Nachruf auf einen Großen


Der König von Deutschland ist tot. Helmut Kohl aus Oggersheim, seines Zeichens „die Birne“, segnete im hohen Alter von 87 das Zeitliche. Er nahm die letzte Hürde… hin zur Wiedervereinigung mit den Elementen des Kosmos. Ich wünsche ihm alles Gute für diese Reise.

Am Ende des Zweiten Jahrtausends regierte er sechzehn lange Jahre das Land meiner Väter. Mein Wohlwollen hatte er nicht. Mit seiner selbstherrlichen Art und seinem pfälzischen Gelispel ging er mir ganz schön auf den Geist. Von Anfang an mochte ich diesen Menschen nicht. Keine Ahnung, wer ihn überhaupt mochte, aber er wurde immer wieder gewählt. Mit einigem Machtgeschick verstand er es, innerhalb seiner Partei am Ruder zu bleiben. Wer nicht für ihn war, war gegen ihn (Merkel ging bei ihm in die Lehre). Auch perfektionierte er die Kunst des Aussitzens sowie des Einlullens.
Mit den Jahren resignierte ich. Helmut Kohl stand in meinen Augen für das kranke politische System, seinen Intrigen und seiner Heuchelei. In der Spendenaffäre manifestierte er nachhaltig diesen Eindruck. Sowieso schwebte er am Ende seiner politischen Karriere über den Dingen und fühlte sich unantastbar – gleich einem König. In trump`scher Manier ging er mit Presse und Kritikern um.
Die Geschichte spielte ihm die Bälle zu. Er war zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Platz und gewann das Prädikat Kanzler der Einheit. Zum Kanzler der Herzen wie (Brandt) schaffte er es nicht. Dazu war er nicht der Typ. Ich möchte ihm weiß Gott nicht alle Verdienste absprechen in Sachen Wiedervereinigung. Mit Genscher hatte er einen klugen Strategen an seiner Seite. Und offensichtlich konnte er ganz gut mit den Mächtigen dieser Welt. Ich bin mir nicht zu schade, ihm dafür Respekt zu zollen, auch für seine unbeirrbare Haltung pro Europa.
Als die Kohl-Ära vorbei war, konnte ich es kaum glauben. Man muss sich das vorstellen: Gerade erst wahlberechtigt, als Helmut Kohl an die Macht kam, hatte ich am Ende bereits graue Haare. Ich erlebte die volle Packung Birne zur Unzeit, - als junger Mensch mit post-68er Idealen. Dieser Bundeskanzler passte absolut nicht in meine Welt. Er erschien mir weder vertrauenswürdig noch kompetent. Wenn ich ihn nur reden hörte oder im TV sah, ging mir das Messer in der Tasche auf.

Schließlich aber musste auch Helmut Kohl im Lauf der Jahre einiges einstecken, und das stimmt mich heute gnädig. Mir kommt Xavier Naidoos Song „Dieser Weg wird kein leichter sein“ in den Sinn. Ich sehe Helmut Kohl als eine tragische Figur im Leben... In die Geschichte geht er als Kanzler der Einheit und großer Europäer ein.

So long.

ein literarisches Tagebuch

Kontakt



User Status

Du bist nicht angemeldet.

Aktuelle Beiträge

Mittwochs-Worte
Wohl dir, wenn deine Toten ruhn Still unter grüner...
bonanzaMARGOT - 19. Sep. 18, 06:25
TV-Tipp
"Gruppenbild mit Dame", 22 Uhr, Arte
bonanzaMARGOT - 17. Sep. 18, 06:57
Wort zum Sonntag
Ich wusste nichts über den Teufel, ich wusste...
bonanzaMARGOT - 16. Sep. 18, 13:36
Gedanken zum Marathon
Heute ist ja Zombielauf! durchfährt es mich und...
bonanzaMARGOT - 16. Sep. 18, 10:00
TV-Tipp
"Die Körperfresser kommen", 22 Uhr 5, TELE 5
bonanzaMARGOT - 16. Sep. 18, 09:01
konkretes beispiel: ein...
konkretes beispiel: ein mann schlägt mich grundlos...
bonanzaMARGOT - 15. Sep, 12:57

Archiv

Juni 2017
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So
 
 
 
 1 
 6 
 9 
13
15
16
20
22
25
29
30
 
 
 

Neues in boMAs prosaGEDICHTE-Blog

Suche

 

Extras



prosaGEDICHTE (... die Nacht ist gut für die Tinte, der Tag druckt die Seiten ...)

↑ Grab this Headline Animator


Von Nachtwachen und dicken Titten

↑ Grab this Headline Animator



Status

Online seit 4025 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 19. Sep, 06:25