Arbeitslos

Samstag, 24. Dezember 2016

Falls du etwas sagtest, so habe ich es nicht verstanden


Morgens, bevor ich zum Praktikum aufbreche, lade ich meist das Handy am Computer, dann stecke ich es ein; seit geraumer Zeit nun ertönt kurz darauf eine geheimnisvolle weibliche Stimme aus der Manteltasche mit dem einmaligen Satz „Falls du etwas sagtest, so habe ich es nicht verstanden“. Keine Ahnung, was es damit auf sich hat, irgendwas muss dabei am Handy aktiviert werden. Der Vorgang des In-die-Tasche-Steckens kann es allein nicht sein, denn das mache ich ja zig Mal am Tage, und da ertönt die Stimme nicht – der Spruch kommt immer nur morgens.
Nun, heute muss ich weder zum Praktikum noch zur Schule. Es ist Weihnachten. Zwischen den Jahren nahm ich mir zudem frei. Ich hoffe, dass die Anspannung, in der ich die letzten Wochen stand, langsam abebbt. Ausgerechnet am letzten Tag vor meinem Frei platzte mir der Kragen. Ich saß neben der Tumordokumentarin, die ich am wenigsten abkann. Aber gut, Arbeitskollegen kann man sich nicht aussuchen. Normalerweise bin ich in dieser Hinsicht sehr belastbar. Ich arbeite zurzeit eine Fehlerliste mit gut 600 Fällen ab, querbeet durch alle Tumorerkrankungen und Krankengeschichten. Da gibt es einfache Fälle, wo sich die elektronische Krankenakte in Grenzen hält aber auch solche mit zig Arztbriefen. Für mich als Neuling in der Materie (auch nach mittlerweile sechs Wochen sehe ich mich noch als Neuling) eine mitunter diffizile (beinahe unmögliche) Aufgabe. Ich arbeitete also zwei oder drei Fälle ab, und die Kollegin kontrollierte sie. So weit, so gut. Ich will dazulernen. Dass ich noch Fehler mache, sollte klar sein. Im Kopf war ich bereits im Feierabend, ich hatte nur noch eine gute Stunde, und mit meiner Konzentrationsfähigkeit stand es nicht gerade zum Besten. Mir brannten die Augen – die Buchstaben der Arztbriefe verschwammen vor meinen Augen. Die Kollegin musterte mich von der Seite: „Hast du Fragen? Du weißt, es wird als Desinteresse ausgelegt, wenn man nicht fragt.“ Ich lächelte gequält und entgegnete: „Wenn ich kein Interesse hätte, wäre ich gar nicht hier.“ In mir krampfte sich etwas zusammen. Ich weiß nicht, ob sie`s bewusst tat, aber sie setzte weitere Stiche. „Was fällt dir hier auf? Siehst du, was du vergessen hast?“ Verdammt! dachte ich, wenn ich`s wüsste, dann hätte ich es doch nicht vergessen! „Was habt ihr denn in der Schule durchgenommen?“ Alle Fragen formulierte sie im zuckersüßen Tonfall. Ich sah in ihre schmalen, rotumränderten Augen, die hinter den Brillengläsern gezielt Giftpfeile abschossen. Die Galle stieg mir hoch. „Du musst noch zwei Verläufe für die Nachsorge anlegen!“ „Ja klar, stammelte ich trocken. Tut mir leid, habe ich nicht gesehen.“ Daraufhin sie wieder zuckersüß: „Wie kann man das nicht sehen? Das müsstest du doch inzwischen wissen…“ Sie ließ nicht locker. Bei mir ging nichts mehr. Ich konnte keine klaren Gedanken mehr fassen und kam mir vor wie der letzte Trottel. Tja, und das platzte dann auch aus mir raus, - dass ich jetzt nicht mehr aufnahmefähig sei, und dass mir ihr Ton missfiele, so könne sie ihren Sohn belehren (keine Ahnung, ob sie einen Sohn hat), ich sei inzwischen 54 und ließe so nicht mehr mit mir reden, die Zeiten seien vorbei – und zwar endgültig! „Aber was ich nicht verstehe…“, hakte sie nach. Sie hob auf meinen Wissenstand ab, der doch inzwischen höher sein sollte. „Offenbar bin ich einfach zu blöd“, antwortete ich verärgert und frustriert. Sie rümpfte die Nase. „Schließlich sollst du bei uns etwas lernen, um auch ein paar Aufgaben zu unserer Entlastung zu übernehmen", ihre Stimme, als hätte sie tonnenweise Kreide gefressen (wie der Böse Wolf aus dem Märchen).
„Ja klar, aber bei mir geht eben nicht mehr…“, sagte ich erschöpft.
Ich glaube nicht, dass sie meine Situation verstand. Zum Feierabend waren es nur noch ein paar Minuten. Ich starrte leer wie ausgebrannt auf den Computerbildschirm vor mir, im Kopf nur noch Gedankenmatsch.
Höflich wünschten wir uns frohe Weihnachten und einen guten Rutsch. Die kalte, frische Luft ein Segen, die Hände tief in den Manteltaschen vergraben wanderte ich zur U-Bahnstation. Was für ein seltsamer Spruch aus meinem Handy des Morgens, was für eine seltsame Welt.

