Mittwoch, 27. Juli 2016

Mittwochs-Weisheit

Man lernt viel zu viel, bevor man es versteht; und wenn man es verstehen könnte, lernt man es nicht mehr.

Samstag, 23. Juli 2016

Lethargie oder sonstwas


Feierabend – prima! Es ist Mittag, und ich radle zum nahen Italiener für ein kühles Blondes. Schöner schattiger Biergarten, alte Kastanienbäume, italienisches Kauderwelsch der Bedienungen. Der Chef drückt mir zur Begrüßung die Hand. „Buon giorno! Das Berliner ist bereits in Arbeit.“
Ich setze mich und strecke die Beine aus. Der Chef rennt zwischen den Tischen umher. „Das ist mein Sport!“ sagt er lachend. Das schöne Wetter, und außerdem Freitag – die Menschen bevölkern die Biergärten…

Seit Tagen drücken und brennen meine Augen, und ich fühle mich schwer wie ein Sack. Anscheinend sehe ich aber nicht so schlimm aus, wie ich mich fühle, - wenn ich meiner Partnerin glauben soll.
Wir wollen den Nachmittag am Wandlitz See verbringen, und ich habe noch Zeit für ein Bier, bis wir uns treffen. Richtig entspannen kann ich nicht. Na ja, mal sehen. Ich bestelle ein zweites Bier…

Mit der Heidekrautbahn fahren wir eine halbe Stunde bis Wandlitz See. Als wir in Karow einsteigen, bereue ich es, dass ich den Vorschlag dazu gemacht hatte. Die Regionalbahn ist brechend voll. Verdammte hundert Fahrrad-Ausflügler drängen sich in den Zug. Alle sind genervt. Ich stehe, zwischen den Drahteseln eingequetscht, und versuche mich so dünn wie möglich zu machen…

Erstmal ins Fontana Restaurant. Auch ein Italiener (türkischer Inhaber). Das Restaurant hat eine schöne Seeterrasse. Außenherum das Wandlitz Seebad. Da wollen wir eigentlich hin, aber vom Bad kommt man nicht ins Restaurant. Berliner Pils gibt`s nicht. Die männliche Bedienung grinst und betatscht meine Schulter. Ich bestelle zwei Köstritzer…

Das ist er also, Berlins Speckgürtel, oder verständlicher gesagt: das Umland.
Das Schwimmen im See erfrischt und vertreibt für ein paar Momente meine miese Laune. Bewundernswert, wie mich meine Partnerin aushält. Ich schäme mich dafür. Die Luft wird zum Abend zunehmend schwül. Ich blicke auf den See und die Badegäste, doch nichts von alldem berührt mich besonders…

Zum Abschluss gehen wir im Restaurant essen. Zander und Seezunge. Gar nicht übel. Müde werde ich, - wenn ich es nicht schon den ganzen Tag über war. Die Augen brennen immer noch.
Die Heidekrautbahn zurück nach Karow ist dann entgegen meiner Befürchtung nicht voll. Gott sei Dank! In der Nachrichten App meines Handys lese ich, dass in München die Hölle los ist…

Zuhause, inzwischen dämmert es, lege ich mich vors TV und ziehe mir die Sondersendungen zum Chaos in München rein. Dazu ein Bier und ein paar Salzstängel…

Freitag, 22. Juli 2016

TV-Tipp:

"Balduin, der Schrecken von Saint Tropez", 22 Uhr, RTLNITRO

Mittwoch, 20. Juli 2016

Mittwochs-Bilder







vom Dienstag

Sonntag, 17. Juli 2016

Unklare Raumforderung


In den Arztbriefen stolpere ich oft über die Aussage „Unklare Raumforderung“ – bevor Tumore als solche diagnostiziert werden.
Der Mensch bzw. die Menschheit bedeutet auf der Welt bzw. auf dem Planeten Erde auch eine Art Unklare Raumforderung.
Ich selbst, der ich geboren wurde, bin in gewisser Hinsicht eine Unklare Raumforderung.
Jeder neue Tag ist eine Unklare Raumforderung in meinem Leben.
Diese Begrifflichkeit… finde ich absolut genial. Ich lasse sie mir auf der Zunge zergehen.
Die Asylanten und Fremden im Lande melden auch Unklare Raumforderungen an.
Wir haben davor verständlicherweise Angst. Einige dieser Raumforderungen werden als bösartige Tumore diagnostiziert...
Erstmal Klarheit schaffen, heißt es. Aber das ist gar nicht so einfach.

