boMAs Gedichte und Texte

Samstag, 17. November 2018

Höhe der Zeit


Gepriesen sei das Internet! Ich ließ mir meine Lebenszeit ausrechnen (mir war mal wieder so öde) - also nicht nur mein Alter in Jahren, das habe ich noch gerade so im Kopf, sondern etwas genauer. Hier das Ergebnis:
Ich lebe seit 1.764.720.000 Sekunden, oder 29.412.000 Minuten, oder 490.200 Stunden, oder 20.425 Tagen, oder 2.917 Wochen, oder 671 Monaten... Das sind noch ganz überschaubare Werte, finde ich. Heutzutage sind wir umgeben von Großen Zahlen. Es wird geklotzt, nicht gekleckert. Wir sind umgeben von Milliardären und finden das ganz normal. Die Weltbevölkerung wächst und wächst - bei wie viel Milliarden sind wir inzwischen? Wie viele Sterne hat die Milchstraße? – wie viele Galaxien das Universum? Größenwahn ist en vogue. Spätestens seit der Digitalisierung findet eine Inflation der Großen Zahlen statt. Ich erinnere mich an Zeiten zurück, da war für mich Tausend eine unvorstellbare Größe. Tausend Mark waren ein Vermögen! Wer kennt nicht den Spruch: Wenn das Wörtchen „Wenn“ nicht wär, wär mein Vater Millionär!* Heute zählen sich die Millionäre zur Mittelschicht. Friedrich Merz jedenfalls, der neue alte politische Emporkömmling, zwischenzeitlich Millionär, zählt sich zur oberen Mittelschicht. Offenbar ein sehr volksnaher Mann, dem man nur eine politische Karriere wünschen kann. Hat er sich doch verdient, oder?
Wir schmeißen mit Zahlen und Begriffen um uns, die wir gar nicht mehr erfassen können. Kein Schwein weiß, um was es geht. Man babbelt einfach nur noch nach, - und umso mehr man semantisch auf der Höhe der Zeit ist, desto mehr wird einem zugenickt. Ich lausche dann und wann gern Gesprächen meiner Mitmenschen, z.B. beim Fahren mit der Bahn, in der Kneipe/im Café oder auch am Arbeitsplatz, - also immer dann, wenn ich gerade nichts Besseres zu tun habe. Unglaublich, was ich da schon alles gehört habe. Über was reden die da? Kommen die von einem anderen Stern? Oder bin ich einfach zu blöd, sie zu verstehen? Nein, neben mir sitzen keine chinesisch sprechenden Chinesen (auch keine Spanier). Syntaktisch befinden sie sich weitgehendst in derselben Sprache, die ich auch spreche, aber…
Ich muss so ein Gespräch mal aufnehmen, damit ich direkt am Beispiel erklären kann, was ich meine. Möglich ist schließlich auch, dass ich Autist bin, ohne es zu wissen. Da lebe ich seit 20.425 Tagen und kriege nun raus, dass alles so ist, weil ich ein verfluchter Autist bin… Kann das sein?
Oder hinke ich der Zeit hinterher? Die Zeit ist aber auch verflucht schnell unterwegs, finde ich. Das merke ich vor allem an Wochenenden. Kaum habe ich mir überlegt, was ich am Wochenende machen will, ist es auch schon rum… und meine 2.918ste Woche in diesem Trauerspiel beginnt usw. usf.
Aber im Ernst jetzt: Die Zeit rast! Ich erinnere mich noch gut (als wäre es gestern gewesen), dass die Lehrerin vorne an der Tafel was erklärte, und ich absolut nichts davon mitbekam, obwohl ich hinhörte. Ehrlich, ich hörte hin! Ein Wunder, dass ich es bis zum Abi schaffte. Ein Mysterium. Alles ging so schnell. Bevor ich zu Ende überlegt hatte, was die Lehrerin meinte, musste ich bereits Bewerbungen schreiben. Ist erst ein paarhundert Monate her. Kann gar nicht fassen, dass mein Leben nun schon dreiviertelst vorbei sein soll**. Was habe ich eigentlich die ganze Zeit gemacht?