Donnerstag, 8. Dezember 2016

Zwischenhalt


Dieser Winter wird härter, als ich ihn mir vorstellte – wie eine schwere Geburt mit unsicherem Ausgang… Dabei hat sich gar nicht viel getan. Berlin blieb Berlin. Die Menschen in den U-Bahnen und auf den Straßen dieselben. Der Blues zuhause unverändert. Und ich sowieso.
Auch der Winter wird nur ein Winter sein. Wie immer Weihnachten und Silvester und das Getöns darum.
Menschen sterben und werden geboren. Das Rad der Zeit walzt alles nieder. Die nächsten Generationen machen sich auf den Weg, um wiederum platt gemacht zu werden. Ich hänge verzweifelt an einer Liane, die in den Himmel reicht. Wie lange noch? frage ich mich.
Der Statist tritt vor und wird vom Regisseur zurechtgewiesen. Geh zurück in deine Reihe, brüllt der, wir brauchen hier keine Renegaten! Das Schauspiel ist ausgemachte Sache – Abtrünnige sind des Teufels! Ja, so kommt mir die Welt, seit ich denken kann, vor: als ausgemachte Sache. Selbst der Aussatz gehört dazu. Für die Dramaturgie ganz wichtig, dass es Nein- und nicht nur Ja-Sager gibt.
Ist die Welt nicht wahnsinnig, dann sind zumindest wir es. Oder wenigstens ich.
Der beginnende Tag blinzelt mir aus der Gegenwart zu. Er schickt mir arglos ein paar Sonnenstrahlen der Hoffnung. Erde, Sonne und Milchstraße machen ihren Job gut. Sie haben weder Boss noch Regierung. Sie brauchen weder Schule noch Fortbildungen und dürfen sein, was sie sind… ähnlich wie Kängurus, Maulwürfe oder Schnabeltiere. Warum zum Teufel wurde ich als Mensch geboren?
Wieder brüllt der Regisseur: Zurück in die Reihe! Und nach einer kurzen Pause etwas sanfter: Siehst du denn gar nicht, was du mit deiner destruktiven Haltung bewirkst? Du tust den Menschen weh, die dich lieben. Du zerstörst damit deine eigene Lebensperspektive.
Tatsächlich habe ich des Öfteren ein schlechtes Gewissen. Ich darf nicht sein, wie ich bin. Was denken die anderen Statisten des Lebens, denen ich auf der Straße, im Supermarkt oder in der U-Bahn begegne, was sie sind? Worin liegt ihre Motivation, in der Reihe zu bleiben…, oder aber auszuscheren?
Wie egoistisch darf man sein? Welchen Maßstab soll man dafür anlegen? Ich verstehe das Schauspiel um mich herum nicht. (Ich habe Angst.)

