Der Tauchlehrer


Mir graut schon vor dem Abend, wenn die Berliner es mal wieder knallen lassen. Am Besten ein paar Schlaftabletten einwerfen und mit Ohropax hinüber pennen. Wenn dann aber ein Feuer ausbricht, wird man im Schlaf gegrillt – auch nicht gerade beruhigend. Vor zwei Jahren durchschlug eine Rakete den Aluminiumrolladen. Nichts für schwache Nerven. Das Idiotenvolk spielt Krieg auf der Straße.
Zudem fühle ich mich heute gar nicht auf der Höhe. Gestern im Pub einen über den Durst getrunken. Ein Typ schneite plötzlich herein und meinte: „Endlich mal `ne normale Kneipe.“ Der Barkeeper grinste: „Normal?“ Jedenfalls setzte sich der Typ auf den Hocker neben mir und wir kamen ins Gespräch. Ich erfuhr, dass er Tauchlehrer ist, und er erzählte mir, wo er überall auf der Welt in den letzten drei Jahren gearbeitet hatte, seit seine Partnerin mit `nem anderen durchgebrannt war. Das hatte ihn damals umgeschmissen. „Verstehe“, sagte ich. Ich fand den Tauchlehrer nicht unsympathisch. Wie ein Tauchlehrer sah er aber gar nicht aus, – jedenfalls, wie ich mir einen Tauchlehrer vorstelle: braungebrannt, gutaussehend, sportlich. Schließlich kam er doch gerade aus Abu Dhabi oder sonst wo. Wenn man acht Stunden am Tag unter Wasser sei, werde man nicht braun, sagte er auf meine kritische Anmerkung hin, – ganz so abenteuerlich dürfe ich mir seine Arbeit nicht vorstellen. Ich betrachtete mir den Tauchlehrer näher: sah ein bisschen wie ein Fisch aus mit seinen großen braunen Augen. Inzwischen hatte ich schon einiges intus.
„Am Schlimmsten sind die Russen und die Chinesen“, sagte er.
„Ach. Und wieso?“
„Die Russen, weil sie ständig besoffen sind.“
„Und die Chinesen?“
„Die sind noch schlimmer als die Russen…“
„Aber doch nicht, weil sie trinken…“
„Nein, weil sie nicht schwimmen können.“
Wie lange er dieses Leben noch führen wolle, fragte ich ihn. Der Tauchlehrer hatte keine konkreten Pläne. Damals, ja, da hätte er noch Pläne gehabt zusammen mit seiner Partnerin. Sie betrieben in Warnemünde ein kleines Unternehmen.
„Hast du noch Kontakt zu ihr?“
Nein, das sei nach dieser Sache unmöglich, antwortete er.
Ich nickte und wendete mich meinem Bier zu. Zeit zu gehen, dachte ich. Mir brummte der Schädel. Der Rauch hing in Schwaden im Schankraum. Ich musste dringend an die frische Luft!


Alter Walter!* – ich bin froh, wenn dieses Silvester rum ist. Wann schließen die Geschäfte? Ich will noch Brot, Käse und Wein kaufen.




*kommt mir als Floskel in letzter Zeit häufig in den Sinn

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