Freitag, 26. Oktober 2018

Verfluchter Blutdruck


„Warum haben Sie so einen hohen Blutdruck?“ fragte mich die Ärztin und schenkte mir ihr Koreanerinnen-Lächeln. Ich hatte Feierabend und wollte eigentlich nur ein neues Rezept für meine Medikamente. Nachdem ich eine gefühlte Ewigkeit hinter anderen Patienten angestanden war, hatte die Arzthelferin den glorreichen Einfall, mir ausserdem den Blutdruck zu messen. Dazu muss ich sagen, dass ich als Bluthochdruckpatient vor jeder Blutdruckmessung extrem angespannt bin. Ich weiß sowieso, dass er wieder zu hoch sein wird… Meine Hausärztin reichte mir die Rezepte. „Ich bin gestresst“, antwortete ich. Sie sagte noch etwas davon, dass ich dann nach Hause fahren solle und…, aber das ging bereits an mir vorbei. Ich grinste nur blöde. Das wäre erledigt, nun nur noch in die Apotheke, dachte ich. In der Apotheke hatten sie nur eines von den vier Medikamenten vorrätig, weshalb ich da heute noch mal hinmuss. Na gut. Ich schlappte um die Ecke zu einem Naturkostladen, weil die dort feines Brot und leckere Pizzastücke (aus Vollkorn) haben. Nichts im Regal. „Es sind Herbstferien“, sagte die Verkäuferin entschuldigend. „Ach so“, meinte ich und hörte bei ihren weiteren Ausführungen gar nicht mehr hin. Also weiter, rüber über die vor Verkehr brüllende Potsdamer Straße und zum Pub. Die Theke vollbesetzt. Ich nickte dem Barkeeper zu und setzte mich an einen Tisch. Das Bier kam ruckzuck. Mein Blutdruck normalisierte sich langsam…

Freitags Meditation


Freitag. Ich nahm mir frei. Ein verlängertes Wochenende. Ich stimme mich auf die kalte und dunkle Jahreszeit ein. Die Werktage tröpfeln dahin. Die Wochenenden immer zu kurz. Ich bin froh, wenn 2018 rum ist. Mein Herz erholt sich nur langsam. Ein Winterschlaf wäre nicht schlecht.
Mal sehen, was ich mit dem verlängerten mache. Ich wollte nach längerer Zeit wieder ins Kino gehen. Was läuft eigentlich? Dann müsste ich meine Wohnung durchwischen, das Bett frisch beziehen, Wäsche waschen (was ich sowieso fast jedes Wochenende mache). Dann will ich ebenfalls nach längerer Zeit wiedermal zum Hermannplatz. Dort gibt`s eine nette Kneipe und einen Hanf-Shop mit schönen T-Shirts. Etwas Kreuzberger Luft schnuppern. Ein paar Bier trinken. Im Rucksack trage ich immer noch Henry David Thoreaus „Vom Ungehorsam gegen den Staat“ mit mir herum. Das Buch könnte ich in der Kneipe zu Ende lesen. Sind nicht mehr viele Seiten.
Ich schaue auf die Uhr und registriere: Wenn man ausschläft, ist der Tag wesentlich kürzer. Schon fast Mittag. Ich denke an meine Arbeitskolleginnen, die Pause machen und höre im Geiste ihr Lachen und lebhaftes Gequatsche. Schön. Sie starten auch bald ins Wochenende. Ich falte die Hände auf meinem Schoß und versinke in mir… lasse mich vom Blues in meinem Rücken küssen.

ein literarisches Tagebuch

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