Lew Kopelew "Aufbewahren für alle Zeit"

Aus: 18. Nach dem Sieg

Aber morgens beim Aufwachen repetierte ich auswendig das Vaterunser lateinisch, russisch und deutsch. Ich war betrübt, wenn ich steckenblieb, ein Wort vergessen hatte - das bedeutete: mein Gedächtnis ist schwach geworden. Wenn ich aber alles ohne Stocken schaffte, freute ich mich und wiederholte noch und noch: "... und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Übel."
Russisch heißt es von dem "Arglistigen". Ich dachte darüber nach, warum das Lateinische von "malo" spricht, das Deutsche vom "Übel" und das Russische vom "Arglistigen"; ich fand dafür allerlei sozialhistorische Deutungen und überlegte, man müsse ein Buch über die Eigenarten in der Entwicklung der russischen Moralphilosophie schreiben. Aus meinen Gefägnisreflexionen über ein katholisches Brevier entstand viele Jahre später ein Begriff, eine Vorstellung: in der russischen Sprache und in der russischen Kunst ist das Gewissen nicht nur eine sittliche, moralische, sondern auch eine selbständige ästhetische Kategorie. Noch später erklärte ich gerade damit die organische Nähe des deutschen Katholiken Heinrich Böll zu unseren Lesern, zu den Traditionen unseres Schaffens und unserer Literaturrezeption.

ein literarisches Tagebuch

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