* auch bekannt als "hätte, hätte, Fahrradkette"

** wobei man die letzten zwei bis drei Achtel des letzten Viertels getrost streichen kann, weil man diese Zeit (wahrscheinlich) kaum noch Leben nennen kann

Sonntag, 11. November 2018

Eintopf


Mein Verstand ist müde. Dieses ständige Nachdenken über den Sinn des Daseins kann einen auf Dauer krank machen. Ich muss da mal `ne Pause einlegen. Wenigstens für heute, einem tristen Novembertag, an dem es nichts zu machen gibt, als ein Zeit-Bad bei Kerzenlicht zu nehmen und dem Bierkasten ein paar Flaschen abzuringen. Nun nur noch ein weniger anstrengendes Thema finden… Am besten einen bunten Themen-Eintopf. Einfach ohne Nachzudenken drauflosschreiben. Sich von Inspiration und Zufall leiten lassen. Und scheiß drauf, ob es jemanden interessiert. Okay, das kümmert mich auch sonst nicht. Fast nicht. Wenn ich ehrlich bin, freue ich mich schon, wenn meine Blog-Beiträge gelesen und kommentiert werden. Also gut. Ich sehe schon, so wird das nichts. Nichts schlimmer als die Heuchelei, die man an sich selbst entdeckt.

Und nun werfe ich einfach mal ein paar Zutaten in den Eintopf:

Heute Morgen im Halbschlaf fand ich AKK sexy, nicht nur wegen ihres Namens.

Am Liebsten würde ich mich mit dem Arsch auf Trumps Gesicht setzen, und ich glaube, ihm würde das sogar gefallen.

Die Bayern verloren gegen Dortmund und Uli Hoeneß bekam `ne Bierdusche ab. Weiter so!

Bei Sebastian Vettel war in Sao Paulo irgendwas lose zwischen den Beinen. Fast hätte ich gelacht.

Ich glaube wirklich, dass AKK eine gute Kanzlerin für Deutschland wäre. Scheiße, dass sie schon verheiratet ist. Aber das sagt heutzutage nichts mehr. Wie komme ich an diese Lady ran?

Die AfD will der Beobachtung durch den Verfassungsschutz entgehen, indem sie statt Scheiße in Zukunft Stuhlgang sagt. Endlich.

In der Mitte unserer Galaxie existiert ein Schwarzes Loch.

Die November-Tristesse kommt spät, aber sie kommt.

Es regnet.



Samstag, 10. November 2018

Zeichen


Wenn man mich eines Tages hier rausträgt, hinterlasse ich wenigstens einen ordentlichen Eindruck. Ich will nicht tot in einer schmutzigen, zugemüllten Wohnung gefunden werden. Unangenehme Vorstellung. Nun ist mir schlecht vom Putzen. Für heute reicht`s. Ein scheiß Job. Ich denke an die vielen, für die Putzen den Brotverdienst bedeutet. Nicht Sport ist Mord, sondern Hausarbeit.
Ich reiße die Fenster auf und setze mich in den kühlen Luftzug. Dazu ein Drink, und mir geht`s langsam wieder besser. Von der Straße tönt die alltägliche Geschäftigkeit der Stadtbewohner zu mir herein. Ein schöner Novembertag grüßt.
Was bleibt mehr zu tun als die Instandhaltung und Verwaltung des Lebens? Die Freude auf das tägliche Feierabendbier, die Freude aufs Wochenende mit zweimal Ausschlafen und zwei Tagen, an denen ich nicht über den Tumorfällen brüten muss, die Freude auf den nächsten Urlaub und auf den nächsten Sommer… Ich blicke mich in meinen vier Wänden um. Mir gefällt, was ich sehe. Ich habe es mir schön gemacht. Ab und zu gönne ich mir eine kleine Freude in Form eines neuen Kleidungsstücks, eines Schmuckstücks oder eines Buches. Mir kam kürzlich ein Hörspiel von Günter Eich in den Sinn, welches ich vor vielen Jahren gehört und mich beeindruckt hatte. Keine Ahnung, warum ich mich daran erinnerte. Ein Akt der Langeweile oder ein Zeichen – wer weiß das schon? „Das Jahr Lazertis“ – leider fand ich keine Hörfassung im Internet. Bei der Recherche wurde mein Interesse am Autoren Günter Eich geweckt und ich beschloss, mir ein/zwei Bücher mit seinen Sachen zu bestellen. Ich bin gespannt.
Und was stellst du heute noch an, bro?
Gute Frage. Schätze, die übliche Runde. Vorerst noch `nen Drink. Ich warte auf ein Zeichen. Außerdem läuft die Waschmaschine noch.
Was für ein Zeichen?
Weiß nicht. Irgendein Impuls, eine Inspiration, ein glücklicher Zufall… etwas, das mich aus meiner Lethargie reißt.
Wird schon.
Klar.

