Mittwoch, 13. Januar 2010

Winterlich

Blick aus dem Küchenfenster




...

Samstag, 9. Januar 2010

Zeitnot

Mit der Zeit denke ich nach, was “Zeit” eigentlich bedeutet. Dabei diene ich mir selbst als Anschauungsobjekt. Wenn es nicht so furchtbar normal wäre, dass man vor sich hin altert, dass ein Tag nach dem anderen vergeht, wie Dominosteine in einer scheinbar endlosen Reihe umfallen, würde ich meinen, dass alles, meine Erinnerung, meine Gegenwart und das Vorangehen in meine Zukunft, völlig absurd ist. Das Gehirn sublimiert es einfach. Dabei gab es eine Zeit, in der ich nicht existierte - nämlich vor meiner Geburt. Menschen wie meine Eltern oder mein älterer Bruder sind somit lebendige Zeugen meiner damaligen Nicht-Existenz. Ich dagegen weiß nur von einer Welt, die mit mir vorhanden ist. Ältere Menschen haben einen Lebenszeitvorsprung, der in ihrem Leben nie von mir aufzuholen ist. Der Tod vernichtet die Zeugen meiner ehemaligen Nicht-Existenz. Der Tod vernichtet die lebendige Erinnerung. Schließlich stehen wir nur noch vor Artefakten der Vergangenheit. Die ältere Geschichte hat keine lebendigen Zeugen. Alles was wir haben, sind unser Verstand und Vorstellungsvermögen. Die Zeit selbst entzieht sich durch den Tod.
Als junger Mensch findet man es abwegig und surreal daran zu denken, dass die eigene Lebenszeit kontinuierlich wie eine Sanduhr abläuft. Es ist gerade so, als ob immer Tag wäre; und die Nacht, die Dunkelheit bleiben etwas Unvorstellbares. Das Bewusstsein steht im Zenit und strahlt wie eine Sonne auf sich und die Welt. Auch wenn der Verstand durch Erzählungen und Beobachtungen längst weiß, dass nicht nur das Leben der anderen endlich ist, kann und will man nicht begreifen, dass dies auch auf einen selbst zutrifft. Das Leben wirft keinen Schatten - jedenfalls sehen wir ihn nicht an uns.
Ich bin Altenpfleger und sehe häufig den Tod in unmittelbarer Nachbarschaft. Ich erlebte, wie "Zeitzeugen" starben, unspektakulär, manchmal leidvoll im Abschied … Ein Mensch ist tot, und ich lebe noch. Ich weiß, dass die Stunde unweigerlich kommen wird, in welcher ich meinen Frieden mit dem Dasein machen muss - ... dann bin ich einfach nicht mehr da. Einige Menschen werden sich an mich erinnern, bis auch sie sterben. Einige Menschen lesen vielleicht meine Gedichte, wenn ich schon lange nicht mehr existiere. Es ist gespenstisch, wenn Tote durch Medien zu uns sprechen.
Die Zeit kennt nur ein Gesetz: sie vergeht. Und mit ihr vergehen selbst die größten Menschen und hellsten Sonnen. Der Tod ist der Schatten des Lebens in der Zeit. Es gab Momente in meinem Leben, wo ich meinen Schatten ganz nah bei mir fühlte - ich war bereit, zu gehen.
Die Zeit wird im Alter kostbarer, obwohl sie scheinbar immer schneller verrinnt. Es ist ein Witz - da fängt man gerade mit dem Nachdenken an, und schon soll alles vorbei sein …

Donnerstag, 31. Dezember 2009

Guten Rutsch!

So ist das. Das Jahr endet im Altenheim. Zum ersten Mal werde ich allein mit 50 Altenheimbewohnern ins Neue Jahr rutschen. Ich hoffe nur, dass ich heute Nacht keine Notfälle habe.
2009 war für mich, was meine Arbeit im Altenheim angeht, mit einigem Übel besetzt. Ich fühle mich müde und auch einigermaßen frustriert in dieser Hinsicht. Es ist ein Kreuz mit der Arbeit - und passend dazu habe ich auch noch Kreuzschmerzen zum Jahresende bekommen. Die oft nicht leichtgewichtigen und immobilen Alten allein in den Betten hoch zu ziehen und zu lagern, bleibt nicht ohne Wirkung.
Und ich werde auch nicht jünger - mitsamt Rücken und Bewegungsapparat. Von meinem Herz und meinen Nerven ganz zu schweigen. Ich merke deutlich die physische und psychische Mehrbelastung, seit wir statt zu Zweit die Nächte alleine meistern müssen. Mir fehlt der Rückhalt des Kollegen (der Kollegin) sehr. Besonders im seelischen Sektor ist das Fehlen eines direkten Ansprechpartners in der Nacht viel nachhaltiger ein Defizit, als man vielleicht zu Anfang meinte. Alles muss man alleine stemmen, und es gibt niemanden, der einen moralisch oder tatkräftig etwas auffängt, wenn man mit einem Bewohner Schwierigkeiten hat, wenn es einem selbst mal nicht gut geht, oder wenn man in akuten Stress- und Notfallsituationen steckt. Natürlich werden wir, seitdem wir alleine den Nachtdienst leisten müssen, deswegen nicht besser bezahlt. Auch von einer Supervision dürfen wir nur träumen. Der Arbeitgeber machte bei einer Bewohnerzahl von 50 einfach einen Schnitt. Es wird gemacht, was gerade noch für die Heimaufsicht tolerierbar ist. Und Kritik wird von oben mit dem “Geld-Argument” platt gemacht, oder es werden subtil die Arbeitsplatzängste der Mitarbeiter ausgespielt. Die Starken sind in diesem Fall jene, die geschickt drum rum reden, schweigen oder sich bei den Vorgesetzten einschleimen.

