Dienstag, 8. Mai 2012

TV-Tipp:

"Der Club der toten Dichter", 20 Uhr 15, SUPER RTL

Aufbruchstimmung


Es bereitet mir leichtes Magengrummeln, wenn ich darüber nachdenke, wie vor einer meiner großen Radtouren. Die ersten Schritte gehe ich bereits, denn diese Reise ist mehr als nur eine Reise. Sie bedeutet, an einem anderen Ort, bei anderen Menschen, in einer neuen Heimat anzukommen. Am Anfang sieht der Weg noch sehr weit aus mit all den Hürden, die man bewältigen muss. Zig Ungewissheiten liegen vor mir: die neue Arbeitsstelle, eine kleine Wohnung, der Umzug, die Reaktion der Eltern, das Kündigen des alten Arbeitsplatzes, das Zurechtfinden und Eingewöhnen am neuen Ort unter noch fremden Menschen … Inzwischen mache ich die ersten Schritte, indem ich sie so oft wie möglich besuche, mich umschaue, mit ihr plane, mich mit ihr freue, ihre Kinder kennenlerne, auf gemeinsamen Unternehmungen Vertrautheit zu ihnen entwickele, auch einfach nur die Liebe genieße …, denn die Liebe ist es, die es mich wagen lässt. Ohne die Liebe würde ich nicht davon träumen. Wir wollen es. Ich fühle mich aufgenommen in ihrem Zuhause. Sie hilft mir. Auch für sie ist es ein Wagnis. Im März besuchte ich sie zum ersten Mal. Wir kennen uns noch nicht lange. Und doch ist das Pflänzchen schon unglaublich gewachsen, - gleichsam mit der Natur im Frühling. Es füllt mich aus. Ich trage es in mir, auch wenn wir nicht zusammen sind. Wir fließen wie zwei Flüsse zusammen ... und suchen uns ein gemeinsames Bett.
Ich werde übersiedeln. Über die Alpen – in die Alpen. Ich kann es manchmal selbst nicht recht glauben. Alles erscheint noch unwirklich. Wie fernes Meeresrauschen. Ängste mischen sich in die Euphorie, aber ich kenne mich: wenn ich mal auf ein Ziel, das mir lieb ist, losgegangen bin, lasse ich mich so leicht nicht mehr beirren.
Vor uns liegen noch Monate der Planung und Vorbereitung, sowieso des gegenseitigen Abtastens und Kennenlernens. Der Alltag läuft parallel dazu. Die Sonne scheint zu mir herein, heute Vormittag, Anfang Mai. Aufbruchstimmung. Zum Wegträumen. Die Sehnsucht als Wegweiser.

Montag, 7. Mai 2012

TV-Tipp:

"Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs", 20 Uhr 15, auf ARTE

Wer einmal aus dem Blechnapf frißt (359)


Er dreht sich um nach ihr. Er geht einen Schritt auf sie zu. Und plötzlich umfaßt er sie. O Gott, es ist ja die Frau, die Frau, die Frau nach der ich seit Jahren mich gesehnt, es ist das vermißte Glück, die ewig ausgebliebene Erfüllung ... Frau, Weib, Brust ... es ist das Glück, es ist das Glück, es ist das große, große Glück ... Müde zurück ins Zimmer, ins einsame Bett ...
Und er fällt hinab auf sie mit dem Sturm all seiner Küsse. Er betäubt sie mit dem Sturzbach seiner Berührungen, er ist hier, da, dort. Er stammelt Worte dazwischen, abgerissene, sinnlose Worte. "O du, dass ich dich wiederhabe ... ach, du bist mein ... wie ich dich liebhabe ...!"

(aus "Wer einmal aus dem Blechnapf frißt" von Hans Fallada)

Sonntag, 6. Mai 2012

Das vergessene Lied


Plötzlich fällt mir ein, dass ich im Traum sang. Ich hatte es sogar im Kopf aber einfach wieder nach mehrmaligem Aufwachen am Morgen und Hin- und Hergewälze vergessen. Leider kann ich mich nicht mehr an den Text erinnern. Ich weiß, dass ich ihn quasi beim Singen selbst dichtete, also improvisierte, ebenso die Melodie. Ich war selbst im Traum überrascht, dass ich singen kann, dass sich meine Stimme so melodisch anhörte. Ich hatte einen Zuhörer. Oder war es eine Zuhörerin? War es ein Kind?
Wem sang ich dieses Lied?

