Mittwochs-Frage

Nicht alle Diktatoren, Terroristen und Kriegsverbrecher kommen davon.
Saddam Hussein wurde 2006 hingerichtet, Osama bin Laden 2011 von einem amerikanischen Spezialkommando erledigt, Muammar al-Gaddafi im selben Jahr aufgestöbert und von Landsleuten gemeuchelt… Wie lange leistet sich die Welt noch Baschar al-Assad?

bonanzaMARGOT - 18. Apr. 18, 07:07

was ich traurig sowie bedenkenswert finde: sie wurden erst kalt gemacht, nachdem sie kaum noch gefährlich waren.

steppenhund - 18. Apr. 18, 11:25

Ich hoffe, er wird alles überleben. Ich habe aufgehört, alles zu glauben, was USA-gesteuerte Medien (inklusive z.B. einer "Zeit") so alles vermelden.
In der Zeit, als sein Vater und er regierten, hat sich Syrien ziemlich großartig entwickelt. Dass die Amerikaner ursprünglich das Öl beherrschen wollten und er nicht die Pipeline durch Syrien genehmigte, war der Anlass, Syrien als nächsten Kriegsschauplatz auszuwählen.

Momentan zündeln vor allem die Länder, die selbst innenpolitisch viel Dreck am Stecken haben.

Ich bin auch ziemlich überzeugt davon, dass der letzte Militärschlag von Amerika, England und Frankreich sehr gut mit den Russen abgesprochen war. Ja nichts tun, was die Russen verletzen könnte, aber gegenüber der eigenen Bevölkerung Handlungsbereitschaft und "Tapferkeit" zu zeigen.

Und jetzt einmal ein ganz anderer Kriegsschauplatz. Der ganz, ganz, ganz böse nordkoreanische Herrscher wird plötzlich mit eigenartigen Friedensmissionen von Südkorea und USA angebiedert. Wenn man die Medien vor drei Monaten erinnert, ist es doch unglaublich, dass man sich auf einmal mit dem "Teufel" verbündet, obwohl er doch den "kleineren Atomknopf" besitzt.

Was soll man also von den Medien halten, die alles Fürchterliche berichten? Weltweit!
Auflagen wollen sie haben, Geld verdienen. Von Wahrheit verdient man kein Geld.

bonanzaMARGOT - 18. Apr. 18, 13:13

Irgendwann sollte man sich schon klar positionieren, auch wenn es viel Widersprüchliches in den Medien gibt. Sonst hätten wir heute noch die Nazis an der Macht... Auch Hitler brachte Deutschland anfangs voran.
david ramirer - 18. Apr. 18, 13:39

dass hitler irgendetwas "voranbrachte" ist ein sehr hartnäckiger mythos. tatsache ist, dass er und seine anhänger in keinem einzigen bereich irgendwelche ideen hatte, die zukunftstauglich gewesen wären; alles war von anfang an zum scheitern und letztlich zum dramatischen untergang inklusive massenmord verurteilt... und das wurde dann ja auch bis zum vernichtenden ende durchgehalten.

die meisten heutigen diktatoren und politischen menschenschänder werden am ruder gelassen, weil es aus wirtschaftlichen gründen irgendwie in den globalen kram passt, das war seit dem 20. jahrhundert (auch schon mit hitler) niemals anders.
menschliche "werte" oder irgendeine globale "moral" gibt es nicht.

wie du richtig sagst: man muss sich selbst positionieren. die welt tut es nicht.
steppenhund - 18. Apr. 18, 15:57

Es gibt eine Komödie von Franz Grillparzer: "Weh dem, der lügt". Und es gibt ein Sprichwort: "Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, und wenn er auch die Wahrheit spricht."
Die Amerikaner haben immer wieder einmal gelogen. Einmal in Persien, das ist mittlerweile aktenkundig. Einmal im Irak. Das ist ebenfalls aktenkundig. Vermutlich wird man auch über die Hintergründe in der Ukraine noch einiges erfahren, was mit der derzeit kolportierten "Wahrheit" nicht übereinstimmt.
In Syrien gab es vor dem Krieg keine Unterdrückung der Andersgläubigen oder der Minderheiten. Oder zumindest in keinem größeren Ausmaß als in jedem anderen Land auf der Welt.
Die Russen haben gelogen. Die Sowjets haben gelogen, noch mehr haben die Bürger der DDR gelogen. Da hat man mittlerweile ihre Strategie der "Desinformation" deutlich dargestellt. Merkel lügt, aber nicht mehr als es die anderen Politiker tun. Putin lügt genauso, aber ebenfalls nicht mehr als die anderen.
Also gibt es für mich ein Beurteilungskriterium: "Cui bono?", wem nützt etwas?

