Freitag, 6. Juli 2012

Ausflug nach Tarvisio


Unweit von Tarvis mit seinem bekannten Markt liegen zwei Bergseen unter der Nordwand des 2677 Meter hohen Mangarts. Nachdem wir in Tarvis bummeln waren, fanden wir eine malerische Bergkulisse und eine magische Ruhe am oberen der beiden Seen vor. Kein Bild kann diese Atmosphäre einfangen. Der See schimmerte grün, weitgehend umsäumt von Wald. Wir kraxelten einen schmalen Pfad am Ufer entlang und genossen den Blick …





Lago superiore Fusine





wir kletterten auf die kleine Insel und ließen die Seele baumeln

Donnerstag, 5. Juli 2012

TV-Tipp:

"Speed", 20 Uhr 15, VOX

(Action pur!)

Ist der Lack erstmal ab


Undurchdringlich ist die Welt. Am Besten man wühlt nicht, lässt alles, wie es ist, und kümmert sich nur um die alltäglichen Angelegenheiten: wäscht seine Unterhosen, geht Einkaufen, geht Arbeiten, geht zum Arzt, nimmt die Krankheiten hin, nimmt die Schmerzen hin, freut sich, wenn man gesund ist, geht ein Bier trinken, geht mit Kumpels feiern, liebt eine Frau, fickt, oder fickt nicht, schaut fern, schaut Fußball, schaut Pornos und macht es sich selbst, wird älter, wundert sich aber nicht, weil alles normal ist, weil es zum Geschäft gehört …, weil man sowieso nichts ändern kann.
Auch ich bin längst infiltriert vom Zombie-Dasein. Ich erinnere, dass ich mich lange dagegen wehrte. Ich fing damals an, Gedichte zu schreiben und alles zu hinterfragen. Die Erinnerungen werden blasser, und wenn ich die alten Gedichte wieder lese, verstehe ich sie nicht mehr. Teenager-Aufbegehren, denke ich. Was brachte es mir, außer dass ich zum Trinker wurde? Damals lag das ganze Leben noch vor mir, und ich verschleuderte es leichtsinnig im Rausch. Ich war zu jung, um mir das Älterwerden vorstellen zu können. Dabei dachte ich viel an das Sterben und den Tod. Zu viel. Das Leben warf eine Menge Fragen auf. Keine der Fragen konnte ich beantworten. Ein bisschen kratzte ich am Lack. Heute verstehe ich, dass der Lack wichtig ist. Man sollte ihn nicht weg kratzen. Er gehört zum Leben. Es ist ein Wunder-Lack, der vor morbiden Gedanken schützt. Ich machte mir morbide Gedanken für mindestens vier oder fünf Leben. Nun bin auch ich reif fürs Zombie-Dasein. Es kommt immer häufiger vor, dass ich gar nichts mehr empfinde. Aber das denke ich nur, denn ich lache nach wie vor. Nach wie vor bin ich da – wasche meine Unterhosen und gehe einkaufen, schaue Inspector Barnaby im Fernsehen oder was anderes. Auch trinke ich noch, aber ich trinke, wie ich esse. Es wurde zur Gewohnheit. Ich schmecke nicht mehr das Leben, wenn ich trinke. Ist es so? Schreibe ich über mich oder über einen anderen? Oder lebt in mir ein anderer?

Die Welt ist undurchdringlich. In den Nachrichten hörte ich, dass Wissenschaftler das Higgs- oder Gottesteilchen fanden. Angeblich ist es dafür zuständig, dass wir eine Masse haben. Darüber muss ich mal nachdenken. Ich fühle mich ziemlich schwer. Zu schwer oft. „Man muss sich das vorstellen wie ein Bassin voll Wasser“, sagte ein Wissenschaftler erklärend, „der Fisch schwimmt stromlinienförmig darin und hat also wenig Masse, während der Badegast rumpaddelt und also viel Masse hat.“ Ich sollte an meiner Stromlinienform dem Leben gegenüber arbeiten. Das war schon immer mein Problem, dass ich mich nur sehr bedingt anpasste. Kann man so einfach über seinen Schatten bzw. über seinen Dickkopf springen? Gebe ich mir genug Mühe?
Gibt es einen Lack zum Auftragen, der das Leben leichter macht?

Mittwoch, 4. Juli 2012

TV-Tipp:

"Wonder Boys", 20 Uhr 15, Tele 5

Venedig (4)


Schnappschüsse auf Murano













Dienstag, 3. Juli 2012

TV-Tipp:

"Sex für Anfänger", 23 Uhr 15, WDR

Herta Müller über das Schreiben


… Das Gelebte als Vorgang pfeift aufs Schreiben, ist mit Worten nicht kompatibel. Wirklich Geschehenes lässt sich niemals eins zu eins mit Worten fangen. Um es zu beschreiben, muss es auf Worte zugeschnitten und gänzlich neu erfunden werden. Vergrößern, verkleinern, vereinfachen, verkomplizieren, erwähnen, übergehen – eine Taktik, die ihre eigenen Wege und das Gelebte nur noch zum Vorwand hat. Man schleppt das Gelebte beim Schreiben in ein anderes Metier. Man probiert, welches Wort, was vermag. Es ist nicht mehr Tag oder Nacht, Dorf oder Stadt, sondern es herrschen Substantiv und Verb, Haupt- und Nebensatz, Takt und Klang, Zeile und Rhythmus. Das wirklich Geschehene insistiert als Randerscheinung, man verpasst ihm durch Worte einen Schock nach dem anderen. Wenn es sich selber nicht mehr erkennt, steht es wieder in der Mitte. Man muss das Wichtigtuerische des Erlebten demolieren, um darüber zu schreiben, aus jeder wirklichen Straße abbiegen in eine erfundene, weil nur die ihr wieder ähneln kann.

