Von der Monotonie des Lebens


Die Welt hält niemals an. Trotzdem gibt es Tage, an denen es mir so vorkommt. Alles geht seinen Gang - scheinbar gleichbleibend. Ob Katastrophen, Flüchtlinge und Kriege. Ich nehme es in der Peripherie wahr, aber es berührt mich kaum noch. Ich verfolge die Gespräche darüber in den Medien oder in der Kneipe und fühle mich dabei wie in einem Karussell – alles wiederholt sich täglich: der Schrecken, die Aufregung, die Verbrechen, Leid und Glück, Sieg und Niederlagen…, - die Welt kürzt sich selbst heraus, und zurück bleibt das Individuum, das blöde aus der Wäsche schaut. Die Karussellfahrt beginnt mit der Geburt und endet mit dem Tod. Entweder wird es einem irgendwann schwindelig oder langweilig. Manchmal beides – denke ich bei mir. Entweder ist das Leben zu kurz – weil man die langfristigen Geschichten gar nicht richtig mitbekommt; oder es ist zu lang – weil einem das Meiste als eine endlose Wiederholung erscheint. Egal, wie man es dreht, es bleibt dasselbe. Es ist immer zu kurz oder zu lang. Verstehe das ein Mensch.
Ich muss in meinem Leben anscheinend selbst für Abwechslung sorgen. Das ist schwerer, als es sich anhört. Jedenfalls für mich.
Es soll angeblich Menschen geben, die das Gefühl der Langeweile gar nicht kennen. Wie es einem niemals langweilig werden kann, ist mir ein Rätsel. So weit ich zurückdenken kann, gab es immer Dinge oder Menschen, die mich langweilten. Zum Beispiel Sonntagsspaziergänge mit den Eltern. Später dann gab es ziemlich viel, was mich in der Schule langweilte. Und im Berufsleben dachte ich zeitweise, dass es langweiliger gar nicht mehr werden könnte. Im Nachhinein wundert es mich, wie ich die vielen von der Langeweile grausam gedehnten Stunden überhaupt aushielt. Es war wahrscheinlich die Hoffnung, dass auch die Ewigkeit ein Ende haben müsse.
Gerade sorge ich in meinem Leben für etwas Abwechslung (- indem ich diese Zeilen schreibe). Ich werde tatsächlich manchmal aktiv, dabei bin ich eher ein Tagträumer und Tunichtgut. Dieser zwanghafte Aktivismus in der Gesellschaft geht mir ziemlich auf den Sack. Das Leben ist einfach zu kurz (oder zu lang) für so`nen Scheiß. Am Ende wird man krank von dem Stress und kann sich in den Wartezimmern der Ärzte langweilen.
Aber es gibt offenbar Menschen, die alles gar nicht langweilig finden, selbst wenn sie jeden Tag über dasselbe babbeln und stets die selben Befindlichkeiten ausdrücken – gleich Automaten… oder Zombies. Echt, das denke ich manchmal. Dabei bin ich selbst nicht viel anders, wenn ich ehrlich bin.
Genaugenommen will ich mich gar nicht beklagen. Bei wem auch?

ein literarisches Tagebuch

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