Der ganz normale Wahnsinn


Im Altenheim wird gestorben, was nicht weiter erstaunlich ist. Gestern Abend erwischte es mich mal wieder. Gleich beim ersten Rundgang. Ein Blick genügte. Als ich die Bewohnerin anfasste, hatte ich endgültige Gewissheit. Sie war bereits merklich kalt. Ihre leblosen Augen halboffen, das Gesicht kreidebleich. Automatisch ging mir durch den Kopf, was zu tun sei. Eile war keine mehr angesagt.
Ein Todesfall bringt den ganzen Ablauf durcheinander. Die Frau segnete überraschend das Zeitliche. Der Tod ist launisch. Bei vielen Bewohnern spannt er uns auf die Folter, und ein andermal schlägt er unerwartet zu, als wolle er uns foppen.
Die Nacht hatte erst angefangen. Ich rief den Ehemann an, der im selben Ort wohnt. „Kann ich hochkommen?“ fragte er. „Selbstverständlich.“ Wenig später kamen er und seine Enkelin. Am Bett der Bewohnerin brach die Enkelin in Tränen aus. Ich war von der Szene ergriffen. Am Liebsten hätte ich auch geheult. Es tat mir leid, und ich sagte es.
Ich ließ die Angehörigen allein mit der Verstorbenen und ging wieder an die Arbeit. Schon schizophren. Der ganz normale Wahnsinn – platt gesagt.
Kurz nach Mitternacht kam endlich die Bereitschaftsärztin, um die Leichenschau vorzunehmen. Eine alte Ärztin, selbst schon halb senil. Ich war froh, als schließlich alle weg waren. Endlich konnte ich mich etwas entspannen - das heißt, wenn da nicht die eine durchgeknallte Bewohnerin gewesen wäre, die auf dem Stationsflur randalierte. Sie war kaum zu beruhigen. Ich saß an ihrem Bett, bis sie einschlief.

Lange-Weile - 01. Apr. 14, 23:41

Lebensbühne

Hallo Bo.,

das war ja kein guter Start in die Arbeitsschicht. Traurig ist es immer, wenn ein Mensch geht. Für die Oma war es vielleicht eine Erlösung. Für ihren Mann verschwindet ein Teil seines Lebens von dieser Erde, der gemeinsamen Lebensbühne und für die Enkelin wird das Leben ohne die Oma erst mal leerer sein.
Doch die junge Frau betritt vielleicht erst ihre Lebensbühne, die noch viele Stücke auf ihren Leib schreiben wird und nicht jede Rolle, die sie übernehmen muss, wird ihr gefallen.

Zum Glück kennen wir unsere Rollen nicht, stellen uns deshalb erst mal nur die glanzvollen Rollen vor...die eines schönes stattlichen Menschen für den täglich die Sonne scheint.

Entscheidend, ist, wie man sein Dasein rückblickend im Alter sieht. Ob es noch die Farben hat, die an sich anfangs erhofft hat, jedoch nur in kleinen Facetten vorhanden waren oder sieht man im Rückblick die Farben blass und ins grau übergehend ?

Diese Frage kann man sich erst im Alter beantworten.

Vielleicht hatte die Oma auf ihrer letzten Reise noch einmal einen schönen Rückblick auf ihr Leben, an der Seite ihres Mannes,ihrer Familie und und und ;-)

LG LaWe


bonanzaMARGOT - 02. Apr. 14, 14:41

ich glaube, die verstorbene hatte eine gute und liebende familie.

wir sind alle dran. hinter irgendeiner ecke wartet der tod - dieser schelm.

ein literarisches Tagebuch

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