Der Spalt


Ein Menschenleben kann einem rückblickend wie die Erdgeschichte vorkommen. Ganze Berge wurden versetzt, Meere verschwanden und entstanden neu, der Himmel änderte seine Farbe…
Nichts ist ohne Geschichte. Jedes Ding hat seinen Ursprung. Das Heute kann sich nicht neu erfinden. Und trotzdem bleibt dieser eine Moment, nennen wir ihn Bewusstsein, Kreativität oder Intuition, - der Blick durch einen Spalt
Ich schaue auf gut fünf Jahrzehnte zurück. Ich sehe einen Fluss, der sich verirrt, der sich in Mäandern windet, aber immer derselbe Fluss bleibt. Rufe ich mir die einzelnen Lebensstationen ins Gedächtnis, kann ich selbst nicht glauben, dass ich schon so lange unterwegs bin: Wer war ich damals? Wer bin ich heute?
Ich will ein Bild malen, ich will ein Gedicht schreiben, ich will das Leben tanzen… auf meine Weise. Noch kann ich. Ich drücke die Augen zu, mache sie wieder auf, suche den Spalt zwischen den Welten.

TV-Tipp:

"Das große Fressen", 21 Uhr 45, ARTE

Samstag, 16. Juli 2016

Es ist zum Junge-Hunde-Kriegen


Tage, an denen ich mich wie in der Mausefalle fühle. Immer wieder kneife ich die Augen zu, als ob sich dadurch etwas ändern könnte. Im Büro sitze ich meine Zeit ab – es ist zum Junge-Hunde-Kriegen. Meine PL hat kaum Aufgaben für mich, doch sie fordert meine Aufmerksamkeit…; ich kann mich also nicht einfach zurücklehnen und „On The Road“ lesen. Neulich hatte sie wieder den Yorkshire Terrier (Bello) ihrer Tochter dabei, der meine Hand frenetisch abschlabberte. Wenn sie über ihn spricht, nennt sie ihn Kröte. Ein Leidensgenosse mehr im Büro, der über die Zeit kommen musste.
Ich sehnte das Wochenende herbei. Und da ist es – ich schaue aus dem Fenster: die Sonne scheint aufs Pflaster, an der Fassade gegenüber wiegt sich leicht im Wind eine türkische Flagge, Sprachfetzen der Fußgänger - international, die Fahrgeräusche der Autos…
In den Nachrichten lese ich die Schreckensnachrichten vom Putsch(versuch) in der Türkei und dem Terroranschlag in Nizza. Alles lässt mich seltsam unberührt. Ich bin kaum fähig, einen klaren Gedanken zu fassen, gefalle mir selbst nicht in meiner Lethargie und reagiere schnell überreizt, wenn irgendwas nicht gleich hinhaut. „Warum funktioniert der verdammte Scheiß nicht!?!“ Ich rätsele selbst, was mit mir los ist. Es ist so ähnlich wie in der Pubertät. Nur andersherum. Damals hatte ich die Angst vor dem Neuen, heute vor dem Verlust (und dem Neuen).
Unweit von hier das schwul-lesbische Stadtfest am Nollendorfplatz. Vielleicht lenkt das ab.

