Dienstag, 17. Februar 2009

Ein Song zum Dahinschmelzen

Montag, 16. Februar 2009

Pflegenotstand

http://daserste.ndr.de/annewill/index64_poll-pflege116.html

... wieder eine dieser unsäglichen Sendungen zum Thema Pflegenotstand.
Wenn ich diesen Diskussionen folge, fühle ich mich als Altenpfleger, der seit 23 Jahren in Pflegeheimen tätig ist, nur noch verarscht. Ich hätte Anne Will am liebsten weggeschaltet. Die Argumentationen drehen sich seit den Achtzigern des letzten Jahrhunderts munter im Kreis und haben inzwischen einen Bart wie Methusalem. Und die Politiker reden von Reformen!
Im Pflegealltag kam bis jetzt keine Reform an - das einzige, was bei uns seit Jahren ankommt, - dass die Theorielastigkeit zunimmt, während die Praxis weiterhin Not leidet. Wir leben im "Laberland". Jeder redet sich die Dinge zurecht, wie sie aus Sicht seiner Politik, Zunft und seinen persönlichen Interessen zu sein haben. Dabei kommt heraus, dass alle "irgendwie" recht haben ... und sich mal wieder nur marginal etwas in Richtung Problemlösung bewegt. Der Kern der Sache bleibt indessen unberührt - wir fahren lieber noch eine Runde Meinungskarussell. Das Ganze gewürzt mit dem immergleichen Betroffenheitsgestöhne, wenn anhand von Beispielen die Problematik deutlich gemacht wird. Jessas! In mir akkumulieren sich Wut, Ohnmacht, Scham, Trauer und Unverständnis zu einem fast unerträglichen Dauerzustand. Wie soll ich in diesem Beruf noch Jahre weiter arbeiten? Kann ich noch in den Spiegel schauen?
Mir wird schlecht ...

Morgen geht`s zurück in die Nacht. Ab Mai soll der Nachtdienst mit nur einer Pflegekraft abgedeckt werden, das heißt: Ich werde mit ca. 50 zum Teil schwer pflegebedürftigen Menschen allein sein. Was soll ich sagen?
Scheiße!

Montag, 9. Februar 2009

Ein echtes Kinoabenteuer - "Der seltsame Fall des Benjamin Button"

