so gut wie taub. Ich weiß nicht, ob er mich besser mit oder ohne die Hörgeräte versteht. Schwer zu sagen. Inzwischen ist fast jeder Handgriff Routine, und ich versuche vieles per Gestik und Mimik klar zu machen. Jedenfalls überwacht er alles genau. Die Hörgeräte müssen fachgerecht ausgeschaltet und in einem Behältnis auf seinem Nachttisch deponiert werden.
Dann muss ich den Verkehr regeln, dass sich die beiden mit ihren Rollatoren nicht ins Gehege kommen. Endlich habe ich ihn in die Nasszelle gelenkt und versuche ihn rückwärts zur Toilette einzuparken. Ich bin immer froh, wenn er endlich sitzt, denn dann kann ich mit dem Ausziehen seiner Kleidung loslegen. Ich staune immer wieder darüber, wie steif ein alter Körper wird. Aber er ist ein zäher Bursche. Ich bewundere ihn, wie er sich trotz seiner Behäbigkeit immer wieder aufrafft und vieles noch alleine macht. Allerdings bin ich manchmal ziemlich genervt von der Penetranz des Ablaufs und der unglaublichen Langsamkeit, wo mir doch die nächsten Klingler bereits im Nacken sitzen.
Sobald ich seinen Rücken gekratzt - und ihm den Schlafanzug übergezogen habe, widme ich mich seiner Frau, die mich mit Sprüchen wie „Wie kann man nur so kaputt sein, wenn man doch den ganzen Tag nichts machte“ oder „Wenn mich doch endlich der Herrgott zu sich holen würde“ empfängt. Ich sage dann meist etwas wie „Das ist der Lauf des Lebens“ und klopfe ihr bedauernd auf die Schulter. Dann befreie ich sie von den Gummistrümpfen. „Endlich bin ich diese Mistdinger los“, sagt sie, und ich erkläre ihr zum tausendsten Mal, warum die Mistdinger wichtig sind. Es ist immer dieselbe Litanei ...
Ihr Mann hat in der Zwischenzeit sein Geschäft erledigt. Ich lege die Inkontinenzeinlage in seine Unterhose und helfe ihm beim Hochziehen der Hosen. Bis alles richtig sitzt, vergeht eine gefühlte Stunde. Uff! Geschafft! Aber noch liegt er nicht im Bett. Bis zum Bett sind es ca. drei Meter. Für ihn sind es drei Kilometer!
Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht. Ich übe mich in Geduld. Endlich ist der Rollator am Fußende des Bettes geparkt und er sitzt auf der Bettkante. Pantoffeln aus – ich hebe seine Beine ins Bett. Jetzt nur noch Zudecken, Kopfkissen und Nackenrolle millimetergenau richten, die Augentropfen einträufeln und die Bettlampe in den richtigen Winkel stellen.
Ich wünsche dem alten Ehepaar eine Gute Nacht und wende mich zum Gehen, da ruft er mich noch mal zurück – seine Nackenrolle sei verrutscht ...

Donnerstag, 26. Januar 2012

TV Tipp - Immer mal wieder:

"Das große Fressen", 22 Uhr 25 auf 3sat.