Samstag, 3. November 2018

Leberwurstbrot


Der Wahnwitz hat zwei Beine und nennt sich Mensch. In einer der letzten Nächte träumte ich von einer neuen weltweiten Marke, die sich „Leberwurstbrot“ nennt: Neben allen möglichen Produkten, für die sie steht und überhaupt nichts mit Leberwurstbroten zu tun haben, nimmt sie auch Einfluss auf die Politik. In ihrem Namen wird eine weltweite politische Bewegung gegründet. Überall prangen fortan Werbebanner mit dem Schriftzug „Leberwurstbrot“… Genial! fand ich im Schlaf und war hin und weg von dem erdachten Label.

Momentan fühlt sich das Leben an wie ein Puzzle ohne Orientierungsbild. Wie von selbst reihen sich die Wochen aneinander und unterscheiden sich kaum merklich voneinander. Dabei leben wir in rasanten und spannenden Zeiten. Politisch ist einiges in Bewegung, die technische Entwicklung explodiert geradezu (nur beim Diesel nicht), und das Klima spinnt. Aber all das erreicht mich nur wie durch Watte – als würde sich mein Leben im Auge des Sturms abspielen. Bin ich alleine mit dieser Empfindung? Bei mir kommt freilich noch eine persönlich bedingte Lethargie hinzu, welche das Gefühl des Stillstands und der Leblosigkeit verstärkt. „Zwick mich, damit ich spüre, dass ich lebe!“ rufe ich. Doch da ist niemand.

Ich nehme mein Herz und schmiere es an die Wand. Seltsam, es ist gar nicht rot, denke ich, es sieht eher aus wie ein Leberwurstbrot.

Freitag, 26. Oktober 2018

Freitags Meditation


Freitag. Ich nahm mir frei. Ein verlängertes Wochenende. Ich stimme mich auf die kalte und dunkle Jahreszeit ein. Die Werktage tröpfeln dahin. Die Wochenenden immer zu kurz. Ich bin froh, wenn 2018 rum ist. Mein Herz erholt sich nur langsam. Ein Winterschlaf wäre nicht schlecht.
Mal sehen, was ich mit dem verlängerten mache. Ich wollte nach längerer Zeit wieder ins Kino gehen. Was läuft eigentlich? Dann müsste ich meine Wohnung durchwischen, das Bett frisch beziehen, Wäsche waschen (was ich sowieso fast jedes Wochenende mache). Dann will ich ebenfalls nach längerer Zeit wiedermal zum Hermannplatz. Dort gibt`s eine nette Kneipe und einen Hanf-Shop mit schönen T-Shirts. Etwas Kreuzberger Luft schnuppern. Ein paar Bier trinken. Im Rucksack trage ich immer noch Henry David Thoreaus „Vom Ungehorsam gegen den Staat“ mit mir herum. Das Buch könnte ich in der Kneipe zu Ende lesen. Sind nicht mehr viele Seiten.
Ich schaue auf die Uhr und registriere: Wenn man ausschläft, ist der Tag wesentlich kürzer. Schon fast Mittag. Ich denke an meine Arbeitskolleginnen, die Pause machen und höre im Geiste ihr Lachen und lebhaftes Gequatsche. Schön. Sie starten auch bald ins Wochenende. Ich falte die Hände auf meinem Schoß und versinke in mir… lasse mich vom Blues in meinem Rücken küssen.

