Das Ende naht


Morgen bekommen wir den EDV-Abschlusstest zurück, und am Montag beginnt das Praktikum. Inzwischen sind die Hühner und ich reichlich schulmüde. Acht Monate Unterricht, täglich vier Doppelstunden, liegen hinter uns. Fast alle hielten durch - eine Schülerin schied wegen Krankheit aus. Den Abschluss der Fortbildung Ende August vor Augen nagt an einem zunehmend die Ungewissheit, ob man für die Zeit danach einen Job ergattert. Einige erhoffen sich eine Übernahme durch den Praktikumsbetrieb. Soweit denke ich noch nicht – erst mal sehen, was im Praktikum auf mich zukommt und wie ich mich in die Materie einarbeiten kann. Gestern telefonierte ich mit der Dame, für die ich tätig sein werde. Sie meinte, ich solle ganz entspannt sein… Das Gespräch mit ihr beruhigte mich etwas. Man ist doch jedes Mal angespannt vor einer neuen Herausforderung. Ich will mir im Praktikum nicht die Zeit um die Ohren schlagen müssen. „Nein“, sagte sie, „da müssen Sie überhaupt keine Sorge haben!“ Schön. Ich bin sehr gespannt darauf, was mich erwartet. Sie erzählte mir von meinem Arbeitsplatz, dass wir eine Kaffeemaschine, eine Mikrowelle und einen Kühlschrank hätten. Das Büro, in dem noch eine Kollegin säße, sei in einem Altbau mit hohen Räumen – sehr ruhig. „… und wir haben noch niemandem den Kopf abgebissen, nur ab und zu in die Waden…, hahaha!“

Die Vormittagssonne grinst hämisch. Mein Schädel brummt nach dem Zahnarzttermin. Ich nahm mir für heute frei. Es läuft sowieso nichts mehr in der Schule. Wozu die Zeit absitzen.
„Der Gedanke fühlt, das Gefühl denkt.“* Kann es überhaupt anders sein?
Man sollte von seinem Zahnarzt Schmerzensgeld verlangen können. Meine Gedanken fühlen sich nicht besonders, und mein Gefühl sagt mir: Schalte den Computer aus und geh raus!


(*Miguel de Unamuno)

SpeziellesKänguru - 22. Apr. 16, 14:41

wo ...

das eine endet, beginnt was neues. mag banal klingen aber nicht für mich. wenn man es richtig realisiert und lebt - ein wunderschönes gefühl.

bonanzaMARGOT - 23. Apr. 16, 10:22

ich denke, es kommt auf die aussichten an.
sowieso fürchtet man sich immer ein wenig vor dem neuen und noch fremden. das spannungsgefühl hat man z.b. auch vor einer urlaubsreise... es gehört einfach dazu.
auch veränderungen durch verlust und krankheit bringen etwas neues - nur ist es dann nicht einfach, dies für sich positiv zu interpretieren.
in meinem (undramatischen) fall des praktikumbeginns kann ich im prinzip nichts verlieren sondern nur dazugewinnen.
SpeziellesKänguru - 23. Apr. 16, 12:04

klar! KUSS!!

rosenherz - 24. Apr. 16, 20:16

Noch so ein hübscher Spruch von Unamuno. „Der Gedanke fühlt, das Gefühl denkt.“ Übersetzt ins praktische Leben heißt das soviel wie: Das Gehirn produziert Achselschweiß und die Achsel macht sich Gedanken über den morgigen Arbeitstag.

bonanzaMARGOT - 25. Apr. 16, 05:51

ich bin mir fast sicher, dass unamuno bei diesem satz andere assoziationen hatte.
SpeziellesKänguru - 25. Apr. 16, 07:54

mit sicherheit andere assoziationen. der mensch fühlt wie er denkt, und denkt wie er fühlt. ähnliche these ist im pädagogischen review von 1840 festgehalten. pädagogik und didaktik haben eigentlich noch viel früher akzeptiert, dass gedanken und gefühle in wechselwirkung zueinander stehen, worauf viele methodisch-didaktische und psychologische coachs basieren.
ganz ohne achselschweiß.

bonanzaMARGOT - 25. Apr. 16, 17:54

gedanken und gefühle sind kognitive ausdrucksarten, die miteinander verzahnt sind (ähnlich dem riechen und schmecken, denke ich), wobei gedanken die sprache benötigen; oder: gefühle suchen sich eine sprache, um sich mitzuteilen, und daraus generieren sich unsere gedanken.
sprache wird somit zur selbstverständlichkeit für ein intelligentes emotionales lebewesen.

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