Das letzte Stück zum Kinocenter müssen wir zu Fuß zurücklegen, vom Wiesenplatz aus die Zollstraße entlang. Vor uns laufen zwei junge Frauen. Ich höre die eine den Namen Brad Pitt erwähnen und sage zu Meral, dass sie bestimmt auch in den Film gehen. Es ist dunkler Abend, klamme Februarwitterung.
Zwei Tage zuvor gingen wir denselben Weg, um Fleisch einzukaufen, das in Deutschland um mehr als die Hälfte billiger ist. Der Truthahn war lecker ... Die jungen Frauen sind tatsächlich noch vor uns. Wir müssen einfach nur hinter ihnen bleiben, und sie bringen uns direkt zum Kino, vorbei an einer alten, kleinen Kirche samt Pfarrhaus, einem Altenheim und einem Kiosk, der noch hell ist. Auf der Brücke zur Grenze begegnen uns immer noch Einkäufer, taschenbepackt oder mit Ziehwägelchen, auf dem Rückweg von Weil am Rhein.
Das Kino ist ganz oben. Wir kürzen den Weg ab durch das Parkhaus. Zielstrebig steuern wir die Kinokasse an. Es ist die Samstagabendvorstellung und zwei Schlangen Wartender stehen an. "Leider haben wir nur noch auseinander liegende Plätze", sagt der Kassierer. Nach kurzem Bedenken und einem Blick zu Meral nehme ich die Karten trotzdem. "Vielleicht können wir ja mit jemandem tauschen", sage ich. Die Vorstellung hat begonnen, und die letzten Reihen füllen sich. Unsere Hoffnung auf nebeneinander liegende Sitzplätze zerplatzt. Aber ich habe einen Platz ganz außen, und Meral setzt sich auf die Stufen neben mich. Der Film erzählt die seltsame Lebensgeschichte eines Mannes, der als Greis auf die Welt kommt und immer jünger werdend schließlich als dementes Baby in den Armen seiner großen Liebe stirbt. Das Leben ist grotesk. Speziell dieses Leben. Das Leben von Jedermann. Zwischendurch sieht Brad Pitt in dem Film wirklich aus wie Brad Pitt. Meral und ich sind gefangen vom Leinwandgeschehen. Die Geschichte wird in wunderbar poetischen Bildern erzählt, die das Herz anrühren - mal zum Lachen, und mal zum Heulen. Die Figuren erzählen von Hoffnung, Liebe und Einsamkeit; von den Träumen, die man hat, und wie das Schicksal Zeichen setzt; wie man an seinen Träumen vorbei lebt, als wären sie Inseln im Nebel; und dann reißt doch eines Tages der Schleier auf, und alles ist so, als hätte es gar nicht anders sein können. "Brad Pitt ist ein schöner Mann", flüstert Meral. Ich zucke mit den Achseln. Ein paar Minuten lang sieht er in dem Film wirklich nicht übel aus, bevor ein pubertierender Jugendlicher, der innerlich vergreist, und ein "dementes" Baby die Rolle des Benjamin Button übernehmen. Längst haben Meral und ich entschieden, dass der Film ein wahres Leinwandgedicht ist, ein Epos auf das Leben: Wie verrückt und grausam das Leben ist, und dicht daneben heiter, glücklich und voll Anmut - und alles ist geheimnisvoll, ein Mysterium.
Als wir wieder auf der Zollstraße sind, zurück in der Nacht eines Samstags im Februar 2009, verweben sich die Eindrücke wirr ineinander. Mir ist warm, obwohl es inzwischen graupelt. Zum Wiesenplatz, wo die Tram fährt, sind es gut 10 Minuten Fußweg. Die jungen Frauen sind vielleicht auch auf dem Rückweg, oder sie trinken noch eine Cola im Café des Kinocenters; oder sie bestellen etwas schärferes und reden über Brad Pitt. Wie`s aussieht, werde ich nicht jünger, denke ich, - noch pflege ich die Menschen im Altenheim, um dann eines Tages selbst die letzte Tür in meinem Leben aufzumachen. Bis dahin will ich noch vielen Menschen begegnen, die etwas zu sagen haben - wie in diesem Film, und wie Meral, und einige andere, die schon lange in meiner Erinnerung Platz genommen haben.
Wäre die Wirklichkeit nur nicht so verdammt wirklich: Eine verlauste, dicke Alte quält in der leeren Tram ihren Hund, der abwechselnd knurrt und heult ... Mich juckt ein Ausschlag auf dem Handrücken ... Wir treffen am Voltaplatz Merals Sohn, der mit einem Kumpel auf dem Weg zur Disco ist ... Im Milchhüsli bleiben wir bis zur Sperrstunde und rühren im eigenen Leben, - in unserer Liebe herum ... Wie immer trinke ich ein großes Cardinal ... Es könnte alles besser aber auch schlimmer sein.



http://wwws.warnerbros.de/benjaminbutton/

Freitag, 23. Januar 2009

Und hier einen Song extra für den Lieben Gott

Körperwelten

Niemals, auch in keiner noch so großartigen Präsentation von Kunst, sah man Menschen derart auf den Gegenstand ihrer Betrachtung ausgerichtet, wie vor den von Hagen`schen Plastinaten; das Erstaunen, die Schauder der Selbstergriffenheit fanden in den Betrachtern einen so unvergesslichen Ausdruck, weil jeder in dem Gesehenen sich selbst anschaute. Man spürt, dass die Betrachter sich nie zuvor derartig nahe gekommen waren wie in der Konfrontation mit den Körperplastinaten.
(Bazon Brock, Professor emeritus für Ästhetik/Gestaltungstheorie, Wuppertal)


