Meine Aschermittwochsrede

Wer hätte gedacht, dass die Deutschen derart faul sind, wie sie zur Zeit von Politikern wie Westerwelle hingestellt werden? Ausgerechnet der Deutsche, der vor ein paar Jahrzehnten seine Panzer und Geschütze vor Stalingrad parkte und unter dem General Rommel in Afrika kämpfte; der ehrbare und fleißige Deutsche, weltweit bekannt und geachtet durch "deutsche Wertarbeit", wird nun von der eigenen Politikerriege zum faulen Stinktier erklärt, der lieber mit Hartz IV vor sich hingammelt als pflichtbewusst zur Tat zu schreiten.
Ich höre gerade Westerwelles Aschermittwochsrede und bedaure, dass man nicht durch den Fernseher hindurch mit Tomaten werfen kann. Ausgerechnet er redet von dekadenten Entwicklungen ...
Nein, versteht mich nicht falsch, ich habe keinerlei Vorurteile. Aber noch nie war mir ein Schwuler derart unsympathisch. Davon abgesehen mochte ich ihn noch nie. Schon damals in den Achtzigern, als er, glaube ich, als jüngster Generalsekretär erstmals ins politische Rampenlicht trat. Er gehört zu den Politikern, denen ich niemals abnehme, was sie vom Podium herunter erzählen. Bewundernswert ist alleine seine Beharrlichkeit. Er gehört für mich zur Kohlära wie Merkel. Die Deutschen gewöhnen sich an Gesichter wie an Sitzkissen. Scheiße, wer so alles bei den letzten Wahlen gewählt wurde.
Asche über mein Haupt. Immerhin wählte ich niemals konservativ, rechts oder liberal. Lieber schredder ich meinen Stimmzettel. Das Schlimmste, was ich je wählte, war Gerhard Schröder. Aber nach sechzehn Jahren Kohl - mein Gott! Ich behaupte: des Bürgers schwerster Gang nach Abschaffung der Todesstrafe ist der Gang zur Wahlurne ...
Der Deutsche ist inzwischen auch zu faul für diesen Gang. Die Wahlbeteiligung sinkt wie ein deutsches U-Boot vor Gibraltar. Was ist nur los mit der obrigkeitshörigen, duckmäuserischen deutschen Seele? Tut uns am Ende die Demokratie nicht gut? Ich nehme es an. All diese dekadenten Entgleisungen wären unter Hitlers harter Hand nie möglich gewesen. Für Hartz IV Empfänger gäbe es Arbeitslager, wo sie konzentriert für die Gesellschaft arbeiten dürften. Faulheit wäre ein Unwort. Lieber tot als faul.
(Wo wäre wohl Westerwelle im Dritten Reich gelandet?)
Politiker wie Westerwelle wecken nicht nur Animositäten in mir - ich nehme gern ihren gedanklichen Faden auf: was haltet ihr z.B. von einer rezeptfreien Vergabe von Zyankalikapseln an Arbeitslose? Sozusagen um sich wenigstens tot als vollwertiges Mitglied in unserer Leistungsgesellschaft zu rehabilitieren. Wer gilt schon gern als Schmarotzer und lässt sich ständig über die Medien oder von Amtswegen demütigen?
Ich war in meinem Erwachsenenleben ein Jahr lang Stützeempfänger. Und ich kann euch sagen, dass es für mich keine einfache Faulenzerzeit war. Damals war Kohl noch am Ruder. Er redete vom "Freizeitpark Deutschland". Gut eineinhalb Jahrzehnte ist das nun her. Wenn ich heute Politiker wie Koch und Westerwelle solche "asozialen" Reden schwingen höre, kriege ich ein Déjà-Vu Gefühl, und in meiner Brust krampft sich etwas schmerzhaft zusammen. Ich fühle mich (wie damals von Kohl) verhöhnt.

Wäre ich nur nicht so faul, wäre ich Politiker geworden. Und nicht gerade Altenpfleger. Immerhin sind beide Jobs krisensicher: Politiker und Altenpfleger. Wir werden sie immer brauchen. Die Einen zum Scheiße labern und die Anderen zum Scheiße wegwischen.
miandres - 19. Feb. 10, 19:36

Meinen Respekt

möchte ich dir hiermit zollen.
Nicht nur für Deinen guten und treffenden Artikel, sondern vorallem für Deine Arbeit die Du leistest.

Deine Bewohner/innen wissen das zum grösstenteil auch zu schätzen.
Deine Kollegen und Kolleginnen wohl eher nicht (so ist jedenfalls meine Erfahrung). Gerade in sozialen Bereichen wird sich zum grösstenteil asozial verhalten.
Traurig, aber so ist halt meine Erfahrung.

