Ich träume, mein Wach-Sein ist eine Illusion

Heute Morgen träumte ich zu den Stimmen aus dem Fernsehen eigene Bilder und Geschichten. Solche Träume, die von einer Restwahrnehmung der Wirklichkeit beeinflusst werden, habe ich regelmäßig. Wie Regen der auf einen dichten Wald prasselt - einige Tropfen gelangen bis auf den Boden, während die Hauptlast von Blattwerk und Gestrüpp abgefangen wird. Könnte man, um dieses Bild beizubehalten, den Schlafenden unten am Waldboden wähnen, im Halbdunkel, während der Wache auf den Baumkronen hockte, im Licht des Tages und im Licht seiner Gedanken? Mir wollte es vorhin, als ich erwachte, so scheinen: Das Erwachen hob mich förmlich langsam empor wie einen Taucher aus der Düsternis der Tiefe, während mir der Schlaf die Schwere gegeben hatte, hinab zu sinken. Kaum war ich wach, schaffte sich meine Denkmaschine Platz und verblüffte mich sofort mit einer seltsamen Fragestellung: Wenn ich im Schlaf die Stimmen aus dem Fernsehen in meinen Träumen interpretiere - ist nicht die ganze Wirklichkeit, die wir wach wahrnehmen, lediglich eine Interpretation unseres Gehirns? Erträumen wir die Wirklichkeit nur? Gut, ich war doch noch nicht ganz wach, als ich mir diese Frage stellte. Ich rieb mir die Augen und fühlte mich noch nicht ganz emporgehoben ..., gleichwohl verließen mich diese Gedanken nicht mehr. Ich sitze darüber vorm Computer und rätsele. Mir kommen fast reflexartig die Bilder von Magritte in den Sinn. Vielleicht ist die Wirklichkeit nur ein "Klar-Traum" unseres Gehirns, welchen wir mit den Lebewesen teilen, deren Gehirne dem unseren ähnlich sind. Somit verschlafen wir unser ganzes Leben. Ist diese Vorstellung nicht köstlich? Der Tod würde dabei das Erwachen aus dem Leben bedeuten.
(Jetzt fallen mir auch noch die absurden Grafiken von M.C. Escher ein.) Ich träume, mein Wach-Sein ist eine Illusion. Ich lebe in einer Illusion, die darum wirklich ist, weil ich sie mit vielen anderen teile.
Und das ist vollkommen in Ordnung für unser Leben, wie es in Ordnung für das Leben anderer Kreaturen ist, die aufgrund ihrer Andersartigkeit in anderen Wirklichkeiten/Illusionen leben. Leben ist, sich die Wirklichkeit erträumen. Leben ist Interpretationssache.

Vor wenigen Tagen las ich von Walter Jens` Demenzerkrankung. Beruflich werde ich ständig mit der Demenz-Problematik konfrontiert. Ich versuche mir vorzustellen, wie die Welt dieser Menschen aussieht. Ihre Gehirne verabschieden sich aus unserer Wirklichkeit. Sie tauchen unerklärlich ab. Oft verschwindet damit auch der Mensch, den wir liebten und achteten. Können wir ihn noch erreichen? In welchen Träumen lebt er?
Luna in flagranti - 13. Apr. 08, 16:37

