Zurück


Hatschiii! Meine Wohnung ist eingestaubt. Ich komme zurück, und alles ist noch an seinem Ort, nur eben mit einem dickeren Staubbelag. In zwei Wochen kann viel passieren – muss aber nicht. An der Elternfront nichts Neues. Und im Altenheim – ich träumte in den Nächten oft vom Altenheim – wird auch alles wie gehabt weiterlaufen. Ja, ich glaube, dass eine Bewohnerin inzwischen verstarb, denn wenn nicht, wäre es ein Wunder. Zurückkommen ist in jedem Fall seltsam, wenn man eine Zeitlang weg war. Auch wenn es nur zwei Wochen sind. Es ist verwirrend. Die Wirklichkeit hat Risse. Die Wirklichkeit ist nicht in jedem Falle wirklich. Abseits der Träume wird mir klar, dass alles eigentlich irreal ist. Es wurde mir nur eingeredet, dass alles so seine Richtigkeit hätte.
Günther Jauch talkt mit seinen Gästen über den Tod. Er hat einige Krebskranke mit der Diagnose „unheilbar“ in seine Sendung eingeladen. Auf Phoenix läuft die Wiederholung des Abendtalks. Eigentlich wollte ich Musik hören, aber ich lausche dem TV. Schon immer übte das Thema „Tod“ eine große Faszination auf mich aus. Vielleicht ist es seine Absurdität. Weil dies ein Grundgefühl in meinem Leben ist – schon das Dasein ist absurd. Wozu auf die Welt kommen, wenn ich eine Zeitspanne später wieder sterben muss? Ich kann darum auch nicht dankbar für das Leben sein. Natürlich mache auch ich, da ich schon mal da bin, das Beste aus der Situation. Doch die Schwermut bleibt unauflösbar in mein Wesen eingewoben. Ein Grund, warum ich keine (eigenen) Kinder wollte, ist, dass ich das Leben selbst im Grunde ablehne. Harter Tobak – denn zwischendurch lebe auch ich gerne. Doch immer blieb ich ein Fremder im Leben. Ich schaute mich um und wunderte mich. Womöglich habe ich einen Fehler in den Schaltkreisen meines Kopfes. Die Welt um mich herum erscheint mir jedenfalls völlig unsinnig, und in diese Welt auch noch Kinder zu setzen, das wäre wie die passionierte Bejahung dieser Unsinnigkeit. Nun ist die Familie auch in der Westlichen Hemisphäre (noch) Usus, was mich dazu verdammt, ein Leben am Rande der Gesellschaft zu führen. Nein, ich fühle mich deswegen nicht krank. Ich bin auch nicht wirklich unglücklich. Ich lebe einfach in einer schwierigen Disposition zu vielen Dingen, Traditionen, Bräuchen, Gewohnheiten, die den meisten Menschen selbstverständlich erscheinen, - welche so gut wie nie hinterfragt werden.
Dass ich lebe, ist ein Kompromiss, den ich gezwungenermaßen mache. Jeden Tag neu. Wenn überhaupt, dann liebe ich die Freiheit. Ich suche etwas, was im Leben nicht zu finden ist. Meine Wirklichkeit hat lange schon Risse. Ich löse mich auf. Was bleibt, ist etwas, das funktioniert, weil es dazu verdammt ist.
Jauch hat mit seinen Gästen zu ende diskutiert. Der Tod saß gutmütig im Publikum und klatschte. Ich schalte die Musik ein. Im Hintergrund läuft die Waschmaschine. Sie schleudert schon …

Lange-Weile - 19. Nov. 12, 20:32

Leben setzt sich immer durch

Hallo Bo.,

ich sah gestern abend nur den Teil der Vorstellung in Jauchs Runde...es war echt guselig für mich. So nah an das Ende der fremden Menschenleben geführt zu werden....dazu wa ich gestern abend nicht wirklich bereit.

So schön wie das Leben sein kann..so gausam kann es auch sein. Oder doch nicht? Vielleicht liegt diese Wahrnehmung - ob schön oder grausam - in uns selbst, weil in uns die Akzeptanz fehlt..das es auch traurige oder schwieige Momente im Leben geben kann.

Aber wenn man zurück schaut..weit in die Geschichte der Menschen - was hat die Menschheit alles schon durchgemacht - auch aktuell erleben wir per Medien Mord und Totschlag am Gazastreifen - jetzt weiß ich, warum Europa den Feidenspreis bekam - in Ländern, wie Israel und Palestina. Aber auch trotz der schwiereigen Bedingungen - es werden immer wieder Menschen geboren....auch in eine Welt, die grausam ist. Da Leben setzt sich immer durch - auch wenn der eine oder andere keinen Nachwuchs in die Welt setzt. Dafür kann es viele Günde geben und diese sind so vielfätig, wie es Menschen gibt.

