Wien


Beim Ortsschild von Wien trank ich ein Bier in "Marions Grillstube". Ich beobachtete, wie binnen einer halben Stunde das Ortsschild viermal fotografiert wurde.
Am Donaukanal ging`s weiter in die Stadt. Es war am späten Vormittag schon brutheiß. Irgendwo wollte ich "Testsiegerin" treffen, und irgendwo mein Zelt aufstellen. Der Stadtplan auf meiner Radwanderkarte gab nicht viel her. Wenn ich in eine fremde Großstadt hineinfahre, fühle ich mich wie blind. Ich sehe eine Menge - aber nichts, was mir eine echte Orientierungshilfe ist. Auf den Wegweisern stehen Namen, die einem noch nichts sagen. Ich wusste nach meiner Karte lediglich, dass es einen Campingplatz am anderen Ende der Stadt geben musste. Schließlich erreichte ich den Praterstern und bog in die Hauptallee ein, wo ich den brausenden Stadtverkehr hinter mir lassen konnte. Die Hauptallee verläuft mehrere Kilometer geradeaus und dient als Rennstrecke für Freizeitsportler aber auch zum Spazierengehen und Relaxen im Schatten der Alleebäume. An einem Kiosk machte ich halt. Gegenüber war ein Vergnügungspark. Hier war es gut für eine Rast, und die Stelle war markant genug für den Treffpunkt mit "Testsiegerin". Die Frau im Kiosk war genervt von der Hitze und meinte, dass sie den Winter lieber habe, weil da könne man sich gegen die Kälte einfach warm anziehen, aber im Sommer gäbe es kein Entkommen vor der Hitze. Ich setzte mich mit einer Dose Bier in den Schatten und wartete. Zum Pinkeln musste ich in den Vergnügungspark hinein laufen. "Testsiegerin" steckte noch im Mittagsstau, und so blieb es nicht bei der einen Dose. Sie erklärte mir, dass der Vergnügungspark der "Prater" sei, - ich erinnerte mich, davon schon mal gehört zu haben. Wir spazierten zum "Schweizerhaus" und setzten uns in den großen Biergarten. Ich musste Testsiegerin bitten, Hochdeutsch zu reden, da ich sonst nur die Hälfte verstand.
"Du siehst freundlicher aus, als man erwartet", sagte sie.
"Möglich. Du siehst auch nett aus", meinte ich, oder etwas ähnliches. Wir sprachen über Dies und Das: die Schreiberei, unsere alte Forenfeindschaft, Wien und das Wesen der Österreicher. Ich fand, dass einige der Österreicher, die mir auf der Reise begegneten, auffällig grantig waren, außerdem latent deutschenfeindlich. In diesem Zusammenhang wurde abfällig von "dem Nachbarn" geredet, und die WM-Niederlage der deutschen Fußballmannschaft gegen Spanien wie ein Sieg der eigenen Mannschaft bejubelt. Ich fühlte mich oft unwohl in meiner deutschen Haut. (Dass dies nicht nur Einbildung war, bezeugten mir auf der Rückreise noch andere deutsche Urlauber.) "Testsiegerin" entgegnete, dass sie viele deutschenfreundliche Bekannte habe und bei besten Willen keine Deutschenfeindlichkeit unter ihren Landsleuten ausmachen könne.
"Vielleicht bin ich auch übersensibel. Ich werde das mal im Blog thematisieren ..."
Die Mittagsstunden waren durch die anregende Unterhaltung schnell verflogen. "Testsiegerin" musste aufbrechen, und ich musste noch einen Campingplatz finden. Von Bier und Hitze ermattet stieg ich wieder auf mein Fahrrad. Nach einiger Durchfragerei schlug ich an der "Neuen Donau" endlich mein Zelt auf. Wien hatte mich begrüßt ...






das begehrte Ortsschild






eine Abkühlung am Donaukanal






der Kiosk am Prater






die Hauptallee

creature - 18. Jul. 10, 12:09

herzlich willkommen in wien, bester..;)
hoffentlich hat dich der regen nicht weggespült?

bonanzaMARGOT - 18. Jul. 10, 12:14

nein nein, creature, ich bin bereits wieder zuhause und rekapituliere meine reiseerlebnisse. ich war vom 9.-13.07 in Wien.
creature - 18. Jul. 10, 12:17

na sieh, da haben wir getauscht, ich war zu dieser zeit in münchen.
bonanzaMARGOT - 18. Jul. 10, 12:25

für einen echten tausch hättest du hier in heidelberg oder mannheim sein müssen.
testsiegerin - 18. Jul. 10, 21:36

Ein alter Indianer sass mit seinem Enkelsohn am Lagerfeuer. Es war schon dunkel geworden und das Feuer knackte, während die Flammen in den Himmel züngelten.

Der Alte sagte nach einer Weile des Schweigens: "Weisst du, wie ich mich manchmal fühle? Es ist, als ob da zwei Wölfe in meinem Herzen miteinander kämpfen würden. Einer der beiden ist rachsüchtig, aggressiv und grausam. Der andere hingegen ist liebevoll, sanft und mitfühlend."