Ich habe Rückenschmerzen. Zwanzig Jahre Altenpflege verschleißen … in jeglicher Hinsicht. Meine Erfahrung ist einen Scheiß wert. Niemand will Wahrheiten wissen, welche für das eigene Wohlbefinden unbequem oder unerträglich wären.
Mein Resumee: Ein ganzer Berufsstand wird von der Gesellschaft schon seit langem im Stich gelassen. Die Alten und Pflegebedürftigen werden zu ungeliebten und lästigen Objekten. Respekt und Menschlichkeit bleiben auf der Strecke. Es wird geheuchelt und totgeschwiegen.
Ähnlich wie die Soldaten in Afghanistan fühle ich mich als Altenpfleger “an der Front” von der Politik und den Verantwortlichen unverstanden und allein gelassen.
Verflucht noch mal! Ja, es ist Krieg! Und: Ja, es herrscht Pflegenotstand!


Ich wünsche Euch einen guten Rutsch ins Neue Jahr - Gesundheit, Glück und Reichtum …
Alles geht voran!

Euer ewiger Nörgler und Schwerenöter
bon.

Dienstag, 29. Dezember 2009

I remember: Zupfgeigenhansel

(Merkwürdig: heute Nacht träumte ich von einer Musikgruppe Zupfgeigenhansel. Ich googelte nach ihrer Musik ..., et voilà.



Mittwoch, 23. Dezember 2009

"Avatar - Aufbruch nach Pandora"

Regie: James Cameron


Ein High Tech - Science Fiction Western


Ich saß in der vorletzten Reihe, ganz rechts außen, um niemanden zu bemühen, wenn ich pinkeln mußte. Vorher hatte ich eine Feuerzangenbowle mit Schuss auf dem Weihnachtsmarkt geschlabbert. Und im Irish Pub verkürzte ich die Wartezeit mit Weihnachtsbier. Die Nachmittagsvorstellung war hauptsächlich von Jugendlichen besucht, die erwartungsgemäß keine 160 Minuten ruhig sitzen bleiben konnten und auch den Ernst vermissen ließen - schließlich konnte die Story von “Avatar” schon nachdenklich stimmen. Aber die Kids interessierte natürlich mehr die Action, die faszinierenden Bilder und die Effekte, mit denen im Film wirklich nicht gegeizt wurde.
Schon bald war die Geschichte voller Klischees: da die Eroberer als Aliens von der Erde, denen es nur um die Ausbeutung des Planeten Pandora ging, und auf der anderen Seite die fremde und geheimnisvolle Kultur der Eingeborenen, die von dem Helden, ein Soldat im Rollstuhl, der in einen künstlichen Körper, einen "Avatar", schlüpfen konnte, quasi wie im Traum entdeckt wurde. Er lernte die fremden Wesen, ihre Welt und Gebräuche kennen, und er verliebte sich in die Tochter eines Häuptlings. Sehr bewegend und bunt wurden die Erfahrungs- und Lernexkursionen des Avatars geschildert, und man erlebte die innere Wandlung des Helden hin zu der exotischen und fremden Welt und ihren Bewohnern. Diese Filmstrecke ( etwa in der Mitte) war für mich am kurzweiligsten und interessantesten. Bald war klar, dass es auf einen Kampf zwischen David und Goliath hinaus lief. Eigentlich war der Film eine Art Western - ein "Science Fiction Western": Kavallerie gegen Indianer. So war ich dann auch genervt von dem vielen Kampfgetümmel mit dem üblichen Geballere und Heldenethos, was viel zu viel Platz gegen Ende einnahm. Die Ureinwohner würden mit der tatkräftigen Hilfe des Avatars, der zum Überläufer wurde, irgendwie die “Aliens von der Erde” zurück drängen - oder auch nicht - denn wieder mal schaffte ich das Ende, wie schon bei “2012”, nicht ganz, weil: zu viel Geballere eben, alte Klischees, das vorhersehbare Endgefecht zwischen Gut gegen Böse, oft lasche Dialoge, keine unbedingt tiefgehende inhaltliche Auseinandersetzung …
Anders als bei “2012” kamen die Charaktere zwischenzeitlich etwas besser und tragender zur Geltung (z.b. Sigourney Weaver). Das Kinospektakel von “Avatar” war nicht ganz so seicht. Technisch gesehen ist der Streifen sicher eine Meisterleistung. Die exotische, fremde Welt ist fantastisch gut gezeichnet. Die kommerzielle Ausrichtung senkt allerdings mal wieder deutlich das Niveau. Ich hätte noch einige Feuerzangenbowlen mit Schuss gebraucht, damit auch für mich ein gutes Kinoerlebnis daraus geworden wäre.
Schade, wenn ich mir überlege, wie viel Arbeit, kreative Energie und Geld in solch monumentalen Projekten wie “2012” und “Avatar” steckt. Sie werden im Vorfeld hoch gepriesen, gereichen aber nur im Sektor Computertechnik den Qualitätserwartungen.

