Kunst?


Für mich bedeutet Kunst Experimentieren. Experimentieren mit Gedanken, Eindrücken, Farben, Formen, Worten, Sinn und Unsinn. Kunst ist spielerische Kommunikation wie Musik und Tanz. Kunst ist mehr als Fertigkeit. Kunst kommt aus dem Bauch. Ich öffne meine inneren Türen. Ich lasse mich auf den Wellen einer Stimmung treiben. Ich nehme Pinsel oder Stift. Ich schreibe oder male. Ich weiß noch nichts vom Resultat. Eine Ahnung vielleicht. Ich bin mein eigener Seelen-Chirurg, schnipsele an meinem Herz herum, tauche meine Hände in meinen Geist, in Blut und Scheiße. Ich verändere mich. Ständig verändere ich mich, ohne dass es zu sehen ist. Erst mit der Zeit. Das Skalpell sind scharfe Worte. Meine Worte. Die Schnitte tun weh. Ich trinke.
Ich bin der Arsch meiner Freundin, wenn ich ihn küsse. Ich bin das Bild, das ich male. Henry Miller sagte: „Malen ist lieben“ Ich denke, für das Schreiben gilt das auch. Jedenfalls für mich. Ich schreibe nicht einfach, ich will etwas sagen. Nicht immer weiß ich, was ich sagen will. Ich spüre, was ich will, und was ich nicht will. Ich brauche dazu nur Zeit und offene Türen. Ich brauche eine Seele. Meine Seele. Ich ficke mich selbst, wenn ich schreibe. Ich ficke mich gerade jetzt.
Natürlich ist nicht jeder Fick eine Offenbarung. Aber besser als die verklemmte Rumfurzerei, wie sie oft zu lesen ist. Von wegen, was ist Kunst?
Die Bürokraten regen mich auf. Sie bevölkern nicht nur die Finanzämter. Sie würden am liebsten ein Ministerium für Liebe und Kunst errichten, von wo aus sie bestimmen könnten, was Kunst ist und was nicht, was Liebe ist und was nicht.
Ich halte diese ganzen Diskussionen über Kunst für Kacke! Ja, das wollte ich sagen. Da kommen ein paar Wichser daher und wollen bestimmen, was Literatur ist und was nicht. Vielleicht haben sie den Mist studiert und bilden sich etwas darauf ein. Ich weiß nicht ...
Ich weiß nicht. Ich kann mir nur denken, dass sie Leistungsgesellschafts-Kinder sind, durch und durch, und niemals kapieren werden, dass Kunst unbedingt was mit Anarchie zu tun hat und nicht mit dem Abrufen von Leistungen. Kunst ist auch nicht Sport. Es geht in der Kunst nicht um Sieg oder Niederlage. Wenn es überhaupt um etwas in der Kunst geht, dann ist es „Freiheit“. Das Streben nach Freiheit, das Loslösen von Autoritäten und das Fördern eigenen Denkens (und Fühlens).
Die Kunst braucht eigene scharfe Messer und nicht von der Gesellschaft abgewetzte stumpfe. Die Kunst ist ständige Revolution. Die Kunst ist freies Menschsein – im besten Sinne. Mit der Kunst kam erst der Mensch als Mensch auf die Welt.
Aber die Menschen versklaven die Kunst. Die Kirche machte es im Mittelalter, und heute macht es der Markt mit seinen intellektuellen, studierten Propheten. Sie sind wie die Ärzte, die den Patienten mit ihrem Fachlatein einschüchtern. Umso unverständlicher desto besser. Das ist ihr Trick.
Ob ich weiß, was Kunst ist? Nein, das muss ich gar nicht wissen. Ich mache sie einfach. Sie ist eingestrickt in mein Wesen wie die Liebe.

david ramirer - 14. Feb. 14, 16:06

wunderbar ausgedrückt!
danke.

bonanzaMARGOT - 14. Feb. 14, 16:08

danke auch.
mich würden aber eher die konträren ansichten interessieren.
Yenta - 14. Feb. 14, 16:37

Ich glaube, man muss da unterscheiden zwischen reproduzierenden und kreativ tätigen Künstlern.
So sitzen zum Beispiel im Wiener Kunsthistorischen Museum vor Bruegel- und anderen Gemälden Kopisten, die an einer Kunsthochschule studiert haben, sich sicher selbst als Künstler betrachten und wahrscheinlich auch Künstler sind.
Auch Musiker müssen gewisse Techniken erlernen, um als Künstler akzeptiert zu werden.
Anders verhält es sich mit Kreativen, die ohne Ausbildung und Formalismen zu Werke gehen. Auch so kommen Kunstwerke zustande.
Im Grunde finde ich die Diskussion aber müßig. Ich würde mir kein Bild in die Wohnung hängen, wenn es mich nicht anspricht, da könnte der Künstler noch so berühmt sein. Und wenn mir das Werk eines berühmten Künstlers so gefällt, dass ich es in der Wohnung haben möchte, genügt mir auch ein Kunstdruck. Prinzipiell gilt aber für mich: Schöne Dinge muss man nicht besitzen, man muss sie sehen.

bonanzaMARGOT - 14. Feb. 14, 16:45

besser noch, wenn man für sich selbst schöne dinge herstellt.
viele menschen trauen sich das nicht, weil sie in der schule schlecht dazu beraten werden, weil ihr selbstvertrauen einseitig geschult wird. überhaupt wird in unseren schulen nicht gerade die kreativität gefördert - sondern mehr das reproduzieren. das halte ich für ungut.
selbstverständlich hat jeder seinen geschmack ...
leider ist der oft von anderen bestimmt. oder wie willst du dir sonst die strömungen z.b. hinsichtlich des körperkults erklären?
die menchen machen zu wenig aus sich selbst. sie wissen noch nicht mal, wer sie eigentlich sind ...
aber okay. jedem seins. leben und leben lassen.
Yenta - 15. Feb. 14, 08:42

Es gibt da einen österreichischen Film: Alphabet
http://www.alphabet-film.com/
Die Aussage: 98 Prozent aller Kinder kommen hochbegabt zur Welt.
Nach der Schule sind es nur noch 2 %.
Dass China mit seinen guten PISA-Resultaten die unglücklichsten Kinder hat, und dass heutzutage Kreativität das Wichtigste wäre, das es zu fördern gilt.
Stattdessen wird immer noch gelehrt wie in Zeiten der Industriellen Revolution.
bonanzaMARGOT - 15. Feb. 14, 10:03

danke für den tipp. ich kann den aussagen des filmemachers erwin wagenhofer nur zustimmen.

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