Dienstag, 23. Oktober 2018

Ganz sicher ist es der Blues


Mach dich locker, Baby. Schau dir deine Zimmerpflanzen an – beklagten die sich je? Obwohl du dich kaum um sie kümmerst…, aber schau sie dir an, sie gedeihen trotzdem – jedenfalls die übriggebliebenen zwei. Okay, vielleicht nicht das beste Beispiel… Nimm die Natur als Ganzes, wie sie sich immer wieder aufrappelt nach Meteoriteneinschlägen, Vulkanausbrüchen und Hurricanes. Nicht unterzukriegen, die Natur, nicht mal der Mensch wird sie auslöschen – glaube mir, nicht mal diese vertrottelte Menschheit wird es schaffen. Alles geht immer irgendwie weiter. Und dir geht`s doch prächtig – sei ehrlich! Du bist ein verdammter Glückspilz! Alter, du solltest jeden Tag tausend Purzelbäume vor Freude schlagen, dass es dir so gut geht. Du bist mindestens so robust wie der Elefantenfuß, der dort auf dem Lautsprecher steht. Es wird der Blues sein, stimmt`s? Ganz sicher ist es der Blues. Du hast einen guten Musikgeschmack, muss ich schon sagen. I really dig it! … You`re a fuckin` king!

Mittwoch, 10. Oktober 2018

Zeitmüll


Es gibt Dinge, die die Zeit überstehen. Andere fliegen weg. Als ich mich vorhin in meinen vier Wänden umguckte, fielen mir noch einige Relikte aus der Vergangenheit auf… gar nicht wenige, wenn ich mir überlege, wie viel ich zwischenzeitlich wegschmiss. Vor meinem Umzug nach Berlin mistete ich gründlich aus – was auch nötig war. Und erst vor kurzem wanderte so einiges in den Müll. Wozu etwas aufheben, mit dem man schlechte Erinnerungen verbindet. Trotz allem bleibt genug alter Kram übrig, vor allem wenn die Zweckdienlichkeit im Vordergrund steht. Es wäre ziemlich aufwendig, die gesamte Wohnungseinrichtung auszutauschen. Bloß weil wir damals nach dem Einzug diese Sachen zusammen einkauften? Nö, so krass bin ich dann doch nicht drauf. Ich würde auch nicht die Kneipe wechseln, oder bestimmte Orte nicht mehr besuchen, an denen wir mal zusammen waren… Obwohl, es war schon ein Stück traurig, als ich in Warnemünde über den Strand schlappte. Aber dann dachte ich mir, dass ich mir solche schönen Orte nicht vermiesen lassen will, bloß weil ich hier schon mal mit meiner Ex war. Ich werde die Erinnerungen daran mit neuen besseren überschreiben. Es war gut, hier zu sein, auch wenn es wehtat. Irgendwann wird mein Herz einer neuen gehören, und ich werde kaum noch daran denken, dass es einmal eine andere Frau und eine andere Zeit gab. Der Horizont und die Sonne werden den Liebenden gehören, als wäre es nie anders gewesen.
...
Könnte man doch die Zeit wie anderen Müll entsorgen. Ich stelle mir vor, dass alle paar Monate die Zeitmüllmänner an meiner Tür klingeln und mich fragen: „Haben Sie Zeitmüll?“
Wenn sie heute vorbeikämen, würde ich lächeln und antworten: „Ja, ich habe da noch einiges…“