Der Junge fragte: "Welcher der beiden wird den Kampf um dein Herz gewinnen?".
"Der Wolf, den ich füttere", antwortete der Alte.

(Quelle unbekannt)

bonanzaMARGOT - 18. Jul. 10, 22:14

hm, worauf beziehst du das?

ja, so ist es. ich kenne diese weisheit.
man füttert nicht immer die sanfte seite.
oft kämpfen auch die zwei wölfe im herzen um das futter.

ich mag den sanften nicht zu sehr, und den wilden muss ich zähmen.
ich muss sie beide füttern. vielleicht ist dann der wilde weniger rachdurstig und wird träge; und der sanfte darf mich nicht zu sehr langweilen.

mein herz folgt irgendwie dem kategorischen imperativ.
in wahrheit steckt dahinter eine ganze herde wölfe.
und wahrscheinlich dazu eine herde schafe.
testsiegerin - 18. Jul. 10, 22:43

ich beziehe mich darauf, dass du die österreicher als deutschenfeindlich bezeichnest. ich glaub schon, dass es ein paar davon gibt, aber ich würde sagen, es gibt überall idioten. wir haben ja viele deutsche freunde, das hab ich dir erzählt, und noch keiner von denen hat das je beobachtet. eine freundin, die jetzt eine woche hier war, war auch viel allein in wien unterwegs, und sie hat erzählt, ihr wurde mit total viel freundlichkeit begegnet.

und das mit dem fußball ist eine andere geschichte. da geht es um ein spiel und nicht hass. aber sogar die deutschen fußballer mögen wir mittlerweile (halt mit ausnahme von ballack), weil sie während der wm sympathisch waren und gut und fair gespielt haben. die holländer mag ich persönlich nach dem endspiel aber nicht mehr.

dass viele österreicher fremdenfeindlich sind, das stimmt leider bestimmt. aber das betrifft vorwiegend dunkelhäutige, dunkelhaarige menschen, nicht blonde deutsche. und wenn wir piefke oder marmeladinger nennen, dann ist das beinahe zärtlich.

und mit meinem vergleich meinte ich, dass man eben das wahrnimmt, was man sehen will. das sieht man dann auch.
bonanzaMARGOT - 19. Jul. 10, 11:22

ich habe eigentlich eine ganz gute antenne für stimmungen, testsiegerin, ganz ohne dass ich einen bestimmten affen oder wolf in mir füttere.
ich fuhr total ohne vorbehalte österreichern entgegen los.
die deutschenfeindlichkeit der österreicher ist nicht überall und auch nur selten offen wahrzunehmen, aber ich bin doch nicht blöd - es gab viele situationen in kneipen und cafés, wo ich mich unbehaglich fühlte, weil am nebentisch abfällige bemerkungen über "den nachbarn" gemacht wurden.
oberflächlich wäre es kaum aufgefallen, aber da ich allein unterwegs war, hatte ich ziemlich offene ohren.
jetzt aus der zeitlichen distanz verwässert das gefühl langsam.
bestimmt sind auch nicht alle österreicher deutschenfeindlich.
beim fussball tritt schon mehr zutage, was hass, vorurteile und antipathien angeht, als du annimmst. sei bitte nicht blauäugig. es geht ja nicht darum, ob man für die ein oder andere mannschaft ist; wenn man, wie nicht wenige österreicher die niederlage der deutschen mannschaft feiert, dann zeugt dies meiner meinung nach wenigstens von wenig sportsgeist - ich vermute dahinter aber eben diese latente abneigung gegen den nachbarn deutschland.
creature - 19. Jul. 10, 12:05

wenn hier austria gegen rapid spielt läßt sich ein gemetzel nur mit großem polizeiaufgebot verhindern, da schlägt sich österreicher mit österreichern, soviel zum fussball.
bonanzaMARGOT - 19. Jul. 10, 12:22

viele menschen benutzen den fußball, um ihre aggressionen, ihren rassismus, ihre vorurteile und abneigungen auszutoben. zwischen den fans der vereine entstehen da ähnliche feindschaften wie zwischen verfeindeten ländern. da man eben fan vom einen verein ist, ist automatisch der fan vom gegnerischen verein ein feind ...
das ist hoch simpel. und auf nationaler ebene funktioniert`s ähnlich.
virago - 27. Jul. 10, 16:04

Oh, na hallo, du warst ja in Wien ... schade, ist noch gar nicht so lange her, da hätten wir uns dann wohl getroffen. Na, egal.

Die Deutschenfeindlichkeit vieler Österreicher/innen kann ich durchaus bestätigen. Manche weiten das sogar auf eigene Landsleute aus, die - wie ich - viele deutsche Freunde haben und daher unwillkürlich manche '"typisch deutsche" Ausdrücke in ihre Umgangssprache übernehmen.