Diktatur ist der einzige Weg zu regieren, wenn ein Land noch nicht die Trennung zwischen Kirche und Staat vollzogen hat. Das habe ich kürzlich von einer glaubwürdigen Quelle (ohne Eigeninteresse) gehört. Es ist daher schwer für mich, Diktatoren prinzipiell als Verbrecher zu kategorisieren. Bei Terroristen habe ich keine Schwierigkeiten, sie zu verurteilen. Bei den Kriegsverbrechern tue ich mich schon sehr schwer. Wer ein Kriegsverbrecher ist oder war, beurteilen die Geschichtsbücher, und die werden von den Siegermächten geschrieben.

Ich beziehe Stellung. Ich bin froh, dass in Russland Putin an der Macht ist. Er erscheint mir besonnener als andere in seiner Position. Jelzin war sicher nicht gut für die Russen. Ein Neuer könnte vielleicht viel unangenehmer reagieren. Möchte vielleicht jemand Schirinovsky?
Wer sollte in Syrien regieren? Auch hier erscheint mir Assad durchaus als die vernünftigste Lösung. Was die Amerikaner zusammenbringen, hat man im Irak gesehen.
Naja, ich hoffe nur, dass es nicht einfach "kracht". (Obwohl das ein Widerspruch zu meinen üblichen Postings ist :) )
bonanzaMARGOT - 19. Apr. 18, 05:57

@ david, @ steppenhund

dass sich alle welt gegenseitig die hucke volllügt ist nichts neues.
trotzdem glaube ich nach wie vor an die werte von demokratie, presse- und meinungsfreiheit... also, an den fortschritt moderner verfassungen, wie z.b. wir eine durch unser grundgesetz haben.
es gibt doch diesbezüglich einen gewaltigen unterschied zu diktaturen und anderen unrechtsstaaten, die seit einiger zeit leider wieder aufwind haben. es wäre einfach, wenn man sagen könnte, dass es da nur ein paar böse buben an der spitze gibt, und wenn man die absägt, ist alles gut. seltsamerweise erhalten diese arschlöcher eine nicht geringe unterstützung aus der bevölkerung. der ruf nach dem starken führer (siehe auch hitler) scheint aus alten zeiten tief in uns zu stecken.
werte, wie ich sie anfangs erwähnte, kann man keinem land der welt einfach aufdoktrinieren. man müsste es erst kaputt bombardieren, auseinandernehmen und wieder neu zusammensetzen, wie in deutschland passiert. wir können uns heute glücklich schätzen, dass wir (noch) auf diese werte pochen können. aber auch hierzulande gibt es genügend dunkelmänner plus anhängerschaft, die gegen unser freiheitliches gesellschaftssystem agieren, die es bedrohen und angreifen. einige davon sitzen bereits im parlament.

wenn mächtige männer wie putin lange zeit am ruder sind, kann man nur noch froh sein, dass es sie gibt, weil sie ihr machtsystem ausbauten und sich unentbehrlich machten. mit erdogan erleben wir eine ähnliche scheiße in der türkei.
trotzdem muss man die teile der dortigen bevölkerung unterstützen, die für mehr freiheit und toleranz gegen diese selbstherrlichen machthaber kämpfen. neben dem kampf um macht und geld existiert ein kampf um kultur und ideelle werte - und dieser wird für die zukunft der menschheit entscheidend sein.
dummerweise registriere ich zur zeit einen wertezerfall globalen ausmaßes, was meiner meinung nach mit der krake des kapitalismus zusammenhängt. der kapitalismus höhlt alles aus. selbst der terrorismus, der eigentlich dagegen kämpft, ist letztlich nur ein instrument bzw. eine figur auf dem schachbrett...

assad gehört in meiner vorstellung nicht zu den "guten". er ist nicht besser als saddam hussein oder gaddafi. er führt krieg gegen seine eigenen leute in einer perfiden und unmenschlichen weise. er ist ein folterer und kriegsverbrecher der übelsten sorte.
viele syrienflüchtlinge, die hier ankommen, können wahrscheinlich ein lied davon singen.
der ganze syrienkonflikt wird bewusst verschleiert, so dass wir schon lange nicht mehr wissen, wer da nun gegen wen und warum kämpft. die einfachen menschen sind dabei wie schlachtvieh. assad handelt freilich nicht als der einzige böse bube... er wird unterstützt - womöglich ist er inzwischen nur noch eine marionette anderer mächte. noch ist er ihnen offenbar nützlich.
Treibgut - 24. Apr. 18, 23:10

... ich teile deine Auffassung zum syrischen Machthaber. Wenn ich es richtig sehe, ist er nur noch an der Macht, weil er von Russland unterstützt wird. Das Tragische daran ist, dass Hunderttausende sinnlos gestorben sind und am Ende - wenn die "Rebellen" jeglicher Couleur tot sind - ist derselbe Machthaber an der Spitze, nur reicher an einigen Kriegsverbrechen.
bonanzaMARGOT - 25. Apr. 18, 04:42

was sich in syrien abspielt, ist absolut irrwitzig.
rosenherz - 19. Apr. 18, 09:29

Gestern gabs im "Ö1 Nachtstudio" eine zu deinem Thema passende Radiosendung: "Warum tun Menschen einander überhaupt Gewalt an? In seiner eindringlichen und vieldiskutierten Studie "Räume der Gewalt" zeigt der Berliner Historiker Jörg Baberowski, warum ein Ende der Gewalt so schwer zu erreichen ist."