Im kleinen Konferenzraum der Klinik treffen sich die Tumordokumentarinnen (und ich) zur zweistündigen Besprechung. Auf der Tagesordnung steht hauptsächlich die Vereinheitlichung der Eintragungen ins Dokumentationssystem. Ich mache mir Notizen, soweit ich überhaupt die Inhalte verstehe. Es geht um ein möglichst effektives Arbeiten. Unterschiedliche Sichtweisen und Kompetenzen reiben sich auf der Suche nach einer adäquaten Lösung. Man scheitert an den Vorgaben der Software in Verbindung mit der Komplexität der Materie. Hinzu kommen Probleme im Organisatorischen und in der Kommunikation. Im Hintergrund steht (stumm) die Finanzierbarkeit… Ich fühle mich zurückerinnert an die Dienstbesprechungen im Altenheim. Tausend Jahre später werden wir noch dieselben Probleme wälzen, weil es letztlich nur ums Geld geht.
Mir brummt bald der Schädel vom Zuhören.
Der letzte (leider nicht) kurzgehaltene Tagesordnungspunkt Unterschiedliches wird für mich (und einige andere) zur Bewährungsprobe. Danach in einer Kreuzberger Gaststätte noch Weihnachtsfeier. (Natürlich muss man selbst bezahlen.) Ich sage, dass ich bereits verplant bin und gehe hinaus in die Nacht, die im Winter den frühen Abend annektiert.

Mittwoch, 23. November 2016

Geben und Nehmen


Wer hasst nicht Situationen, in denen er sich ausgesprochen dumm und überfordert fühlt? Als Berufseinsteiger in die Tumordokumentation erlebe ich genau das (beinahe permanent). Ich kann nur schwer meine Konzentration hochhalten vor dem Computer im Praktikum, wo ich mühsam die Krankengeschichten nach den für die Dokumentation notwendigen Informationen durchforste. Nach drei Stunden brummt mir der Schädel. Die Praktikumsleiterin zeigt wenig Verständnis, als ich um einen freien Tag bitte. „Natürlich, Sie sind erwachsen“, sagt sie, „wir wollen natürlich, dass Sie möglichst bald für uns Aufgaben übernehmen…“ Ich blicke sie an und suche nach Worten. Überall dieselbe Tretmühle, denke ich und erkläre, dass ich in der Woche einfach einen Tag brauche, um von dem ganzen abzuschalten. Schule und Praktikum schlauchen mich mehr, als ich dachte. Natürlich ist die Thematik ungeheuer interessant aber auch sehr umfangreich und komplex. Ich komme mir vor wie ein Fahranfänger im Berliner Verkehrschaos – am liebsten würde ich das Auto abstellen und davonrennen.
„Es ist ein Geben und Nehmen“, sagt die Praktikumsleiterin. Ich nicke und verlasse das Büro.

Als der Pathologe in die Biochemie und Molekularbiologie vordringt, verstehe ich nur Bahnhof. „Sie müssen sagen, wenn`s Ihnen zu viel wird“, meint er. Keiner von uns traut sich was zu sagen. Er wirkt wie in Trance, wenn er redet und verfällt automatisch in einen Hochschuldozenten-Vortrag. Wir sehen uns zig Bilder von mikroskopischem Tumorgewebe an, und er erklärt, woran man die entarteten Zellen erkennt. Ich kratze mich am Kopf und schaue ungläubig. Krampfhaft versuche ich ihm zu folgen, aber alles, was ich sehe, ist ein eingefärbter, abstrakter Mischmasch. Der Pathologe grinst, als hätte er Spaß an unseren dummen Gesichtern. Aber das ist wahrscheinlich Einbildung.