Körperwelten in Heidelberg von 10. Januar bis 26. April 2009

http://www.koerperwelten-deutschland.de/

Mittwoch, 21. Januar 2009

Nummer 44

Der Präsident legte den Eid ab. Er war nun der mächtigste Mann der Welt. Mit Gottvertrauen, Intelligenz und Mut wollte er die großen Aufgaben angehen. Es gab viel zu tun. Sein Vorgänger hatte ihm eine abgewirtschaftete Nation hinterlassen und einen Krieg, der nicht zu gewinnen war. Der Präsident spürte, dass die Menschen an ihn glaubten. Die Herzen flogen ihm zu. Die Welt hielt den Atem an, als er die Hand zum Schwur hob. Würde er ein guter Hirte sein?
Er war jung - in meinem Alter. Kaum zu glauben. Ich wischte Popos im Altenheim, und er fuhr in einer gepanzerten Limousine zu den Staatsgeschäften. Im Fernsehen hörte ich seine Antrittsrede. Der Präsident sagte kluge Sachen. Ich bekam feuchte Augen. Millionen jubelten vor den Bildschirmen und auf den Straßen ihrer neuen Ikone zu. Die Erdenbürger hatten seit langem wieder einen Hoffnungsträger. Auch ich war ergriffen von dem Aufbruchsgefühl. Es war beinahe messianisch. Und es menschelte gewaltig. Wie sollte man sich dieser Stimmung entziehen? Selbst das Böse wurde rührselig. Trotzdem blieb ich skeptisch. Im Altenheim hatten wir einen neuen Heimleiter bekommen, der auch gut reden konnte. Leider bewegte sich deswegen nichts zum Besseren. Es wäre zu schön gewesen, um wahr zu sein.
Ich wusste, warum ich lieber eine Arschwischmaschine war, und nicht Heimleiter oder gar Präsident. Ich konnte nicht glauben, obwohl ich die wahnsinnige Anziehungskraft spürte. Ich konnte mir einfach nichts einreden.
Ja, ich erinnere mich, dass dieser Präsident damals etwas ganz Besonderes war ... Er war Nummer 44. Der erste Farbige.
Aber die Menschen änderten sich darum nicht.


Mittwoch, 14. Januar 2009

I remember



Che Guevara

Dienstag, 6. Januar 2009

Schnoller

Nun wisst Ihr nicht, was ein "Schnoller" ist. Ich beginne das Neue Jahr mit einem neuen Wort. Vielleicht nenne ich fortan alle verrückten Träume "Schnoller" - Träume, die im Halbschlaf am Strand des Wachwerdens noch ein Weilchen nachwirken: Der Geruch des Schlafes hat sich noch nicht völlig verzogen - mumiengleich liegt man in seinen Gedanken, die Augen bereits geöffnet, in die heraufdämmernde Realität blickend - benutzte eine Traumfigur das Wort "Schnoller"? - in dieser Phase scheint mir noch klar zu sein, was das Wort bedeutet; aber bereits wenige Minuten später hat es sich samt Traum in den dunklen Abgrund des Irrsinns verabschiedet.
Einige Traumszenen aus der Neujahrsnacht will ich aufschreiben, bevor sie ganz im "Schnoller-Orkus" untergehen:
... Die Greisin mit den Streichholzarmen und -beinen wurde immer weniger, löste sich förmlich auf. Bereits wie mumifiziert lag sie im Pflegebett und sagte: "Ich habe noch Luft." Ihre Augen drohten den lebendigen Schimmer zu verlieren; trotzdem traf mich ihr Blick eindringlich, als sie zu mir sprach: "Du brauchst keine Angst haben ..."
Ihre Gestalt löste sich weiter auf, während sie ihre Worte gütig lächelnd wiederholte. Mund und Augen verschwanden zuletzt. Ich beobachtete, wie ihr Astralkörper langsam in die Tiefe des Raums davon schwebte. Neben ihr entdeckte ich zu meinem Erstaunen einen Begleiter, der wohl mit ihr den Weg ins Jenseits antrat.
"Wer ist das?" rief ich ihr hinterher.
"Herr Do..bo..rowski", antwortete sie, indem sie sich kurz zu mir umdrehte. Ich verstand den Namen nur undeutlich; und sie fügte hinzu, als ob sie meine Gedanken erraten hatte:
"Ja, auch aus dem Altenheim."
Mir lief es kalt den Rücken hinunter, bedeutete es doch, dass währenddessen noch ein Bewohner verstorben war - von uns völlig unbemerkt. Möglicherweise haben die Beiden sich verabredet, dachte ich amüsiert. Jedenfalls sollte ich vor dem Auftauchen des Frühdienstes herausfinden, um wen es sich dabei handelte ...
Zusehends entglitt mir der Traum ins echte "Schnoller-Traumversum", so dass sich das folgende Geschehen nicht mehr sinnvoll rekonstruieren lässt. Das Bild der abgemagerten Greisin, die sich vor meinen Augen völlig auflöste, blieb mir jedoch als bemerkenswert im Gedächtnis hängen.
Übrigens lebt die alte Frau noch. Sie sei noch "sehr lebendig" schrieb mir eine Kollegin, die über Silvester Dienst hatte, per SMS. Schön. Das "Schnollerversum" ist unergründlich. Doch manchmal bleiben geheimnisvolle Bilder und Eindrücke.