Warum ich mich hier melde: Ich musste das Gästeforum der Literarchie schließen, die Aggressionen und ständigen persönlichen Beleidigungen eines ehemaligen Forenmitglieds wurden mit der Zeit einfach unerträglich. Natürlich meine ich damit nicht dich. Mit deiner Art komme ich schon klar, auch wenn's manchmal schwer fällt.

Auch die Möglichkeit zu Gastkommentaren im Wettbewerbsforum habe ich deaktiviert. Solltest du dich weiter dort beteiligen wollen, würde ich dich bitten, dich im Forum zu registrieren. Du kannst deinen Account ja nach Ende des Wettbewerbs wieder löschen.

(Sorry, dass ich hier offtopic poste - war halt der einfachste Weg, dich zu erreichen.)

bonanzaMARGOT - 27. Jul. 10, 17:39

Du wirst lachen, das dachte ich auch, als ich allein durch Wien tigerte, und ärgerte mich, als ich deine Telefonnummer und Adresse nicht fand.
Wie du in deinem Forum mit dem Gastforum und den anonymen Wortmeldungen umgehst, obliegt dir. Ich kann verstehen, dass du die teilweise anmaßenden und frechen Bemerkungen irgendwann mal satt bist - zumal wenn dubioser Herkunft. Das Gästeforum verführt den ein oder anderen dazu.

Über eine Registrierung denke ich nach.
virago - 27. Jul. 10, 18:23

Hm, was Telefonnummer/Adresse betrifft - ist wohl besser so. Wenn du wirklich wollen hättest, hättst du mich schon gefunden, aber ich weiß nicht wie ich reagiert hätte. Vermutlich wäre ich mir wie ein spontanter Pausenfüller vorgekommen und sowas mag ich nicht.

Was das Gästeforum betrifft: Mir tut es leid, dass diese Kommunikationsmöglichkeit jetzt weg ist, aber es ging einfach nicht mehr. Wägt man die Vor- und Nachteile ab, dann sind mir meine Nerven dafür einfach zu schade.

Ach, übrigens fand ich es nett, dass du in den letzten zwei Wochen Gästen gegenüber mehrmals für mich eingetreten bist bzw. Dinge erklärt hast. Danke.
bonanzaMARGOT - 27. Jul. 10, 20:50

Über ein Internetcafe vielleicht ...
Nun, ich habe fürs erste genug Wien gehabt. Meine nächsten Urlaube gehen in andere Richtungen.

Du kennst also auch die latente Deutschenfeindlichkeit der Österreicher. Dann bin ich wenigstens in dieser Hinsicht nicht paranoid. Testsiegerin hat da eine ganz andere Wahrnehmung. Schon komisch.
virago - 27. Jul. 10, 21:40

Das empfindet wohl jede/r unterschiedlich.
Ich spreche selbst keinen Dialekt, dadurch war ich schon in der Kindheit (in meiner Geburtsstadt Graz) dieser latenten Deutschenfeindlichkeit selbst ausgesetzt. Kein Dialekt = entweder Wienerin oder Deutsche, so eine wollen wir hier nicht.
bonanzaMARGOT - 27. Jul. 10, 22:01

Ich spreche auch sehr wenig hiesigen Dialekt. Die Leute gucken dann etwas irritiert, wenn ich ihnen sage, dass ich hier geboren wurde und aufwuchs. Vielleicht halten mich einige für arrogant wegen meiner Aussprache - dabei fehlt mir wahrscheinlich nur das "Assimilierungsgen".
Wenn man total assimiliert ist, erkennt man Vorurteile Fremden gegenüber nicht mehr so drastisch.
virago - 27. Jul. 10, 22:09

Soweit ich mich erinnere sprichst du reines Hochdeutsch. Das scheint in Südwestdeutschland in der Tat beinahe so ungewöhnlich zu sein wie in Österreich. Hmm.
bonanzaMARGOT - 27. Jul. 10, 22:25

Du hast aber schon einen Akzent.
Testsiegerin verstand ich nur, wenn sie sich bemühte.
Ich habe überhaupt nichts gegen Dialekte, doch sie scheinen nicht selten etwas beschränktes Denken zu repräsentieren, wenigstens auf die Region und die Lebensart bezogen.
Mir ist schon bewusst, dass Dialekte immer ein lebendiger Teil der Sprachkultur sein werden. Da greifen womöglich Identifikationsmuster ... Hmmm
virago - 28. Jul. 10, 01:16

Klar hab ich einen "Akzent", ich bin ja Österreicherin. Bei dir hört man ja auch, dass du Deutscher bist, genauer noch: Ich könnte dich deiner Aussprache nach inzwischen regional wenigstens grob verorten. Auf "irgendwo eher südlich am Rhein"... oder so.
bonanzaMARGOT - 28. Jul. 10, 10:00

jedenfalls

war es in österreich ein komisches gefühl, sich durch die aussprache als deutscher zu outen ...

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