Interessant finde ich eine Aussage, der Friede den wir hier in Europa erleben, beruhe auf Gewalt im Hintergrund, die der Staat (mit seinen Gesetzen über Recht und Unrecht) ausübt. Wer gegen geltendes Recht verstößt, wird bestraft, spürte die Folgen des Vergehens. Diktatoren müssen anscheinend ihre Macht immer wieder öffentlich demonstrieren, da sie ja wissen, wenn sie zuwenig schreckhaft wirken, könnten sie jederzeit umgebracht werden. Siehe Stalin und Gadaffi und ihre grausigen Strategien in der Herrschaftspraxis, weil sie allem und jeden misstraut haben. Nur wenn der Schrecken groß genug ist, gegen Machthaber vorzugehen, gibt ihnen die Möglichkeit, an der Macht zu bleiben. - Der Mensch ist des Menschen Wolf, wenn er keine andere Wahl hat. Wer im Krieg unterwegs ist, darf töten. Was sonst moralisch verboten und verwerflich ist, ist im Krieg erlaubt. Und es kommt darauf auf, wer ist bereit, nein zu sagen? Was ist, wenn man nicht mitmacht?

bonanzaMARGOT - 20. Apr. 18, 06:09

wir haben in jedem land der erde regeln und gesetze, nicht nur in europa. ohne diese kommt keine gesellschaft aus, egal ob demokratisch, monarchisch oder diktatorisch. ein friedliches zusammenleben ist anders kaum möglich - das merken wir schon in kleinen gemeinschaften wie familie oder freundschaft. wichtig dabei ist nur, dass nicht einer die regeln vorgibt, die alle anderen zu befolgen haben, oder dass eine gewisse elite sich alles erlauben darf.
diktaturen haben es an sich, dass die gesetze nach dem wohlgefallen des diktators und seiner schergen ausgelegt werden. das kann eine gute weile gut gehen, solange die gehirnwäsche beim volk greift. in der heutigen welt ist der typische "untertan" so gut wie ausgestorben. er existiert nur noch in religiös oder ideologisch extremistischen enklaven. die sehnsucht nach einer starken führung besteht dennoch... die menschen haben in einer sich stark ändernden welt angst vor dem zerfall ihrer heimat und der werte, die sie damit verknüpfen; sie haben angst, dass ihnen ihre existenzgrundlage geraubt wird. demagogen/populisten nutzen solcherlei ängste aus und manipulieren die bevölkerung.

man muss unterscheiden zwischen menschen, die per se gewalttätig und aggressiv auftreten und jenen, die erst gewalttätig werden, wenn sie ihr eigentum oder ihr leben verteidigen. es gibt leider artgenossen*, für die gewalt tatsächlich noch ein mittel der wahl ist, um ihre interessen durchzusetzen - eben auch staatsführungen, welche ihre macht ausnutzen und angriffskriege führen oder kriege anzetteln.
das volk ist dabei immer der dumme. wer nicht mitmacht gilt als vaterlandsverräter und feigling, und wer sich instrumentalisieren lässt, der macht sich zum erfüllungsgehilfen eines verbrecherischen regimes und mordet in dessen auftrag. krieg ist wie eine seuche, der kaum einer entkommt.
es gibt anthropologen, die den hang des menschen zu aggression und gewalt als genetisch determiniert sehen, bewirkt durch den überlebenskampf unserer urahnen. alles ist gut, solange man in einem gebiet keine konkurrenten hat, die einem platz und nahrung streitig machen. wir sehen dies an unseren verwandten den bonobos, welche offenbar auf der richtigen seite des kongos lebten, während es bei den schimpansen am anderen ufer des stromes richtig zur sache ging. schimpansen zeigen ähnlich wie der mensch aggressives verhalten, weil sie sich auf ihrem gebiet gegen konkurrenten durchsetzen mussten. bonobos dagegen durften sich flowerpower bewahren.
ich denke, dass sehr viele menschen ähnlich den bonobos nur friedlich zusammenleben wollen, doch leider lässt man sie nicht...


* und leider gibt es auch sadisten, die sich an gewalt/folter/mord aufgeilen, die mit lust köpfe abschneiden und frauen und kinder vergewaltigen

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