Zum Blog Action Day 2009 - Climate Change

Seit langem verfolge ich die Diskussionen über den bevorstehenden Klimawandel. Vor einem Viertel Jahrhundert war das Ganze nur ein Gespenst, dass manche am Horizont zu erblicken vermuteten. Da sagten die meisten Wissenschaftler noch, alles sei im Rahmen, es wären normale Schwankungen. Der Einfluss des Menschen auf das globale Klima wurde klein geredet. Politik und Wirtschaft konnten einen solchen Zusammenhang auch gar nicht gebrauchen, denn sie setzten beide auf Wachstum. Wachstum war und ist der Prophet der Neuzeit. Wir sind alle Wachstumsgläubige. Und es wuchs ja wirklich der Wohlstand in einem begrenzten Teil der Welt; es wuchs auch die gesundheitliche Versorgung in einem begrenzten Teil der Welt, so dass ich auf ein langes Leben hoffen kann - glücklicherweise wurde ich in einer westlichen Industrienation geboren. Was aber ebenso wuchs, waren die Emissionen und der Müll. Sie wuchsen sozusagen in den Himmel und unter die Erde. Sie stinken und verrotten vor sich hin. Glücklicherweise nicht direkt vor der Haustüre der Reichen, und zu den Reichen müssen wir uns im globalen Vergleich zählen. Den Müll entsorgen wir zu einem guten Teil in den Dritte Welt Ländern. Und wenn wir den Himmel teilen könnten, würden wir auch unsere Abgase irgendwie um den Himmel über uns herumleiten.
Ja, es wuchs auch unsere Arroganz - und vor Allem unsere Ignoranz angesichts der globalen Verhältnisse, bzw. Missverhältnisse.
Inzwischen sind wir klüger. Selbst die Politiker können heute angesichts der wissenschaftlichen Erkenntnisse den Einfluss des Menschen auf das Weltklima nicht mehr leugnen. Es werden Klimagipfel veranstaltet, ausgebootete Politiker schreiben sich das Thema "Klima" auf die Fahne; es entsteht allerorts ein irrationaler Aktionismus. Nun, alles ist besser als nichts. Ich begrüße die ernsthaften Bemühungen der Politik, die drohende Erderwärmung abzumindern. Eine Erwärmung von nur wenigen Grad Celsius hätte verheerende Folgen. Auch die Reichen wären davon irgendwann betroffen. Wie es aber so ist, werden erst die Ärmsten unter den drohenden Hochwassern, Sturmfluten und Wirbelstürmen leiden. Ich brauche die Apokalypse nicht zu bemühen, um mir für die nächsten Jahrzehnte ein Horrorszenarium auszumalen. Es ist an der Zeit, dass die Mächtigen dieser Welt Verantwortung übernehmen. Sie können keine unüberwindbare Mauer um sich ziehen.
Wir müssen endlich vom Propheten Wachstum loslassen, ansonsten schlittern wir alle nach und nach über den Abgrund. Die Erde ist endlich. Sie hat begrenzte Rohstoffe und Ressourcen. Das empfindliche und wunderbare Ökosystem, welches aus einer uns unbekannten tief liegenden Weisheit das Gleichgewicht von Klima und Natur steuert, wird von uns seit ca. 200 Jahren zunehmend mit Füssen getreten. Naturvölker erspürten dieses sensible Gleichgewicht noch intuitiv und versuchten im Einklang mit der Natur zu leben. Doch der so genannte zivilisierte Mensch, vom Eroberungsgedanken ganz versessen, erhob sich arrogant über die Natur und seine Mitgeschöpfe.
Ich sehe wenig Aussichten, das Steuer in naher Zukunft herum zu reißen. Der momentane Aktionismus versandet in Makulatur. Es ist das wachstumsgläubige und konsumorientierte Wesen Mensch, welches wie ein Dämon alle gute Bestrebungen zunichte macht. Wir sind süchtig ... und größenwahnsinnig.
Es ist ein faustischer Fluch, der auf uns lastet.
Die Natur braucht uns Menschen nicht, aber wir können nicht ohne Luft, Wasser und Nahrungsmittel leben.

Es ist schmerzhaft, mitzuerleben, wie sich die Menschheit selbst richtet. Die drohende Klimakatastrophe ist nur ein Symptom neben anderen, welches die menschliche Maßlosigkeit gnadenlos beantworten wird. Vielleicht das gewaltigste neben unseren kriegerischen Selbstveranstaltungen.




Aurisa - 15. Okt. 09, 20:37

Hallo Bon,
Klimawandel, Umweltzerstörung... diese Themen beschäftigen mich auch schon lange, aber bevor die Polkappen schmelzen und Norddeutschland unter Wasser steht und bevor wir die Erde so vergiftet haben, daß nichts mehr zu retten ist... lange vorher wird uns wohl schon in nicht allzu ferner Zukunft nicht nur das Öl, sondern auch Gas, Uran und sogar die Kohle sprich die Energie ausgehen:
http://www.oelschock.de/
http://peak-oil-forum.de/
Viele Grüße
Klaudia

bonanzaMARGOT - 16. Okt. 09, 13:50

danke für die links, aurisa.

der (zivilisierte) mensch ist ein echter künstler, wenn es darum geht, seine lebensgrundlagen zu zerstören.
Lange-Weile - 18. Okt. 09, 12:00

kein unendliches Wachstum

Hallo Bo,.

super, wie den Klimawandel mit dem Wachstum verbindest und wie sich fast nahtlos am Größenwahn anbindet.

Der gesunde Menschenverstand sagt mir, es kann kein unendliches Wachstum geben und so werden auch das ökonomischen Wachstum irgendwann an seine Grenzen stoßen.

Wie hinter diese Grenze aussehen wird, das weiß der Himmel. Vielleicht ist es unser Ende als Erdlinge oder es wartet ein besseres und vernünftiges Leben dahinter auf uns.

Was ich schrecklich finde, dass sie heranwachsende Generation damit arg belastet wird, denn wir - meine meine Generation - wird von den Auswirkungen des Klimawandels noch nicht so arg betroffen aber die jungen Menschen können diesbezüglich schon Ängste entwickeln.

Gruß LaWe

bonanzaMARGOT - 18. Okt. 09, 15:27

die jüngeren generationen - ja - oder sie verdrängen ihre ängste ... durch noch mehr konsum und materialismus.
Lange-Weile - 18. Okt. 09, 19:38

Konsumenten

Hallo Bo,.

sie werden ja schon früh als Konsumenten ausgebildet und nutzen das Kaufhaus als Erlebniswelt. Doch erzeugt erdrückende Langeweile und das macht sie auch noch aggressiv :-(

Gruß LaWe
bonanzaMARGOT - 19. Okt. 09, 13:06

so ist es. alles bedingt sich gegenseitig.

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