Selbsterkenntnis


Schlagartig wurde mir bewusst, dass ich absolut lern-resistent bin. Nichts lernte ich aus meinen Verfehlungen im Leben! Diese Erkenntnis kam über mich wie eine Eingebung. Ich empfand Scham. Wieso war ich solch ein Arschloch geworden? Ich konnte doch sehr gut zwischen Gut und Böse unterscheiden. War es ein Fehler gewesen, aus der Kirche auszutreten? Warum ignorierte ich all jene, die mich auf den Pfad der Tugend führen wollten? Meine Eltern bemühten sich redlich. Und auch die Lehrer in meiner Schulzeit – alle meinten es doch gut mit mir?!
Ich bin ein Versager. Ich dachte immer nur an mich. Und das fatale dabei: Niemals werde ich mich ändern. Niemals werde ich auf den Pfad der Rechtschaffenheit zurückfinden.

Ich mache mir einen Gin-Tonic und öffne die Nachrichten-App meines Computers. Immer und überall derselbe Scheiß. Die ganze Menschheit scheint ziemlich lern-resistent zu sein. Soll ich mich nun besser fühlen?

rosenherz - 27. Okt. 17, 16:58

" ..., dass ich absolut lern-resistent bin"

"Die ganze Menschheit scheint ziemlich lern-resistent zu sein"

So gesehen könntest du dich in bester Gesellschaft fühlen. Die anderen scheinen auch so zu sein, wie du. Du befindest dich in vertrauter Gesellschaft mit Menschen, die ähnlich ticken wie du. Jeder schaut auf sich, kümmert sich in erster Linie um sich selbst - und lässt die anderen in Frieden. Worin läge da ein Problem?

bonanzaMARGOT - 27. Okt. 17, 17:13

Erkennt man es, oder erkennt man es nicht? Und was wäre eine solche Selbsterkenntnis in dieser Welt wert?
bonanzaMARGOT - 28. Okt. 17, 08:44

ich hätte unter dem beitrag anmerken sollen:
achtung sarkasmus!
rosenherz - 28. Okt. 17, 09:35

Zu schreiben, du bist lern-resistent, ist offensichtlich selbstredend ein literarisches Statement oder sarkastisch gemeint. Du hast als Mensch allerhand gelernt, vom Sprechen, Gehen und Radfahren bis hin zum Bedienen des Computers, mit dem du hier deine Texte schreibst. Oder die Arbeit mit der Tumordokumentation, da hast du auch entsprechende Fähigkeiten erworben, mit denen du die Arbeit jetzt machen kannst.

Wenn du so gut wie alles als Scheiß ansiehst, abgesehen von Urlaub, Natur, Kneipe, Bier und Sex, und die Menschheit als lernresistent betrachtest, das ist deine Geisteshaltung und deine Weltsicht. Es ist dein Leben unter Milliarden, und bist Teil dieser Menschheit auf die du mit Verachtung zu blicken scheinst.

Wenn dich ohnehin so vieles anödet, wieso ziehst du nicht in ein Baumhaus in den Wald und ernährst dich von den Früchten der Natur? Fernab von den Menschen die dir fremd, fernab vom Geldverdienen müssen, fernab von der Idotie einer lernresistenten Menschheit. Vor dem Umzug in den Wald besorgst dir noch vom Rest deines Lohns einen solarstrombetriebenen Laptop, damit du dann von dort aus deine Blogpostings schreiben kannst. Und falls du mal ein bisschen Geld brauchen solltest für irgendeine Errungenschaft menschlicher Kultur und Zivilisation, da werden dir sicherlich Menschen großzügig was in die am Waldrand aufgestellte Spendenbox werfen. - Also, wann gehst du durch die offene Käfigtür? Ab in die Freiheit! Ein Prosit auf Sarkasmus und Selbsterkenntnis. Endlich jemand der die Wirklichkeit durchschaut und uns die Augen öffnet.
bonanzaMARGOT - 28. Okt. 17, 10:07