(04.01.2009)

Dienstag, 30. Dezember 2008

Mit Cardinal ins Neue Jahr

Morgen ist Silvester, und ich fühle mich wie mitten im Jahr - also von wegen Silvesterstimmung. Die letzten Male schob ich über den Jahreswechsel Nachtwache. Es ist eine Weile her, dass ich Silvester feierte, bzw. bewusst miterlebte. Stattdessen wechselte ich Windeln, ging auf die Klingel, während draußen die Böller krachten, und Raketen den Nachthimmel über der Rheinebene erleuchteten. In einer Pause stießen meine Kollegin und ich dann auch mit einem Glas Sekt an. Es ist eine schöne Sache, sich und anderen Menschen, der ganzen Welt alles Gute für das Neue Jahr zu wünschen. Wir kennen die Wünsche, auf die es wirklich ankommt: Gesundheit, Frieden und Sicherheit für die Zukunft. Die Jahre plätschern dahin, die Wünsche bleiben. Die Lotterie des Lebens verteilt ihre Gewinne wie auch die Desaster. Ich versuche mich in Gleichmut zu üben: Wenn es nur nicht viel schlimmer wird, brauche ich es auch nicht unbedingt besser. Ich hege nämlich insgeheim den Verdacht, dass wer dem Glück zu viel abverlangt, im Gegenzuge dem Unglück das Tor öffnet. Mitunter wurmt mich das bescheidene Dahinplätschern des Lebens schon, und ich überlege mir gravierende Veränderungen; doch bleiben meine Vorstellungen auf halber Strecke hängen - spätestens wenn sich die hohe Dame Vernunft zurückmeldet: "Felix, lasse die Flausen, die führen zu nichts als zu Ärger. Dir geht es doch gut. Fordere das Glück nicht heraus ..." Ich lernte mit dem Älterwerden, die Vernunft nicht weg zu schieben, wenn ich mal wieder Blödsinn im Kopf habe. "Na gut, du hast mal wieder recht", sage ich mir, also der Vernunft, "warum in die Ferne schweifen, wenn das Glück ist so nah. Ich müsste mich nur aufraffen, die vielen kleinen Dinge anzugehen, die mir schon lange vorschweben."Genau, Felix, du könntest eine Menge Sinnvolles für dich tun, nicht wahr?"
Morgen ist Silvester. Die Menschen überschütten sich mit guten Wünschen. Ich wünsche ihnen, dass ein paar davon in Erfüllung gehen. Ich fühle mich seltsam heute. Entschuldigt. Silvesterlaune kommt immer noch nicht recht auf. Ich habe eine ganze Woche frei. Wo ist meine Freude? Muss ich mich auf den Kopf stellen, damit sich die verkrampften Eingeweide lösen?

Morgen ist Silvester. Verdammt noch mal! Ich fahre nach Basel. Mich erwarten eine liebevolle Frau, türkisches Essen und ein mitternächtlicher Spaziergang an den Rhein. Und Cardinal Bier! Das Schweizer Bier ist nicht übel, vor allem das Cardinal. Wenn es nur nicht so teuer wäre. Und dann das Schwizzerdütsch - das verstehe ich nach drei Jahren noch nicht. Jeden Tag wollte ich es nicht hören.
Wenn ich erstmal unterwegs bin, wird sich meine Laune bestimmt bessern. Reisen finde ich immer spannend ...

Also Leute, lange Rede, kurzer Sinn: Alles Gute fürs Neue Jahr! (Und trinkt nicht so viel.)




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