In der Pause gebe ich der Sekretärin den ablehnenden Bescheid von der Rentenversicherung zum Kopieren. Die Schulleiterin will ihre Kontakte spielen lassen. Ich hege wenig Hoffnung diesbezüglich. Sieht so aus, als bliebe ich auf den Kosten sitzen.

Sonntag, 20. November 2016

Jazz und Krebs


Der Pathologe hat sicher schon bessere Tage erlebt. Müde und abgespannt wirkt er, Ende Vierzig schätze ich ihn. Das Thema allerdings hat er drauf. Die komplexe und zumeist trockene Materie bringt er anschaulich und spannend rüber. Wie immer sind wir in der Schule mit Kaffee, Tee und Plätzchen gut versorgt. Der Tag schielt müde durch die Fenster des sechsten Obergeschosses. Ich sehe in den schmutzig weißen Himmel und auf das Dächer-Meer hin zum Horizont. Gerne hätte ich an diesem Samstag ausgeschlafen nach einem Abend mit Jazz von Klaus Doldingers Passport. Dieser alte Hund Doldinger, Baujahr 1936, zeigte sich erstaunlich fit. Über zwei Stunden boten seine junge Band und er eine mehr als passable Vorstellung, eine Mischung aus Jazz, Blues und Rock – querbeet durch alte und neue Musiktitel. Die Klassiker der Filmmusik durften freilich nicht fehlen, die Themes von „Das Boot“ und „Tatort“. Die jungen Musiker um ihn herum waren mit viel Spielfreude und Virtuosität dabei. Immer wieder zollte das Publikum ihren Soli viel Beifall. Am Ende waren alle gleichermaßen zufrieden, die Musiker sowie das Publikum. Jüngere Menschen sah man unter den Zuhörern leider nur wenige, die meisten waren 50+. Viele Sitzplätze blieben leer im Admiralspalast. Wir saßen in der letzten Reihe und konnten recht entspannt alles übersehen und anhören. Schon seltsam, dass bei einer Musiker-Koryphäe wie Doldinger der Saal nicht proppenvoll war. Auch las ich noch nichts darüber in den Internet-Medien.
...
Vielleicht hatte der Pathologe eine noch kürzere Nacht als ich. Seinen Mantel legt er während des gesamten Unterrichts nicht ab, die Haare ungewaschen und wirr, unrasiert – so sitzt er vor uns… wir spüren, dass er sein Fach, die Onkologie, lebt. „Krebs ist eine Sache hin zur Unordnung“, sagt er und erklärt uns kurz, welche Rolle die Entropie dabei spielt. Gleich zu Anfang gibt er uns zwei Buchtipps „Der König aller Krankheiten: Krebs – eine Biografie“ und „Die Unsterblichkeit der Henrietta Lacks: Die Geschichte der HeLa-Zellen“… sehr interessant, denke ich.
Wir tauchen während des Unterrichts tief in die Pathologie der Krebserkrankungen ab. Ich fühle mich in meiner neuen Berufswahl bestätigt, als er uns sagt, wie wichtig unsere Arbeit der Tumordokumentation ist… Ich kann jede Motivation gut gebrauchen bei den auf mich zukommenden Anstrengungen und der Ungewissheit eines zukünftigen Arbeitsplatzes.




Klaus Doldingers Passport am 18.11.2016 in Berlin

Mittwoch, 16. November 2016

Ich mach`s mir nicht leicht


Man muss nicht jeden Scheiß mitmachen. Das Schwierigste im Leben eines Menschen ist nicht das Ja- sondern das Nein sagen. Ich liebe die Anarchie und Freiheit aber bleibe im realen Leben weit dahinter zurück… zu ängstlich wegen dem drohenden gesellschaftlichen Abstieg bis hin zum Penner-Dasein. Ich bin ein elender Feigling. Ich bin opportunistisch. Ich bin ein Schwächling. Ich positionierte mich schon immer irgendwo dazwischen, wo ich weder die eine noch die andere Seite brüskierte. Nein, besonders bequem machte ich es mir damit auch nicht. So ging es vom Kindergarten bis zur Schule... und weiter im Berufsleben. Es war ein großes Glück, wenn ich mich an einer Stelle wohlfühlte. Richtig zugehörig fühlte ich mich nie.
Die Integration in eine Gruppe fiel mir immer schwer. Dabei glaube ich von mir, dass ich im Großen und Ganzen ein umgänglicher Mensch bin.