Auf der Flucht


Wir flüchteten in einem kleinen Pick-Up vor einer wilden Motorradgang. Ich hatte die Schnalle eines Gangmitglieds gevögelt und war in flagranti erwischt worden. Nun wollten mir die schweren Jungs in der Motorradkluft an die Eier. Alle Entschuldigungen halfen nichts. Eigentlich war es ein Dreier – eine andere Lady spielte noch mit. Und eigentlich hatte sie mich aufgerissen; und ich hatte keinen Schimmer davon, dass sie die Braut eines Gangmitglieds war. Meine Erklärungen juckten die Brüder natürlich wenig.
Ein paar Kumpels halfen mir bei der Flucht. Wir konnten einen kleinen Vorsprung vor der Horde mit ihren brüllenden Maschinen herausfahren. Es ging über Stock und Stein, auf Feldwegen quer durch eine hügelige Landschaft. Es dürfte meine Heimat der Kraichgau gewesen sein. An einem Weizenfeld hielten wir plötzlich. Ein Kumpel von mir schnitt ein paar Ähren. Er kannte offensichtlich die Rezeptur für einen Zaubertrank. Das Gesöff war eins-zwei-drei zubereitet. Augenblicklich, nachdem er es intus hatte, wuchs mein Kumpel auf eine riesenhafte Gestalt von ca. drei Metern an. Außerdem wurde er super-stark, was er damit bewies, dass er ein paar Felsbrocken weg schleuderte, als wären sie Kiesel. Er sah jetzt aus wie Lee Majors aus der Serie „Ein Colt für alle Fälle“ in Übergröße. Wir fuhren weiter – nun etwas gelassener mit einem Riesen auf der Ladefläche des Pick-Ups. Vor unserer Stammkneipe, dem Billard-Café, warteten wir auf die Motorradgang. Ich hoffte nur, dass solange die Wirkung des Zaubertranks anhielt.
Sie hielt. Lee Majors vermöbelte die Jungs nach Strich und Faden. Die rannten nach kurzem davon wie Hasen. Wir hatten unseren Spaß und feierten den Sieg über die Motorradaffen ausgelassen im Billard-Café.
Nur ich machte mir doch ein wenig Sorgen, - sie könnten mich eines Tages erwischen. Ich hatte gehört, solche Typen wären ziemlich nachtragend ...

Mittwoch, 25. Januar 2012

TV Empfehlung für heute Abend:

"Persepolis", 20 Uhr 15 auf Arte!

Dienstag, 24. Januar 2012

Herr Lehmann


Herr Lehmann ist mir sympathisch. Wieder ein Buch, bei dem mir oft ein Lacher entfährt. Schon nach den ersten Seiten kann ich sagen, dass mir die Lektüre Spaß machen wird. Streckenweise fühlte ich mich an Fausers „Rohstoff“ und an Salingers „Fänger im Roggen“ erinnert - schon allein wegen der leicht schnodderigen Sprache und dem Schreibstil: frech, locker, flüssig …
Dieser Herr Lehmann ist mir wirklich sympathisch in seiner etwas störrischen Art und seiner unfreiwilligen Komik, seinen Gedankengängen – ich teile einige seiner Meinungen, z.B. seine Meinung über Sonntage und die Sonntagsfrühstücker: "... dieser Frühstückskram macht alles kaputt, wie er jeden Sonntag alles kaputt macht ..."
Herrlich, wie Sven Regener, der Autor, gleich auf den ersten Seiten Herrn Lehmanns nächtliche Begegnung mit einem Hund beschreibt …, - oder wie Herr Lehmann sich in die Köchin verliebt. Da ist so viel Dialogwitz drin!
Ich könnte mir vorstellen, dass Mico (Harte Zeiten für Träumer) sich in diesem Herrn Lehmann ganz gut wiedersehen könnte. Man müsste halt die Tanke nach Berlin versetzen und mit der Kneipe tauschen.
„Herr Lehmann“ ist ganz ausgezeichneter, mitreißender Lesestoff für alle Micos der Welt, für die Loser, Angesoffenen, Träumer und unverbesserlichen Tunichtgute. Wie gesagt, Herr Lehmann ist mir sehr sehr sympathisch ...

Montag, 23. Januar 2012

Erinnerung Billard-Café




Aquarell, 620 x 480, "Billard-Café" 1985

Sonntag, 22. Januar 2012

Wintererinnerung 1984




Aquarell, 500 x 320, Februar 1984 - gewidmet Elisabeth L.

!!!

boma hoerbar

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Jaaaaaa. Und etwas Geschichtsunterricht.
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Bücher, Comics


Sven Regener
Herr Lehmann


J. D. Salinger
Der Fänger im Roggen


Jörg Fauser
Rohstoff


Yasar Kemal
Memed mein Falke



Enki Bilal, Pierre Christin
Legenden der Gegenwart

und einige Alben


Lou Reed & Metallica
Lulu


The Who
Quadrophenia


Joan Armatrading
Me Myself I


Robert Wyatt, Gilad Atzmon, Ros Stephen
For the Ghosts Within


Al Di Meola
The Infinite Desire


Kevin Coyne
Sugar Candy Taxi

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