Mittwoch, 18. Oktober 2017

TV-Tipp

"Der Wert des Menschen", 22 Uhr 40, Arte

Mittwochs-Zitat

„Amerikaner reden gern über Demokratie, empfinden sie aber – vor allem, wenn’s drauf ankommt — eher als „Unbequemlichkeit“. Wir haben stattdessen ein autoritäres System aufgebaut, das lediglich wie eine Demokratie aussieht. Wir zahlen Wucherpreise für einen Riesenwitz von Regierung, lassen uns von ihr herumschubsen und wundern uns, wie all die Arschlöcher an die Macht gekommen sind.“
Frank Zappa

Montag, 16. Oktober 2017

TV-Tipp

"Irrtum im Jenseits", 20 Uhr 15, Arte

Sonntag, 15. Oktober 2017

TV-Tipp

"Germinal", 20 Uhr 15, Arte

Gedankenkrebs


Endlich der versprochene Goldene Oktober! Die Sonne bringt die bereits herbstbunten Blätter zum flirren. Ich sitze am Schreibtisch und blinzele immer wieder nach draußen. So ein Wochenende ist viel zu kurz, denke ich, der Samstag gestern war für die Tonne. Ich fühle mich fett und bewegungsfaul. Mir fehlt es an Antrieb und Ideen. Nach fünf Tagen Dokumentation träume ich von Tumoren. Der Stahlschrank, in dem die Tumormeldungen lagern, platzt aus allen Nähten. Wir kommen in der Abarbeitung der Flut von Meldungen nicht nach. Die Registerleiterin steht unter Druck. Es stehen mehr Fragen als Antworten im Raum. In den Büroräumen betretene Stimmung. Mehr als dokumentieren können wir nicht. Und das ist schwer genug bei der komplexen Materie. Die Abbildungsmöglichkeiten des Dokumentationssystems sind beschränkt. An manchen Fällen könnte man verzweifeln. Ich fühle mich an meine Zeit in der Altenpflege erinnert: Was wissen die da oben von den Schwierigkeiten unserer Arbeit? Sie entwerfen auf dem Reißbrett, wie es laufen soll. Wenn es nicht nach ihren Vorstellungen klappt, suchen sie die Fehler nicht bei sich, also bei ihrer Planung, sondern zuerst bei den unteren Ebenen…
Scheiß Politik – überall! Aber okay, ich will mich trotzdem nicht beklagen. Dank der Tumordokumentation habe ich einen neuen Job. Vielleicht wird aus dem Projekt ja noch was.
Vielleicht wird aus diesem Sonntag noch was.

Mittwoch, 18. Oktober 2017

Mittwochs-Statement

Ich vermisse mein Alleinsein.

Die Berliner Krankheit


Alles fing mit Anomalien an, welche man einer schlechten Verarbeitung der Werkstoffe zuschrieb. Dinge verformten sich, bekamen Beulen oder zerfielen in ihre Bestandteile. Diese Erscheinungen wurden bei nahezu allen Gebrauchsgegenständen beobachtet. Nach einiger Zeit waren selbst größere Objekte wie Autos, Bahnen und schließlich ganze Häuser und Straßen betroffen. Eine Art Virus schien die Dinge anzugreifen und zu beschädigen. Wissenschaftliche Untersuchungen ergaben, dass sich die Struktur der Materie auf molekularer Ebene veränderte. Die werkstoffspezifische Differenzierung ging verloren. Die Materie verwandelte sich nach und nach zu einem sich ausbreitenden amorphen Brei. Das Phänomen erinnere stark an das Verhalten von Krebszellen, sagten einige Forscher. Doch die meisten hielten solche Vergleiche für an den Haaren herbeigezogenen Blödsinn, ein Bioorganismus sei etwas völlig anderes als eine Stadt…
Seltsamerweise waren diese Veränderungen bis dato nur in Berlin beobachtet worden. Jenseits des sogenannten Speckgürtels wurden sie nicht gesichtet.
Inzwischen mussten ganze Häuserzüge evakuiert und Straßen gesperrt werden. Der Nahverkehr brach fast vollständig zusammen. In einer außerordentlichen Krisensitzung des Senats wurde beschlossen, die Stadt unter eine Art Quarantäne zu stellen, bis die Ursache des Zerfalls geklärt sei. Wer Berlin verlassen wollte, musste sich nackig machen. Es durften absolut keine Dinge mitgenommen werden, nicht mal die Kreditkarte, geschweige denn Geld. Da man das Herausschmuggeln von Wertsachen befürchtete, wurden die Menschen an den eingerichteten Grenzstellen akribisch untersucht. Viele fühlten sich an DDR-Zeiten erinnert, aber nun sei es noch viel schlimmer. Die stolze Hauptstadt verwandelte sich zusehends in ein Trümmerfeld. Auch dieses Bild kannte man aus der Geschichte.
Die Wissenschaftler standen vor einem Rätsel: So etwas hätte es noch nie gegeben – nicht im ganzen Universum; die Materie mache, was sie wolle, als wären Atome und Moleküle nicht mehr von dieser Welt. Gott sei Dank betraf es nur von Menschenhand produzierte Dinge. Im Zuge der schrecklichen Ereignisse stellten sich viele Fragen: Wo nahmen die Veränderungen ihren Anfang? Waren künstliche, wie auch immer geartete Viren aus einem geheimen Forschungslabor entwichen? Handelte es sich dabei um einen neuentwickelten Kampfstoff, der nur tote Materie angriff? War das Ganze ein heimtückischer Anschlag? Wurde der Bevölkerung mal wieder etwas vorenthalten? Lässt sich diese „Epidemie“ aufhalten? Ist Berlin noch zu retten?
Im Internet kursierten jede Menge Theorien. Da wurde von Materie-Krebs gesprochen, von einem Unfall in einem Geheimlabor, von einem Terrorakt, von der Berliner Krankheit (was auch immer das heißen mag), von einem Angriff Außerirdischer… Der Phantasie waren keine Grenzen gesetzt.
Obwohl man alles zurücklassen musste, verließen immer mehr Berliner ihre geliebte Stadt. Ein normales Leben war unter diesen Umständen nicht mehr möglich. Es grenzte an ein Wunder, dass überhaupt noch was ging. Früher oder später würde sicher auch das Stromnetz zusammenbrechen. Niemand wollte in einer Ruinenstadt leben. Selbst die Gauner hatten keinen Spaß mehr. Die Sachen, die sie klauten, waren nur noch in Berlin von Wert, und das auch nur, solange sie heil blieben. Einige hofften freilich, dass der Spuk einfach eines Tages aufhörte, wie er begonnen hatte, und harrten aus.
Möglicherweise wachte man eines Morgens auf und registrierte erleichtert: …nur ein böser Traum! Der Blick aus dem Fenster zeigte das vertraute, funktionierende Berlin. Alles stand an seinem Platz, kein Ding war absonderlich, der Verkehr staute sich wie üblich in den Straßen, Waschbecken und Klo unverformt, und die Wände hatten keine Beulen… Es herrschte wieder der ganz normale Wahnsinn – ungeheuer beruhigend!