Alles Gute für Dich ... udn wenn es mal zu viel wird ... dann denke daran das ein Mensch Dich sehr zu schätzen weiss.

Alles Liebe,
Michael ... nein ... nicht homosexuell, sondern nur Mensch.

bonanzaMARGOT - 20. Feb. 10, 15:20

danke!

für deine lieben worte, michael.

"der mief des sozialen" ..., - da ist viel heuchelei dabei, vorallem von oben verordnet.

dir auch alles gute auf deinem weg.
Lange-Weile - 19. Feb. 10, 21:38

Applaus - Applaus ..

mit stehende Ovationen.

Du kannst Kolumnist vom Eulenspiegel werden.

Der Schlußsatz rundet deine Rede ab und stellt einen perfekten Bezug zum aktuellen politischen Geschehen her



eiskalter Wind und das liegt nicht an der Jahreszeit



Bildquelle

Gruß LaWe

bonanzaMARGOT - 21. Feb. 10, 16:53

ja, wir nähern uns dem "politischen nullpunkt".
bitter aber wahr.
es kommt eine zeit des zähnezusammenbeißens.
wer zu genau hinschaut, wird blind.
wir leben in gefährlichen zeiten. es sind zeiten der unmerklichen verblödung.
testsiegerin - 21. Feb. 10, 17:02

Und irgendwann sind alle gleich. Da liegen sie auch in Pflegebetten (halt in luxuriösen Seniorenresidenzen, aber das können sie nicht mehr sehen, weil sie blind und taub sind) und brauchen auch jemanden, der ihnen die Scheiße wegwischt.

Da kommt dann die Scheiße nicht nur aus ihren Mündern.

bonanzaMARGOT - 21. Feb. 10, 17:18

hi testsiegerin

ich hasse großkotze - egal wo: ob in der politik, in der gesellschaft oder kunst. sie widern mich an.
leider gehören sie zum system. und ebenso dazu gehören die vielen menschen, welche die großkotze auf den thron hieven, sie arschlecken und verehren.
creature - 21. Feb. 10, 17:33

solche westerwelles gibts auch bei uns, nicht nur einen, viele!
unser finanzminister meint, die arbeitslosen liegen in der sozialen hängematte und lassen es sich so richtig gut gehen auf kosten der arbeitenden.
solche politiker gehören mit einem nassen fetzen verjagt, aber nein, immer wieder werdens gewählt von den blöckenden schafen.

bonanzaMARGOT - 21. Feb. 10, 17:53

ja, creature, denn das ist die andere seite der medaille: dass die "westerwelles" gewählt werden! sie schaffen es, viele menschen einzulullen oder mit markigen thesen zu begeistern. menschen sind leicht zu betrügen. ich bin leicht zu betrügen. und weil ich das weiß, bin ich gegenüber religionen, politik und ihren heilsverkündern sehr skeptisch.
creature - 21. Feb. 10, 18:04

ich bin eine ich-ag, sozusagen, es blieb mir nichts anderes da wegen meines alters unvermittelbar.
könnte auch jammern, von meinem einkommen bleiben mir ein drittel, der rest ist steuer und versicherung.
jetzt könnt ich argumentieren das der staat soviel kostet und ich mit meinem geld die "hängematte" finanziere.
da ich aber davor jahre arbeitslos war weiß ich wie das ist, von hängematte und gutgehen kann da nicht die rede sein!
bonanzaMARGOT - 21. Feb. 10, 18:23

immerhin hast du es geschafft, irgendwie aus der "hängematte" rauszukommen - meinen respekt! ich denke oft darüber nach, was mir (in meinem alter) wohl bliebe, wenn ich nicht die altenpflege hätte.
das bild der sozialen hängematte ist bereits total unzutreffend und stellt einen moralischen affront für jene dar, die arbeitslos sind. wie du es sagst ist es für die allermeisten menschen überhaupt nicht schön, dem staat auf der tasche zu liegen. es gibt immer noch sehr viele menschen, die aus scham ihnen zustehende leistungen gar nicht in anspruch nehmen ...
genau genommen spart also der staat viel geld, indem er stützeempfänger amoralisiert und somit menschen davon abhält, dass sie ihnen zustehende sozialleistungen überhaupt erst beantragen. hartz IV empfänger werden von westerwelles und kochs unter generalverdacht gestellt, sie wären faul und würden das soziale netz ausnutzen - welch hohn! welch unverschämte lüge! in meinen augen ist genau das gegenteil der fall: der staat wird seinen verpflichtungen gegenüber den hilfebedürfigen menschen nicht gerecht!

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