Montag, 21. Dezember 2009

Thursday`s Child




Ein Song, der mich immer wieder bewegt.

Donnerstag, 10. Dezember 2009

Kann Weihnachten geil sein?




(the best, you can do)

Dienstag, 8. Dezember 2009

Träume, Baby, träume

Na ja, man darf träumen. Und nun fragt euch, wie frei eure Träume sind. Sind es wirklich eure Träume - oder sind es die Träume, die euch eingepflanzt wurden?
Vielleicht gibt es keine wirklich eigenen Träume ...
Vielleicht wird ein Traumkonto bei der Geburt eingerichtet. Die Eltern und Großeltern zahlen darauf ein, deine Kindergärtnerin, deine Lehrer, deine Bekannten und Freunde ...
Die Gesellschaft wird deine Familie, und sie bestimmt fortan deine Träume.
Aber wo sind meine Träume, meine ganz eigenen?
Ich suche. Und bei dieser Suche komme ich manchmal in Konflikt mit den Doktrinen unserer Gesellschaft. Denn viele zahlten auf mein Traumkonto ein, und nun habe ich plötzlich Zweifel und will mir mein eigenes Ding überlegen.
Man sagt mir auch, dass ich völlig frei bin, dass ich aber, falls ich meine eigenen Wege gehe, nicht mehr selbstverständlich mit einer Unterstützung rechnen dürfe.
Nun, entschuldigt, das klingt in meinen Ohren wie Hohn - denn schließlich hatte ich doch von Anfang an keine Wahl.
Sie tauften mich, bevor ich überhaupt sprechen konnte. Ich musste Kindergarten und Schule über mich ergehen lassen, zusammen harte 17 Jahre lang. Ich wurde von dumpfbackigem Religionsunterricht geplagt und von sadistischen Lehrern vorgeführt. Ich hatte deswegen eine Menge Albträume.
Meine Eltern liebe ich. Ich liebe sie. Ich liebe sie sehr. Auch sie hatten keine Wahl. Sie träumten lange nicht ihre eigenen Träume - ich mache ihnen keine Vorwürfe. Ihre Kindheit erlebten sie im Krieg.

Mein Gott! Seit zwanzig Jahren arbeite ich als Altenpfleger. Ich sehe Menschen leiden und sterben, manchmal qualvoll sterben ...
Wohin soll das führen?
Die Träume verbrennen wie trockenes Papier. Es gibt keine Chance zu entkommen.
Frage:
Warum haben wir es mit so viel Intriganten und Ignoranten zu tun, die nicht nur ein freies Träumen verbieten, sondern noch weiter gehen und die Mitmenschen mit anderen Träumen demütigen, quälen und umbringen?
Warum darf ich selbst heute nicht alles aussprechen, was ich denke?
Ansonsten verlöre ich meinen Arbeitsplatz.
Und ich brauche doch meine Arbeit.
Warum muss ich immer Stärke zeigen? Warum ist Schwäche so schlecht angesehen?

Nein, ich wollte diesen Beruf nicht unbedingt. Er war nicht mein Traumberuf. Ich hatte keinen Traumberuf. Es war meine Neugier auf das, was sonst in unserer Gesellschaft ausgegrenzt ist. Es ist ein großer Unterschied zu wissen, dass man irgendwann sterben muss, oder ob man das Sterben wirklich miterlebt - und die ganzen Phasen davor.

Unsere Gesellschaft hat zu wenig Geld, damit wir Altenpfleger unseren Ansprüchen gerecht werden können. Doch hat die Gesellschaft genug Geld, um Soldaten nach Afghanistan zu schicken und (unfreiwillig) zu Kindsmördern werden zu lassen!

... Und nun fragt euch, wie frei eure Träume sind, und ob ihr euch überhaupt schon mal danach gefragt habt.

ein literarisches Tagebuch

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