Gerade erwacht aus der Tiefe eines nur für eine kurze Illusion unterbrochenen Schlafes, kämpfe ich mich durch deine Bilder. Ich klammere mich an meinen alten Freund Magritte und mir fällt sofort Escher ein ... ich skrolle weiter und muss lachen. Wie war das doch gleich mit der Illusion, die dadurch Wirklichkeit wird, indem wir sie mit vielen teilen ...
Und wie ist das mit der Demenz ... es gibt so viel Literatur darüber ... aber ich glaube das wichtigste Lehrbuch hierzu ist unser Herz. Ehrlichkeit sich selbst gegenüber. Achtung vor dem Menschen, vor jedem Leben. Das macht es uns möglich jeden Menschen zu erreichen. Und wovon träumt letztlich jeder bis zu letzt ... Ich glaube, es ist die Wärme, die Geborgenheit und die Urgewissheit, geliebt zu werden.
Gut, es ist vergleichsweise einfach, dies auf die uns anvertrauten Dementen anzuwenden ... Menschen, die wir nie anders kennen gelernt haben. Anders ist es mit Angehörigen, irgendwann vielleicht mit Freunden und langjährigen Bekannten, wenn es langsam die eigenen Jahrgänge trifft. ... Ich nehme den Gedanken mit an den Frühstückstisch. ... Ich komme immer wieder zum gleichen Schluß - Liebe, Achtung und des Ernstnehmen der neuen Realität 'Angst' sind die Schlüssel zu dieser anderen und verunsichernden Dimension und etwas, was wir leider viel zu wenig haben .... Zeit
LG Luna

bonanzaMARGOT - 17. Apr. 08, 11:45

Danke

Manchmal fehlt es an Zeit. Manchmal an Kraft und Geduld.
dieHeldin - 29. Apr. 08, 11:12

=) ... du kannst nie wissen, wie die Welt im allgemeinen ist, sondern nur wie die Welt zu Dir steht.

Im Prinzip ist das Leben ein Meer aus Informationsaustauschen... ich denke ein Traum ist genau das selbe, wie die Realität. Wenn du träumst, stellen deine Gedanken verschiedene Persönlichkeiten da, die eine Gesellschaft ergeben, eine Geschichte, eine Traumlandschaft.... in der "Realität" sind die Persönlichkeiten, wie ich und du die Gedanken, die sich austauschen... wir bilden vielleicht auch eine Traumlandschaft in einem anderen Kopf... verrückter Gedanke...

bonanzaMARGOT - 29. Apr. 08, 12:52

Hallo Heldin

Ich verglich Traum und Schlaf mit dem (subjektiven) Erleben und dem Leben (der Wirklichkeit), wobei der Schlaf mit den Träumen selbst (labyrinthisch, fraktal) im Leben eingebettet ist - ein Behältnis in einem Behältnis in einem Behältnis ... somit wäre auch das Leben nur ein Behältnis, welches im nächst größeren eingebettet liegt. Manchmal haben wir davon eine Ahnung, ähnlich wie wenn wir im Traum denken: "Hey, ich träume doch ..."; und dann wachen wir auf, oder wir schaffen es gar, im Traum das Traumgeschehen zu steuern.

Kannst du dich an die Infinitisemalrechnung erinnern? Mir kommt da gerade eine Idee: "Gedanken sind nichts anderes als Ableitungen der Persönlichkeit, Träume ebenso. Und wir, als Stammfunktionen, sind vielleicht wieder nur eine Ableitung einer komplexeren Dimension ..."
Wie wäre es, wenn wir die Welt träumen könnten?
Spontan denke ich an "die Traumpfade" der Aborigines.
Somit wäre ich selbstverständlich Teil deines Traumes, Heldin, so wie du Teil meines Traumes bist.

Gruß
F.
dieHeldin - 29. Apr. 08, 16:37

Das hast du genial beschrieben! =)

Dann wäre die Stammfunktion von allem, ja das Universum im ganzen oder?

Ein großer kosmischer Träumer, der lauter Persönlichkeiten erschafft indem er denkt... hi hi
bonanzaMARGOT - 29. Apr. 08, 17:00

Yeah!

Wir sind erträumte Wirklichkeit, weil es das eine ohne das andere nicht geben kann. Wirklich ist der, der träumt.
Ich bin ein Träumer. Darum schreibe ich Gedichte.
Ich liebe die Menschen. Darum wurde ich Altenpfleger.
Ich liebe die Natur. Darum verzweifle ich nie.
Ich liebe mich. Darum ...
Ich liebe die Welt. Darum liebe ich.

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