wieso ziehst du dich daran so hoch?
lern-resistent bezieht sich nicht auf das erlernen von fähigkeiten oder wissen, sondern auf das lernen aus fehlern... hin zu einem besseren menschen.
ich nehme mich in dem text doch selbst auf die schippe, nicht nur meine mitmenschen und die gesamte menschheit. es geht mir um die spieglefechterei der moralisten, die heuchelei in den gesellschaftlichen institutionen.
gegen urlaub, bier, natur, kneipe und sex ist doch nichts einzuwenden..., wobei ich sagen muss, dass ein urlaub auch mies laufen kann, bier mir nicht immer schmeckt, mir nicht jede kneipe gefällt, die natur auch ihre ungemütlichen seiten hat, und ich nicht immer lust auf sex habe.
vieles auf der welt halte ich wirklich für ausgemachten scheiß (krieg, gewalt, betrug, leistungsdruck, ungerechtigkeit, diskriminierung, autos, umweltverschmutzung, einkaufszentren, kapitalismus...), und ich lasse es mir nicht nehmen, mich ab und zu dazu auszukotzen. möglicherweise ist mein verhalten diesbezüglich dumm und kindisch - dann tut`s mir leid. ich behaupte auch nicht, dass ich immer recht habe.
also: what`s it!?
von einem baumhaus träumte ich als kind. schöne sache. aber für einen faulen affen wie mich inzwischen nicht mehr praktikabel. ich werde den scheiß dadraußen wohl bis zum schluss mitmachen müssen. warum gönnst du mir nicht einfach mein herumgemotze? vielleicht brauch` ich das. dazu noch eine brise selbstmitleid, und das bier schmeckt gleich viel besser.
wie ich es schrieb: ich bin ziemlich lern-resistent. falls also deine kommentare bei mir irgendeinen erzieherischen effekt haben sollen, muss ich dich enttäuschen.
das mit der offenen käfigtür halte ich für einen witz.
rosenherz - 29. Okt. 17, 09:31

Das mit der offenen Käfigtür haltest du für einen Witz? Das hast selbst geschrieben in einem früheren Posting: "Wir leben heute in einer Welt, in welcher die Käfigtüren offenstehen… "
bonanzaMARGOT - 29. Okt. 17, 09:36

wo und in welchem kontext schrieb ich das?
letztlich gibt es nur eine offene käfigtüre, und die bedeutet selbstmord.
natürlich gibt es käfige, die in anderen käfigen liegen - dort kann man unter umständen mal eine käfigtüre aufstoßen, um den außenherum liegenden käfig zu erkunden, oder sich einen nachbarkäfig anzuschauen.
bonanzaMARGOT - 29. Okt. 17, 10:01

habe die stelle gefunden, auf welche du dich beziehst - von wegen offener käfigtüren. ich schrieb das am ende von "fuckwort zum sonntag".
dies war im kontext des raubtierkapitalismus gemeint und darüber hinaus..., wenn man sich mal ansieht, wie viele gefährliche verrückte heutezutage politik machen dürfen, an der macht sind und mit ihren kruden ideen eine anhängerschaft finden. es war schon immer gefährlich auf der welt, aber heutezutage stehen die raubierkäfige meines erachtens offener denn je.
in diesem beitrag geht es doch vordergründig um etwas anderes.

ein literarisches Tagebuch

Kontakt



User Status

Du bist nicht angemeldet.

Aktuelle Beiträge

möglicherweise im...
möglicherweise im stillen kämmerchen. oder...
bonanzaMARGOT - 22. Mai, 06:45
Wie kommst du denn darauf,...
Wie kommst du denn darauf, dass sich nur wenige Menschen...
iGing - 21. Mai, 23:45
Der vergebliche Kampf
Ein stetes Ringen zwischen Form und einem Inhalt,...
bonanzaMARGOT - 21. Mai. 18, 13:57
Zu den Rubriken (3)
28.10.2016 - 31.05.2018 2018 - Reisen Ausklang Am...
bonanzaMARGOT - 21. Mai. 18, 11:22
... absaufen im see,...
... absaufen im see, auch kein schlechter gedanke.
bonanzaMARGOT - 21. Mai, 09:11
guter film - den könnte...
guter film - den könnte ich mir mal wieder anschauen...
bonanzaMARGOT - 21. Mai, 08:03

Archiv

Oktober 2017
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So
 
 
 
 
 
 
 1 
 5 
 6 
 9 
10
12
13
17
19
20
23
24
28
31
 
 
 
 
 
 

Neues in boMAs prosaGEDICHTE-Blog

Über dem Paradies ist immer Nacht.
Über dem Paradies ist immer Nacht.
bonanzaMARGOT - 10. Mai. 18, 12:18
Der Kampf gegen andere vernichtet mich selbst.
Der Kampf gegen andere vernichtet mich selbst.
bonanzaMARGOT - 07. Apr. 18, 16:26
Auch Intelligenz kann weh tun.
Auch Intelligenz kann weh tun.
bonanzaMARGOT - 26. Mrz. 18, 17:09
Das Elend in der Welt ist die Macht.
Das Elend in der Welt ist die Macht.
bonanzaMARGOT - 26. Mrz. 18, 06:41

Suche

 

Extras



prosaGEDICHTE (... die Nacht ist gut für die Tinte, der Tag druckt die Seiten ...)

↑ Grab this Headline Animator


Von Nachtwachen und dicken Titten

↑ Grab this Headline Animator



Status

Online seit 3903 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 22. Mai, 06:45