Dienstag, 9. Oktober 2018

Wiederbelebung


Unter dem Kopf sitzt das Herz, und unter dem Herz der Arsch. Normalerweise. Allerdings gerät bei nicht wenigen Menschen diese Reihenfolge durcheinander, zumindest zeitweise. Sie kann sich sogar komplett umdrehen, so dass der Arsch ganz oben sitzt. Seltsamerweise sieht man das diesen Menschen auf den ersten Blick gar nicht an. Erst mit der Zeit merkt man: irgendwas stimmt nicht mit dem. Der Arsch kann sich nämlich perfekt als Kopf tarnen. Umgekehrt ist nicht so viel Tarnung nötig... Und das Herz verschwindet bei manchen Zeitgenossen regelrecht. Womöglich verkümmert es einfach, so dass es als solches gar nicht mehr wahrzunehmen ist. Kann aber auch in den Arsch rutschen.
Unter solcherlei Prämissen fällt die Betrachtung meiner Zeitgenossen ernüchternd aus. Regelrecht erschreckend, wenn man nach und nach seine Liebste als solches Arschgesicht erkennt. Männer stehen bekanntlich auf Frauenärsche und lassen sich somit relativ leicht an der Nase herumführen. Also von Frauen, die Arsch und Kopf richtig einzusetzen wissen. Das Herz wird dabei vorgeführt. Es hängt wie eine Marionette an Fäden und wird von Kopf und Arsch dirigiert. Wobei der Arsch die Emotionen simuliert, während der Kopf das Liebesgesülze dazu dichtet. Die Inszenierung ist beinahe perfekt. Der Gelackmeierte bemerkt den Betrug erst, wenn die Verarsche nicht mehr zu ignorieren ist. Vorher hatte er zwar eine Ahnung, die er aber geflissentlich ignorierte, weil er aus Liebe seinen Kopf ausgeschaltet hatte.
Da sitze ich also und weiß selbst nicht mehr, wo mir der Kopf steht. Wenigstens spüre ich durch den Schmerz mein Herz, falls es nicht mein Arsch ist, der sich als Herz ausgibt. Wer weiß das noch genau? Wir Menschen besitzen die Begabung, alles durcheinanderzubringen. Der Moralist hat Durchfall. Seine Weisheiten stinken zum Himmel. Wir vergeben uns einander nichts. Jeder ist der Beste. Am Anfang war das Wort. Danach fing es an mit dem Kopf-Arsch-Spiel. Und das Herz wurde zwischen den Beiden zerrieben, - verkam zur Kosmetik.
Es gibt Menschen, die sich im Laufe ihres Lebens erinnern, ein Herz gehabt zu haben. Ein echtes Herz. Vielleicht kann man es regenerieren. Ist aber nicht so einfach.
Es soll auch Menschen geben, die ihr Herz nie aufgaben - darum in dieser herzlosen Welt ein sehr einsames Leben führen oder mit der Zeit verrückt werden…

Ich sollte ein wenig vor die Tür gehen. Zur Wiederbelebung von Kopf, Arsch und Herz, egal wo sie gerade rumhängen.

