Vrrroooooom!!
bonanzaMARGOT
- 05. Jun. 11, 13:00
Glück, Angst, Traurigkeit mischen sich zu Aprilwetter in meinem Herzen. April im Juni, das hatte ich schon mal, als ich vor zwei Jahren nach Fehmarn fuhr. Damals war es wirklich das äußere Wetter, - diesmal dagegen die innere Witterung. Das Glück ist glatt wie eine Eisbahn. Kaum dass man auf den Kufen steht und freudig ein paar Meter über das Eis schlittert, landet man hoppla di hopp urplötzlich auf seinem Hosenboden. Autsch! Die Brust zieht sich zusammen, und die Wände rücken näher. Tränen steigen in die Augen, und ich fühle mich hilflos wie ein kleiner Bub.
Es gibt teuflisch viele schöne Plätze zum versacken ...
Wird nun der Kachelmann verurteilt oder nicht? Fliegen wir auf den Mars? Pläne dazu gibt es. Die Erde wird kleiner und kleiner. Unschuldige und schuldige Prominente schwitzen Geld, und die Mediengeier schwirren im Blitzlichtgewitter um sie herum. Ich wäre sofort dabei, wenn ich mit auf den Trip zum Mars dürfte. Das Leben kommt mir oft vor wie ein Kaugummi, das wir schon zu lange im Mund haben, - nur noch lustlos drauf rumkauen. Aber es auszuspucken, trauen wir uns nicht. Lieber bilden wir uns ein, wie wunderbar es doch noch schmeckt. Die Erde ist eine Schöne vom Weltraum aus betrachtet. Sie ist wie eine Prinzessin im All. Aber hier unten, kaum zu glauben, ist dieser ganze Mief, den wir Menschen verbreiten. Dabei nehmen wir für uns in Anspruch, die klügsten Lebewesen zu sein, - die Krönung der Schöpfung.
Ich habe fünf Nächte im Altenheim hinter mir. Ich bin erschöpft. Ich kämpfe mit den Alten, die in ihren Betten liegen, um sie sauber zu kriegen, ihnen eine frische Windel anzuziehen. Sie verstehen überhaupt nicht, was ich will und wehren sich. Nicht alle, aber einige machen mir meine Arbeit sehr schwer. Am liebsten würde ich manchmal davonrennen, wenn sie kotverschmiert in ihren Betten liegen und mich mit großen Augen anschauen ...
Ja, es ist mein Job. Ich will nicht rumjammern. Bringt eh nichts. Es wäre halt schön, wenn ich bei den schwierigen Fällen ein Paar helfende Hände zur Seite hätte. Aber die sind für den Altenheimbetreiber zu teuer. Toll. Wir sollen einfach hinnehmen, dass das Leben grausam ist, und nach außen gute Miene zum bösen Spiel machen.
Ich spucke das Kaugummi aus. Ich weiß, warum ich aus der Kirche austrat, - nicht an den Gott glaube, den diese Pharisäer anbeten. Da bleibe ich lieber im Ungewissen. Nein, nein, nicht mißverstehen, - ich bin auch kein Engel. Nach fünf Nachtwachen allein wird man leicht überempfindlich und ungerecht. Die Nerven sind erschöpfter als der Körper.
Ich stelle mir vor, dass ich mit zum Mars fliege. Ich winke der Prinzessin Erde, als wir am Mond vorbeirauschen. "Wie schön du bist", sage ich und schicke ihr eine Kusshand zum Abschied.
alajaviknabotnik schnullbumvetter arschknick skimkram knall ...
Wenn mir mal nichts einfällt, rede ich einen oder mehrere Sätze in kaum artikulierbarer Sprache, ohne zu wissen, was ich sage. Wie Pogo-Tanzen. Oder wie Dadaismus ...
Ist doch eh alles dada, oder?
Die Formel Eins Boliden fahren die letzten Runden in Spanien. Grob gesagt: Dort scheint auch die Sonne. Und nun fahren sie auf harten Reifen. Vetter führt noch.
Noch neun Nachtdienste bis zum Urlaub. Der Countdown ist wie immer der spannendste Moment. Bevor die Booster zünden. Wenn sie denn zünden.
Werbepause. Immer diese Werbepausen! An die werde ich mich genausowenig gewöhnen ... wie an Haare auf Frauenbrüsten. Selbst zwei oder drei senken da schon meinen Erregungspegel. Na ja, ist aber eher ein Luxusproblem.