Die Dokumentarinnen reden in der Zigarettenpause über Hamster und andere Tiere, die sie mal hatten oder aktuell haben. Ich stehe als Nichtraucher bei ihnen in der Kälte und höre lächelnd zu. Was soll ich dazu sagen? Zu einer Maus, die im Klo vorm Ertrinken gerettet wurde, um sich dann durch ein Behältnis zu fressen, und schließlich in einer Lebendfalle verhungert aufgefunden wird. Die Oberdokumentarin, die außerdem meine Dozentin (in der Fortbildung) ist, erzählte diese kleine Geschichte und rauchte ihre Zigarette zu Ende. Wir gingen zurück an unsere Arbeitsplätze.
Als Praktikant muss ich noch eine Menge lernen. Die Kollegin, bei der ich im Büro sitze, gibt sich alle Mühe. Sie erklärt mir anhand von Patientendateien die Software, und wir gehen zusammen Arztbriefe durch. Tumordokumentation bis der Schädel brummt. Ich weiß nicht, ob ich da jemals durchblicke. „Das wird schon“, sagt sie beruhigend und öffnet den nächsten Patienten „Plattenepithelkarzinom…“. Wir sollen die relevanten und aktuellsten Daten zu dem Fall finden. Eine Detektivarbeit. Die Fachtermini und Abkürzungen schwirren durch meinen Kopf. Mir fehlt (noch) die Orientierung. Ich fühle mich wie eine Versuchsmaus in einem Irrgarten…

1 Uhr mittags mache ich mich auf den Rückweg vom Praktikumsplatz. Mit der U-Bahn. Ich schaue mir die Fahrgäste an. Vielleicht war ich in der Krankenakte des ein oder anderen. Es sind so viele Menschen…, die ein- und aussteigen. Zwei Stunden kann ich zuhause relaxen, dann muss ich zur Fortbildung, und es geht weiter im Text.

Will ich das? Will ich das wirklich?

Freitag, 11. November 2016

Die ersten Unterrichtstage


Der für die Computer verantwortliche ist ein freundlicher, junger Bursche mit Irokesenschnitt. Die rotbackige Schulleiterin verspricht uns Weihnachtsgebäck von ihrer Schwiegermutter. Wir sind zu fünft, vier Dokumentarinnen und ich. Ich frage mich, warum mir die Dozentin vertraut vorkommt, obwohl ich ihr sicher vorher nie begegnete. Vielleicht in einem anderen Leben – was weiß ich. Parallel zur Fortbildung werde ich bei ihr in einer großen Berliner Klinik ein Praktikum absolvieren. Schon beim Vorstellungsgespräch fand ich sie recht sympathisch. Gut so. Denn was in den nächsten drei Monaten für mich auf dem Programm steht, wird keine leichte Sache. Meine Mitschülerinnen sind bereits vertrauter mit der Software für die Tumordokumentation und auch mit den ganzen Tumor-Klassifikationen, Fachtermini und Abkürzungen. Sie wurden von den Krankenhäusern, in denen sie arbeiten, zur Fortbildung geschickt - auch nicht ohne, zwanzig Schulstunden pro Woche zu einer Vollzeitstelle zusätzlich. Alle sagen sich: drei Monate werden schon rumgehen.
Was habe ich mir damit nur eingebrockt? denke ich, aber es ist der Weg, den ich einschlug, und ich sollte nicht schlappmachen.