Das Schreiben macht aus dem Gelebten Sätze, aber nie ein Gespräch. Die Tatsachen hätten, als sie geschahen, die Wörter, mit denen man sie später aufschreibt, gar nicht ertragen. Mir kommt das Schreiben immer als Gratwanderung vor zwischen dem Preisgeben und Geheimhalten. Aber auch dazwischen changiert es, im Preisgeben biegt sich das Wirkliche ins Erfundene, und im Erfundenen schimmert das Wirkliche durch, gerade weil es nicht formuliert ist. Die Hälfte von dem, was der Satz beim Lesen verursacht, ist nicht formuliert. Diese nicht formulierte Hälfte macht den Irrlauf im Kopf möglich, sie öffnet den poetischen Schock, den man als Denken ohne Worte gelten lassen muss. Oder sagt man dazu: Gefühl.


(Aus dem Essay „Wenn wir schweigen, werden wir unangenehm – wenn wir reden, werden wir lächerlich“ von Herta Müller)

Montag, 2. Juli 2012

Mit dem Fahrrad in Kärnten






In Feldkirchen ein gebrauchtes Fahrrad gekauft. Dazu natürlich einen Brooks Sattel, der das Bike ein wenig aufwertet.
Auch wenn es in Kärnten leicht bergiger ist als in der Kurpfalz, bin ich nun wesentlich mobiler, z.B. wenn ich mal alleine auf Tour gehen will; oder wir können zusammen schöne Radwanderungen machen, ohne dass ich mir dazu ein Fahrrad leihen muss.
In meinem Urlaub fuhr ich bereits viele Kilometer in die Umgebung.





z.B. an den Ossiacher See





an einen nahen Waldsee





mit Olivia auf dem Wörthersee, im Tretboot

Sonntag, 1. Juli 2012

TV-Tipp:

"Jesse Stone - Dünnes Eis", 21 Uhr 40, ZDFneo

(In der Regel mag ich keine Schnauzbärte, Tom Selleck ist die Ausnahme.)

Ironman, Mückenburger und ich


Unwetter in der Nacht, unruhig geschlafen, alles mögliche durcheinander geträumt. Es regnet noch immer. Das Grün explodiert ...
In Klagenfurt findet ein Ironman statt. Olivias kleiner Bruder macht mit. Sie wird ihn mit ihren Kindern an der Strecke begleiten, so weit möglich. Unvorstellbar für mich – solch eine Tortur. Die Athleten sind den ganzen Tag unterwegs: 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und zu guter Letzt ein Marathon. Eine übermenschliche Leistung. Körper und Geist werden an ihre absoluten Grenzen (und vielleicht auch darüber hinaus) gebracht. Natürlich ist das ohne eine lange und intensive Vorbereitung gar nicht machbar. Allein schon der Marathon … Ich kriege beim bloßen Gedanken daran Herzklopfen. Respekt vor dieser Leistung! Hoffentlich kommt der kleine Bruder, ein Zweimeter-Bursche, gesund ins Ziel.
Bleischwer fällt mein Blick auf den tropfenden Urwald. Das Fenster ist gekippt, und das Rauschen der befahrenen Straße tönt zu mir ins Zimmer. Die Nässe scheint die Geräuschkulisse zu verstärken. Nebenher läuft der TV: Galileo Galilei, „Big Pictures“ - Skurriles, allerlei besondere Begebenheiten aus aller Welt. Was es nicht alles gibt, denke ich. Gerade wird die Herstellung des Mückenburgers gezeigt, irgendwo in Afrika. Mit angefeuchteten Töpfen bewaffnet tauchen Kinder und Erwachsene mitten in einen immensen Mückenschwarm und fischen die kleinen Viecher aus der Luft, bis sie klumpenweise in den Töpfen hängen. Dann wird der "Mückenmatsch" zu Burgern geformt und gebraten. Wie sagt man so schön: In der Not frisst der Teufel Fliegen. Jedenfalls sind die Mückenburger eine sehr eiweißreiche Kost.
Gerade saugte ich ein paar Weberknechte von der Wand ab – dasselbe sollte doch auch mit ihnen zu machen sein … (Spinnenburger)
Ich verbringe den Tag mit Warten auf den Nachtdienst. Ein paar Sonnenstrahlen würden meinem Gemüt ganz gut tun. Gestern teilte mir meine Mutter am Telefon mit, dass mit ihrem Blut etwas nicht stimmt. Verdacht auf Blutkrebs. Ich wollte nie daran denken, dass meine Eltern alt und krank werden. Nun sind sie es beide.
Der Wurm ist drin. Verflixt. Oder: Ich glaube, ich steh im Wald …, vielleicht auch mitten in einem Mückenschwarm, und ich erkenne nichts mehr um mich herum. Wie soll es weitergehen? Wo geht die Reise hin? Was kommt auf mich zu? Das darf ich doch fragen, ohne egoistisch zu erscheinen?
Natürlich ist es auch spannend, wenn man durch die Gegend irrt und nicht weiß, wo man raus kommt (z.B. Venedig). Das hat seinen Reiz. Eigentlich warte ich mehr, als dass ich herumirre. Ist das ein großer Unterschied? Was das Leben angeht, kommt jeder ins Ziel, egal ob er sich besonders anstrengt oder nicht. Vielleicht ist deswegen so ein Ironman nicht das schlechteste, was man für sich machen kann. Um zurückzufinden … , das scheinbar Unmögliche anzupacken und sogar abzuschließen. (Drum ja auch meine Fahrradreisen quer durch Deutschland.)
Olivia steht an der Strecke am Wörthersee und feuert ihren kleinen Bruder an. Ich werde inzwischen mich selbst anfeuern, damit ich einfach durch diesen Sonntag und die nächste Nacht komme.

