Sonntag, 10. September 2017

Am Rande


Über Politik dachte ich während der Fahrt am wenigsten nach. Wenige Wochen vor der Bundestagswahl kamen mir allerdings jede Menge Wahlplakate am Straßenrand entgegen. Wobei mir auffiel, dass auf meiner Strecke durch Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern (vor allem auf dem Lande) die NPD prozentual überstark abgebildet war. In diesen Gegenden gab es weder Ausländer noch Flüchtlinge, jedenfalls sah ich keine. Trotzdem schien die NPD dort eine große Anhängerschaft zu haben. Ob mich die Leute am Straßenrand gegrüßt hätten, wenn ich türkisch oder arabisch aussähe? Ich glaube nicht. Nur gut, dass sie nicht meine Gedanken lesen können, dachte ich, denn ich verabscheue solch tumbe Deutschtümelei aufs tiefste.
Die Natur, durch die ich fuhr, kennt keine Grenzen und auch keine Ausländer. Die Grenzzäune errichtet immer nur der Mensch. Die NPD Plakate passten absolut nicht in diese schöne Landschaft.

Immer vorwärts


Kaum wenige Tage von meiner Reise zurück - erscheint mir jedoch, als wäre es schon viel länger her. (Hat wirklich alles so stattgefunden?) Vielleicht liegt dieses Distanzgefühl daran, dass die 12 Tage unterwegs ein einziger innerer Monolog waren. Die Landschaften, Städte und Dörfer zogen traumhaft an mir vorbei. Ich war jeden Tag 24 Stunden mit mir allein. Eine solche Reise ist noch flüchtiger als das an sich flüchtige Leben. Ich entführte mich selbst auf meinem Fahrrad nach Kopenhagen. Auf was habe ich mich da nur eingelassen!? fragte ich mich manchmal, wenn ich eine besonders anstrengende Strecke zu bewältigen hatte und mit den Kräften am Ende war.
Mir begegneten insgesamt wenige Radreisende. Nur an den Wochenenden die vielen Radausflügler, ganze Gruppen. An den letzten drei Tagen war ein deutsches Pärchen auf derselben Strecke. Wir begegneten uns auf den Campingplätzen, grüßten uns, wechselten aber sonst kein Wort. Sowieso mag ich diese fachlichen Diskussionen über Fahrrad und Ausrüstung nicht. Ich will mich nicht gerne mit anderen vergleichen. Sollen sie wegen mir die Nase rümpfen… Wenn ich was an meinen Geschlechtsgenossen nicht mag, dann, dass sie sich alle als Fachmänner aufspielen. Ätzend.
Gut, dass ich keine Panne hatte. Das neue Fahrrad hielt sich hervorragend. Die Wege waren zwar größtenteils gut, aber einige Kilometer ging es dann doch über Stock und Stein. Am gefährlichsten dabei Schlaglöcher oder Wurzeln, die durch den Weg brachen. Je nach Geschwindigkeit hätte ich da böse auf die Nase fallen können. Neben der physischen Belastung, musste ich versuchen, die Konzentration während der gesamten Fahrt hochzuhalten, auch um nicht einen Abzweig zu verpassen und falsch zu fahren. Dazu die Vorsicht vor dem Autoverkehr auf den größeren Straßen. Wenn ich am frühen Abend das Zelt aufgestellt und gefuttert hatte, wurde ich schnell müde und verkroch mich in meinen Schlafsack…





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