Im Vorzimmer der Verzweiflung
Es gibt Tage, an denen ich mich wie gelähmt fühle. Mir fehlt der Hintern, in den ich reinbeißen kann. Mir fehlt das zweite Augenpaar. Stattdessen absolute Windstille. Kein anderer Atem, kein Lachen. Ich lasse mich von belanglosen TV-Sendungen berieseln und starre Löcher in die Luft. Ich stehe im Vorzimmer der Verzweiflung. Die Sekretärin ist eine alte Jungfer mit müdem Gesichtsausdruck. An der Wand hängt ein Pin-up Kalender. Frau April hat dunkle Haare und dreht mir ihren Arsch zu.
„Haben Sie einen Termin?“ fragt die Sekretärin und mustert mich gelangweilt.
„Nein, nicht wirklich.“
„Nicht wirklich?“
„Gefickt.“
„Ach so.“
Licht und Schatten wechseln in rasantem Tempo. Wolken ziehen über mein Gesicht. Ich stehe nur so da, während alles seinen Gang nimmt. Ich spüre nichts, fast nichts, bin von der Sekretärin leicht angewidert. Eine weit entfernte Stimme in mir fragt sich: Was für ein Leben …? Sie kaut Kaugummi und lächelt, als hätte sie meine Gedanken gelesen und wolle mich verhöhnen.
„Gefickt“, wiederhole ich.
„Die Gefickten müssen warten“, sagt sie gedehnt.
Wie lange warte ich schon? Egal. Zu lange. Es kommt nicht mehr drauf an. Warum hockt da diese abgenutzte, frigide Sekretärin und nicht Frau April? Zu der würde ich mich auf den Schreibtisch setzen …
So war es schon immer. Jeder Gefickte hat sein Vorzimmer. Ganz für sich. Es ist Anfang und Ende.
bonanzaMARGOT
- 08. Apr. 14, 15:36
- boMAs Gedichte und Texte