Zum Nahostkonflikt und mehr


Es ist noch nicht sehr lange her, da saß ich mit meiner Freundin im Kino in Klagenfurt. Es lief "Das Schwein von Gaza". Durch die neuerliche kriegerische Eskalation zwischen Palästinensern und Israelis kommen mir viele Filmszenen wieder in den Sinn. Die Menschen leben dort im Gazastreifen in einer wahrhaft absurden Situation. Wenn der Konflikt nicht derart grausame Folgen zeitigte, wäre es lächerlich. Es ist wie einer dieser komisch-absurden Nachbarschaftsstreitigkeiten, welche, auf tatsächliche Fälle beruhend, im Fernsehen wieder aufbereitet werden. Jeder Zuschauer rauft sich die Haare und fragt sich, wie man nur so dämlich wie diese streitsüchtigen Nachbarn sein kann. Und natürlich steht man als vernunftbegabter Mensch über solchen Dingen und meint, dass einem so was nie passieren würde. Nun geht es zwischen Palästinensern und Israelis z.B. auch um Grenzstreitigkeiten, aber die werden nicht mit der Heckenschere sondern mit Raketen ausgefochten. Ich würde erwarten, dass Israel als der stärkere Nachbar einlenkte, aber so ist es leider nicht. Und es gibt auch kein salomonisches Gericht, was die Streithähne maßregeln könnte. Da sind nur Politiker, die parteiisch sind und ihre eigenen Interessen vertreten. Einig ist man sich nur darin, dass es so nicht weitergehen kann. Seit beinahe hundert Jahre schwelt nun der Nahostkonflikt, ohne dass ein Frieden in Sicht wäre. Ich verstehe nicht viel von Politik. Ich sitze lediglich vorm Fernseher und raufe mir die Haare. Was sagt uns dieser Konflikt über das Wesen des Menschen? Bildet er die Ausnahme, oder ist er typisch? So in etwa sinniere ich vor mich hin. „Das Schwein von Gaza“ ist wohl eher die Ausnahme. Es bräuchte ein Wunder von Gaza …

Aber mit den Wundern ist es vorbei, seitdem sich der Mensch von Gott emanzipierte. Und eigentlich ist es gut so, denn Wunder gab es nie wirklich. Stattdessen entdeckte der Mensch seine Vernunft, was ich schon mal sehr gut finde. Umso mehr Menschen die Erde besiedeln, desto mehr sind wir auf vernünftige Lösungen des Zusammenlebens angewiesen. Leider ist sie sehr behäbig, unsere Vernunft. Außerdem heißt es nicht, dass das, was für den einen vernünftig erscheint, für den anderen vernünftig ist. Wir sind eben auch Bauch-Wesen. Oft liegen Bauch und Kopf miteinander im Knatsch. Das fängt mit der Entscheidung an, noch ein Bier zu trinken oder eine Zigarette zu rauchen; und es ist auf der weltpolitischen Bühne nicht anders: Erst müssen viele unschuldige Zivilisten ins Gras beißen, bevor die Politiker vernünftigerweise einlenken. In Europa können wir über die lange Friedenszeit wirklich sehr froh sein. Ich weiß nicht, ob dies allen Europäern bewusst ist. Die Verleihung des Friedensnobelpreises sollte ein Signal sein. Kam es an? Meine Stirn legt sich in Falten.
Ja, wer will schon immer vernünftig sein? Da könnten wir gleich einen Mega-Computer entwerfen, der uns in Vernunftangelegenheiten überlegen wäre und uns in allen Dingen vorschriebe, was wir zu tun und zu lassen hätten. Bestimmt gibt es Science Fiction Geschichten, die bereits etwas ähnliches durchdachten, - z.B. Aldous Huxleys „Schöne neue Welt“.
Wie immer ist es eine Frage der Dosis: Wie viel Vernunft -, wie viel Bauchgefühl tut uns gut? Was auch immer situativ bedingt ist. Vielleicht kann man beides heilvoll zusammenbringen? Wie in der Liebe oder in der Kunst. Ich fühle mich am wohlsten, wenn Bauch und Kopf Frieden halten. Trotz mancher Gegensätzlichkeiten.

Es ist ein sonniger Herbsttag. Das Leben ist ein Wunder. Das sage ich im Widerspruch zu dem vorhin Gesagten. Es gibt vielleicht keine Wunder, die Krankheiten heilen oder Kriege auflösen, die Geld für Bedürftige regnen lassen …; aber es gibt das Wunder des Lebens, schlicht und einfach - durch die Luft, die ich atme, durch die neuen Lebewesen, die tagtäglich das Licht der Welt erblicken, durch die Vielfalt der Natur und die Unbegreiflichkeit des Universums, des Sternenzeltes, unter dem sich Liebende küssen.

Während ich dies schrieb, passierte in Tel Aviv ein Sprengstoffanschlag auf einen Bus ...

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