Samstag, 30. Juni 2012

Venedig (3)


Das Wetter war wie bestellt. Das Hotel lag nicht mal fünf Minuten Fußweg von einer Vaporetto-Station entfernt. Für venezianische Verhältnisse kamen uns die Übernachtungen günstig. Also, wenn man nicht zu hohe Ansprüche an den Komfort hat, kann ich das Hotel weiterempfehlen. (Wie hieß es nochmal, Olivia?) Sowieso waren wir den ganzen Tag unterwegs. Leicht verliert man die Orientierung, wenn man einfach drauflos schlappt - und wundert sich dann, wo man raus kommt. Natürlich hatten wir einen Stadtplan dabei. Vom Hotel bis zum Markusplatz war es gar nicht so weit, - wären wir den direkten Weg gegangen. Aber man hat ja so viel zu schauen, und es ist auch viel spannender auf Abwegen zu wandeln.
Abends gingen wir Essen und waren danach reif fürs Hotelbett. Auch wenn die Entfernungen relativ klein erscheinen, man merkt gar nicht, wie viel man doch den ganzen Tag über auf den Beinen ist. Durch die vielen Eindrücke ist man ständig abgelenkt. Venedig ist eine Stadt der Sinne, der Sinnlichkeit. Dann die vielen Bier – jedenfalls was mich angeht – ermatten auch. Ja, ich weiß …
Drei Tage vergingen wie im Fluge, und manches wird unvergesslich bleiben.






Canal Grande






Markusplatz






auf Abwegen

Freitag, 29. Juni 2012

TV-Tipp:

"Thelma & Louise", 22 Uhr 25, 3sat

C`est la vie


Katerstimmung nach dem verlorenen Halbfinale. Die deutsche Mannschaft hat`s versiebt. Schon wieder gegen die Italiener – denen ich den Sieg gönne. Beim Fußball ist es manchmal wie verhext: Gegen England kriegten die Italiener in neunzig Minuten plus Verlängerung trotz andauerndem Sturmlauf kein Tor rein. Ich denke, dass bei zwei derart starken Mannschaften auch das Glück mit im Spiel ist, bzw. der Zufall. Gestern fehlte den Deutschen der glückliche Abschluss, während die Italiener zweimal ins Schwarze trafen. C`est la vie.
Noch habe ich leichtes Schädelbrummen. Dunkel erinnere ich mich an den Sportpub und die euphorische Stimmung, die bald durch die zwei Tore in der ersten Halbzeit gedämpft wurde. Da half auch der Alkohol nichts mehr. Vorher war ein heftiges Sommergewitter, die Luft wie aufgeladen. Der Regen, der wasserfallartig niederging, vertrieb mich aus dem Biergarten hinein in den schützenden Raum des Kaffeehauses. Die Bedienung, ein junger sympathischer Mann, beklagte sich bitter darüber, dass die Chefin keinen Fernseher aufgestellt hatte. „Gerade bei diesem Wetter“, sagte er, „wären dann wenigstens noch ein paar Gäste hier.“ Ich stimmte zu. Eine junge Frau kam herein und fragte, ob das hier fußballfreie Zone sei. Als wir nickten, suchte sie sich erleichtert einen Platz. „Tja“, meinte ich, „werde wohl ins Sportpub zum Gucken gehen.“
Ich erinnere mich an die freundliche Thai, die im Sportpub bediente. Die Frau vom Barbesitzer. Er saß zusammengekrümmt hinter der Theke und schaute wie ein doofer, trauriger (See)Hund aus der Wäsche. Manchmal frage ich mich, was die beiden für ein Liebesleben führen. Die Thai lächelte mich an und zapfte das nächste Bier. Die Deutschen verloren. Da auf dem Bildschirm. Alles schien irgendwie unwirklich.

ein literarisches Tagebuch

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