Brechdurchfälle


Der alle paar Jahre wiederkehrende Albtraum des Altenpflegers: Brechdurchfälle.

Die alte Frau lag nackt auf dem Boden der Nasszelle. Sie grinste mich an. Das Zimmer roch infernalisch nach Stuhlgang und Erbrochenem. Die Schmutzspur reichte vom Bett bis auf die Toilette. Ich wusste nicht, wo ich hintreten sollte. Wenigstens schien es der Frau gut zu gehen. Sie meinte lapidar, dass sie einen schlechten Tag gehabt habe. Das Chaos um sie herum nahm sie gar nicht wahr. Nachdem ich geprüft hatte, dass sie wohl nicht verletzt war, machte ich mich an die ersten Säuberungsarbeiten: ich kämpfte mich durch die bräunliche Soße mit unverdauten Essensresten, beseitigte die groben Verschmutzungen und legte mit Handtüchern einen Weg aus, auf dem ich gehen konnte, ohne in die „Scheiße“ zu treten.
Ich duschte die Frau und sammelte die dreckigen Klamotten ein, die überall, kaum noch identifizierbar, herum lagen. „Ich hatte einen schlechten Tag“, sagte sie, „aber nehmen Sie mir doch nicht meine Kleidung weg! Die will ich nachher anziehen!“ Ich beruhigte sie und lenkte sie ab. Schließlich hatte ich sie halbwegs sauber – wenn man das unter diesen Umständen sagen kann – und führte sie über die ausgelegten Handtücher zurück zu ihrem frisch bezogenen Bett.
Nun musste ich nur noch ein wenig aufräumen und putzen, was eben ging. „Sind Sie fertig?“ fragte sie. „Gleich.“ „Ich wollte mich bei Ihnen bedanken.“ Ich lächelte sie an. „Schlafen Sie gut, und seien Sie bitte vorsichtig, wenn Sie aufstehen.“

Sie war die dritte Bewohnerin in dieser Nacht mit Brechdurchfall. Vier Uhr morgens.

iGing - 26. Mrz. 14, 19:24

Um deine Arbeit bist du nicht zu beneiden, aber zu bewundern!

bonanzaMARGOT - 31. Mrz. 14, 12:31

es gibt nächte, da frage ich mich in der tat, warum ich mir das antue.
bewundert will ich darum nicht werden.
lieber wäre mir, wenn die altenpflege als beruf mehr beachtung fände: wenn die pflegekräfte nicht verheizt würden, wenn nicht nur über die negativen vorfälle dikutiert würde, wenn die entlohnung angemessener wäre, wenn die diskrepanz zwischen theorie und praxis nicht so groß wäre, wenn mehr personal eingestellt würde, wenn weniger gelogen und geheuchelt würde ...

ein literarisches Tagebuch

Kontakt



User Status

Du bist nicht angemeldet.

Aktuelle Beiträge

Schon ärgerlich
Und wo findet man dich in Zukunft?
casy01 - 27. Mai, 19:54
Zu den Rubriken (3)
28.10.2016 - 31.05.2018 2018 - Reisen Ausklang Am...
bonanzaMARGOT - 27. Mai. 18, 10:39
Countdown To Hell
Noch fünf Tage, dann macht Twoday den Sack zu....
bonanzaMARGOT - 27. Mai. 18, 10:35
TV-Tipp
"Johnny Guitar - Gejagt, gehasst, gefürchtet",...
bonanzaMARGOT - 27. Mai. 18, 09:46
tja. die realität...
tja. die realität macht alles platt. und hernach...
bonanzaMARGOT - 26. Mai, 16:29
Wie schön, dass...
Wie schön, dass du auch siehst das Märchen...
NBerlin - 26. Mai, 16:10

Archiv

März 2014
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So
 
 
 
 
 
 6 
 7 
 8 
 9 
10
11
13
14
15
16
17
20
21
22
23
24
25
27
28
29
30
 
 
 
 
 
 
 

Neues in boMAs prosaGEDICHTE-Blog

Über dem Paradies ist immer Nacht.
Über dem Paradies ist immer Nacht.
bonanzaMARGOT - 10. Mai. 18, 12:18
Der Kampf gegen andere vernichtet mich selbst.
Der Kampf gegen andere vernichtet mich selbst.
bonanzaMARGOT - 07. Apr. 18, 16:26
Auch Intelligenz kann weh tun.
Auch Intelligenz kann weh tun.
bonanzaMARGOT - 26. Mrz. 18, 17:09
Das Elend in der Welt ist die Macht.
Das Elend in der Welt ist die Macht.
bonanzaMARGOT - 26. Mrz. 18, 06:41

Suche

 

Extras



prosaGEDICHTE (... die Nacht ist gut für die Tinte, der Tag druckt die Seiten ...)

↑ Grab this Headline Animator


Von Nachtwachen und dicken Titten

↑ Grab this Headline Animator



Status

Online seit 3909 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 27. Mai, 19:54