Freitag, 4. November 2016

Die Zeit gibt Gas


Die Wochen schrumpfen, als wären sie zu heiß gewaschen. Was, schon wieder Freitag? Das zweite Jahr in Berlin auf der Zielgerade, aber das Rennen um Beruf und Zukunft geht weiter. Seit Wochen ein Hin und Her mit der Agentur für Arbeit und der Rentenversicherung. Natürlich geht`s ums Bezahlen, um was sonst? Wie ich diese ewigen Auseinandersetzungen mit den Behörden hasse! Das nagt ganz schön am Selbstvertrauen. Wenigstens läuft bei O. beruflich alles bestens.

Um in der kalten Jahreszeit etwas körperlichen Ausgleich zu haben, kundschaften wir die Hallenbäder Berlins aus. Sechs sind ganz gut erreichbar. Ich möchte an meine alten Zeiten anknüpfen, als ich regelmäßig schwimmen ging. Schaden wird`s sicher nicht.

Unsere gemütliche kleine Wohnung ist als Basis viel Wert. O. und ich wiederholen des Öfteren, wie gut wir es hier erwischten, was die Wohnlage angeht. Und auch sonst: keine Scherereien mit dem Vermieter und den Nachbarn.

Und was ich dazu erwähnen muss: ohne O. würde ich in Berlin bestimmt eingehen wie eine Primel. Ihre unbeschwerte Art wirkt auf mich immer wieder aufrüttelnd. Ich neige dazu, die unbequemen Dinge schleifen zu lassen, mich einzuigeln. Dass sie mich mürrischen Esel liebt, ist mein größtes Glück. Keine andere Frau würde es so lange mit mir aushalten, und ich mit meinen Fluchttendenzen wäre jeder anderen Frau sicher schon davongelaufen.

Ich liebe die behaglichen Abende zuhause bei Miss Marple- oder Poirot-Filmen. O. ist dann müde von einem arbeitsreichen Tag, während ich müde vom Schlendrian bin. Ein Tag reiht sich an den anderen… Niemand kann dem Alltagstrott entkommen. Und jetzt in der kalten Jahreszeit sind viele Aktivitäten nicht möglich. Trotzdem, wenn ich zurückdenke, was wir alles in den letzten Monaten unternahmen, wie viele Orte wir besuchten – mein Leben ist alles andere als ereignislos. Jedenfalls in meinen Augen. Ein vor Aktivität und Energie sprühender Mensch werde ich nie sein. Charaktere, die nicht zur Ruhe kommen können, nerven mich sehr bald. Die Welt dreht sich schnell genug.

Mittwoch, 2. November 2016

Zwischendurch was Technisches


Seit Längerem kann man auf Twoday.net keine neuen Blogs mehr anlegen. Die Anmeldung erlaubt nur noch das Kommentieren. Da einige Blogger das Kommentieren für Gäste nicht zulassen, können Gäste über den Umweg der Anmeldung trotzdem ihre Antworten auf den Twoday-Blogs absondern. Ob das so gut ist, darüber lässt sich streiten. Aber ich wollte sowieso auf was Anderes raus.
Die Twoday.net Gemeinde schrumpft zusehend. Langsam aber sicher wird das Bloggen hier zum Leben in einer Geisterstadt, und die Admin-Seite lässt offen, wann sie den Laden ganz dichtmachen wird. Oder soll es eine Wiederauferstehung geben? Daran glaubt wohl niemand.
Der Blog-Beitrag NberlinsGoogle kaputt? – weckte bei mir von Neuem die schon immer mal gedachte Idee der Übersiedlung zu Wordpress. Sowas schiebt man gern vor sich her. Besondere Lust habe ich dazu auch nicht gehabt. Mit Hilfe von In a neon wilderness` Anleitung und seinen Tools ging ich es dann gestern an. Noch arbeitslos habe ich jede Menge Zeit – mir fiel anscheinend nichts Besseres ein. Und nach einigem Hin und Her und ein paar lästigen Fragen an In a neon wilderness funzte es tatsächlich! Die Bilder konnte ich zwar nicht mitnehmen, aber Beiträge und Kommentare liegen einwandfrei, soweit ich es sehen kann, auf dem Wordpress Blog vor. Ist wohl auch das Äußerste, was man bei der Gratis-Version erwarten kann.
Ich tu mich mit solchen Computer-Dingen immer etwas schwer, weil ich mit so vielen fremdartigen Begriffen und Techniken konfrontiert werde. Wer sich damit auskennt wie offensichtlich In a neon wilderness, ist uns Normalos in dieser Materie um gefühlte Lichtjahre voraus. Ich möchte ihm hier nochmals ausdrücklich für seine wirklich gute Anleitung und Hilfestellung danken!