Konferenzraum Stretchlimousine




Popeye-Art

Samstag, 5. Mai 2012

Mosaik




mosaik (villach)

TV-Tipp:

"Die Stadt der Blinden", 23 Uhr 55, WDR

Freitag, 4. Mai 2012

Im Haus meiner Eltern


Eine Bande von Jugendlichen wütet im Haus meiner Eltern. Und ich bin dabei, muss alles mitansehen. (Keine Ahnung, was ich im Haus meiner Eltern mache. Meine Eltern sind nicht da.) Erst waren es nur zwei, drei, und nach und nach wurde es eine ganze Horde. Ich will die Burschen rausschmeißen, aber sie lachen mich nur aus, werden immer unverschämter: schlagen sich den Bauch voll, gebärden sich wie die Schweine und verwüsten die Wohnung. Ich renne ihnen hinterher, packe mir zwischendurch einen und zerre ihn zur Eingangstür. Große, kräftige Kerle sind dabei, gegen die ich kaum eine Chance habe. Auch sind es zu viele. Ohnmächtig schaue ich auf ihr schamloses Treiben und fühle mich verantwortlich. Schließlich ließ ich sie wohl arglos ins Haus. Ich weiß gar nicht, warum. (Mein Gott, was werden meine Eltern zu der Verwüstung sagen? Sie steckten so viel Arbeit und Liebe in das Haus.) Ich will die Polizei rufen. Kaum habe ich gewählt, zerschneidet einer lachend das Telefonkabel … Mein Herz klopft heftig, ich wache auf.

Mittwoch, 2. Mai 2012

Die Cheeseburger Pleite


Der pummelige, dunkelhäutige McDonalds Mitarbeiter hatte die Arschkarte gezogen. Die Küche lieferte ihm keine Cheeseburger und keine Doppelcheeseburger. Die Kunden, darunter ich, wurden immer ungeduldiger, und er immer nervöser. Die Küche ließ ihn da vorne an seiner Kasse sprichwörtlich verhungern. Dabei taten sie dahinten sehr beschäftigt. Nur die scheiß Cheeseburger und Doppelcheeseburger kamen nicht bei. Weiß der Teufel warum. Hätte ich nicht schon bezahlt, wäre ich wieder gegangen. Ich stand mir bereits zehn Minuten die Beine in den Bauch. „Wo bleiben die verdammten Cheeseburger?!?“ schimpfte ich. „Noch zwei Minuten“, vertröstete er mich schwitzend, während er wie ein aufgeschrecktes Huhn hin und her rannte und die neuen Bestellungen bearbeitete. Er tat mir leid. Was für ein Scheißladen! Aber ich war müde wie Sau. Nach dem Nachtdienst war ich nach Heidelberg zum Bahnhof gefahren, um das nächste Zugticket nach Kärnten zu kaufen, - die Fahrkarte in meine Zukunft, zu meinem Glück. Auf die Schnelle wollte ich einen Imbiss mit nach Hause nehmen. Ich wäre besser zum Chinesen gegangen, oder zum Türken gegenüber. Schließlich reichte mir der Gestresste eine Tüte. „Da ist nur ein Cheeseburger drin! Ich bezahlte drei!“ sagte ich einigermaßen ungehalten. „Entschuldigen Sie ...“, stammelte er und rannte verzweifelt hin und her auf der Suche nach den Cheeseburgern, die nicht beikamen. Die Kommunikation zwischen ihm und der Küche schien überhaupt nicht zu funktionieren. `Wie lange wird er das noch durchhalten?`dachte ich bei mir. Irgendwo organisierte er noch einen Cheeseburger. Schließlich fragte er mich, ob ich auch einen Hamburger nehme. Ich nahm den Hamburger als dritten Cheeseburger und verließ fluchtartig diesen Ort des Grauens. In der Zeit, wo ich bei McDoof wartete, hätte ich im Lokal ein Schnitzel mit Pommes serviert bekommen. Auf dem Weg zum Taxistand sah ich vor meinem geistigen Auge folgende Bild-Schlagzeile: Cheeseburger Pleite bei McDonalds. Junger Farbiger an der Kasse von erregten Kunden gelyncht ...

Dienstag, 1. Mai 2012

Ein ganz normaler Nachtwachentag


Es ist warm genug, ein paar Pflanzen in den Wintergarten zu stellen, das heißt: mein Wintergarten ist ein unbeheiztes Eingangsfoyer, oder sagen wir besser unprätentiöser ein Vorraum, den ich mal wieder durchfegen sollte.
Als ich aufwachte, war es bereits halb Drei. Mitten am Tag. Ich sperrte das Fenster auf und ließ die Frühlingsluft herein. Obwohl ich noch im Tran war, wurde ich durch den Luftzug zu ein paar Aktivitäten angespornt, wie: Abwaschen, Bett beziehen, Wäsche waschen, Wollmäuse unterm Bett und in den Zimmerecken jagen und Staubwischen.
Nun reicht es aber. Ich schaue auf die Uhr: in drei Stunden fährt bereits wieder mein Bus hoch zum Nachtdienst. Es ist eigentlich ein herrlicher Tag draußen. Ich stelle mir vor, wie die Menschen scharenweise unterwegs sind … mit dem Auto, dem Fahrrad, auf Inlineskatern, zu Fuß, in den Biergärten klönend oder auf 1. Maiveranstaltungen. Vor vielen Jahren machte ich mit meinen Kumpels auch noch 1. Mai Ausflüge. Dazu wäre heute ein klassisch guter Tag. Mir geht aber auch nichts ab, wenn ich an solchen Daten zuhause bleibe. Früher dachte man, man würde etwas vom Leben verpassen. Schon lange sind Weihnachten, Ostern, Pfingsten, der 1. Mai oder Silvester Tage wie alle anderen in meinen Augen, nur dass die Geschäfte geschlossen haben und viele meiner Mitmenschen von einer seltsamen Feierlaune erfasst sind. Komisch, wie sich mit den Jahren die Einstellungen zu manchen Sachen ändern .... (grübel) ... Nein, ich habe heute nicht den Kopf, mir dazu tiefgründig Gedanken zu machen. Der Tag ist so gut wie gelaufen. Etwas lethargisch sitze ich vorm Computer. Ich schnupperte die Frühlingsluft und jagte ein paar Wollmäuse. Die Wäsche wird dann auch bald fertig sein. Und vielleicht ergibt sich noch das ein oder andere Wort im Internet (z.B. Nubivagant).