Zurück in Barcelona. Ich lausche kommentatorischem Oralsex. Blumkrstlubklammbatdubbivettelminiklappstorchknupp ...
Dazu fällt mir ein (neuer?) Anmachspruch ein: "Oh, du heiße Braut, ich will dein Asphalt sein!"
Okay.
Allen noch einen schönen Sonntag.
"Lang lebe Ned Devine" 23 Uhr 45 auf RBB.
bonanzaMARGOT
- 21. Mai. 11, 16:27
"Vater hat Demenz."
"Was?!"
"Seit zwei Jahren."
"Seit zwei Jahren ..., wie ist das möglich?"
Und Mutter erzählt mir von den nach und nach immer häufiger auftretenden Gedächtnislücken bei Vater, dass er sie fragen muß, wo dies und jenes im Haushalt zu finden ist, oder beim Autofahren nach dem Weg fragt, obwohl er ihn wissen müßte.
Er wurde daraufhin untersucht, machte Gedächtnistests, und die Diagnose Demenz steht offensichtlich fest.
"Und er hat den Grauen Star."
"Ja, das fiel mir auch auf, dass er sehr schlecht sieht beim Autofahren und darum sehr langsam fährt", meine ich - und denke bei mir: Oje, er fährt noch Auto ...
Ich wünschte, ich wüsste nicht so viel über diese grausame Krankheit. Ich sage meiner Mutter, was auf sie zukommen kann. Ich beschönige nichts. Es gibt keine Heilung.
"Er bekommt Tabletten und macht Gedächtnistraining", erzählt die Mutter, "vielleicht ist der Abbau bei ihm nicht so schnell."
"Ja, im Altenheim beobachte ich zum Teil ganz unterschiedliche Verlaufsformen. Manchmal schreitet die Demenz nur sehr zögerlich voran ...
Du solltest dich auf alle Fälle beraten lassen. Die Sozialstation am Ort bietet bestimmt Beratungsgespräche an. Die können dir sicher noch besser als ich sagen, auf was man sich vorbereiten muss."
Scheiße, denke ich, ich hatte damit nicht gerechnet, nicht so bald. Vater ist 79. Ich wußte wohl, dass mit seinen Augen was nicht stimmen kann ...
"Hoffen wir, dass es bei ihm nicht so schnell geht", sagt meine Mutter.
"Mist", sage ich und sehe eine dunkle Wolke am Himmel, vor der ich immer Angst hatte. Tränen steigen mir in die Augen.
...
Nach 24 Stunden Schlaf mit kleinen Unterbrechungen - z.B. sah ich gestern "Wer wird Millionär" ausschnittsweise, als ein Berliner 1/2 Million gewann. Ich aß zwei Knäckebrote mit vegetarischer Pastete, danach schlummerte ich wieder ein, in die Kissen vergraben. Träume fluteten den Kopf, ohne dass ich mich daran erinnern kann. Nur heute Morgen tat mir der Rücken säuisch weh. Die Matratze ist für den Sperrmüll. Das monierte bereits meine Ex. Ich werde mir eine neue von meinen Eltern zu Weihnachten wünschen. Dann fällt diese alljährliche dämliche Geldüberweisung von 100 Euro flach - für Weihnachten und Geburtstag zusammen. Nicht dass ich gierig wäre ... Wie viel kostet eigentlich eine gute Matratze?
In meinem Kopf Flaute. Der Postmann brachte mir neue Shorts und ein T-Shirt. Nachnahme. Ich unterschrieb und rundete die Summe auf. Ist es warm genug, um kurze Hosen anzuziehen? Der Postmann trug welche.
Noch hängen graue Wolken am Himmel. Die Sonne in Abwarte-Stellung dahinter. Das Grün der Büsche und Bäume kraftvoll. Auch ich warte noch ab. Obwohl - auf was eigentlich? Ich will die grauen Schleier in meinem Kopf zur Seite schieben. Ich suche nach dem Schlüssel für das Schließfach meiner Seele. Dabei heißt es nur aufstehen und hinaus gehen, die Schwerkraft überwinden ... Doch wohin? Wohin an einem diesigen Dienstagmittag?
Der Bofrost Mann kommt den Berg hoch. Für irgendeinen Nachbarn. Es bewegt sich etwas. Ich schaue aus dem Fenster. Ah, er geht gegenüber die Treppe hoch. Ziemlich anstrengend, Leute zu beliefern, die in Hanglage wohnen.
...