Das ist doch eine positive Seite des auch manchmal grausamen Lebens. Komischerweise geht die Geburtenrate zurück..wenn es den Menschen gut geht...wenn sie wirtschaftlich fest oder fast fest im Sattel sitzen.

Die Wahrnehmung muss dem wahren Leben immer angepasst werden...das kann sogar eine tägliche Arbeit sein...wie ein Autofahrer, der den Blick nicht von der Straße wenden darf...sollte der Blick den Menschen auch imme auf das wahre Leben gerichtet sein, auch auf sein wahrer Gesicht, sein wahres Wesen.

Ein großer Teil der Enttäuschungen, die das Leben für den einzelnen mit sich bringt, sind das Produkt falscher Erwartungen und die starre Hoffnung darauf, dass sich das Leben den individuellen Regeln unterordnet.

Die Frage ist, willst du das wahre Lebene sehen ode hoffst du daauf, dass sich deine Vorstellung von Leben erfüllt ? Die Fage ist an dich, wie an mich gerichtet. Finde ich das wahre Leben außerhalb von mir, oder finde ich es nur in meinem Inneren ? Je mehr der Mensch sein wahres ICH erkennt und akzeptiert, je weiter kommt er seinem wahren Leben nahe.

Wahrnehnung und Wahrheit und wahr...kann eine große Schere sein, die man im Laufe seines Lebens zusammenbringen kann.

Wichtig ist nur, dass der Mensch nicht in sich selbst gefangen bleibt...sonst wird er immer nach Feiheit hungern ;-)

LG LaWe


bonanzaMARGOT - 20. Nov. 12, 08:10

hallo lawe,

es gibt viele lebenskonzepte - positive wie negative, materiell ausgerichtete oder spirituelle, und dazu jede menge varianten und mischungen, wo ideale, prinzipien, (aber)glauben munter durcheinander purzeln.
sicher wäre es das beste, wenn man eine positive, grundlegend optimistische und vorwärtsgewandte haltung einnähme. dazu hadere ich aber zu sehr mit dem leben, dem dasein. so fehlt mir auch der glaube an einen (gütigen) gott und an eine letzte gerechtigkeit. den kampf um werte und lebenssinn fechte ich im stillen kämmerchen mit mir selbst aus, und das ist manchmal ziemlich anstrengend ..., - das ergebnis nicht immer zufriedenstellend. oft stecke ich auch in meinen gedanken fest.

du sprichst von dem "wahren" ich und dem "wahren" leben". ich weiß nicht, was ich mir darunter vorstellen soll. vielleicht fehlt mir dazu einfach die orientierung. passend zum herbst sehe ich das leben und das ich im nebel verschwinden, und ich irre relativ unbeholfen umher. nun bin ich schon einigermaßen geübt darin, durch die gegend zu tapsen, und ab und zu finde ich einen halt oder eine station im leben, wo ich kraft tanken kann. leider gibt es immer wieder auch situationen, die mich verzweifeln lassen und mürbe machen. und es gibt ängste, die mich immer wieder attackieren - die dämonisch im hintergrund lauern. dazu zählt die angst vor dem sterben oder schlimmer krankheit. es ist auch die angst, den anforderungen / ansprüchen meiner mitmenschen nicht gewachsen zu sein.
mir fehlt oft das notwendige selbstbewusstsein.
ich bin ein ziemlich introvertierter, eigenbrödlericher typ. das macht mich für meine umwelt oft schwer verdaulich. auch weil ich einige schräge ansichten über das leben habe, die man sogar als unanständig / provokant empfinden kann. ich gebe einen prima nihilisten ab. allein störend dabei ist, dass überhaupt etwas existiert.

(Nihilismus: http://de.wikipedia.org/wiki/Nihilismus)
Lange-Weile - 23. Nov. 12, 10:12

halt und haltlos

Hallo Bo.,

das wahre Leben im Sinne einer Wissenschafta also ohne spirituellen Hintergrund.

Es gibt Lebensituationen...die stark machen und es gibt Lebenssituationen die kräftezehrend sind...Es gibt Lebensituatione, die Vertrauen schenken und es gibt Lebenssituatioen, die Angst machen

Ich denke.das der Mensch alle Lebensituationen durchleben muss um an ihnen zu reifen, größer und stärker zu werden. Entscheidend ist,wie man als Mensch alles wahr nimmt, wertet und für sich als Erfahungsschatz nutzbar macht.

