Gespenstische Aussichten


Die Vergangenheit ist ein ständig wachsender Müllschlucker, auf dessen Rand sich unser gegenwärtiges Leben abspielt. Eines Tages wird alles in der Vergangenheit konserviert sein. Das Universum wird zum Nichts erstarren. Die Zeit eingefroren, als hätte es sie nie gegeben.
So stelle ich mir auch den eigenen Tod vor. Ein Windstoß wird mich von der Kante wehen, und ich werde mit all den anderen Lebewesen und Dingen, die täglich sterben, in einem Strudel unter dem Horizont des Müllschluckers verschwinden. Wir verschwinden im Nichts. Die Vergangenheit lebt nur für die Lebenden, während die Toten einfach nur tot sind.
Aber wer kennt schon die Gesetzmäßigkeiten der Dunkelheit (?) Vielleicht ist es wie ein sehr tiefes Meer mit Strömungen und Gezeiten. Und manchmal spült es die Toten wieder an die Oberfläche oder an das Ufer, wo sie die Lebenden am Strand der Gegenwart erschrecken.
Wer kennt schon diese Wesen, die lange tot sind und irrtümlich wieder ans Licht kommen. Gespenstisch und fremd. Und auch jene, die nicht ruhen können, die es zurückzieht ins Leben. Sie begleiten die Menschen schattenhaft. Sie erscheinen in ihren Träumen und erzählen von der Unruhe. Ihr hört sie flüstern, wenn ihr genau hinhört.

Eines Tages werde ich ebenso ein solches Gespenst sein. Ich stelle mir vor, dass ich die ahnungslosen Menschen ein wenig ärgern werde. Schon im Leben sind mir meine Mitmenschen reichlich suspekt. Ich weiß nicht, woran das genau liegt. Sie kleben wie die Motten am Licht, und rennen wie die Lemminge dem Abgrund entgegen.
Es gibt nicht wenige Tage, an denen ich mich bereits als Gespenst fühle, wenn ich mich zwischen euch bewege. Ich bin weit weg von eurer Lebenswelt, euren Wünschen und Zielen, euren ehrgeizigen Plänen, euren Umtrieben … Genauso gut könnte ich bereits tot sein.

Die Sonne scheint. Es ist wahr – ich lebe! Auch muss ein Gespenst nicht aufs Klo.

ein literarisches Tagebuch

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