Montag, 30. April 2012

Grenzen


Sie fragte, seit wann ich wieder da sei. Ihre Stimme klang ängstlich überreizt. „Wie soll ich dich erreichen, wenn es mir schlecht geht?“ Ich verwies auf meine Handynummer. „Aber Papa wird es gar nicht schaffen, die Nummer zu wählen.“ Ich überlegte. „Wenn es dir schlecht geht, kann ich doch auch nicht helfen“, sagte ich, „wenn ich unterwegs bin. Dann müsst ihr den Notarzt rufen, 112."
„Du bist überhaupt schlecht zu erreichen. Du nimmst gar nicht ab, auch wenn du zuhause bist ...“ Sie sagte dies nicht anklagend, eher gequält. Ich widersprach.
Sie erzählte, dass es ihr nervlich nicht gut ginge, dass sie in einer Nacht tatsächlich den Arzt rufen musste, weil sie Herzattacken hatte und Angst bis hin zur Panik. Ich dachte: Wie früher. Und sagte: „Das ist die Belastung mit Papa.“ „Ja“, meinte sie. Ich lenkte das Gespräch auf meine Reisen nach Kärnten. Sie bedankte sich für die Postkarten und fragte nach. Eine Frau habe ich dort kennengelernt, berichtete ich; ja, es sei eine ganze Strecke zu fahren mit der Bahn, aber die Liebe; ich werde schon Fünfzig dieses Jahr, ich wolle endlich auch einen Hafen …; und ja, es sei sehr schön in Kärnten. Ich hatte ein schlechtes Gewissen, dass ich mich so lange nicht bei meinen Eltern meldete. „Entschuldige“, sagte ich und fügte heiter hinzu: „Ich hatte wohl anderes im Kopf ...“ Die Stimme meiner Mutter klang leichter, als wir uns verabschiedeten. Die ersten Bewohner, die ich am Abend ins Bett lege, klingelten bereits. Nachdem ich, bevor ich zum Nachtdienst aufbrach, die schriftliche Aufforderung meiner Mutter im Briefkasten vorfand, mich doch bitte zu melden, hatte ich keine Ruhe mehr und rief sie nach der Dienstübergabe vom Altenheim aus an. Wie soll das nur weitergehen mit meinen Eltern, dachte ich, als ich aufgelegt hatte. Es konnte schnell gehen, dass sie ohne Hilfe nicht mehr in ihrem Haus leben konnten. Was erwartete meine Mutter von mir? Sie war überfordert mit der Situation, - mit meinem demenzkranken Vater. Ihre altes Nervenleiden brach wieder hervor. Und diesmal würde mein Vater ihr nicht mehr beistehen können. Und ich? Ich spürte den Druck, das schlechte Gewissen; ich erinnerte mich, wie ich als Kind jahrelang unter der Krankheit meiner Mutter litt. Die ganzen seelischen Wunden drohten wieder aufzubrechen: der Jammer, das Unverständnis, die Ohnmacht des Kindes … Ich versteckte mich damals unter der Bettdecke, ich lief an den Wochenenden weg; ich verdrängte, was zuhause geschah, mit Süßigkeiten und Spielzeug.
Am Liebsten würde ich mich wieder verkriechen.
Die Bewohner klingelten. Ein hochbetagtes Ehepaar musste zu Bett gebracht werden. Sie saß im Sessel und jammerte: „Könnte ich doch sterben! Womit habe ich das verdient? Das ganze Leben war ich für andere da. Womit habe ich das verdient?“ Ich reichte ihr die Schmerztablette zur Nacht und half ihr beim Ausziehen. Was sollte ich sagen? Ich habe kein Mittel gegen Depressionen und Einsamkeit. Das Gejammere war nicht zum Aushalten. Es zerrte an mir wie eine Hyäne. Es war nicht zu ignorieren. Ich versuchte mich mit der Arbeit abzulenken - Routine. Zuhause saß meine Mutter und starrte auf das Telefon. Sie hatte Angst. Ihr Herz klopfte. Wenigstens scheint es dem Sohn gut zu gehen, dachte sie ...

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