Mittwoch, 3. Oktober 2018

Am Tag der Deutschen Einheit


Keine Ahnung, wie ich dazu kam. Jedenfalls habe ich ihn in der Playlist von Spotify.
„Das Spiel der Fliegen“ von Engerling. Gefällt mir gut der Song.
Am Tag der Deutschen Einheit verbringe ich den Vormittag mit Musikhören und Trinken. Mehr war noch nicht. Ich drehte zum ersten Mal die Heizung auf. Mir ist trotzdem kalt. Das Licht des Tages flunkert zu mir ins Zimmer. Eine Fliege, die mich seit Tagen nervte, erwischte ich endlich auf dem Bildschirm meines Laptops. Die Fliegenklatsche ließ ihr keine Chance. Ich schnippe ihren Kadaver in den Papierkorb.
Feiertage interessieren mich so wenig wie Denkmäler, aber natürlich finde ich`s gut, dass man als Arbeitnehmer frei hat. Ich brauche keine extra Gedenktage. Ich brauche auch keine Gräber. Alles ist in mir, als ob es da schon immer gewesen wäre. Wie alt bin ich eigentlich?
Gestern Nachmittag erfuhr ich im Pub vom Tod Graciano Rocchigianis. Ich nahm die Nachricht beiläufig wahr. Ein Stammgast thematisierte es. Er war echt betroffen. „Rocky“ starb im Alter von 54 auf einer Schnellstraße in Sizilien. Er war zu Fuß unterwegs und wurde von einem Auto erfasst. Das Ende einer deutschen Boxerlegende. Sein Leben war schillernd. Er hatte eine Fresse zum Reinhauen, aber sympathisch. Ich mag Typen wie ihn. Man verzeiht ihnen die Scheiße, die sie mitunter bauen. Weil man spürt, dass sie im Herzen gut sind. Also, „Rocky“…, steige ein letztes Mal in den Ring und zeige es den Fuzzys da oben im Himmel!

„Das Spiel der Fliegen wird nie enden“ heißt es im Song von Engerling, und ich stimme ein.

Sonntag, 30. September 2018

Erledigt


Die Sonne will es nochmal wissen, aber natürlich hat sie verloren wie ich. Man kann halt nicht einfach aus seiner Haut. Ich mixe mir einen Drink nach dem anderen und registriere, dass der Vorrat im Kühlschrank schmilzt. Im Großen und Ganzen habe ich alles Notwendige für heute erledigt: Wäsche gewaschen, Kartoffeln gekocht und mir einen runtergeholt. Alles geklappt. Nur ein paar Worte zu schreiben, schaffte ich noch nicht. Ich überlegte hin und her, wartete auf Inspiration, las die Nachrichten und einige Beiträge von Bloggern, surfte im Internet: Trump hat sich in Kim Jong Un verliebt erfuhr ich u.a. … Sowas aber auch. Eine Arschlochliebe, - soll`s geben. Lindner appelliert, die AFD-Wähler nicht schlechter zu machen, als sie sind. Oder so ähnlich. Logo Pogo. Schließlich ist die AFD inzwischen zweitstärkste politische Kraft im Lande. Lindner ist ein echt heller Kopf. Er kann Eins und Eins zusammenzählen. Aber ich mag ihn nicht. Ich mag ihn noch weniger als Westerwelle, falls sich noch jemand an den Schwuli erinnert. Nein, ich habe absolut nichts gegen Homosexuelle. Ich habe gegen gar keine Minderheit nichts, und auch nichts gegen Juden, solange sie sich nicht wie Arschlöcher aufführen. Ich bin da ganz ehrlich und schere mich einen Dreck drum, ob meine Aussagen politisch korrekt sind. Ich verabscheue die heutige Politikerklasse, die nur noch konfus im Sinne ihres jeweiligen politischen Machtstrebens zwischen unterschiedlichen Haltungen herumeiert und keinerlei Rückgrat mehr zeigt. Trotzdem würde ich niemals die AFD wählen. Eine echte Arschloch-Partei das. Offenbar haben Arschlöcher gute Chancen, gewählt zu werden. Auch nichts Neues. Kacke aber auch. Was mache ich eigentlich noch auf der Welt, wenn ich alles so zum Kotzen finde? Nicht nur die Politik. Fast dasselbe gilt für die Liebe. Man verliebt sich meist in die größten Arschlöcher… Ist es nicht so?
Man kann halt nicht aus seiner Haut. Die Sonne schreit mich von der Seite an. Ich weiß nicht, was ich davon halten soll. Ich weiß nicht, was ich von dem Leben halten soll, von alldem, was mir jeden Tag wie eine Welle „Irgendwas“ entgegenschwappt.

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