Die Übersiedlung nach Wordpress bedeutet nicht, dass ich Twoday.net den Rücken zukehre. Wahrscheinlich werde ich hier bis zum bitteren Ende ausharren, aber ich weiß nun, dass die Blog-Migration kein Unding ist. Es ist beruhigend, dass ich im Falle eines Falles (der Schließung von Twoday.net) parallel bei Wordpress alle meine Beiträge gesichert habe, bearbeiten und diskutieren kann.

Freitag, 21. Oktober 2016

Wieder Praktikum


... Wieder vier Monate. Nur in einem Klinikum am entgegengesetzten Ende der Stadt. Jetzt noch die Rentenversicherung ins Boot holen. Es könnte klappen. Die Schulleiterin ist zuversichtlich. Ich lobe besser den Morgen nicht vorm Abend. Es ist ein bisschen wie Pferdewetten. Ich setzte auf die Tumordokumentation. Dafür die Fortbildung verknüpft mit dem Praktikum. Ich kann mich schon mal warm anziehen: 20 Wochenstunden Unterricht plus Praktikum. Nächste Woche erstmal das Vorstellen im Klinikum. Den Praktikumsplatz habe ich praktisch schon, sagte mir die Schulleiterin am Telefon. Sie bot mir außerdem an, bei ihr zu lehren. Anscheinend sucht sie Dozenten für die zweitägige Pflichtfortbildung der Betreuer. Ich fühlte mich geehrt und ließ mir die Sache ernsthaft durch den Kopf gehen, sagte dann aber ab. Ist nicht mein Ding, den Betreuern was vom Pferd zu erzählen.
Na gut. Ich konzentriere mich besser darauf, dass mein Plan mit der Tumordokumentation aufgeht. Das Ziel ist ein Arbeitsplatz - wieder etwas mehr Sicherheit für mich im Beruflichen.
Drückt mir die Daumen!

Dienstag, 18. Oktober 2016

Things Gonna Change


Ich drücke ein Taschentuch auf die Wunde. Das Muttermal am Mundwinkel blutet. Wahrscheinlich ist die Klinge stumpf. Ich schneide mich selten beim Rasieren. Tätigkeiten, die man täglich wie automatisch verrichtet – aber genau dann passiert `s. Also Vorsicht nachher beim Duschen, denke ich, während ich auf den Lebensmittel-Lieferdienst warte - praktische Sache, gerade für sperrige oder schwere Sachen wie Klopapier, Bier, Waschmittel, Konserven…
Ich fühle mich wie in einer mit schmutzig weißer Watte ausgepolsterten Blase. Das Tageslicht diffus und matt. Die Blues Musik wabert angenehm durch den Raum. Ich versinke in mir. Die Blutflecke machen sich gut auf dem Taschentuch.
Ich schalte das Licht im Flur ein und lege den Geldbeutel aufs Schuhboard. So, nun könnte er kommen… Ich höre dumpf die Autos, die über das Kopfsteinpflaster rollen. John Lee Hooker singt „Chill Out (Things Gonna Change)“. Der Tag hypnotisiert mich. Der Gleichklang ist hergestellt.

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