Freitag, 30. November 2012

TV-Tipp:

"Full Metal Jacket", 22 Uhr 35, RTL II

Der Vibrator auf dem Bücherregal


Ich massierte mir mit dem Vibrator, der eh nur Deko ist, und der nutzlos auf dem Bücherregal vor einem Buch von Charles Dickens herumsteht, die Schläfen. Batterien sind drin. Seit Jahren dieselben. Ich schaute nach – nein, sie laufen noch nicht aus. Müssen gute Batterien sein. Also, man kann sich mit so einem Ding ganz gut die Schläfen massieren. So viel steht nun fest. Und das Surren ist gar nicht unangenehm. Man muss es sich ja nicht stundenlang reinziehen. Ihr wollt wissen, ob er doch schon mal richtig in Benutzung war? Zweckmäßig halt – als Höhlenmassagegerät …? Nein, das verrate ich nicht. Ich sehe ihn aber gern auf meinem Bücherregal rumstehen. Weiß gar nicht, warum. Er sieht dort aus wie ein Obelisk. Und Obelisken stehen schließlich ziemlich oft in der Gegend rum, ohne dass das großartig hinterfragt wird.
An meinen Vibrator pinkelt wenigstens kein Hund.
Wahnsinn, was sich die Erwachsenen alles ausdenken. Im Altenheim stehen z.B. zwei Massagesessel, die quasi nie als solche benutzt werden. Klar, es gibt gewisse Kollegen, die es sich nicht verkneifen können, - weil es lustig ist. In meinen Nachtdiensten ziehe ich mir auch einen in Stellung, um zwischendurch vorm TV die Füße hoch zu legen. Aus Versehen drückte ich dann schon mal den falschen Knopf, und eine doofe Massagefunktion setzte ein. Inzwischen verkabele ich den Sessel lieber nicht mehr mit der Steckdose. Ich komme mit der Bedienung nicht klar. Ich stelle mir einen Stuhl vorne dran, um die Beine hochzulegen. Ist einfacher so. Und ich kann nichts kaputt machen.
Mit dem Vibrator auf meinem Bücherregal hatte ich noch keine Probleme. Wie die Buchrücken gehört er zum Inventar. Mir würde sofort auffallen, stände er nicht mehr dort. Ab und zu nehme ich ihn in die Hand und schaue, ob er noch funktioniert. Das tut er. Das tat er gestern – an meinen Schläfen. Ab und zu ziehe ich auch ein Buch aus meinem Regal, wie Whitmans „Grashalme“, das gar nicht so weit weg von Charles Dickens steht. Ich blättere darin und finde Sachen … finde Gedichte, die meine Seele aufs Neue bewegen. So ergänzt sich alles irgendwie, oder wie seht ihr das?

Walt Whitman: Ein Gesang von der rollenden Erde - 2


Wer immer du bist! Bewegung und Licht sind eigens für dich,
Das göttliche Schiff segelt durch göttliche See für dich.
Wer immer du bist! Du bist er oder sie, für die die Erde flüssig und fest ist,
Du bist er oder sie, für die Sonne und Mond am Himmel hängt,
Denn kein anderer als du bist Gegenwart und Vergangenheit,
Denn kein anderer als du bist Unsterblichkeit.

Jeder Mann für sich selbst und jedes Weib für sich selbst ist das Wort der
Gegenwart und Vergangenheit und das wahre Wort der
Unsterblichkeit,
Keiner kann für den anderen etwas gewinnnen, - nicht einer,
Keiner kann für den anderen wachsen, - nicht einer.

Das Lied ist des Sängers und fällt auf ihn zurück,
Die Lehre ist des Lehrers und fällt auf ihn zurück,
Der Mord ist des Mörders und fällt auf ihn zurück,
Der Diebstahl ist des Diebes und fällt auf ihn zurück.
Die Liebe ist des Liebenden und fällt auf ihn zurück,
Die Gabe ist des Gebers und fällt unfehlbar auf ihn zurück,
Die Rede ist des Redners, das Spiel des Schauspielers und der
Schauspielerin und nicht für das Publikum,
Und niemand begreift Größe und Güte, als allein seine eigene
oder was er als eigene ahnt.

(Walt Whitman, Grashalme)

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