Mittwoch, 18. Mai 2011

Anruf bei der Mutter


"Vater hat Demenz."
"Was?!"
"Seit zwei Jahren."
"Seit zwei Jahren ..., wie ist das möglich?"
Und Mutter erzählt mir von den nach und nach immer häufiger auftretenden Gedächtnislücken bei Vater, dass er sie fragen muß, wo dies und jenes im Haushalt zu finden ist, oder beim Autofahren nach dem Weg fragt, obwohl er ihn wissen müßte.
Er wurde daraufhin untersucht, machte Gedächtnistests, und die Diagnose Demenz steht offensichtlich fest.
"Und er hat den Grauen Star."
"Ja, das fiel mir auch auf, dass er sehr schlecht sieht beim Autofahren und darum sehr langsam fährt", meine ich - und denke bei mir: Oje, er fährt noch Auto ...
Ich wünschte, ich wüsste nicht so viel über diese grausame Krankheit. Ich sage meiner Mutter, was auf sie zukommen kann. Ich beschönige nichts. Es gibt keine Heilung.
"Er bekommt Tabletten und macht Gedächtnistraining", erzählt die Mutter, "vielleicht ist der Abbau bei ihm nicht so schnell."
"Ja, im Altenheim beobachte ich zum Teil ganz unterschiedliche Verlaufsformen. Manchmal schreitet die Demenz nur sehr zögerlich voran ...
Du solltest dich auf alle Fälle beraten lassen. Die Sozialstation am Ort bietet bestimmt Beratungsgespräche an. Die können dir sicher noch besser als ich sagen, auf was man sich vorbereiten muss."
Scheiße, denke ich, ich hatte damit nicht gerechnet, nicht so bald. Vater ist 79. Ich wußte wohl, dass mit seinen Augen was nicht stimmen kann ...
"Hoffen wir, dass es bei ihm nicht so schnell geht", sagt meine Mutter.
"Mist", sage ich und sehe eine dunkle Wolke am Himmel, vor der ich immer Angst hatte. Tränen steigen mir in die Augen.
...

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