Mittwoch, 11. Oktober 2017

Mittwochs-Gedanke

Wo kommen nur all die Menschen her? denke ich oft, nicht nur in Berlin, überall auf der Welt – wohin gehen sie?
Es gibt viele Millionen Möglichkeiten, ein Mensch zu sein. Und ich bin ausgerechnet ich.

Sonntag, 8. Oktober 2017

TV-Tipp

"Vier Fäuste für ein Halleluja", 20 Uhr 15, kabel eins

Samstag, 7. Oktober 2017

Sonntagskind


Ich könnte mit dem Heute zufrieden sein. Materiell gesehen bin ich satt. Nach allem, was in meinem Leben passierte, darf ich mich glücklich schätzen, dass ich heute (für meine Verhältnisse) gut dastehe. Ein Wunder, dass ich noch hier bin, ehrgeizlos wie ich bin – Tunichtgut, Tagträumer, faule Ratte, hoffnungsloser Trinker und Weltabgekehrter.
Womit habe ich eine liebende hübsche Frau verdient? Wie kam ich zu der Wohnung in der Mitte Berlins? Wie zu dem Job, der mir wieder ein sicheres Einkommen sichert? Warum bin ich nach den vielen Alkoholexzessen nicht schon längst am Arsch?
Ich bin ein echtes Sonntagskind. Am dritten Advent 1962 in die Welt berufen. Eigentlich hatte ich gar keinen Bock, aber der Arzt gab meiner Mutter Spritzen, damit die Wehen einsetzten. Er wollte rechtzeitig in seinen Winterurlaub starten (erzählte mir meine Mutter). Die Folge war, dass die Milch, die meine Mutter im Überfluss hatte, abgepumpt und weggeschüttet werden musste. Wegen der Spritzen war sie schlecht. So wurde ich zum Flaschenkind - und bin es heute noch.
Nein, meinen Alkoholismus will ich damit nicht entschuldigen. Blödsinn. Für alles, was ich in meinem Leben verbrockte, trage ich allein die Verantwortung. Die Umstände des Lebens kann man sich gerade als Kind nicht aussuchen. Sicher lief viel falsch. Wie in anderen Familien auch. Familiengeschichten sind eine Sache für sich…
Irgendwann hat man es geschafft und sich an den eigenen Haaren aus dem Sumpf gezogen. Und von diesem Zeitpunkt an sagt man sich, dass man damit leben muss, was passierte, und für sein Leben selbstverantwortlich ist. Das leuchtet doch ein, oder?
Wenn ich unzufrieden bin, liegt es allein an mir. Und ich habe verdammt noch mal keinen Grund, unzufrieden zu sein. Wozu hechte ich einer imaginären Freiheit hinterher, die ich nie erreichen kann?
Woher kommt der verfluchte Drang, von allem davonlaufen zu müssen? Ist die Welt so schlecht?

Mittwoch, 4. Oktober 2017

Mittwochs-Gedanke

Wir müssen uns damit abfinden, dass die Welt halb schlecht ist, - und mehr als halb gut wird sie nie werden.

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