Verrückter Diamant


Ich stehe orientierungslos im Terminal … des Lebens. Die Menschen rennen kreuz und quer um mich herum. Mein Herz pocht bis zum Hals. Ich bin aufgeregt. Ich weiß nicht, wo ich bin. Verrückter Diamant. Der Himmel zieht mich zu sich, aber die Gravitation hält mich auf der Erde. Der sterbenden Frau im Altenheim wurde eine Nasensonde gelegt. Ihre Zunge hängt ausgetrocknet und aufgequollen aus dem Mund. Ich lagere sie und befeuchte Mund und Lippen. Ich frage Jesus und Mohammed gleichzeitig nach dem Sinn des Lebens. Sie haben keine Ahnung. Ihre Worte sind leer. Trotzdem folgen ihnen viele. Sie nuckeln an ihren Brüsten und saugen sich voll mit verwesendem Milch-Gesang. Das nackte Leben will niemand. Nur den Popanz. Millimeter für Millimeter taste ich mich voran und rutsche wieder ab. Der Untergrund ist glitschig. Nach Jahren kann ich nicht erkennen, wie weit ich voran kam. Meine Augen werden älter und farbloser. Verrückter Diamant. Ich halte fest. Und wenn ich selbst zu Morast werde. Und wenn ich selbst zu Luft werde. Die Sonne zeigt mir auffordernd ihren Arsch. Eine schöne Ablenkung. Sie furzt ins Weltall und ist alleine glücklich. Meine Pupillen ziehen sich zusammen. Ich lasse mich verführen. Ich bin verliebt. Zurück bei Knochen, Fleisch und Haut. Zurück bei der Musik meiner Nervenstränge. Ein ganzes Orchester spielt für mich auf. Tag für Tag. So oder so.
Die Welt ist dunkel. Eine Mördergrube. Es gibt weder Gott noch Götter. Nur die Einsamkeit. Und einen kurzen Kampf. Ein sich Festkrallen. Die Liebe eine wohltuende Injektion – und ich fliege. Ich fliege durch meine Träume. Landen muss gekonnt sein. In den Schulen kriegen wir nichts von alledem beigebracht. Wir reihen uns in die Schlangen im Terminal ein, weil es alle machen, um da oder dorthin zu kommen. Schließlich muss man irgendwohin kommen, sonst würde das Ganze keinen Sinn ergeben. Auch ich stehe in einer Reihe mit den Anderen. Aber ich spüre diese Selbstverständlichkeit schon lange nicht mehr ... Es ist ein Witz. Ich spürte es, glaube ich, noch nie, was Welt und Menschen wirklich umtreibt.

kontor111 - 05. Aug. 14, 16:11

Aber er spürt es doch,

der Herr Prota, er IST doch Wahrnehmung, Gespür, Gefühl...!
Weil die Frage nach dem Sinn (noch) unbeantwortet bleibt, muss das Wahrgenommene nicht Sinnlos sein.
Die uns drängenden Fragen nach dem woher und wohin sind vermutlich aus der perspektive des "mittendrins" so nicht zu beantworten. Vielleicht braucht es Abstand. Vielleicht Zeit. Vielleicht Weisheit...
Vielleicht betrachten wir die einzelnen Puzzle-Steinchen, fügen sie irgendwie zusammen - aber können das große Mosaik nicht erfassen, zu dem es sich zusammenfügt?
Ein guter, tiefgehender Text - gerne gelesen!

bonanzaMARGOT - 05. Aug. 14, 16:38

danke für dein feedback.
mein ausdrucksmöglichkeiten sind begrenzt. ich kratze sprachlich nur an dem, was mich "umtreibt". mal gelingt es mir besser oder verständlicher, und ein andermal nicht.
ich gebe nicht auf ...
was anderes kann ich nicht. ich bin weder ein guter mechaniker noch ein guter akademiker.
ich bin noch nicht mal ein besonders versierter künstler.
ich will und brauche auch gar nichts zu sein. ich spreche aus meiner seele, oder aus dem, was ich für mein inneres bzw. meine seele halte. es ist originär von mir. lediglich die sprache ... muss ich dafür ein wenig missbrauchen.
die sprache hat wände, die ich nicht einbrechen kann. aber ich fummele dran rum.
kontor111 - 06. Aug. 14, 11:02

Wer weiß...

ob ich nicht nächsten Monat wieder im Seniorenheim arbeite ...und mich auch wieder Stündlich nach der Sinnhaftigkeit frage.

bonanzaMARGOT - 06. Aug. 14, 11:10

also, das fragen nach dem sinn hat nur bedingt mit meiner arbeit im altenheim zu tun. allerdings werde ich dort mit besonders fragwürdigen geschichten konfrontiert.
nicht jeder, der im altenheim arbeitet, macht sich solche (blöden) gedanken.

ein literarisches Tagebuch

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