Du beschreibst den Herbst mit seinem Nebel, der dich umher irren lässt, weil der Nebel den Weitblick nicht mehr zu lässt. Das sind die Momente, in denen du dich von deinem Inneren vertrauen musst, weil es dich führen wird..ohne zu wissen, wohin es dich führt. Der rationale Verstand kann wenig helfen - Impulse können die Instinkte oder auch die Intuition geben, die in dem Moment gefragt sind. Sich dabei selbst zu beobachten ist dann sinnvoll, weil der Menschen erkennen kann, von welchen Gefühlen er beherrscht werden kann. Diese Gefühle zu beherrschen lernen..das ist das positive auch an negativen Lebensituatioen. Dabei kann die Palette der Gefühle sehr groß sein...Gefühle die schweben lassen, andere wieder, die tragen und wieder andere, die Angst machen und es gibt die Überlagerungen mit alten noch nicht verarbeiteten Gefühlen der Vergangenkeit - ein Paradestück des letzten Beispiels lieferete ich ja nach deinem Besuch ab - die eine extremes Gefühl der Haltlosigkeit zusätzlich erzeugen.

Was positiv - was negativ ist, liegt in der individuellen Bewetung und entspicht der dualen Wahrnehmung des Menschen...gut oder schlecht...hell ode dunkel etc. - Etwas weder positiv noch negativ zu sehen hebt diese duale Welt auf und erschließt den Betrachter völlig neue Dimensionen, die wiederum für jemanden, der in Welt dual betrachtet, schwer nachvollziehbar ist.

Was das betrifft, kommt der Nihilist dem Yogi-Denken schon ziemlich nahe. Woran der Yogi ein Leben lang arbeitet ist, seine Gefühle - allen voran, seine Begierden - zu beherschen lernen.

LG LaWe

bonanzaMARGOT - 23. Nov. 12, 13:57

sicher hat jeder mensch sein schicksal, dem er sich stellen muss. das betrifft die positiven wie negativen vorkommnisse.
vielleicht ist es das wichtigste dabei, noch träume und ziele für sich im auge zu haben.
gestern nacht diskutierten bei beckmann deutsche auswanderer über ihre erfahrungen. tenor war, dass sie alle froh über ihre entscheidungen waren. sie nahmen ein stück weit ihr leben in die hand - abenteuerlich und frohen mutes. natürlich können solche pläne auch mal in die hose gehen, aber wenn man nur auf seinen vier buchstaben sitzen bleibt, reglos wie hypnotisiert, verliert man seine träume ...
es ist im leben immer wieder wichtig, seine ängste zu besiegen und sich aus dem schneckenhäuschen zu wagen. irgendwann ist es nämlich dazu zu spät. das heißt ja nicht, dass man total blind und unbedacht den neuen weg einschlägt. nebel kann sich lichten, oder wir begeben uns in die berge, wo bei der inversionswetterlage die sonne scheint, während es unten miefig und kalt ist.
ich fechte viele innere kämpfe aus - gegen meine ängste, meine bequemlichkeit, meine verzweiflung und schwermut. ich bin alles andere als ein selbstsicherer typ. am liebsten würde ich einfach den kopf in den sand stecken.
die auswanderer bei beckmann bewunderte ich für ihren wagemut. da war ein mann dabei, der neun jahre lang mit dem fahrrad rund um die welt fuhr, durch alle kontinente. er ging diesen lebenstraum konsequent an und schaffte es. ein paar dimensionen kleiner kenne ich durch meine jährlichen fahrradreisen dieses gefühl: die schwierigsten momente bzw. phasen sind dabei die abfahrt und die rückkehr. erstmal auf der strecke ergeben sich die nächsten schritte automatisch. es ist so ähnlich wie das mulmige gefühl vorm nachtdienst: erstmal im altenheim übernimmt die aktion die regie ...
nun ist es bei alledem auch die frage, was für ein typ mensch man ist. es gibt sicher viele menschen, die ganz andere herausforderungen (als eine auswanderung oder eine reise) für ihr leben präferieren - z.B. beruflich und familiär, das vereinsleben oder den bau eines eigenheims.
ich tat mich in meinem leben immer schwer damit zu wissen, was ich will.

ich spüre derzeit eine große innerliche anspannung.
penes-eum - 20. Nov. 12, 22:12

Schön das Du wieder da bist.

bonanzaMARGOT - 21. Nov. 12, 09:52

danke.

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