Mittwoch, 13. Juli 2016

Mittwochs-Zitat

"Wir sind plötzlich auf die Route One des Fabelreichs geraten und befinden uns jetzt im Märchenwald. Stellt euch vor ... gleich kommen wir zum Lebkuchenhäuschen ..."

aus On The Road (die Urfassung) von Jack Kerouac

Dienstag, 12. Juli 2016

Die zwei Studienschwestern

... der Kinderonkologie, jede für sich gut beieinander wie meine PL, nicht auf den Mund gefallen, temperamentvoll berlinerisch. Ich darf ihnen zwei Tage lang über die Schultern schauen. Das Büro ist klein, ich finde zwischen ihnen gerade noch Platz. Die Eindrücke prasseln mannigfaltig auf mich ein. Tausend Namen und medizinische Fachbegriffe, Abkürzungen. Wieder fühle ich mich als Nichtschwimmer im tiefen Becken und halte mich am Rand. Sie beantworten meine Fragen geduldig und freundlich. Vor der Tür der ganz normale Stationsablauf: kleine, große glatzköpfige Kinder mit Infusionsständern, Pflegepersonal und Angehörige. Es ist schwül. Die Station befindet sich im Souterrain. Das Tageslicht will nicht so richtig zu uns dringen. Bald brennen meine Augen vom Kunstlicht. Auf den Computerbildschirmen die Datenbanken mit den Namen der kleinen Patienten. Die Studienschwestern erzählen mir Geschichten von unglaublichen Tumoren bei Babys, bei Neugeborenen, tennisballgroß. Sie sind bei den OPs dabei. „Was es alles gibt“ - natürlich wird auf Krebsstationen auch gestorben. Wenn sie davon reden, werden ihre Stimmen verhaltener. Mir kommt in den Sinn, wie es meine PL ausdrückt: „… die gehen tot.“

Mein Glück, dass die Studienschwestern früh Feierabend machen. Ich schwinge mich aufs Radel und fahre frohgesinnt durch die Sonnenstrahlen, erstmal weg vom Krankenhaus. Sag mir einer, er verstünde das Leben.

Sonntag, 10. Juli 2016

Wo wird die Reise hingehen?


Wie am Ende jeder Ausbildung und der Schulzeit fühle ich mich einerseits erleichtert aber auch angespannt in Hinsicht auf die Zukunft. Ich spüre eine große Leere. Wofür hat man all den Lernstoff gepaukt? Im Praktikum schlage ich derweil die Zeit tot, indem ich meiner PL bei der Studienkoordination über die Schulter schaue. Es gibt kaum Aufgaben für mich, an denen ich das in der Schule gelernte (EDV) anwenden könnte. Ich bemühe mich, so viel wie möglich aufzuschnappen. Aber will ich das wirklich beruflich machen? Sowieso müsste ich anschließend einen Fortbildungskurs zur Study Nurse oder in Sachen SPSS machen. Solches Spezialwissen wurde uns in der Schule nicht vermittelt. Eine andere Möglichkeit wäre, ins QM einzusteigen, wofür auch ein Zusatzlehrgang oder Studium vonnöten wäre. So oder so – die Materie ist scheiß trocken, und ich würde in einem Bereich arbeiten, der mich seit jeher mehr abstieß als interessierte. Ich hadere mit mir.
Wo wird die Reise hingehen? Der Ausguck meldet: Noch kein Land in Sicht. Seit Tagen ist Flaute. Die Mannschaft hat nur das spiegelglatte Meer vor Augen… Abwarten und Tee trinken. Die Nerven sind bis aufs Äußerste angespannt. Meuterei liegt in der Luft.
Wie es wohl meinen Mitschülerinnen in ihren Praktika ergeht? Wie viele von ihnen werden übernommen? Ich hatte schon immer das Problem, dass es mir in Schule und Beruf an Ehrgeiz und Perspektive mangelte. Danach liest sich auch mein Werdegang – ich wurschtelte mich so durch. Jeder Neuanfang eine schwere Geburt. Ich wünschte, ich täte mich leichter damit.
Trotzdem bereue ich es keinen Moment, dass ich mit der Pflege aufhörte und nach Berlin zog.
Wobei Berlin schon ein raues Pflaster ist und Nerven kosten kann. Aber wo, wenn nicht hier, hätte ich derart mannigfaltige berufliche Möglichkeiten?
Der Kapitän liegt in seiner Koje und träumt von einer Palmeninsel am Horizont… Er erwacht, richtet sich auf und schnüffelt nach der erlösenden Brise.

Samstag, 9. Juli 2016

Noch eine Frage

Wie viel Liebe existiert auf der Welt, dass sie so ist, wie sie ist?

Mülleimer und Hund



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